Einzelbild herunterladen
 

Nr. 484.

Freitag, 16. Oktober 1814.

Mirsdadknrk Tagblali»

Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.

Seite 8«

( 5 angesehenen Antwerpener Bürgern, der sich während

Beschießung nach dem Rathause begeben hatte und von st" Deutschen dann als Geiseln zurückbehalten war, wieder ^Freiheit gesetzt ist.

Dentsche Zeit in Antwerpen.

. W-T.-B. Berlin, 16. Ott. Die Uhren Antwerpens

Wurden bereits am Mittwoch auf deutsche mitteleuropäische M gestellt.

General v. Beseler Ehrenbürger von Greifswald.

W. t.-B. Berlin, 16. Olt. In der gestrigen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten von Greifswald wurde einstimmig beschlossen, dem Eroberer von Antwerpen, General Beseler, einem geborenen Greifswalder, das ^drenbürgerrecht zu verleihen.

Französische Täuschung zum Fall Antwerpen.

IV. T.-B. Paris, 15. Oft. (Nichtamtlich) DerTemps stellt den Fall von Antwerpen nach einer Mitteilung des eng- Gch-n Kriegsministeriums als eine R ä u m u n g der Festung durch Belgier dar. Der Fall Antwerpens lasse eine Lucke ^aistehen, aber die dadurch bedingte Verstärkung des Feindes suerdr durch die belgische Feldarmee ausgeglichen, die ihrerseits nun zur Kampffront gehe.

Der Größenwahn der belgischen Regierung.

Br. Genf, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die fische Negierung erließ in Le Havre eine Proklamation. ® te dreist darin Frankreichs Gastfreundschaft, rühmt den ge- «rdnctrn Rückzug der Armee nach Ostende und bekräftigt den ^tschluß, Wider st and bis zum Untergang zu Olsten, aber sie hofft auf den endlichen Sieg und eine E r - Eiterung der Landesgrenzen, gesteigerten ^»chteinfluß und W e l t fl e l l u n g. Der Bund mit den Ententemächten sei un I ö 8 l i ch.

Der Vormarsch zur belgischen Rüste.

, W. T.-B. Berlin, 16. Okt. Die über die Verfolgung der ?8ischen Heerestrünimer vorliegenden Privatnachrichten er. ^uzen, wie der »Berliner Lokalanzeiger" hervorhebt, die Etlichen Meldungen in einer für die deutschen Waffen heraus erfreulichen Weise Brügge ist am Mittwoch von unseren Truppen besetzt worden Dpern, in dem sich lUnnzösische und englische Abteilungen befinden sollen, ist einem Amsterdamer Bericht umzingelt. Vor

sollen nach einer Meldung derDeutschen Tages- L"ung" heftige Gefechte stattfinden. In demBerliner Tageblatt" heißt es: Aus die Schnelligkeit müssen wir einen Mwisse Wert legen. Wenn wir erst den Rücken ganz f r e« ?°ben, dann kommen wir der Abrechnung mit Eng- H"d wesentlich näher und wirken unmittelbar auf Zusammenbruch des skrupellosesten Feindes, wir haben.

Weitere deutsche Eisenbahnbeamte für Belgien.

Am Mittwoch sind wieder 160 Eisenbahnbeamte und 420 ?us dem Königreich Bayern nach Belgien abgegangen, um °°ut den Eisenbahndienst zu versehen.

Die belgische Rrmee eingeschifft.

W. T.-B. Amsterdam, 16. Okt. (Nichtamtlich.) Der ,-ltotterd. Courant" meldet aus Aardenburg: Nach Bc-

Men von Flüchtigen aus Ostende wurde die belgische s Uwee eingeschifft. Privatpersonen wurde die Übcr- '«hrt verweigert.

Entlassung der belgischen Zivil-Garde.

W. T.-B. Amsterdam, 16. Oft. DasHandelsblaad" ^Ibet: Gestern wurde tn Sifleele die Garde Civigue von

General de K l o o t mit folgenden Worten entlassen. Ar habt Euere Pflicht getan und dürft außerhalb Belgiens 7wt kämpfen. Kauft Euch Zivilkleidung und geht nach V a u s e." Viele von der Garde Civigue hatten keinen Schuß da sie nicht ausgebiloet worden sind. Sie kehren jetzt ?Us ihre Dörfer zurück. Starke deutsche Truppenabtetz ^ngen suchen Nordbelgien ab; sie finden nirgends

^'derstand.

