____________________________ WiesS«Ä-«er vielleicht nicht konnten. Eine Verordnung bestimmte daher, die Postsachen so lange zurüctzubehalten, bis man bezahlet, was man schuldig sei."
Manche Einrichtung aber, die unS heute als müßige Beigabe, als Enbleme oder Zierrath erscheinen möchte, wie z. B. das Horn der Postillone, hatte ursprünglich seine wohlerwogene Bedeutung, und die alten Postregeln geben noch heute darüber Aufschluß. So heißt es da z. B.: „Der Nutzen des Poschorns ist ein dreifacher: 1) werden die Postboten, wenn sie. Nachts am Thor blasen, schneller eingelassen, 2) können sie die Ortsbewohner, von denen sie auf ihrer Tour Briefe einsammeln, desto leichter benachrichtigen, 3) wenn sie sich Nachts verirrt haben, stoßen sie klagend in's Horn und reizen dadurch die Hunde der nahen Orte zum Bellen an, was sie auf die Spur des richtigen Weges führt."
Komisch muthet es uns heute an, wenn wir die „Anmahnungen" zur Vorsicht überblicken, welche die Postmeister damals den Postillonen er- theilten. Da heißt es z. B.: „Achtens sollen die Postillone nicht faul und schläfrig, sondern allzeit munter, unverdrossen und wachsam sein, damit sie die ihnen übergebenen Briefe und Sachen unterwegs nicht verlieren mögen, gleichwie Plutarchus von einem Postboten erzählet, daß, als derselbe von Timocrate mit Briefen an den Tyrannen von Shrakusa, Dionysium, abgeschickt worden, unterwegs aber, vom Schlaf eingenommen, sich unter einen Baum gelegt und geschlafen habe, unterdessen ein Wolff, der dem Geruch von dem in des Boten Brieftasche aufbehaltenen Fleisch bekommen, Herzugelauffen sei und gedachte Brieftasche zusammt dem Fleisch und Briefen hinweg- und fortgeschleppt habe".
Uebcr den Schneckengang der deutschen Postwagen des vorigen Jahrhunderts und die Beschwerden einer Reise zu damaliger Zeit wollen wir hier nichts weiter anführen, als ein Wort von Lichtenberg, der u. A. sagt: „Wenn ein Mädchen mit ihrem Liebhaber aus London des Abends durchgeht, so kann sie in Frankreich sein, ehe der Vater aufwacht, oder in Schottland, ehe er mit seinen Verwandten zum Schluß kommt; hingegen in Deuffchland, wenn auch der Vater den Verlust seiner Tochter erst am dritten Tage gewahr würde, wenn er nur weiß, daß sie mit der Post gegangen ist, so kann er sie zu Pferd immer noch auf Iber dritten Station wiederkriegen.....Sie streichen die Postwagen roth an als die Farbe des
Schmerzes und der Marter und bedecken sie mit Wachslinnen, nicht, wie man glaubt, um die Reisenden gegen Sonne und Regen zu schützen (denn die Reisenden haben ihren Feind unter sich, das sind die Wege und der Postwagen), sondern aus derselben Ursache, warum man Denen, die gehenkt werden sollen, eine Mütze über das Gesicht zieht, damit nämlich die Umstehenden die gräßlichen Gesichter nicht sehen, die Jene schneiden." —
Was endlich das Zeitalter des Dampfes zur Vervollkommnung des Postwesens beigetragen, was wir namentlich in jüngster Zeit der Umsicht des General-Post-Directors vr. Stephan verdanken, das liegt vor unseren Augen. Es genügt, daran zu erinnern, daß der auswärtige Postverkehr Deuffchlands jetzt von Tasmanien und den Fidschi-Inseln bis Grönland und Kamtschatka reicht. Im Jahre 1873 betrug der gesammte Verkehr des Reichspostgebietes 95 Millionen Briefe, jetzt beläuft er sich höchst wahrscheinlich auf 100 Millionen, denn die Correspondenz ist in Folge der erleichterten Verkehrsmittel beständig im Zunehmen begriffen.
Vermischtes.
