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Wiesbadener LagMatt.

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in Bonn

Kruü und Verlag der V. Schelleuberq'schen Hgf-Buchdruckerei in Wiesbaden. Für die Herausgabe verantwortlich: Louis Schellenberg in Wiesbaden.

(Hterbet 1 Beilage.)

bedarf, wird derselbe in der am 13. Februar stattfindenden General- Versammlung die Bestellung einer interiniistischen Directionsleituug beau- tragen^da er entschlossen ist, die Suspendirung des Intendanten vorzunehmm. Das Theaterregime des Herrn O. Devrient dürfte hiernach nur von kurzer Dauer gewesen sein.

Airs dem Reiche.

(Vermehrung der Steinböcke.) Aus Basel, 22. Januar, J wird geschrieben:Die Steinböcke, die seit Anfang des neunzehnten Jahr­hunderts int schweizerischen Hochgebirge fehlen, sollen nun wieder einge­bürgert, und zwar durch Ehrenbürgerrecht angesiedelt iverden. Eltde des vorigen Jahrhunderts traf mau den Steinbock (Capra ibex), wie die ,Alpenpost" erzählt, noch im Bagne-Thal tut Walliserland. Der Letzte eines Stammes wird im Berner Naturhistorischen Museum aufbewahrt. Das Geschlecht wäre gänzlich verschwunden, wenn nicht Victor Emanuel, der bekanntlich ein leidenschaftlicher Nimrod war, seinerzeit zu seinem Jagd­vergnügen in den Thälern von Cogne und Savaranche, den südwestlichen Ausläufern des Aostathals, eine Colonie derselben angelegt hätte. Ein Theil dieser Thiere ist nun gegenwärtig zum Verkauf ausgeboten und damit eine nicht wiederkehrende Gelegenheit gegeben, dieselben für die Schweiz zu erwerben, sei es, um die Thiergärten zu bereichern, sei es, um den Versuch zu machen, sie auf unseren Gebirgen wieder einzubürgern. Letzteres sicht nun auf dem Programm des Schweizerischen Alpen-Clubs. Der Verwalter des Königs Umberto hat auf bezügliche Anfrage bereitwillig Zeichnungen und Maatze eingesendet. Die Schulterhöhe beträgt circa 95, die Horn- länge 60 und die Wurzeldicke 21 Centimeter."

(Zur Vertilgung von Ratten) macht Herr A. Meyer in denMuth. d. landw. Centr.-V. des Herzogth. Braunschw." folgendes Mttel bekannt:Von einer besonderen Art Meerzwiebel die tn der Droguenhandlung von Kahlert in Braunschweig jederzeit zu haben ist werden die Wurzeln und Blätter scharf abgcschnitten und die Zwiebel selbst auf einem Reibeisen gerieben. Zu dem Geriebenen wird so viel gutes Weizen- oder Roggenmehl gemengt, daß es ein solcher Brei wird, der konststent genug ist, um einen Pfannkuchen davon zu backen. Dieses Backen geschieht in einer Eierknchenpfanne und vermittelst nicht zu wenig vorher ausgebratenen Speckes. Hierauf wird das Gebäck in kleinere Stücke zer- theilt und diese auf Brettchen oder Dachziegelstücken gegen Abend in die Räume, in denen die Ratten Hausen (nicht in die Röhren oder Höhlen der Thiere) hingclegt. Des Morgens müssen etwaige Reste sorgfältig weg- geräumt werden. Jede Ratte, die davon gefressen, ist binnen 5 bis 10 Minuten tobt. Anderen Thieren schadet das Gebäck nicht. Wer die Meer­zwiebel reibt, muß Handschuhe anziehen, da der Saft ätzend ist und ein zwar unschädliches, aber unangenehmes starkes Jucken hervorbringt. Das Reibeisen zc. wird sorgfältig gewaschen und kann ohne Schaden wieder benutzt werden."

(Ein gräfliches Schnadahüpfl.) Im Jnseratentheile des Innsbrucker Tyroler Boten" befand sich jüngst folgende Geburtsanzeige: Schrecklich ist's und leider wahr, Swillinge mein Weib gebar!

llesammt sind frisch und g'sund;

Dies thnt den Freunden kund

Ludwig Graf Sternberg.

Fügen, am 22. Jänner 1879."

Graf Ludwig Sternberg, der Besitzer von Fügen, ist der Chef der schle­sischen Linie der Sternberge und seit 1. September 1869 mit Rosa Adrassy v. Egyhazpaka, k. k. Hofrathstochter, vermählt. Der Ehe entstammten bereits vor den Zwilligen 6 Kinder.

