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Wiesbadener Lagblatt.
Druck und Verlag der L. Sckellenberg'schen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. — Mr die Herausgabe verantwortlich: Louis Schellenberg m Wiesbaden.
(Hierhei 1 Beilage.)
Vermischtes.
— (Von anno 1866.) In einem Buche des Herzogs von Grammont: „L’Allemagne nouvelle“, findet sich folgende Erzählung, die sich auf die Ereignisse tm Jahre 1866 bezieht. Es wird da die oft besprochene Angabe wiederholt, daß Benedek trotz seiner großen Beliebtheit nur schwer sich entschlossen habe, das Obercommando der Armee zu über
nehmen. Nach der entscheidenden Audienz beim Kaiser — so erzählt Grammont — eilte Benedek betrübt zum Grafen Mensdorff, dem damaligen Minister des Aeußern, welcher übrigens selbst General war. Mit Thränen in beit Augen klagte er chm sein Leid. „Ich habe Alles aufgeboten, was in meinen Kräften stand; ich habe den Kaiser flehentlich gebeten,^ mir dieses Commando abzunehmen. Es geht über meine Kräfte, ich sühle es. Ich muß mir ein Gewissen daraus machen. Mit einer Division will ich ja thun, was menschenmöglich ist; aber mit 200,000 Mann in diesem Lande zn manövriren, welches ich kaum kenne, das sollte man mir nicht zumuthen. Ich habe es dem Kaiser gesagt, aber nichts hat ihn m seinem Entschlüsse erschüttern können. Ganz unglücklich macht mich, was er mir zuletzt sagte: „Sie sind der Einzige, ich habe keinen Anderen." Unglückliches Land, wenn wir in dieser ganzen, schönen Armee keinen besseren General haben, als mich! Ich werde gehorchen, das ist meine Pflicht; aber ich beschwöre Sie, lieber Graf, machen Sie bei Sr. Majestät noch einen letzten Versuch!" Grammont versichert, Mensdorff, bei dem er eben vorsprach, als Benedek ihn verließ, hätte ihm diese Aeußerungen wörtlich hinterbracht.
— (Aus der Vorwelt.) Aus Schönegg bei Babenhausen (Schwaben) wird berichtet: „Beim Graben eines Kellers in einer Tiefe von 13 Metern wurden die versteinerten Ueberreste eines colossalen Unthieres in einem Sandberge aufgefunden. Die Nachricht hiervon verbreitete sich in kürzester Zeit nach München, und Herr Professor Dr. Sittel sandte nun den Präparator Heitgen an Ort und Stelle zur näheren Untersuchung. Da stellte sich nun heraus, daß es die fossilen Ueberreste eines colossalen Säugethieres der mittleren Tertiärzeü, des sog. Dinotheriums oder Walroßelephanten sind, welches Thier ausgezeichnet war durch äußerst kräftige, dicke, nach abwärts gerichtete Stoßzähne im Unterkiefer, wovon ein Exemplar vorgefunden wurde, und durch große, mit je zwei oder drei Querwülsten versehene Backenzähne, von denen drei Prachtexemplare aufgefunden wurden. Dasselbe gehörte zu den rüsseltragenden Dickhäutern und war vielleicht, wie das Nllpferd, ein Flnß- bewohner."
