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Verlag Langgasse 21

„Tagblall-Haus".

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„Tagblatt-Hans" Nr. 8658-53.

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^nnerstag. IS. Oktober 1914. M | l » »»»»»«

Morgen - Ausgabe.

Nr. 481. ♦ 62. Jahrgang.

Vir und Frankreich.

„ ^!ere Stellung, unser seelisch-geistiges Verhältnis ti!^8länhern und Franzosen ist gewiß in sich ver- Iliko?' loenn uns England gegenüber nicht , Haß, sondern auch Verachtung zu einem G e- C °°r sittlichen Pflicht wird, so sind wir. w:e !k/, weithin beobachten kann, in unserer Gerechtrg- , Uebe bereit, den Franzosen mildernde Umstände zu ^yren. Aber man muß doch fragen, ob uns unsere Naivität hier nicht wieder eimnal einen Streich ' den wir unter Umständen zu bedauern haben ■ en - Zum mindesten sollte man sich davor hüten,

kld

it e 3 l tverantwortung Frankreichs an dem uns lijst^ast aufgenötigten Kriege so gering anzuschlagen, ikl m dreifach geschieht. Die Ansicht hat sich festgesetzt, ^Rußland und England hauptsächlich, eigentlich \ die wahren Urheber des Krieges seien. Die streit aber ist, daß diese beiden Mächte sich nre v „ <, En .hätten, wenn Frankreich nicht ihre .i? d e ineinander gelegt haben würde. Es Verdienst der Republi k, daß sie jahrzehnte- l»H stieben gehalten hat, sondern sie mußte es, weil ,Me genügend starken Verbündeten hatte. Ihr ?/e war stets auf Krieg gegen unS ge- ' ^^d ohne diesen Willen wäre das Bündnis mrt Iond nicht zustandegekommen; ohne ihn hätte Eng- l7, Nicht die Diöqlichkeit zur Durchführung seiner Em- ^Wgspolitik gehabt. Wenn bei uns verschiedentlich !. Migung besteht, Frankreich zu entlasten, so_ dürfen . ^niber nicht vergessen, duß gercvde die sichtbare s^sigkeit der französischen Rachepolitik anderer- ^elastungs Momente ciithält, die sich der ... Englands und Rußlands mindestens ^stellen. Man kann bis zu einer gewissen anerkennen, daß Großbritannien trotz seiner i( ^ueri Scheinhciligkcit, trotz seiner Krämerhastig'' :w ^otz seiner schandbaren Gewissenlosigkeit für ;« ^oßen Gedanken käinpft, für die Erhaltung -der sh? uns angeblich bedrohten Alleinherrschaft Meere. Man kann ebenso anerkennen, daß Dentschtnm und Russentnm eine unüberbrua- 'i,s ^luft gähnt, und daß die Schicksalsfrage, wer ^Hammer und wer Amboß sein soll, irgend- il,v, gelöst werden mußte. Aber was will eigentlich N^eich? Wo steckt seine geschichtlich-ethische ^ Tr:Ä>- , sn diesem seinem Angriffskriege gegen uns. Jauräs gefragt, und er hat kerne Antwort -kj s gefunden. Er vermißte die tragende „Idee Zur erstarrten Gewohnheit gewordenen Wer- mit dem eine Clique von Ehr- Mlflen und leichtfertigen Nachbarn das gewordene Volk irveführte. Die Clique hat £ 'hren Willen durchgesetzt, und die Verschuldung ^jMösi.schen Volkes beruht hauptsächlich darin, daß stark genug war, sich gegen eine verbrecherische Ki wehren, deren furchtbare G e fah ren

8? .

M^kaqnt worden waren. Das bei uns obwal- f^^mhl eiirer gewissen verzeihenden Schonung den K nIsu gegenüber hat seine Wurzel denn auch in .sllkx„>,uhisuiäßigen Unterscheidung zwischen den Ver- und den Verführten jenseits der Vogesen, aber i^ten 8 Gruppe wird man von uns aus am wirk- H ^Ksvringen können, wenn wir der ersten die M^uvhmen, jemals wieder einen Weltbrand zu r ^oß damit an seinen Gluten das kümmer- )!k^°anchnsüppcheu angewärmt werden kann. Jede N unseres Verhältnisses zur Republik mündet in die Frage aus, wie wir uns in Zukunft