Die Rückkehr der belgischen Flüchtlinge.

IV. T.-B. Amsterdam, 16. Okt. (Nichtamtlich) Der >st>tterd. Courant" meldet aus San van Gent: Ein Teil der Züchtlinge in den belgischen Grenzdörfern ist z u r ü ck g e -

h r t, da sie sehen, daß sich die Deutschen korrekt ver- ,*5!}- Die Deutschen ermahnen überall die Einwohner, nicht ^flüchten. Die Truppen nahmen Nahrungsmittel, zerstörten nichts. Sie ließen sogar die Bilder des belgischen Königs- dru^. ihren Plötzen. Wo die Bewohner zurückblieben, alles bezahlt, kleine Beträge in bar, große mit Gut-

Gent völlig unbeschädigt.

Kunstwerke nach England verschleppt, i-.w.T-B. Brüssel, 15. Okt. (Nichtamtlich.) Die vor- Besichtigung der Bandenkmäler von Gent durch Geh. Falke hat ergeben, daß die Stadt keinerlei Be- J a «8u«3rn erlitten hat. Nicht eine F e.n st e r s ch e i b e ^-.^nbrochen worden. Aus der Kathedrale St. Bavo ist der jo*? 1 der Brüder van Eyck nebst zwei Altarbildern von rnti ^ und Gerard van der Meire bereits am 3. Oktober . 'ttnt und nach London verbracht worden.

e erfolgreiche Tätigkeit der deutschen Flieger.

T.-B. Gailly, 16. Oft. (Nichtamtlich.) Ein deutscher warf am Montag eine Bombe über St. Omer b "ldsrankreich), durch die zwei Personen getötet und sechs zuletzt wurden. Fünf französische Flugmaschinen verfolgten

Flieger.

Oie Zeppelinfurcht in London.

W. T.-B. London, 16. Okt. (Nichtamtlich.) Der Kommandant der Verteidigungswerke an der Themse Midway, hat eine Bekanntmachung anschlagen lassen, worin die Bevölkerung vor feindlichen Luftschiffen und Flugzeugen gewarnt wird. Man müsse, s o b a l d man Schüsse höre, Deckung suchen, möglichst im Keller oder in Bodenvertiefungen.

winston Churchill als Sündenbock.

W. T.-B. London, 15. Okt. (Nichtamtlich.) Die Morningpost", die bereits früher die Regierung vor der Gefahr des dilettantischen Eingreifens von Zivilpersonen in militärische und maritime Operationen gewarnt hat, kritisiert in ihrer Nummer vom 13. Ok­tober den Versuch, Antwerpen durch eine kIerne Streitmacht von Seesoldaten und Marinefrm- willigen zu entsetzen. Für diesen kostspieligen Fehler sei W i n st o n Churchill verantwortlich. Das Blatt tadelt die Entsendung englischer Hilsstruppen in dem Augenblick, in dem es für die belgische Armee der rrch- tige Kurs gewesen wäre, sich auf eine sichere Stellung zurückzuziehen. Als die Engländer mit wenigem schwerem Geschütz in die Stadt geworfen wurden, sagt das Blatt, war bereits eine Bresche in den äußeren Sektor der Befestigungen gelegt. Me Stadt . lag wehrlos den schweren Haubitzen ausgeliefert und die rückwärtigen Verbindungen waren ernstlich ge­fährdet. Die belgische Armee hätte Antwerpen wenige Tage vorher in Sicherheit verlassen können, als der Rückzug noch kein so verzweifeltes Glücksspiel war. Den Bürgern .Antwerpens konnte die Beschießung erspart iverden. Die Anwesenheit der britischen 1 Truppen verzögerte und erschwerte den bereits zu lange hinausgeschobenen Rückzug. Wir haben Grund zu der Besorgnis, daß die britischen Verluste betracht lich größer sind, als der Staatssekretär zuzugeben be reit ist. Aber selbst der zugestandene Verlust ist ernst genug, wenn man berücksichtigt, daß der Gegner keinen dementsprechenden Verlust gehabt hat, und daß der Verlust der Anwendung eines gänzlich falschen Operationsplanes entsprungen ist. Es ist mcht angängig, 'daß Churchill seine Stellung dam benutzt, seine taktischen und strategischen Launen Fachmännern anfzudrängen, die durch die natürliche Schwierigkeit der Lage hinreichend bedrängt sind. Wir erfahren, daß Churchill im letzten Monat einmal im britischen Haupt­quartier in Frankreich, einmal in Dünkirchen und mn- mal in Antwerpen gewesen ist. Diese Zersplrtte- r u n g der Tätigkeit auf Gebieten, die ihn n i_ra t eigentlich anaehen. können nicht dre regelmäßige Tätigkeit und Leistungsfähigkeit seines Ministeriums fördern. Sein Platz ist Tag und Nacht m her Admiralität. Wir schlagen vor, daß CburcMUs Kollegen dem ersten Lord ganz bestimmt und endgültig erklären, daß die militärischen und maritimen Opera tionen unter keinen Umständen von Hm geleitet wer den dürfen.