— (Warnung aus Nordamerika.) Wie man in New-Uork wissen will, tragen zahlreiche Deutsche sich mit dem Gedanken, im nächsten Frühjahre dorthin überzusiedeln, und erwartet man im nächsten Jahre eine besonders starke deutsche Einwanderung. Diesen europamüden Landsleuten, schreibt ein Deutscher in New-Aork, möchte ich einen wohlgemeinten Rath und eine ernste Warnung geben. Ein großer Theil der hiesigen Presse gefällt sich neuerdings, wohl mit Absicht, in der Behauptung, daß sich die hiesigen Geschäfts- und Arbeitsberhältnisse wesentlich bessern und wir bald zur früheren Prosperität wieder zurückgekehrt sein werden. Das ist eitel Trug; es ist Leichtsinn, ja geradezu ein Unrecht, durch solche Vorspiegelungen Leute hierher in's Elend zu locken. Mögen auch einzelne Fabrikzweige sich wesentlicher Besserung erfreuen, im Ganzen aber leiden wir noch immer an Geschäfts- und Arbeitslosigkeit, Tausende und abermals Tausende sind nach wie vor ohne Verdienst, und die wirklich Arbeit haben, sind auf ein Mnimum von Lohn herabgesetzt, das kaum Leib und Seele zusammen- hält. Man halte sich nur ein paar Stunden in einem Geschäftsplatze der Hauptstraßen New-Yorks und der Nachbarstädte auf und man wird über die Masse der Jammergestalten staunen, die Hilfe suchend vorsprechen. Und dabei sind es nur zum kleinen Theile gewerbsmäßige, arbeitsscheue Vagabonden, die man sehr bald herausstnden lernt, vielmehr überwiegend Solche, welche gern arbeiten möchten, wenn sie nur Beschäftigung fänden. Ebenso steht es mit den Beschäftigung Suchenden besserer Classe, mit Buchhaltern, Kaufmannsaehülfen u. s. w. Alle Fabrikanten, Kaufleute, überhaupt Geschäftstreibende schränken die Zahl ihrer Angestellten möglichst ein, daher das Angebot noch immer viel größer als der Bedarf ist Man wird mir vielleicht einwenden, daß doch wenigstens Landwirthe mit etwas Capital, die sich sofort nach dem Westen wenden wollen, hier ihr gutes Fortkommen finden müssen. Gewiß können sie sich gegenwärtig in Wisconsin, Illinois, Missouri, Kansas wohlfeiler als früher eine Heimstätte kaufen, werden auch, allerdings unter schwererer Arbeit als in der Heimath sich bald eine Existenz schaffen; aber sich zum Wohlstände heraufzuarbeiten, davon kann vorläufig keine Rede fein: denn die Rohproducte bringen au Ort und Stelle so niedrige Preise, daß diese kaum die Kosten der Production decken. Die Eisenbahnen nehmen den Löwenantheil durch die hohen Frachtsätze bis zum Verschiffungsplatze. Mein Rath ist daher — und es ist der Rath emes wohlmeinenden und mit den hiesigen Verhältnissen vertrauten Mannes: laste Niemand sich durch nichtige Vorspiegelungen zum Auswandern, wenigstens gegenwärtig verleiten; bleibe Jeder in fernen heimischen altgewohnten Verhältnissen, in denen er sich eher, wenn auch mühsam' durchdringen kann, als wenn er sich bei den gegenwärtig so ungünstigen Zuständen hierher begibt, wo ihm alles, selbst die Sprache, fremd ist . Geheime Post.) In Wilna, so schreibt man der „Nat.-'sttg." U die Polizei eine geheime Post entdeckt, welche sich über einen großen Theü des russischen Reiches erstreckt und zur Beförderung jüdischer Cor- respoudeuzen bestimmt ist. Die Post, die von Juden eingerichtet ist hat ihre eigenen Beamten und befördert die ihr anvertrauten Briefe nach allen Entfernungen für ein Porto von 5 Kopeken. Die Vorsteherin dcr Post- station Wilna, welche verhaftet worden ist, war eine Jüdin.
— (Ergebenstes Bittgesuch.) In einem vielbesuchten Gasthaus zu Pest hat der Wirth folgendes Plakat an die Wand heften lassen: Die männlichen Gäste werden höflichst gebeten, dem weiblichen Dienstpersonale auf der Treppe nicht zu schmeicheln, weil viele Geschirre dadurch zer- brochen werden."
2. und 15. Armeecorps abgehalten werden. Ueber Zeit und Ort steht die kaiserliche Bestimmung noch aus. Straßburg i. E. wird während der Manöver von der 57. Jusanteriebrigade besetzt. Im August und September ist eine großartige sechswöchentliche Belagernngsübnug mit Minen- kneg tu der Nähe von Koblenz in Aussicht genommen.
* (Reiterfest.) Wie man vernimmt, wird in Berliner militärischen und aristokratischen Kreisen ein glänzendes Reiterfest, ein Carouffel-Reiteu, wie es in solcher Pracht in Berlin noch nicht gesehen worden ist, für die Zeit der goldenen Hochzeit des Kaiserpaares im Juni d. I. vorbereitet. Die Herren werden durchweg Cavallerie-Osftziere, und zwar die besten Reiter der preußischen Armee sein, die Damen durchweg Mitglieder der aristokratischen Gesellschaft.
c * („®rp6er Surfürft.") Gleichwohl officiell die Geheimhaltung des Urtheils des in Sachen des „Großer Kurfürst" niedergesetzten Kriegsgerichts gewünscht wurde, soll doch nach dem „Berl. Tagbl." verlauten, dasselbe sei im großen Ganzen freisprechender Natur.
* (Die Erbgroßherzogin von Oldenburg,) Tochter des Prinzen Friedrich Carl von Preußen, würde am Sonntag Morgen, Nachrichten aus Oldenburg zufolge, von einer Tochter entbunden.
