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Wiesbadener Tagblatt

Druck und Verlag der £ Schellenberg'schen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: laut« Schellende rg in Wiesbadens

^Hierbei 1 Beilage.)

(Eingesandt.)

Kus daS Wort der .toleranten Katholikin' im gestrigen .Togblait' hi« glaube ich gerne, daß den Damen, weiche das Dilettanten-Concert m Casinosaale »um Besten der.bedürftigsten' Wohllhätigkeits-Knstalten unser« Stadt veranstalteten, jeglicher Gedanke an confessionelle Unterschiede fern lag und sie sich nur von .Humanitären' Rücksichten leiten ließen. Ich awj es demnach als einen bedauerlichen Zufall ansehen, daß unsere barmherzig Brüder und Schwestern bei Vertheiiunz d«S Ertrages leer ausgeganzr« sind und sehr wünschen, daß die mitberathenden .guten' Katholiken und tii .tolerante' Einsenderin, deren Sprache ich, nebenbei bemerkt, doch etwai toleranter gewünscht hätte, sich von der Bedürftigkeit der genannte» Anstalt« näher überzeugen möchten.

Ich glaube aber auch mit Recht auf einen solchen Zufall aufmerksam gemacht zu haben, weil dieser, wie mir scheinen will, nur zu ost gerade bk katholischen Anstalten trifft.

Zur näheren Begründung meiner Behauptung übrigens, daß die bi' treffenden Anstalten hätten bedacht werden sollen, eben weil ihre Wirksamkeit in unserer Stadt nicht streng consesstonell ist und auf alle Confesfionen fti erstreckt, habe ich nachträglich noch Erkundigungen eingezogen, deren Ste,ultet wohl dem geehrten Publtkrim ohne Unterschied der Religion, selbst d« .Heiden' nicht unintereffant sein wird.

Im Jahre 1874 wurden von den barmherzigen Schwestern dahier a«! längere Zeit 95 Krank« gepflegt, und zwar 48 protestantische, 39 katholische 3 griechisch-katholische und 5 israelitische. Die Zahl der Nachtwach!« betrug 722. Im Jahre 1876 wurden 139 Kranke gepflegt: 61 Protestant!«, 84 Katholiken, 2 Griechisch-Katholische und 2 Israeliten. Nachtwachen wurde« 704 gehalten. Im Jahre 1876 wurden 188 Kranke verpflegt, worunter 4t Protestanten, 91 Katholiken, 2 Griechisch-Katholische und 1 Israelit sich st' fanden.

Den Umsang der Pflege der barmherzigen Brüder habe ich noch nicht erfahren können, werde aber nicht unterlaffen, ihn mitzutheilen, sobald « mir bekannt wird.Der früher« Einsender.

— (Ein Schreiben Königs Friedrich Wilhelm I. COI! Preußen an den Bischof von Würzburg.) Im Besitze einer >» Darmstadt lebende» Dame, welche über eine große Antographeu-Sammluv, verfügt, befindet sich auch da» nachfolgende bemerkeuswerthe Handschreibeo des Königs Friedrich Wilhelm 1 von Preußen. Dasselbe lautet: .Hoch, würdigster Durchlauchtigster Fürst, besonder« lieber Freund! Ich bi6t Meinem Fähnrich von Buttlar anlesohlen, große Leute auszusucheu und solch, unter Meinem Leib-Regiment gutwillig auf einig« Jahre zu engagiren. Di nun in Ew. Liebden Lande sich welche befinden, so Dienste zu nehmen hi bezeigen, so habt hierdurch Ew. Liebden ersuchen wollen, Mir die Freund, schäft zu erzeigen, und zu erlauben, daß obgedachter Mein Fähnrich o«, Buttlar einige große Leute ohne de» geringsten Zwang gutwillig und mittels eine« guten Haudtaeldes anuehmen möge; Ich swerde solche tair hierunter bezeigende Freundschaft, bey allen Gelegenheiten.wiederum zu«, kennen suchen, und zeigen, daß Ich mit aller Lonfideration bin Ew. Liebd« Freundtwilliger Freund F. Wilhelm. Berlin, 16. Januar 1725. Brschit zu Wirzbnrg Durch!.' (Allg. Mil.-Ztg.)

