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Verlag Langgasse 21

Tagdlalt-HauS".

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dmÄ^'^nnabme: Für dieAbend-Ausg.,

hi? Morgen-Ausg. bis R Uhr nachmittag

Keilago 16. Gktsbsr 1914.

12 Ausgaben.

Fernruf:

r,g»latt.HauS" Nr. KS50-32.

Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abendi. anher Tonntags.

BE 8 a£gZffiBBaaia 6 t 8 fc

Berliner Schriftleitiuig des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Giintzelstr. 66, F-ri-spr.: AmtUhland 4n0 «. 4-,1. Tagen

Für die Aufnahme von Anzeigen an voryeschiiebencn ^ und Plätzen wird leine Gewahr übernommen.

Kbend - Ausgabe.

Nr. 484. » 62. Jahrgang.

Der neuests TagS§dericht.

Russische und französische Angriffe Zurück­schlagen. Brügge und Ostende besetzt.

Großes Hauptquartier, 16. Okt., ^ttags, (Amtlich.) Die Russen versuchten am 14. Ok- ^ Et sich wieder in den Besitz dem Ltzck zu setzen. Dse a?? EE ile wurden zurückgewiesen. 800 Gefangene, ein k^ütz und drei Maschinengewehre fielen in unsere

VHttj> e ,

15 50 r « 3 s c wurde am 14. Oktober, O st ende am ' Oktober von unseren Truppen besetzt.

^ Heftige Angriffe der Franzosen in der Gegend nord- Etzlich von e i m s sind abgcwicsen worden.

^ic Franzosen melden in ihren amtlichen Bekannt­em

jungen, daß sie an verschiedenen Stellen der Front, bei B e r r h - a u - B a c, nordwestlich von Reims, ^eklichx Fortschritte gemacht hätten. Diese Mcldun- " entsprechen in keiner Weise den Tatsachen.

O b e r st e Heeresleitung.

^Ur Vorgeschichte öe§ Krieges

Neue amtlichn Kütsnstücke.

lg ^ T.-B. Berlin, 15. Okt. (Nichtamtlich.) DieNordd. ,J' 2tg." veröffentlicht (wie schon kurz in der Morgen-Aus- k E berichtet) amtliche Aktenstücke zur Vorgeschichte des i[ ti c ® und leitet diese Veröffentlichung folgendermaßen ein: j^ E bchts der bei unseren Gegnern hervortretenden Be- ^..nngen, der deutschenMilitärpartci" und dem deutschen 'Trismus die Schuld an dem gegenwärtigen Kriege zu-

zt^ben, veröffentlichen wir nachstehend eine Reihe von ,.?Nten von deutschen diplomatischen Vertretern im Ans- welche die politischen und militärpolitischen Beziehungen ^ntentemäche vor dem Kriegsausbruch zum Gegenstand fc En - Von der Bezeichnung der berichtenden Stellen und genauen Datums ist aus naheliegenden Gründen abge- n worden, die Schriftstücke sprechen für sich selbst.

Englands Zusagen an Srankreich.

k^ er erste Bericht stammt aus dem M ä r z 1 0 1 3. Es ij,®. darin: Immer enger werden die Maschen des Netzes, dx.?w es der französischen Diplomatie gelingt, England zu »Dicken. Schon in den ersten Phasen des Marokko- jq! n f I >?te§ hat bekanntlich England an Frankreich Zn- tz"? militärischer Natur gemacht, die sich inzwischen zu kon- Vereinbarungen der beiderseitigen Generalstäbe ver­übt haben. Bezüglich der Abmachungen lvegen einer ^,°beration zur See erfahre ich von einer gewöhnlich bnterrichtsten Seite folgendes: Die englische Flotte übcr- ichq ven Schutz der Nordsee, des Kanals und des Atlanti- O'! Dzeans, um Frankreich die Möglichkeit zu geben, seine (inMtceitTrdfte im westlichen Bassin des Mittelländischen k5 c ® zu konzentrieren, wobei ihm als Stützpunkt für seine !ich 5 ptotta zur Verfügung gestellt wird. Details beziehen lL au f Verwendung der französischen Torpedoflottillen und I^ E webootc im Kanal und des englischen Mittelmeerqe- das bei Ausbruch des Krieges einem französischen unterstellt wird. Inzwischen hat die Haltung der lauschen Regierung während der marokkanischen Krisis fL' 'n welcher sic sich als ein ebenso kritikloses wie ge- ti,J' ^vrkzeuc- der französischen Politik erwiesen hat und W 5 dir Rede Lloyd Georges den französischen Chauvinis- äu n»u sn Hoffnungen ermutigte, der französischen Regie- t*A'ine Handhabe geboten, um einen weiteren Nagel rn iik>«t.9 zu treiben, in welchen die Ententepolitik dre poli- ^ntschsießungsfreiheit Englands bereits gebettet hat. .besonderer Seite erhalte ich Kenntnis von erncm u w--ch s e l der im Herbst des vergangenen Jahres (S) tct) und dem Botschafter C a m b o n stattgefunden k» dem Notenwechsel vereinbaren die englische und tue ^jAGsche Regierung für den Fall eines drohenden An- n,-. von Zeiten einer dritten Macht sofort einen Mernungs- 'W darüber, ab ein gemeinsames Handeln zur Ab- - '"Ng des Angriffes geboten ist. gegebenenfalls ob und djx bestellenden militärischen Vereinbarungen zur k ^Uhn zu bringen seien. Die Fassung der Vereinbarun- Wägt nnt feiner Berechnung der englischen Neutralität England übernimmt formell keinerlei Vervflich- kO.ru militärischer Hilfeleistung. Es behält dem Wort- iO? »ach die Hand frei, stets nur seinen Jntereßen ent- handeln zu können. Daß sich aber durch diese Vcr- % ? nr ' en in Verbindung mit den getroffenen milttnischen