Portugal im Schlevptau Englands.

W1 T-B. London, 56. Okt. (Nichtamtlich.) Das Reuterbureau erfährt: Die Empfindungen voll

ständiger Sympathien des portugiesischen Volkes für Großbritannien steigern sich seit Kriegsbeginn ständig. Portugal muß auf alle Möglichkeiten gefaßt und bereit sein, Großbritannien überall und jeden Augenblick zu unterstützen, wo es nötig sein wird. Die Meldung, daß Por­tugal Deutschland den Krieg erklärt habe, ist unrichtig.

Verdrießlichkeiten für England.

England in Kngst.

$ , Kopenhagen» 16. Oft. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) de» "Militärische Mitarbeiter derTimes" schreibt: Jetzt, da !fi« seinen Höhepunkt erreicht, müssen wir gewärtig W- ba5 ! alle Truppen Deutschlands in den Kampf ge- werden, und daß die d e u ts ch e Fl o tt e nicht länger bleiben wirb. Wir müssen gefaßt sein, daß wir i n W \ x . c r Heimat angegriffen werden können. Die See- * «ibigung bietet große Schwierigkeiten. Die Gefahr von iz.s.wrseebooten hält oft eine große Flotte von ihren tzH'wnrungsorten fern. Weiter sagt der Artikel: Es gibt ge- gfApcutf^e Häfen, wo eine Biertelmillion Mann schnell ein- V, T?fft werden können, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß s,,putschen diese Anzahl entbehren können. Daö Schick- » ? u t w e r p e n s zeigt, daß die Deutschen sich an einem

Vtt s w e r p e n s z 'äufeucn suchen,

%JL e ".England

, f von dem aus sie einen Schlag Li."" England führen konnten. Das Ist freilich nicht »»Un tGßic , sondern Abenteuer ein Glücksspiel mit Hoff- s»ck? 0l,f Gewinn, aber das Abenteuer kann vielleicht ver- werden.

Die Erhebung des Burenoberften Maritz gegen die deutschfeindliche Regierung Südafrikas hat die Verhängung des Belagerungszustandes in ganz Süd afrika zur Folge gehabt. Man braucht die augenblick­liche Tragweite dieses Burenausstandes nicht zu über- tchätzen und wird doch sagen dürfen, daß er als ein Vorgang von symptomatischer Bedeutung be­achtet werden muß. Dabei kann gegenwärtig d a h : n g e st e l l t bleiben, ob es sich in der Tat n u r um einen Vorgang vonörtlichem" Belange handelt; die eng fische Nachricht beharrptet dies zwar, aber die Verhau gung des Belagerungszustandes über ganz Südafrika gestattet den Schluß, daß jene harmlose Deutung aus Schönfärberei beruht. Jedenfalls wird man der wei­teren Entwickelung der südafrikanischen Dinge mit um so größerer Spannung entgegensehen dürfen, als dre Gelegenheit, den Versuch zur Wied er her- stellung eines unabhängigen Buren­staates zu machen, jetzt zweifellos vorhanden ist.

