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Expedition r Langgasse No. 27.

? Der hiesige Schutzmann Weiland ist zum Pedell an der höheren Mraerlchnle ernannt worden.

* ? Bei der gestern stattgehabten Versteigerung der de» Erben der Wittwe h,ä -riedrich Ludwig Burk gehörigen, in der Langgasse belegenen fiofrattbe, taxirt 68,000 Dkark, ist Herr Heinrich Carl Christian « »r k mit 72,000 Mark Letztbietender geblieben. Da» der Wittwe und «rben de« verstorbenen Küfer« Wilhelm Körnchen gehörige, in der ^lenenstraßc belegene Wohnhaus mit Hinterbau, taxirt 42,000 Mark, ist dir Wittwe Körnchen zu 41,600 Mark zugelchlagen worden.

3 Der zwischen Sonnenberg und Bierstadt belegeneHof Lindevthal', Mer Eigenthum der Frau Wustermann Wittwe, ist an Herrn Schulz «as Rußland sür 32,000 Mark verkanst worden.

Seil einigen Tagen übt besonder« auf die Kinderwelt eine ,n, Sehenswürdigkeit unserer Stadt ihre Anziehungskraft. Wir meinen Taddei's Rffen-The ater aus dem Fanlbrunneuplatz (Bleichstraße), »ilche? sich iöglich eine« zahlreichen Besuch« zu erfreuen hat. Die vier- Mine» Künstler find recht gewandt; besonders verrathe» die Hunde eine -ui- Dressur, während die Affen durch ihre angeborene Komik belustigen; -ut eine Ziege produzirt sich in Kletter- und Balancirkünsten, die lebhaften steisall finden. Da« Programm ist sehr reichhaltig und können wir einen «eluch der Bude nnr empfehlen.

Mainz, 18. Juli. (Kühnheit und Au«dauer.) Sestern Mittag wurde am neuen Winterhafen ein von Straßburg hierher transportirte« Wungsgefchütz vom größten Kaliber verladen; der den Lafettenwageu be- -leitende Kanonier mußte zu diesem Zwecke etwa« Hufen, in dem Augen, ilicke passirte aber gegenüber die Ravgirmaschine die Bahnlinie, die Pkerde Leuten, husten zu weit nach der Hafenböschung, der Lafettenwagen rollte die «eile Böschung hinab und verschwand mit den Pferden im Hase». Rasch luischlofle» stürzte der Kanonier nach, tauchte unter, kam aber nach uuver. lichterer Sache wieder an« dem Wasser hervor. Nochmals tauchte er unter uud e« gelang ihm, den vorderen Theil de« Lafettenwagens auszuhöngeu nnb sich und die Pferde ober Waffer zu bringen; die Pferde waren gerettet! Zum dritte» Male t-nchte nun der Kanonier unter nnb befestigte eine Kette ,u dem Hinteren Theile der Lafette, damit dieselbe durch Anwendung einer Maschine aufgezogen werden konnte. Aber noch zum vierten Male wagte der Manu unterzutauchen, um seine verlorene Mütze zu holen. Der Mann wird wohl seine» Gleichen suchen dürfe». (M. An,.)

«««st. Theater. Coneerte.