düngest

° dem französischen Revanchegedankcn bereits

ikdk . rettungslos verschrieben bat,

>4° kaum eindr besonderen Ausführung. Die englische ?ug spielt ein gefährliches Spiel. Sie hat durch ihre W; f der bosnischen und marokkanischen Frage Kri,en Kb3'^Un, die Europa zweimal an den Rand des Krieges haben. Die Ermutigung, die sie direkt wie indirekt liiff dem französischen Chauvinismus zuteil werden

ko kann eines Tages zu einer Katastrophe führen, be, der wie französische Soldaten aus franzopschen Schlacht­

feldern die englische Einkreisuiigspolitik mit ihrem Vlnte be­

zahlen werden. Die Saat, die König Eduard gesät hat, geht auü

Hierauf folgt ein Brief Sir Edward G r e y s vom 22. Nov. 1812 an den französischen Botschafter in London, Cambon. Darin wird auf den fortdauernden, gegenseitigen Meinungs­austausch französischer und englischer Marinesachverständiger und Militärsachoerständiger hingewiesen und die Zu st', m- mung dazu ausgesprochen, daß, wenn eine der beiden Regie­rungen ernsten Grund habe, einen provozierten Angriff einer dritten Macht oder die Bedrohung bc§ allgemeinen Friedens zu erwarten, unmittelbar ein Meinungsau». auf cy zivischcu den beiden Regierungen folgen und eine Entfchei- dung getroffen werden soll über die Anwendung der Plane der beiderseitigen Generalstäbe. In Bestätigung des Schrei­bens des Botschafters Cambon vom 23. Nov. 1812 werden me Anregungen Edward Greys angenommen.

Dis Verhandlungen zwischen England u. Nutzland In dem zweiten Bericht vom Mai 1914 wird 'nit- aeteilt, daß bei dem Besuch des Königs von England in Paris von französischer Seite die Anregung erfolgte, die be­stehenden besonderen militärpolitischen Abmachungen zwischen Frankreich und England durch analoge Abmachungen zwifchen England und Rußland zu ergänzen. Sir Edward Gr eh hat den Gedanken sympathisch ausgenommen, sich aber außerstande erklärt, ohne Befragen des englifchcn Kabinetts

irgend eine Bindung zu übernehmen.

Der Empfang der englischen Gäste durch die französische Regierung sowie die Pariser Bevölkerung soll ans den Minister in hohem Grade Eindruck gemacht haben. Es ist zu be­fürchten, daß der englische Staatsmann, der zum erstenmal in amtlicher Eigenschaft im Ausland geweilt hat, und wie be­hauptet wird, überhaupt zum erstenmal englischen Botzen verlassen hat, den französischen Einflüssen rn Zukunft in noch höherem Grade unterliegen wird, als das bisher schon der