(Einer gelungenen Mystifikation) sind dieser Tage fast sämmtliche Pariser Blätter zum Opfer gefallen. Sie brachten überein­stimmend die Mittheilung, daß vom 15. Januar an die Wagen der Staats­bahnen alle geheizt werden sollten, und zwar nach dem System des In­genieurs Sun. Das freute die Franzosen ausnehmend, da sie ohnehin von der Kälte diesen Winter mehr als je zu leiden haben. Der bestimmte Tag kam, aber keine Heizung. An der Nachricht war kein wahres Wort. Man forschte nach und kam zu folgendem Ergebniß. Die Nachricht war in fol­gender Form an ein Journal gekommen:Wie man vernimmt, sollen die Wagen der Staatsbahn vom 15. Juli an nach dem System Sun geheizt werden." Die Redaction des Blattes nahm bei Juli einen Schreibfehler an und machte Januar daraus, und dem Worte Sun (sun, Sonne) setzte sie zu besserem Verständniß den Titel Ingenieur vor. In dieser Form wurde die spaßige Notiz von allen andern Blättern nachgedruckt. Die Sache hat viel zu lachen gegeben und hat wahrscheinlich die Folge, daß die Heizung der zweiten und dritten Kl^'e wirklich eingeführt wird.

Der Fürstlich Waldeck'sche Medicinalrath Dr. Johannes Müller in Berlin sagt über den Venedictiner Doppelkräuter-Magen- bitter des Herrn C. Pingel in Göttingen Folgendes:Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß der Benedictiner Doppelkräuter-Magenbitter des Herrn C. Pingel in Göttingen keine dem menschlichen Organismus schädlichen Bestandtheile enthält, sondern demselben sehr heilsam und zu­träglich ist. Die dazu verwendeten Substanzen, welche theils der Classe der tomsch-raborirenden, theils aromatisch-balsamischen Mitteln angehören, sind geeignet, bei den verschiedenen Magen- und Unterleibsleiden, gesunkener Verdauungskraft, Mangel an Appetit, Trägheit und Schwäche des Darm­kanals auf's Vortheilhasteste einzugreifen und den regelwidrigen chemischen Lebensprozeß zum normalen Zustande zurückzuführen. Allen Hypochondristen mit habituellen Obftructionen wird dieser Magenbitter ein höchst schätzbares diätetisches Mittel sein, da es nicht schwächt, sondern stärkt und erwärmt."

Man achte beim Ankauf darauf, daß jede Flasche mit dem Siegel, welches die volle FirmaC. Pingel in ©Üttingen" trägt, verschlossen und mit der bekannten gegen Nachahmung geschützten Etiquette versehen ist; alle anderen Flaschen sind gefälscht. In Wiesbaden befindet sich die Ver- kaufsstelle bei Herrn Eduard Wey'gandt, Kirchgasse 8.12759

(Prinz Wilhelms der älteste Sohn des Kronprinzen, hat sich :.. Bonn am 31. v. Mts. Mittags auf dem Fechtboden durch eine plötz­liche Wendung nach links eine Verletzung des Unken Knies zugezogen. Die Verletzung ist nicht erheblich, wenngleich durch Geheimerath Busch ein Gypsverband angelegt worden ist. Der Prinz befindet sich schmerzfrei.

(In Sachen desGroßer Kurfürst") fand am Samstag in der Kaiserlichen Admiralität zu B erlin der Schluß der Verhandlungen des Kriegsgerichts statt. Am Schlüsse der Sitzung ermahnte der Präses, den Bestimmungen gemäß, die Richter, die Entscheidung geheim zu halten, bis eine Allerhöchste Bestätigung des Urtheils erfolgt sei.

Vermischtes.