- (Carbolsäure als Mittel gegen den Rothlauf der Schweine.) Professor Haeckebmann sagt, daß die Anwendung der Carbolsaure eine wissenschaftliche Basis habe, und ein schätzbares Mittel gegen Parasiten, niedrige Organismen sei, um deren Leben zu vernichten, weshalb sie auch bei Cholera und Diphtheritis angewendet werde. Diese sowie der Rothlauf der Schweine seien deshalb als Jnfectionskrankheiten durch die Carbolsäure zu heilen. Die Carbolsäure wird den Thieren durch die von Hauptner in Berlin zu beziehende Jnjecüonsspritze injicirt, und ift d:e;e Operation leicht ausführbar und nicht gefährlich. Es werden hierzu dmenigen Körperstellen ausgewählt, auf denen sich die Haut leicht verschoben laßt, also am Halse, an den Vorderbeinen und unter dem Bauch. Die zu verwendende Lösung kann von 2 pCt. bis auf 5 pCt. gesteigert werden, darf jedoch 20 Gramm nicht übersteigen.
—Mine zeitgemäße Annonce) enthalten die in München er- schemenden „Neuesten Nachrichten": „Ein militärfreier, tüchtiger Commis und Reisender, mit vorzüglichen Zeugnissen, jetzt mittel- und stellenlos, well chm der Pnnzipal mit der Caution durchging, bittet dringend um Stelle, wenn auch nur zur Aushilfe."
m ~ (Auetion im Vatican.) Bekanntlich war im Testamente des Papstes Prus IX. durch eine eigene Klausel vorgesehen, daß eine Com- mysion von drei Cardmalen eingesetzt werde, die sich mit der Veräußerung der Privatwerthsachen des Verstorbenen zu beschäftigen hätte. Diese Veräußerung hat nun stattgefunden; es wurden aber davon nur die mit der Kirche auf bestem und vertrautestem Fuße stehenden Persönlichkeiten ver-
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ständiat. Viele Damen des römischen Adels haben bei diesem Anlasse be- trächtliche Einkäufe gemacht. Unter den Auctions-Effecten befand sich auch ein Daguerreotyp-Bild Napoleon III. im Sammtrahmen, das dieser unmittelbar nach dem 2. December 1851 an den Papst geschickt hatte. Enu Bibliothek von Meß- und Gebetbüchern und eine Unzahl von künstlichen Blumen waren gleichfalls verkäuflich.
— (Ausländer in Frankreich.) Die amtliche „Statistique de la Frange“ gibt über die Zahl der gegenwärtig in Frankreich wohnenden Fremden folgende interessante Aufschlüsse: Die Gesammtzahl beläuft sich auf 801,754 Köpfe, d. i. 2.17 pCt. der ganzen Bevölkerung, während des Verhältniß im Jahre 1851 1.06 und im Jahre 1872 2.03 betrug. An der Spitze stehen die Belgier in der Stärke von 374,398, wovon 244,143 auf das Nord-Departement und 40,816 auf das Seine - Departement entfallen, . Dann folgen die Italiener mit 165,313 (hauptsächlich in Marseille, Nizza und Paris), die Spanier mit 62,437 (vorwiegend in den Nieder-Pyrenaen ' und in Paris), die Schweizer, auf viele Departements vertheilt, mit 50,203 nun erst die Deutschen, deren Zahl seit 1866 um 38pCt. abgenommen hat' mit 59,028, wovon 21,834 Paris und Umgebung bewohnen, weiter die Engländer mit nur 30,077 (vorwiegend in Paris, Nizza, Pau und einigen nördlichen Departements). Wir vermissen in der Liste die Zahl der Oester- reicher und Ungarn und erfahren nur noch, daß die frenwen Amerikaner, Russen, Skandinavier, Rumänen und Asiaten fast nur in Paris, die Griechen, Türken und sonsttgen Levantiner auch in Marseille in größerer Anzahl zu finden sind.
— (Ein Almosen auf Credit.) In der Neujahrsnacht — so erzählt em Pariser Plauderer — ging ich mit einigen Freunden durch das. Quartier latin, als ein bettelnder Knabe uns mit der ganzen liebenswürdigen Dreistigkeit der Pariser Gamins den Weg vertrat uno um einen Sou bat. Wir ließen ibn eine Weile vor uns hertänzeln, dann griff ich in die Tasche, um ihm die verlangte Münze zu geben, aber ich hatte kein Kleingeld. Auf meine Mitthellung hiervon erwiderte er kurz und gut: „Das thut nichts, mein Herr. Ich creditire Ihnen. Wo wohnen Sie?" Der gute Einfall machte uns herzlich lachen, der Gamin erhielt dafür von allen Seiten weit mehr, als er erbeten hatte. Ein bettelnder Gassenjunge,. der vertrauensvoll creditirt — der Mann muß ein geordnetes Geschäft und: Ersparnisse haben! — Kann eine Stadt unter glücklicheren Zeichen ein neues Jahr beginnen?