Besteht also in Südafrika ebenso wie tn Ägypten eine Gärung gegenWer dem englischen Regiment, so scheint die Erregung der Gemüter in Indien erheb­lich zugenommen zu haben. Es wäre auch nur natür­lich, wenn die Beschießung von Madras durch den KreuzerEmden" den nationalistischen Parteien einen neuen kräftigen Anstoß verliehen hätte..Reuters' Bureau" verschweigt zwar Attentate Eingeborener gegen indische Beamte und die Unterdrückung der ein­flußreichsten Zeitung im kriegerischen Sikhlande;edoch solche Schweigsamkeit spricht durchaus nicht dafür, daß lne türkischen Blätter, die von jenen Attentaten usw. Kunde neben, damit etwas Wahrheitswidriges verbrei­ten. Auch ein Einsall, ten' der Sohn des Emirs von Afghanistan in Indien unternommen haben soll, er- ^ scheint nicht ohne weiteres al§ unglaubwürdig: ist es doch sshr wohl denkbar, daß Afghanistan die schwere VerwickelungGroßbritanniens in den euroPaischenKrieg, die zur Entsendung indischer Truppen nach Frankreich geführt hat, zu seinem Vorteile ausnützt.

Ob auch japanische Begehrlichkeit England Verdrirß bereitet, ist eine gleichfalls aufzluwerfende Frage. Unter Berufung ans amtliches Material wird namuch. von einem holländischen Blatte gemeldet, daß ^c>Pan mit der Besetzung der Mars challi n sein gegenüber Eng­land vertragbrüchig geworden sei. <jst letzteres wirklich der Füll, dann können Ausenwndersetzungen zwischen den beiden Bundesgenossen schwerlich aus-

bleiben. Dafür werden schon die Australier sorgen, deren Truppen bei der Besetzung deutschen Südsee» gMetes durch England in erster Linie beteilige waren. Bekanntlich haben die Australier lebhaften Wider- spruch gegen Churchills Absicht erhoben, tm Kriegsfall selbst nach dem Ausbau der australtschen Flotte dre Der- teidigung Australiens zur See Japan M uberlassen. Gehörte etiva Japans Festsetzung . auf den MarschaH- mseln zur Verwirklichung jener Absicht Churchills, dann dürfte sich die Entrüstung der Australier, der chr Landesverteidigungsminister Millen unzweideutig Ausdruck gegeben hat, erneuern.

. Die Lage der Missionare in Südafrika.

W. T.-B. Berlin, 16. Okt. Aus Südafrika hat dre Berliner Mission beruhigende Nachrichten erhalten.

Die Missionare werden bisher von der Bevölkerung und der Regierung freundlich behandelt. Die Missions­arbeit konnte ungestört fortgesetzt werdm.

Unbotmäßigkeit der indischen Truppen in Hongkong.

W. T.-B. Berlin, 16. Okt. (Nichtamtlich.) Die Nordd. Allg. Ztg." teilt mit: Nach Missionsberichten aus Kanton haben sich die indischen Truppen in H o n g- k o n g geweigert, zu kämpfen.

per zweite Abschnitt des Feldzugs gegen Rußland.

W. T.-B. Budapest, 16. Okt. (Nichtamtlich.) Der Pester Lloyd" veröffentlicht einen Artikel von mili- tärischer Seite über den zweiten Abschnitt des Feld­zuges in Rußland, in dem es heißt: Unsere Armeen stehen nun an der S t r o m b a r r i e r e des San und der Weichsel, schließen sich, hier auf und bereiten sich zum Übergang in breiter Front vor. Im Süden ist es der vor Przemysl liegende mächtige Brückenkopf, der die Entfaltung starker Kräfte gegen das Vorgelände Lembergs erleichtert. Das Var- gehen aus den Karpathen rückt auf die südliche Flanke der russischen Aufstellungen westlich Lem­bergs. Wir dürfen erwarten, daß die Bewegungen un­seres .Heeres nicht ins Stocken kommen. Die günsttge Rückwirkung auf die Lage in Polen, stellt sich dann unverweilt ein. Nun hat die Süd gruppe der Ver­bündeten Heere das Fortschreiten der N o r d g r u p V e n ui erleichtern, denn die dort verteidigenden Strert- Fräftc haben recht schwierige Ausgaben und er­bitterte Kämpfe an der mittleren Weichsel. Es fiindigt sich der Beginn einer großenSch lacht an. Die Vertreibung der Russen ans Ungarn.

