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Wiesbadener TagMatt.

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I :

3luS meinen wirren Fieberreden mochten sie mancherlei errathen baben denn als mein Bewußtsein zurückkehrte, sah ich oft in meinem Halb schlummer, daß die Augen der Alten voll scheuer Neugier auf meinen verfallenen Zügen ruhten. Aber sie fragte» mich nie; den wenige» Be. kannten gegenüber galt ich für ihren Verwandten, der auf der Wander- schäft bei ihnen vorgesprochen habe und erkrankt sei. Niemand ieboi Men rmchzu suchen, obschon bereits Monate seit meiner Flucht vergangen waren. Trotzdem wagte ich mich nach meiner Genesung kaum auf die Straße hinaus, aus Furcht, angehalten und in'S Gefängniß geführt werden. Allein Niemand kümmerte sich um mich. Ich blieb bei meinen Pflegen»»-» und theilte mit ihnen, was ich noch besaß. Von der Heimatd erfuhr rch nichts, denn zu fragen wagte ich nicht, aus Furcht mich zu ver- rathen und meine Schwester noch unglücklicher zu machen, als sie bereits war. Ich wußte, daß sie nicht verlassen war, so lange Meinhardt lebte wenn rch auch nicht mehr hoffen durfte, sie als sein Weib zu sehen. Als meine Baarschaft auf die Neige ging, wagte ich es, mich nach Arbeit um. zusehen, aber es ward mir schwer, Verdienst zu finden, denn meine Kennt- nrsse zu verwerthen, verbot mir die Vorsicht, und ein Handwerk hatte ich mcht gelernt. Zugleich bemerkte ich, daß Liese, die Tochter meiner Wirthin, wich nicht ungern sah. Sie war ein liebliches, stilles Wesen das niemals an sich selber dachte, und ihre schüchterne Liebe zu mir, dem Ausgestoßenen, Heimathlosen, rührte mein verwaistes Herz. Da ward der Thürmer hier oben vom Blitz erschlagen. Ich bemühte mich um die Stelle und erhielt sie, da sie zu wenig verantwortlich war, um Fragen nach meinem früheren Lebenswandel nöthig zu machen. Ja, man gab sie mir gern, mochte doch lieber ein „Hergelaufener* den gefährlichen Posten übernehmen, statt eines der guten Bürger dieser Stadt. Daun i bat ich Liese, mein Weib zu werden. Ihr Glück belohnte mich für Alles, . was ich bisher gelitten, aber zuvor bekannte ich ihr mein Verbrechen, Sie schauderte nicht vor mir zurück. Ja, sie gestand mir, daß sie längst dergleichen geahnt. Dennoch hatte mich das treue Geschöpf geliebt. Wir zogen herauf in dies enge Gemach, und unser Leben, hoch über des ’ Häuptern der ehrbaren, gewiffensreinen Städter, gestaltete sich zu einer friedlichen Idylle. Hätte die wohlweise Bürgerschaft geahnt, daß es Mörderhände waren, unter denen allabendlich die Glocke von St. Anne« zum Feierabend und zum Gebete rief! — Dann wurdest Du uns geboren, ! und das Glück Deiner Mutter war vollendet. Auch ich gab mir Mühe, ' die Vergangenheit für immer zu begraben, aber es gelang mir nicht: die Sorge um das Schicksal meiner Schwester, der Gedanke, ein vogelsreier Mörder zu sein, ließen mich zu keinem dauernden Frieden kommen. Du warst etwa ein Jahr alt, da kehrte ich eines Abends von einem meiner seltenen Ausgänge heim, für die ich gewöhnlich die Dämmerung wählte. Da bog ei» Mann aus einem Gäßchen und schritt langsam vor mir her. Gestalt und Bewegung erschienen mir so seltsam bekannt und vertraut, daß mir vor Schreck fast der Athem versagte. Unbemerkt suchte ich ihm zu folgen. In einer menschenleeren Straße erreichte ich ihn und schritt langsam an ihm vorüber. Er wandte flüchtig das Gesicht nach mir um.

war es wirklich — Meinhardt. Was wollte er hier, hatte er meine Spur gefunden? Mein Kopf schwindelte, während ich anscheinend ruhig Weiterung. Er hatte mich nicht erkannt, denn ein dichter Bart verbarg mein Gesicht, das der Hut überdies beschattete. Noch einmal kehrte ich um, ihm zu begegnen. Wie war er verändert! Die einst so jugendkräftige Oestalt gebeugt, die Züge eingefallen und schlaff, schritt er au mir vorüber, und sem müder Blick schweifte ahnungslos über mich hin. Er hatte schwer gelitten, schwerer vielleicht als ich. Dann trat ich an seine Seite und rief leise seinen Namen. An der Stimme erkannte er mich, und der fast verklärte Ausdruck feiner Züge verrieth mir ohne Worte, waS er impfand. Er winkte mir zu schweigen, und seinen Arm in den meinen legend, ührte er mich m seine Wohnung. Das Erste, was ich dort erfuhr, war, daß ich kein Mörder sei. Der Verwundete war nicht gestorben. Als er nach langer Krankheit reden durfte, verweigerte er jede Auskunft, wie er zu der Wunde gekommen sei. Ein Rest von Ehrgefühl, vielleicht auch man etfa*Mn' daß er von mir geschlagen worden sei, verschloß ihm den Mund. Nach seiner Genesung hatte er meine Vater» tadt verlaffen, und Meinhardt wußte nicht, wohin er sich gewendet. Dann erst fragte ich nach meiner Schwester. Sie war todt. Schreck und Kummer hatten sie auf das Krankenlager geworfen, von dem sie nicht mehr erstand, vielleicht weil sie nicht weiter zu leben wünschte. 3« M-whardt's Armen ist sie verschieden." (Fortsetzung folgt.) i. - Für die Herausgabe verantwortWsLoiiis Schellenberg in Wiesbaden.

Prinzeß Rothhaar.

Erzählung von Max von Schlaegel.

(11. Fortsetzung.)

. Der Thürmer hielt einige Augenblicke erschöpft inne,, dann fuhr er m seiner Erzählung fort: 19

„An demselben Abend kam Meinhardt, um sich daö Jawort ru k ,3*9 fa9tc 'hm Alles. Er hörte mich ruhig bis zu Ende an nur daß ein eigenthümlicher, grauer Schimmer über sein Gesicht floa und er plötzlich aussah wie ein alter Mann. Mühsam stand 7r auf? "5“ Hetzen," sagte er mit klangloser Stimme, „oder soll man auf das Grab Deines Vaters einen Galgen pflanzen?" Ich folgte ihm °'is d!? Stadt m ® Jn“8- Als es Nacht ward, schafft- er mich

hierher Nach wochenlangem Kreuz- und Querwandern kam ich nahm Muster, die mit der ihrigen dicht am Thor wohnte, beiden S?»Äf \ ld> ^hür bewußtlos zusammenbrach. Die mich trotz ihrer Arwuth mit aufopfernder Geduld.

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