(Testament.) Der,,B. B.-C." meldet aus Berlin, 2. Februar: „Wir haben gestern spät Abends erfahren und wir theilen die Nachricht vorläufig unter aller Reserve mit, glauben sie aber mittheilen zu können nach der Quelle, aus der sie uns zugeht, daß nach einem Testament, das unter den Privatpapieren des Prinzen Heinrich der Niederlande auf- aefunden worden ist, seine Gattin, die Tochter des Prinzen Friedrich Carl, Werthe im Betrage von vierzig Millionen holländischen Gulden nebst drei Schlössern, die das Privateigenthum ihres Gatten waren, erbt."
— (Preiszuerkennung für das Generalstabswerk.) Die durch das Allerhöchste Patent vom 18. Juni 1844 verordnete Commission der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, welche dem Kaiser und Könige das beste in den Jahren 1873 bis Ende 1877 erschienene Werk über denffche Geschichte behufs Ertheilung des zum Andenken an den Verttag von Verdun gestifteten Preises zu bezeichnen hatte, hat zufolge Berichts vom 30. November v. I. beschlossen, dem Werke: „Geschichte des deutsch-ftanzösischen Krieges, redigirt von der kriegsgeschichtlichen Abtheiluug des Großen Generalstabes", den Preis zuzuerkennen. Der Kaiser und König hat diesen Beschluß der Commission bestätigt und der kriegsgeschichtlichen Abtheiluna des Großen Generalstabes für das gedachte Werk den stiftungs- mäßigen Preis von 1000 Thalern Gold nebst einer goldenen Denkmünze auf den Vertrag von Verdun ertheilt.
— (Telegraphen-Verkehr mit Oesterreich.) Nach einer Vereinbarung zwffchen den Telegraphen - Verwaltungen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns vom 2. Februar tritt vom 1. April an für den gegenseitigen telegraphischen Verkehr der beiden Länder der Worttarif in Geltung; die Grundtaxe ist auf 40 Pfennig und die Worttaxe auf 10 Pfennig festgesetzt.
— (Paßpflichtigkeit der aus Rußland kommenden Reisenden.) Nach einer Kaiser!. Verordnung vom 2. Februar ist vom 10. d. Mts. ab bis auf Weiteres jeder Reisende, welcher aus Rußland kommt, verpflichtet, sich durch einen Paß auszuweisen, welcher am Tage des Austritts des Reisenden aus dem russischen Staatsgebiete oder an einem der beiden vorhergehenden Tage von der deutschen Botschaft in St. Petersburg oder von einer deutschen Consularbehörde in Rußland visirt worden ist. — Zur Erlangung dieser Visirung ist der glaubhafte Nachweis zu führen, daß der Paßinhaüer sich innerhalb der letzten 20 Tage in keinem von der Pest ergriffenen oder derselben verdächtigen Gebiete aufgehalten hat. — Der Patz ist beim Eintritt über die Reichsgrenze behufs Gestattung der Weiterreise der diesseitigen Greuzbehörde zur Visirung vörznlegen.
— (Bedingungen der Zulassung von Reisenden aus Rußland zum Eintritt über die Reichsgrenze.) In Ausführung vorstehend abgedruckter Kaiser!. Verordnung verfügte der Stellvertreter des Reichskanzlers Folgendes: 1) Reisende, welche aus Rußland kommen, sind zum Eintntt über die Reichsgrenze nur dann zuzulassen, wenn sie sich durch Pässe ausweisen, welche der Vorschrift des 8. 1 der Verordnung vom 2. d. Mts. vollständig entsprechen. 2) Das Reffegeräth derjenigen Reffenden, welche hiernach zum Eintritt über die Reichsgrenze zwar znzu- laffeu sind, welche jedoch einem von der Pest ergriffenen oder derselben verdächtigen Gouvernement Rußlands durch Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt angehören, sind beim Eintntt über die Reichsgrenze vor Gestattung der Weiteneffe einer Desinfection zu unterwerfen. Von der Kleidung, welche solche Reisende an sich tragen, sind mindestens die Oberkleider gleichfalls zu beMnficiren. 3) Die Desinfection (2) hat mittelst gasförmiger schwefeliger Säure in der Weise zu geschehen, daß die zu des- mficirenden Gegenstände mindestens sechs Stunden hindurch in geschlossenem Raume den unmittelbaren Einwirkungen der schwefeligen Säure ausgesetzt und daß dabei mindestens fünfzehn Gramm Schwefel auf den Cubinneter lichten Raum verbrannt werden.