«I^Evarteirdcn Ersolges kann

Diese

Seite hin am zweckmäßigsten sichern können, -Bedingungen wir also im Falle des doch u «t-r-ijgeg den Fraiizosen werden

Frage mit Einzelheiten zu » w.V- kann beute noch nicht am Platze sein, aber

n- ch-

..- , unabsehbare

^ dieser Notwendigkeit findet die sonst ja zu " - ^.Empfindung der verschiedenen Bewertung ihre Schranke und ihre Ergänzung.

iH^P 1 Fussen. _ . _

" "’eh t Qnn heute noch nicht am Platze sein,

[>!,. m ufe herrschen, schon jetzt und u , ^ r ch: die Pflicht zur Unschädlic

Fr a n k r e i ch s für

f W cv .

Kwpanjje ___ .

dfg^-mnn heute wissen, inwieweit es gelingen mag, k*» kv Uerlichen Miit-erschatten der dauernden Kickierunla rd wi es P der r L^^ichon

^.usgabe bei. ---

^ n ru.m wird es geschehen. Es bleibt eine Mißlich

ibg?^and wie gegen Rußland so zu beschaffen, daß ^rg^lites Vertrauen in eine ferne Zukunst hinein ... ' r,r ’"“ weniger ungewiß ist die Aussicht (sie Ufr, wtzt s o gut wie gewiß), -daß wir

i.Ee den Franzosen gegenüber werden lösen

Wahrheit, daß Frankreich die öj zfnD ^stebkraft dieses Weltkrieges war und ist, bezug auf die letzten zur Entscheidung

. Entwicklungsstadien, um so. mehr jedoch vgi.-Mungqeb'en>der Meise in der Bergan g en- wlt dem Jahre 1871. In dieser ganzen Zeit

hat die Rep.nblik von uns nur Wohlwollen er­fahren; n n r durch unsere Duldung, ja Begünstigung konnte sie ihre umfassende Kolonialpolitik begin­nen und durchführen, lind in keinem Augenblick wurde sie je von uns bedroht. Dafür hat uns Frankreich durch seine, von kriegerischen Entschlüssen geleitete Bündnispolitik gedankt. Wenn wir ^das vergessen woll- ten, so würden wir abermals als die politischen Träumer dastehen, die sich von Gefühlen statt von Pflichten zum harten Handeln leiten lassen. Wir brau­chen die Franzoseil nicht zu hassen und tun es auch Nicht, aber wenn wir Großmut zeigen sollen, so darf es tmmer nur innerhalb der Grenzen geschehen, die uns durch die Rücksicht auf unsere Lebensinter- essen vorgeschrieben sind.

Ein gutes Verhältnis zwischen unseren Truppen und den Einwohnern von Gent-

W. T.-T3. Amsterdam, 14. Oki. „Nieuwe van den Dag" meldet aus Sas van Gent unter dem 13. Ott.: Aus Gent wird berichtet, daß sich die Einwohner den Deutschen gegen­über freundlich verhalten; das gegenseitige Verhältnis sei gut. Die Deutschen erklärten die Genter für brave Leute, denen sie durchaus nichts Böses tun würden.

Zur deutschen Besetzung von Lille.

hd. Genf, 14. Okt. Die französische Presse sucht zwar die Bedeutung der verblüffend rasch bewirkten Besetzung von Lille durch die Deutschen zu verkleinern, muß aber zugestehen, daß die hervorragende deutsche Manövrierkunst dem frangösischen linken F l ü g e l vor eine höchst schwierige 'Aufgabe stellt, die voraussichtlich erbitterte Kümpfe, zwischen A r r a s und Albert sowie bei Hazebronk bedingt. — Von den. französischen Schlachtfeldern wird der Tod von drei bekannten Radfahrern, Poulain, Lapeze und Troufeliere, gemeldet.

D-rutsch-holländische Verständigung über die Rückbeförderung der belgischen Flüchtlinge.

bä. Rotterdam, 14. Okt. Die niederländische Regierung hat sich mit der deutschen Militärbehörde über die Rückbe­förderung der Flüchtlinge nach Antwerpen verständigt. Die Rückbeförderung wird allmählich geschehen.

Gefechte bei Selzaete.