(Eine traurige Reliquie.) Aus Berlin wird berichtet: Berlin wird in diesen Tagen um eine interessante, aber etwas schauder­erregende historische Reliquie reicher sein. Es ist dies nichts Anderes als die Guillotine, mit der Marie Antoinette am 16.October 1793 Mittags 1 Uhr in Paris hingerichtet wurde. Die Maschine, auf der unter dem Fallbeil das Haupt der jungen unglücklichen Königin sank, ist für einen geradezu enormen Preis von den Herren Gebrüder Castan für ihr Panoptikum angekauft worden. Jener Kaufpreis beträgt zwanzigtausend Francs und die Geschichte der Erwerbung ist folgende: Zur Zeit der Commune verkaufte der Scharfrichter von Paris der damaligeAonsisnr de Paris das schauerliche Instrument an einen Brüsseler nebst allen Zeugnissen über die Authenticität der Guillotine. Von diesem Brüsseler hat durch Vermittelung seiner Filiale in der belgischen Hauptstadt das hiesige Panoptikum die Guillotine erstanden, und in den nächsten Tagen wird sie hier ausgestellt werden. Das Fallbeil, unter dem das Haupt der jungen Königin aus dem Hause Habsburg gesunken ist, ist heute mit einem ehrwürdigen, schreckenerregenden Rost überzogen es kleben die Spuren des Blutes einer Herrscherin an diesem Stahl, die kein eigenes Verbrechen durch den Tod zu sühnen hatte. Diejenige Guillotine, mittelst deren Ludwig XVI.,der Bürger Louis Capet", hingerichtet wurde, eriftirt nicht mehr^ eine Nachbildung derselben befindet sich indeß in dem dem Pinoptt- kum ähnlichen Jnstttut der Madame Tissot in London.

(Färbung des electrischen Lichtes.) Durch Beimischung verschiedener einfacher und schwefelsaurer Metallsalze zu den Kohlenspitzen entweder bei deren Herstellung oder durch Sättigung der fertigen Spitzen mit entsprechenden Lösungen kann man dem electrischen Licht verschiedene Farben geben. Das ursprünglich violett erscheinende Licht wird gelb ge­färbt, tote das Sonnenlicht, durch etwas Chlornatrium. Magnesia bewirtt ein sehr weißes, besonders zum Photographireu geeignetes Licht. Eine Bei­mischung von Arsenik erzeugt ein Licht ganz frei von chemischer Wirkung.

(Eine Postgeschichte alten Datums.) Die gegenwärttg be­schlossenen Vorsichtsmaßregeln gegen die in Rußland grassirende Pest erinnern an eine humoristische Episode in den dreißiger Jahren (1831), als zum ersten Male die Cholera über Rußland nach Deutschland kam. Damals hatte der Generalpostmeister Nagler an die Postanstalten die Verfügung erlassen, daß kein Brief, welcher aus Rußland käme, zur Be­förderung an den Adressaten gelangen sollte, der nicht vorher durchstochen und durchräuchert worden, damit etwaige durch die Briefe weiter ver­mittelte Ansteckungsstoffe erstickt würden. Einige Tage darauf, als er auf­merksam gemacht wurde, daß zur Durchräucheruug der Briefe nothwendig die Anschaffung von Räucher-Apparaten gehörte, verfügte der sehr spar­same Generalpostmeister, daß die Durchräucheruna nur dann stattfinden sollte, wenn unter dem Inventar der betreffenden Postanstalt ein Räucher- Apparat bereits sich befände oder ohne besondere Kosten beschafft werden könnte. Selbstverständlich unterblieb demzufolge in dm meisten Fällen die Durchräucherung der Briefe, da für gewöhnliche Zeiten ein Räucher- Apparat kein nothtoendiges Jnventarstück eines Postamtes bildet.

(Für Austernesser.) Vor dem Oeffnen der Austern mit dem Sedermesser ist zu warnen, da diese Art des Oeffnens zu den gefährlichsten pielereien gehört. Der sehr spröde Stahl eines Federmessers springt fast jedesmal, wenn man versucht, auch mit leichtestem Druck am Schloß die Auster zu öffnen und bricht dann das Messer, so springen die einzelnen Bruchstücke in die Höhe und können den Oeffnenden ganz gefährlich ver­letzen. So lange wir nichts Besseres haben, ist die Ansterbrechmaschine das sicherste Mittel zum Oeffnen der Auster, nur muß das Oeffnen von der Schloßseite geschehen und nicht von der Muschelöffuung aus. In Amerika, wo bekanntlich der größte Austernconsum stattfindet, öffnet man allerwärts die Auster mit einem 45 Zoll langen, circa Zoll breiten, an der Spitze abgerundeten Messer von sehr biegsamem, dünnen Stahl; der Griff ist eine Art Hämmerchen, mit welchem man an der Mundöffnung etwas Schale losschlägt und nun durch diese Oeffnung mit dem Messer m die Auster hineinsticht, mit einer schnellen Bewegung nach rechts und links dm Äusterstuhl abschneidet und bann bie obere Schale in die Höhe bricht, bis das Schloß nachgibt. Diese Art Auster zu öffnen, ist jedenfalls die bequemste, leichteste, reinlichste und gar nicht gefährliche; auch wird dabei das sehr lästige Splittern gänzlich vermieden.