^ Ein dritter Bericht vom Juni 1914 besagt: Die Nachricht, daß von französischer Seite anläßlich deS Besuches des Königs von England in Paris militärische Abmachungen zwischen England und Rußland angeregt wurden, wird mir bestätigt. Die Anregung geht aus Herrn JswolSki zuruck. Der Botschafter wünschte, die Feststimmung zu eener Umwandlniig der Tripclentente in ein BündniS nnch Analogie des Dreibundes auszunutzen. Wenn man sich schließlich in Paris unb Peters­burg mit weniger begnügte, so scheint dafür die Erwägung maßgebend gewesen zu sein, daß in. En gl and em großer Teil der öffentlichen Meinung dem Abschluß förmlich« Bünd­nisverträge mit anderen Mächten durchaus ablehnend gegen­über steht. Angesickts dieser Tatsache hat man sich trotz der zahlreichen Beweise für den gänzlichen Mangel an Wider­standskraft dar englischen Politik gegen eine Entente man darf an die Gefolgschaft erinnern, die noch fungst Rußland in der Frage der. d e u t s ch e n M i l i t ä r m i s s i o n i n d er Türkei von England erfahreii hat offenbar gescheut, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Es wurde vielmehr die Taktik des langsamen, schrittweisen Vorgehens beschlossen. Sir Edward G r e y hat die französisch-russische Anregung iin englischen Ministerrat warm vertreten, das Kabinett hat ficy seinem Votum angeschlossen. Es wurde beschlossen, in erster Linie ein Marincabkommci» ins Auge zu fassen, und Verhandlungen in London zwischen der englischen Admiralität und dein russischen Marinecrttache stattfinden zu lassen. Die Befriedigung der russischen und der fmmöfncfien Diplomatie über diese erneute Überrumpelung ^r enZchen Politiker ist groß. Man hält den Abschluß eines formellen Büiidnisvertrages nur noch für eine ^rage ber Feit Um dies Ergebnis zu beschleunigen, wuroe man in Petersburg sogar zu gewissen S che i n k o nz e ss ion e n an England in der persischen Fra sie . Bereit jfern. _ ®ie .wischen beiden Mächten m dicfer Hinsicht m letzter Zeit auf- netnuchten Meinungsverschiedenheiten haben noch lerne Er­ledigung gefunden. Von russischer Seite arbeitet man vor- läusig mit beunruhigenden Versicherungen wegen der Besorg­nisse die in England im Hinblick aus.dm Zukunft Indiens

*

,st in Petersburg und London sehr beunruhigt wegen der französischen Indiskretionen über die russifch - englnche Marinekmioention. Sir Edward Grey befiirchtet Anfragen im Parlament. Marineattache Kapitän Wolkow, der einige Tage in Petersburg gewesen ist, vermutlich um Instruktionen {.r die Verhandlungen in Empfang zu nehmen, ist nach London zurückgekehrt. Die Verhandlungen haben bereits

ünften Bericht vom Juni 1914 wird auf die Anieam: oes Unterhauses über das Marineabkommen mit Rußland sowie die bekannte Antwort Greys und die pnaliicfien Blatterstimmen Bezua genommen und mnzunesng-t. <x>i'x Erklärungen Sir Edward Greys entsprechen i«r vertrau­lichen Äußerung einer Persönlichkeit aus der nächsten Um- '' bna des Ministers: ..Er könne mtf das auSdriickklchste unb bestimmteste versichern, daß keinerlei Abmachungen ^m.li- '-isclier oder mamtimer Natur zwischen England und ßxctnf* reich bestiinden, obwohl der Wiinsch^ nach solchen auf franzo- siicher Seite wiederholt kundgeaeben worden sei. Was das englische Kabinett Frankreich abgeschlagen habe, werde es Rußland nicht gewähren. Es sei kerne Flottenkon-

v ent ion mit Rußland geschlossen und es werde auch keine geschlossen werden."

Ein sechster Bericht ist minder wichtig.

In dem siebenten Bericht vom Juni 1914 heißt es: Daß die Erklärung Sir Edward Greys im englischen Unterhause über das russisch-englische Marineabkommen von der öffentlichen Meinung in England so bereitwillig akzeptiert tvorden ist, hat hier und in Petersburg große Erleichterntzg hervqrgerusen.

Die Drahtzieher der Aktion hatten schon befürchtet, daß der schöne Traum des neuen Dreibundes ausgeträumt sein könne.