W. T.-B. Wien, 16. Oft. Aus dem Krtopispressequartier wird vom 15. Oktober amtlich .gemeldet: Die Vertreibunn der Stuften aus dem Marmaros-Komitat erfolgte nach einer Reihe siegreicher Einzelgef,echte. An diesen Akttonen hatten auch Mitglieder dar p o l n i s ch e n und ukrainischen Legionen hervorragenden Anteil. Ihre Angehörigen haben sich durch mittiges Verhalten ausgezeichnet.

Fortschritte in Galizien.

w. T.-B. Wien, 16. Oft. (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart: Gestern eroberten unsere Trrippcn die besesttqten Höhen von Star aso 1. Auch gegen Stary - Sam bor gewannen unsere Angriffe Raum. Nördlich des Strwiaz haben wir eine Reihe von Höhen bis zu der Südostfront von P r z e m ti § I im Besitz. Am Sanflusse abwärts der Festung wird ebenfalls gekämpft. Unsere Verfolgung des Feindes über die Karpathen hat WySzkow und Skole erreicht.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. H ö f e r, Generalmajor.

Warschau in Erwartung der Deutschen.

Ein L st e r r e i ch e r, dem es gelungen ist, Warschau zu verlassen, sendet derNova Resorma" eine SchiM- rung der dortigen Zustände. Die Grundstrmmung der Stadt ist die Erwartung des Einzugs der Deutschen und 'Österreicher. Die russischen Behörden wittern in jedem Menschen einen Spion. Unter der polnischen und jüdischen Bevölkerung, die sich unter verschärfter polizeilicher Aussicht befindet, werden un- ausgesetzt Verhaftungen und verschiedentlich Hinrichtun­gen' vorgenoinmen. Man ging in der Spionen- furcht so weit,' daß durch Maueranschläge verboten wurde, in öffentlichen' Lokalen Unterhaltungen im Flüstertöne zu führen. Die Haustüren werden um neun Uhr abends geschlossen. Die Straßen sind um diese Zeit schon menschenleer. Dagegen nimmt das Ban- ditentum beträchtlich zu. Von Zeit zu Zeit ersck>elnen deutsche Flugzeuge, die Aufrufe an die Be- völkerung ausstreuen. Der Bevölkerung ist verboten die deutschen Aufrufe aufzubewahren. Sie sind sofort an den nächsten Schutzmann auszuhändigen. Em d e u t s ch e r F l i e g e r warf etliche Male Bomben auf die Stadt. Ein Treffer fiel auf den Bahnhof und tötete einen Offizier. Auch Zeppeline haben der Stadt mehrere Male einen nächtlichen Besuch abge- stattet. Die Versuche, sie herunterzuschießen, mißlan­gen. Man bereitet sich auf eine Belagerung der Stadt vor Die Befestigungsarbeiten schreiten fieberhaft vor- wärts. Me Zeitungen dürfen von alledem nichts brrn- gen. Zuwiderhandelnde setzen sich den härtesten Polizei- und Geldstrafen aus. An einen russischen Sieg glaubt niemand mehr. Die Kunde von d^ schweren russischen Niederlage in Ostpreußen schon längst nach Warschau durchgesickert. Man berechnet N)ier die russischen Verluste auf eine halbe Million Mann. (Das trifft offenbar gleich den deutschen eigenen früheren Schätzungen, das Richtige. Schriftl) Die Gefahr des Ausbruches einer Epidemie im Heere und in der Bevölkerung bleibt nach wie vor bestehen. Der Sanitätsdienst, schon m Friedenszeiten mangelhast, erweist sich setzt als völlig unbrauchbar. Eiserne Rrone 1. Rlasse für den Verteidiger

przempsls.

W T-B. Wien, 15. Oft. (Nichtamtlich.) Das Armee- Verordnungsblatt teilt mit: Kaiser Franz Joseph verlieh den Orden der Eisernen Krone erster Klasse mit Kriegsdekoratton taxfrei dem Feldmarschalleutnant Kusmanek, dem Festunaskommandanten von Przemysl, in Anerkennung der heldenmütigen Verteidigung der Festung gegen die mit großer Übermacht und Heftigkeit geführ- , ten feindlichen Angriffe.