W. T.-B. Amsterdam, 14. Okt. (Nichtamtlich.) „Nieuwe van dein Dag" melbet aus Selzaete vom 13. Oktober: Die gestern hier eingetroffenen Deutschen stellten die von Belgiern zerstörte Brücke wieder her. Landwehrtruppen waren morgens 'damit be- schöftigt, westlich von Selzaete Laufgräben aufzu- Werfen. Einige Bahngeleise waren zerstört, 'die Tele-- graphen- und Telephonapparate vom Bahnhof wegge- nommen. In der Richtung auf Seebrügge ist an- scheinend ein Gefecht im Gange; den ganzen Vormittag über war von dort Kanonendonner vernehmbar.

Die deutschen Flieger über Paris.

Die Entrüstung in Paris.

Br. Turin, 14. Okt. (©iß. Drahtbericht.; Ktr. Sin.) Der deutsche Flieger, der Montagfrüh Paris überflog, hat. wie sich jetzt herausstellt, nicht eine,.sondern insgesamt vier Bomben niedergeworfen. Die über den Nordbahnhof ge­worfene Bombe, die das^ Dach des- Bahngebäudes durchschlug, fiel zwischen zwei zur Abfahrt, stehenden Z ü g e, die mit Passagieren dicht besetzt waren. Sie verursachten eino furchtbare Panik, doch sollen keine Menschen umS» Leben gekommen sein. Der Sachschaden war bedeu. tend. Die vier anderen Bomben haben außer größerem Gebäudeschaden drei Personen getötet und mehrere schwer verletzt. Die Pariser Presse spiegelt die namen­lose Entrüstung der Pariser Einwohnerschaft wider, und von der Negierung werden stürmische wirksame Maß­regeln verlangt, um ein- für allemal die Möglichkeit aus­zuschließen, daß deutsche Flugzeuge überhaupt weiterhin bis nach Paris Vordringen können.

bä. Amsterdam, 14. Okt. Wie aus Paris gemeldet wird, fiel eine der Bomben, die am. Samstag von einem deutschen Flieger über Paris abgewo.rfen wurden, in den Hof der am Boulevard Montmartre gelegenen Druckerei der Hetz- zeitnng „Libre Parole". Am Montag patrouillierte ein gepanzertes Bleriotflugzeug ständig über Paris, um die deuffcheu Flieger abzuwehven.

Versicherung Londoner Warenhäuser und Banken gegen Zeppelinbeschießung.

Sr. London, 14. Okt. (Eig, Drahtbericht. Ktr. Mn.) Lloyds versichern jetzt große Warenhäuser und Banken gegen Bombardements und Zeppeline für eine Prämie von 3 y 2 bis 5 Prozent.

Der amtliche französische Tagesbericht.

Angebliche Fortschritte.

VY. T.-B. Paris, 14. Okt. (Nichtamtlich.) Amtliche Bekanntmachungen vom 13., 3 Uhr nachmittags, be­sagen femer: Im Zentrum sind wir leicht gegen

Souain, westlich der Argonnen und nördlich von Malan eourt, zwischen den Argonnen und der Maas borge

Zangen. Auf dem rechten M a a s u f e r gingen unsere Truppen, welche die Maashöhen im Osten von Verdun besetzt halten, südlich der Straße Verdun- P«:tz vor. In der Gegend von Apremont gewannen wir auf unserem rechten Flügel ein lvenig Boden und schlugen aus den: linken Flügel Angriffe zurück. In den Vogesen und im Elsaß sind keine Veränderun­gen eingetreten. Zusammenfassend kann man sagen, daß der gestrige Tag Fortschritte unserer Truppen auf verschiedenen Punkten des Schlachtfeldes gebracht hat. Amtliche Bekanntmachung voin 13., 11 Uhr abends: Es ist nichts zu melden, außer einem Vormarsch in der Gegend von Berry au Bac.

Oie Verfassung der Garibalüischen Zreischar.

hd. Rom, 14. Okt. Aus Montelimar wird gemeldet, daß Pappena Garibaldi alle Mühe hat, seine Abenteurer­truppen im Zaun zu halten. In dem von ihm für Frank­reich zusammengestellten Korps, das neben gebildeten Leuten besonderer Stände zumeist entgleiste Existenzen enthält, herrschen wüste politische Zänkereien.

Ein russischer Kriegsbericht.