A In einigen Tagen wird die einzig in ihrer Art dastehende Nordpol- E-mäldeausstellung von I. L. Wense! int Eckpavillon des Kurhauses eröffnet werden. Die Gemälde wurden im verfloffenen Herbst« beendet und waten während des Winters in Hamburg ausgestellt. Sie sind Kunstwerke ersten Ranges und ernteten sowohl einen sensationellen all- gemeinen als auch speciell Kunsterfolg. Di« ganze Hamburger Prefle zollte de« Kunstwerken ungeteilte Anerkennung und Bewunderung md wendete ihnen während der ganzen Ausstellung unausgesetzt das wärmste Int,reffe zu. Herr Wensel ist ein Künstler von europäischem Ruse, sowohl im Landschaft- als Porträtsache. Er arbeitete unausgesetzt drei Jahre an liefet großartigen Ausgabe und er hat außer der Kunst dem Vaterlande einen Dienst geleistet, denn er ist der erste seines Faches, welcher sich die lufgabe stellte, die Thaten unserer deutschen Männer im Bilde vor Augen ;te führen, deren großartigen Leistungen leider diejenige Anerkennung des deutschen Volkes nicht zu Theil ward, welche sie verdienten. Die österreichische Rordpol-Expedition kehrte zurück, von unbeschreiblichem Jubel empfangen, doch um die Rückkehr unserer zweiten deutschen Nordpol-Expedition, welche Größeres geleistet, kümmerte stch Niemand: die gewaltigen Wogen der Erregung des Jahres 1870 brausten darüber hinweg. Herr Wensel hat die Bilder in Hamburg unter stetem Umgang mit Theilnehmern jener Expedition ieendet. Dieselben find wissenschaftlich correct. Das größte Bild falt die Schollenfahrt der Hansamänner noch erlittenem Schiffbruch während 200 Tagen dar. Wir lassen die competentesten Urtheile, weiche diesen Werken überhaupt zu Theil werden können, folgen: »Die von Herrn Wensel gemalten Bilder, welche fünf Scenen aus den Reisen der beiden Schiffe .Germania' und .Hansa' der zweiten deutschen Nordpol-Expedition und ihren Mannschaften darstellen, entsprechen der Natur der Landschaften und dem dort von uns Erlebten in einer Weise, daß ich in der Tbat beim ersten ilnblick der vollendeten Bilder auf das Außer ordentlichste überrascht wurde. Herr Wensel hat es verstanden, die ganze Großartigkeit und Erhabenheit der grönländischen Gebirge und der aretischen Eisfelder mit einer Naturtreue gi schildern, die ich, wie ich wohl gestehen kann, noch nirgends vorher bei llbbildungen arktischer Gegenden gesehen habe. Die in der Beschreibung angegebenen Daten sind absolut correct, ebenso sämmiliche Zeichnungen der Reinen Theile der Schiffe, Böte, Schlitten, Zelt rc. Hamburg, 27. December 1876. Carl Koldewey, Führer der II. deutschen Nordpol-Expedition Mb Kapitän derGermania'.' »Herrn Wensel bezeug« ich gerne, daß die fon ihm gemalten Bilder der II. deutschen Nordpol-Expedition so natur- liiteu als nur irgend möglich sind, und sich auf Thatsachen beziehen, welche »ir wirklich erlebt haben. Ganz besonders schön, sind die Farben und Formen der Eismaffen gelungen, was um so anerkennenswerther ist, weil Herr Wensel nicht nach eigener Anschauung arbeiten, sondern vielmehr erst biefelben nach vielen mühsamen Versuchen zu der Vollendung bringen konnte, »le sie sich jetzt auf den Bildern darstellen. Hamburg, 29. December 1876. F. Hegemann, s. Z. Kapitän der »Hansa'.' Die Gemälde werden durch «oriräge und genaue Karten erläutert. Wir behalten uns näher« Be- M-chung darüber vor, wollten aber heute schon die Aufmerksamkeit unserer «!« aus dies« äußerst intereffante Ausstellung zu lenken nicht unterlassen.

Aus dem Reiche.

Für die rechtliche veurtheiluug eines Vereins als eine« .politischen" ist nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 15. Juni 1877 nur die Zweckbestimmung des Vereins, nicht die Art der Aussührung dieser Zw.'cke entscheidend. Ist conftatirt, daß der Zweck des Vereins dahin geht, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern, so fällt der Verein unter die Bestimmungen des Bereinsgesetzls über politische Vereine, gleichviel, ob that- sächlich politische Themata erörtert worden sind oder nicht.

Unteramtliche Atteste in Privatsachen', welche nach Nr. 61 des Tariss zu dem Gesetz vom 24 Februar 1869 wegen Aenderung der Stempel­steuer in der Provinz Hannover einer Stempelsteuer von 15 Sgr. unter­liegen, fallen nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals (Senats für Straf­sachen) vom 18. Juni 1877 nut solche Atteste, welche nicht nur von einem Beamten, sondern von ihm in dieser seiner Eigenschaft als Beamter ertheilt sind, also wenn die Ausstellung des concceten HtttfieS zu den amtlichen Attributen des Ausstellers gehört. Wo diese Voraussetzung fehlt, liegt, wenn auch nicht der Form, so doch der Sacke nach, nur eine Privatbescheinigung vor. I» derselben Sache hat das Ober-Tribunal in Beziehung auf die Steuergesetzgebung der Provinz Hannover noch folgenden Satz ausgesprochen: Rach §. 14 der König'. Verordnung vom 19. Juli 1867, die Verwaltung des Stempelwesens rc. rc in der Provinz Hannover betreffend, kann gegen die Producenten einer Verhandlung nur die ordentliche Stewpelstrase verfolgt werden, welche der eigentliche Contravenient verwirkt hat. Unterliegt der eigentliche Contravenient der ordentlichen Stempelstrafe überhaupt nicht, sondern al« Beamter nur einer von der vorgesetzten Dienst- und Disciplinar- behörde aufzuerlegenden Ordnungsstrafe, so kann auch von einer Einziehung der ordentlichen Stempelfirase von dem Producenten nicht die Red« sein.