Es fällt mir übrigens fchlver, daran zu glauben, daß eS^ dem Manchester Guardian" allein beschieden gewesen sein sollte, den Trick zu durchschauen, dessen sich Sir Edward Grey be­diente, indem er die Frage, ob Verhandlungen, über ein Marineabkommen mit Rußland schwebten oder im Gange seien, nicht beantwortete, sondern die ihm gar nicht a e- stellte Frage verneinte, ob England bindende Ver­pflichtungen bezüglich einer Beteiligung cm einem euro­päischen Kriege eingegangen sei. Ich neige vielmehr der An­sicht zu, baß die englische Presse in diesem Falle tvieder ein­mal einen Beweis für ihre bekannte Disziplin in der Behand­lung von Fragen der auswärtigen Politik gegeben und. sec es ans ein mot dordre hin, sei es aus politischem zznsnnit,

geschwiegen hat. r - i

Im achten Bericht, ebenfalls vom Juni 1914, Heeg: es: Von einer Stelle, die sich die alten Sympathien für

Deutschland bewahrt hat, ist mir mit der Bitte um strengste Geheimhaltung

die beigefügte Aufzeichnung über eine Konferenz zugegangen, die am 25. Mai beim Chef des russischen Marincstabes statt- gesunden hat und in der die Grundlagen für Bcrhandlnngen über das russisch-englische Marineabkommen I sestgcstcllt worden sind.

Bis zu welchem Ergebnis die Verhandlungen bis jetzt geführt haben, wußte mein Gewährsmann noch nicht, er äußerte aber sehr ernste Besorgnisse über die Förderung, die der russische Nationalismus erfahren werde, wenn daS Abkommen tat­sächlich zustande komme.

Sei man deS MitgehcnS Englands erst gewiß, so würden die bekannten pnnslawistischen Hetzer nicht zögern, die erste sich bietende Gelegenheit zu benutzen, um cs zum Kriege zu bringen.

Auch Ssasonow treibe zusehends mehr in das Fahr­wasser der russischen Kriegspartei.

Das Marineabkommen.

Die Anlage ist datiert: St. Petersburg, 13./28. Mai 1914, und besagt «. a.:

Die geplante Marinekonvention soll die Beziehungen zwischen den russischen nnd englischen Streitkräften zur See in allen Einzelheiten regeln. Die beiden Marine- stnbc sollen sich außerdem regelmäßig gegenseitig Mitteilung machen über die Flotten dritter Mächte und über ihre eigenen Flotten. Nach dem Vorbild der französisch-russischen Marinc- tonvcntion soll auch zwischen dem ruflischcn und englischen Marinestab ein regelmäßiger MeinnngSauötausch hcrbcigc- führt werben. DaS rusiische Marineabkommen mit England soll gleich dem französtsch-ruflischcn Marineabkommen vorher vereinbarte, aber getrennte Aktionen der russischen nnd englischen Kriegsmarine inS Auge fasten. Mit Bezug auf die maritimen Operationen im Gebiet des C ch w a r z c n M c e r e S und der N o r d s e c wie mit Bezug uns den voraussichtlichen Seckampf im Mittclmecr muß Rußland bestrebt sein, von England Kompensationen dafür zu erhalten, daß cS einen Teil der deutschen Flotte auf die russische abzieht. Im Gebiet deS Bosporus und der Darda­nellen sollen zeitweilige Unternehmungen in den Meerengen alS strarcgische Operationen Rußlands im Kriegsfälle inS Auge gefaßt werden. Die rnffischrn Interessen in der Ost­see verlangen, daß England einen möglichst großen Teil der deutschen Flotte in der Nordsee fcsthnlt. Dadurch würde die erdrückende Übermacht der deutschen Flotte gegenüber der rustischen aufgehoben und vielleicht eine rnsfischc Lan­dung in P o mm c r n möglich werden. Hierbei könnte die rnglische Regierung einen wesentlichen Dienst leisten, wenn sic vor Beginn der Kriegöopcrationen eine so große Zahl von Handelsschiffen in die baltischen Häfen schickte, daß der Mangel an rustischen Transportschiffen ausgeglichen wird. Was die Lage im Mittelmeer anbetrisft, so ist es für Rußland höchst wichtig, daß dort ein sicheres Übergewicht der Strcitkrnftc dcr Entente gegenüber der österreichischen nnd italienische» Flotte hcrgcstellt wird, sonst würden Angriffe der österreichischen Flotte im Schwarzen Meer möglich fern, was für Rußland rin gefährlicher Schlag wäre. England müßte daher durch dic Belastung der nötigen Zahl von Schiffen im Mittclmecr das Übergewicht dcr Streitkräfte der Entente- machte niindestcnS so lange sichern, als dic Entwicklung dcr russischen Marine »och nicht so weit fortgeschritten ist, um