W. T.-B. Petersburg, 14. Okt. . (Nichtamtlich.) Nach dem gestrigen Bericht des Großen Generalstabs dauern die Ope­rationen an der Front fort, die sich aus der Gegend von Warschau längs der Weichsel und des San-Przemysl und weiter südlich bis zum Dnjestr erstrecken. In Ostpreußen seien keine Veränderungen eingetreten.

Russische Lügen.

W. T.-B. Wien, 14. Okt. (Nichtamtlich. Wiener Korr.. Mtreau) Ein russischer Bericht vom 13. Oktober besaigt: Ab-, teilungen russischer Kavallerie sind, nachdem sie mehrere Karpcrthenpässe überschritten hatten, in die ungarische Ebene vovgedrun-gen. Diese Meldung illustriert die Wahr­haftigkeit der russischen amtlichen Kundmachungen. Tatsäch­lich sind bekanntlich die über- die sjWchakhon vongegangonen Truppen läng st z u r ü ck g e s ch l a g e n, bevor noch irgend eine Abteilung derselben die ungarische Ebene erreicht hat.

Der russische Rückzug auS Ungarn.

Die „Frankfurter Ztg" meldet aus Budapest, 13. Okt.: Die noch innerhalb der Grenzen ungarischen Landes besind- lichen russischen Truppen, die sich fluchtartig über die Gren­zen zu retten versuchen, erlitten in den letzten Tagen aber­mals schtvere Niederlagen. Bei Toronha, Kaszon-Mezoe und Terebes-Feherpatak wurden sehr viele Gefangene gemacht. Auf ihrer Flucht haben die gtussen in mehreren Ortschaften viele Häuser zerstört und geplündert. Soweit sich bisher übersehen läßt, hat der Einsall nach Ungarn den Russen an Verwundeten, Toten und Gefangenen etwa 15 000 Mann gekostet.

Die Furcht vor den Ulanen. — Die kühnen Streifzüge unserer Reiter.

W.T.-B. London, 14. Okt. (Nichtamtlich.) In dem Ber-icht eines englischen Korrespondenten über die ldentschen Ulanen heißt es: Ich befand mich mit eini­gen Beamten und anderm Personen auf einer Bcchn- stntion Nordfrankreichs, als plötzlich Ulanen gegen den Bahnhof galoppierten und verlangten, daß die Beamten und Zivilisten sich ergeben sollten. Glücklicherweise kamen im Augenblick darauf französische Dra­goner an und es entspann sich ein Kampf, wodurch die Zivilisten der Gefangenschaft entgingen. Die Episode zeigt, wie verblüffend die Ulanen austauchen. In verschiedenen kleinen Abteilungen dtrrchreiten sie die französischen Dörfer, verlangen Auskunft und Essen. Das plötzliche Austauchen bei einzelnen Bauernhöfen und das kecke Eindringen an verschiedenen Stellen, wie bei Hazebronk, beunruhigt die Einwohner auf weite Strecken, so daß alle Wege schwarz von Flüchtlingen sind, die bei Tag und Nacht mit ihren Kindern fortwandern, aus Furcht vor den Streif­zügen der deutschen Ulanen.

Der Eindruck der neuen kseldenlat unserer Marine in Gesterreich.

W.T.-B. Wien, 14. Okt. Die Blätter besprechen den Untergang des russischen Kreuzes „Pallade" und widmen der neuen deutschen Heldentat herzliche Worte. Das „Neue Wiener Tagblatt" meint, der Verlust eines ihrer schönsten Kreuzer werde auf die baltische Flotte jetzt noch lähmen­der einwirken. Immer mehr zeige cs sich, daß die deutsche Wehrmacht in ihren Belagerungsgeschützen. Zeppelinen und Unterseebooten AngriffSwasfen besitze, denen die zu Beginn des Krieges so selbstbewußten Ententemächte nichts Eben­bürtiges entgegenzustcllen haben.

Eine falsche Nachricht des russischen Kdmiralstabs.

W. T.-B. Berlin, 14. Okt. (Nichtamtlich) Das offizielle Petersburger Telegraphenbureau verbreitet eine Nachricht des russischen Genaralstabs, wonach bei Vernichtung der „Palaba" zwei deuffche Unterseeboote versenkt worden seien. Diese^Mitteilung ist, ivie wir an a m t I i cher Stelle ers^g^l« ' in j ed er Hinsicht unzutreffend