(Militärisches.) Nach Beendigung der diesjährigen Herbstübungen wird das Füsilier-Bataillon des 3. brandenbrirgischen Infanterie-Regiment» Nr. 20 von Treuenbritzen nach Wittenberg, das Füsilier Bataillon des Infanterie- Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. westfälischen) Nr. 15 von Bieleseid nach Minden, da« 1. Bataillon des 6. westfälischen Infanterie- Regiments Nr. 55 von Minden nach Soest, das 2. Bataillon desselben Regiments von Höxter nach Bielefeld verlegt werden. Ferner wird im Herbst die e« Jahres das 2. Bataillon des Magdeburgischen Fuß-Artillerie-Regiments Nr 4 von Ersurt nach Coblenz biSIocirt werden. Das 2. Bataillon des 4. König!, sächsischen Infanterie-Regiments Nr. 103 ist am 30. v. M. von Kamenz nach Bautzen verlegt worden.

Nach der »Magdeb. Ztg.' soll das Werk des großen Generalstabes über den deutsch-französischen Krieg al« Anhang die Rechenschafts-Kriegs­berichte aller der Ressorts erhalten, welche von der Kriegserklärung ab bis zur Räumung des französischen Territoriums der Militärverwaltung sich zur Disposition stellten. Es werden also die Leistungen der Staats- und Privat- Eisenbahnen des Reiches, ferner die der Feldpost- und der Feld-Telegraphen- verwaltung zur Darstellung gelangen. Weiter sind in Aussicht genommen kritische Berichte Über die Thälickeit der Seelsorge im Kriege, Über da« Lazarethwesen und Über die freiwillige Krankenpflege. Damit birgt bann schließlich das Generalstabswerk ei» Material in sich, das über die mili­tärischen Kreise weit hinaus ein ganz allgemeines Interesse erregt. Die militärisch-pädagogische Bedeutung des Moltkeffchen Werkes würdigt das Aus­land womöglich noch mehr, als die deutsche Kriegswiffenschaft, und vor Allem hält der französische Kriegsminister darauf, daß jeder Zögling von St. Ehr das Generalstabswerl al« sein A-B-C-Buch ansehe.

Di« kriegsgeschichtliche Abtheilung des großen Generalstabe« beab- sichiigt, sobald das Generalstabswerk über den letzten Krieg beendet sein wird, eine Darstellung des Kriege« von 1813-15 in Angriff zu nehmen.

In der Nachweisung über die Reichseinnahmen an Zölle» und ge­meinschaftliche» Verbrauchssteuern sür da« zweite Quartal 1877 zeigt nur die Salzsteuer ein beträchtliche«, die Brausteuer ein geringfügiges Pln« gegen dm gleichen Zeitraum des Borjahre«. Alle übrigen Eiuuahmeqnelle» ergeben ein Minus, so daß die Differenz gegen da« Vorjahr zu Uuguusten deS laufenden Jahre« 3,869,696 Mark beträgt.

Im landwirthschastlichen Ministerium herrscht große Thäitgkeit. Ver­schiedene Umstände ließen darauf schließen, daß die Invasion des Kartoffel- seldes durch den Koloradokäfer bei Mühlheim a. Rh. nicht vereinzelt bleiben werde, sondern, daß mit fast jedem Schiffe diese unliebsamen Passagier« von Amerika erwartet werden können. In der That sind denn auch erst vor wenigen Tagen bei der Löschung der Ladung eines Hamburger Dampfers in ' einer Kiste mit Zwiebeln vollständig ausgebildete Exemplare des Kolorado- ! käfers gefunden worden. In Folge deffen ist di« Uederwachung aller em- laufenden Schiffe eine verdoppelt aufmerksame geworden; alle Gegenstände, welche, wenn der Ausdruck am Platze ist, als «gute Leiter' betrachtet werden können, müssen erst einen DesinsectionSprozeß durchmachen. Die Warnungs­plakate mit Abbildungen der Larve und der Eier des Käfers, welche an dt« Landbevölkerung vertheilt werden sollen, werden eben jetzt zu Zehntausenden gedruckt und versendet. _ uv .

DieHess. M.-Ztg.' schreibt-In Neustadt a. d. H. wird gegen­wärtig, veranlaßt durch die enorm hohen Bntterpreise, ein großer B »11er- ftreik geplant nnb soll nächste Woche in ganz Südwestdeutschland in Scene gesetzt werden. Postkarte» mit der Lovsung - »Nächste Woche Butterstreik! Eine Mark!' laufen in großer Zahl im Land umher und sind adresfirt: An die HanSsranen von Straßburg, Karlsruhe, Manuhetm, KatserSlautern, Neustadt, Sanbau, Edenkoben n. f. ».'

Ruhla in Thüringen, 15.Juli. D,e Industrie- und Gewerbe- Ausstellung wird den neuesten Bestimmungen zufolge am 22. Juli er­öffnet werden und bis zum 5. August dauer». Der Großherzog von Sachsen- Weimar und der Herzog von Sachsen-Eoburg-Gotha werden die Ausstellung