— (Die neueste Todtenliste der Times) bringt eine Anzahl bemerkenswerther Fälle hohen Alters. Es erreichten 14 Personen ein Alter von über 80 Jahren, deren Gesammtlebenszeit 1179 Jahre ergibt, was ein durchschnittliches Alter von mehr als 84 Jahre für jede Person aus- 1 macht. Im Alter von 70—80 Jahren sind 10 Personen gestorben, die eine durchschnittliche Lebenszeit von 74s/< Jahren erreicht haben. In Landpoit, Somerset, starb Ende 1878 eine Wittwe, Namens Davis, in dem hohen Alter von 102 Jahren.
— (Der Consum geistiger Getränke in England und in Amerika.) Allgemein herrscht die Meinung vor, daß Amerika dasjenige Land fei, in welchem den geistigen Gettänken am lebhaftesten zugesprochen werde. Es ist dies em großer Jrrthnm. Wie wir der officiellen Statistik Amerikas entnehmen, wurden im Jahre 1877 dort consunnrt: Whisky und ' andere Spirituosen 56,848,525 Gallons zu 6 Doll. --- 341,091,150 Doll, gegohrene Getränke 9,074,360 Barrils zu 20 Doll. —181,486,120 Doll., int= portirter Brandy 1,386,670 Gallons zu 10 Doll. —13,866,700 Doll., Wein 5,723,469 Gallons zu 6 Doll. — 34,340,814 Doll., im Hause erzeugte Branntweine für 25,000,000 Doll., zusammen für 595,784,784 Dollars oder 113156,957 Pfd. Sterl. — In England wurden consumirt: Englische Spirituosen 29,880,176 Gallons zu 20 Shilling — 29,889,176 Pfd. Steil, importirte Spirittiosen 10,618,564 Gallons zu 24 Shilling —12,742,277 Pfd. Sterl., Wein 17,671,273 Gallons zu 18 Shilling — 15,904,146 Pfd. Steil, Bier 30,267,641 Barrils zu 54 Shilling = 81,722,632 Pfd. Sterl., Eider 17,500,000 Gallons zu 2 Shilling = 1,750,000 Pfd. Sterl., zusammen 142,008,221 Pfd. Sterl. England consumirte somit um 29 Millionen Pfd. Sterl. mchr Spirituosen als Amerika. Noch größer wird die Differenz wenn wir den amerikanischen die englischen Preise substituiren. Der Wem des amerikanischen Consums lebuctrt sich alsdann auf 931/? Million« gegen 143 Millionen Pfd. Sterl. in England. Bei Annahme einer Bevölkerung von 45 Millionen für Nordamerika und 32 Millionen für England ergibt dies einen Jahres-Confum von nicht ganz 2 Pfd. Sterl. per Kopf in Amerika, hingegen nateu 4V- Pfd. Sterl. per Kopf in England.
— (Einwanderung in Nord-Amerika.) Die Emwanderungs' statisttk für die ersten 11 Monate laufenden Jahres weist im Vergleich zur Parallel-Periode der Vorjahre eine bedeutende Zunahme der im Hast» von New-Aork Gelandeten auf. Vom 1. Januar bis zum 30. November 1878 langten dort 116,049 Personen an, von denen 43,902 bereits früh» in den vereinigten Staaten gewesen, während 72,147 fremden Ländern angehörige Einwanderer waren. Die Zahlen für dieselbe Periode während der Jahre 1877 und 1876 stellen sich: 92,682 resp. 109,592 Gelandete, davon 40,673 resp. 43,872 bereits früher in den Vereinigten Staaten gewesene und 52,009 resp. 65,820 wirkliche Einwanderer. Die im Laufe dieses Jahres angelangten Einwanderer Vertheilen sich der Nationalü» nach wie folgt: 22,177 Deutsche, 12,541 Irländer, 8871 Engländer, 4068 Schweden, 3884 Italiener, 3210 Russen, 2760 Norweger, 2186 Dänen, 1924 Böhmen, 1909 Schweizer, 1723 Schotten, 1538 Franzosen, 942 Oester- reicher, 735 Spanier, 641 von Westindien, 623 Walliser, 575 Holländer, 529 Ungarn und der Rest vertheilt sich auf 22 andere Länder. _
— (Schlechter Trost.) Stammgast eintretend und sich zur Kellnerm * wendend: „Nun, Julie, ist frisch angesteckt?" — „Ja wohl, Herr Secretast t schon lang!"