— In der Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg wurde «in fof ganz vollständig erhaltener Jahrgang einer gedruckten Zeitung aus dm Jahre 1609 aufgefunden. Der Titel dieser bis jetzt ältesten bekannten deutsch« Zeitung, vielleicht «ine der größte» typographischen Seltenhetten neuern Zeit, lautet buchstäblich folgendermaßen:

Relation

Aller Fürnem- men und gedenkwürdigen Historien, so sich hi» vnnd wider in Hoch vnnd Rieder-Teutschland, auch in Frankreich, Italien, Schott und Engelland, Hiffpanie», Hungern, Polen, Siebenbürgen, Wallachey, Moldaw, Türkey ic. Inn diesem 1609. Jahr verlausen vnd »»tragen möchte.

Alles aufs da« trewlichftr wie ich solche bekommen und zu wegen bringen mag, in Truck ver­fertigen mitt.

— Da« amerikanische Ei« wird voraussichtlich billig werden, Mi dann, wenn nicht wie im Jahre 1876 ein kalter Spätsommer die Stachst«»! ans ein Kleinstes zurückführt. Die Rew-Uorker EiSgesellschasten berichte», daß ihre Vorrathskammeru für den Sommerhaudel gesüllt find. Da« 6il sei vou vorzüglicher Beschaffenheit, 12 bi« 14 Zoll dick und völlig schneefrei. In de» am Hudson gelegenen Häusern hat eine Gesellschaft fast 260/WO Zone, verschiedene andere 120.000 Ton« gesammelt. E« sind für Einst««- mein dieser Borräthe 137,000 Dollar« ausgegeben worden; über 4000 Mai» und 600 Pferde find mit der Arbeit beschäftigt gewesen.

— (Korallen.) Die Korallenfischer von Torr« del Greco am Fch de« Besnv, welche bisher nur im westlichen Becken des Mittelmeere», bei»» der« an der algerischen und tunesischen Küste gefischt hatten, wagen sich jcht auf da« atlantische Meer hinaus. Das nordamerikanische Kanonenboot .Getlyi- bürg' hat nämlich in der Rähe der Azoren eine groß« Bank rosafarbene Korallen entdeckt, welche nun ausgebeutet werden soll.

auf, von dem Anbrechen der einzelnen noch unstät flackernden Lichter bii zum Vollglanz« des Orchesters, wie heiß breitet sich der Sommertag über dem wunderbar schönen Adazio auf, wie sprüht bann das Menuetts mit seinem lieblichen Trio Scherz und Lebenslust, und wie gewaltig braust das Finale im frischesten Leben nebst den eingeflochtenen kurz«» Episoden dahin! Diese Symphonie wurde von unserem voltreiflichen Orchester mit gewohnter Meisterschaft executirt. Für die Klavier-Borträge war Fräulein Anna Bock aus New Jork gewonnen. Sie spielte den 2. und 8. Satz des Hummel- schrn H-moli-$onceite, das neben demjenigen in A-moIl und dem bekannten Septette aus dem Schatz« antiquirter Concert-Compositionen am meisten noch zeitweise hervorgesucht wird, und einige Solostücke von Liszt und Raff. Ihre Technik ist eine so ausgebildete, rose sie eben für größere Concert- Vorträge erwartet werden mutz; ihr Spiel streift hin Und wieder an das Manierirte, im Anschlag weiß sie mitunter eine gewisse Weich« zu erzielen, an anderen Stellen gibt sich in demselben auch eine naturwüchsige Kraft kund. Sie wurde mit vielem Beifall, namentlich bei der 1. Nummer, ausgenommen. An Gtjangervo: trägen sind zu verzeichnen: .Recitativ und Arie" aus „Der Fall Babylons' von Spohr (Herr Peschier) und die Lieder .Allmacht' von Schubert und .Immer bei Dir' von R-ff (Fräulein Pessiack). Herrn Peschier's Stimme wie Vortragsweise sind sür Compositionen lyrischen oder sentimentalen Eharakters vorzüglich geeignet, und so fand den» auch die Spohr'sche eint anmuthende Vorsührung. Bei Fräulein Pessiack, deren Stimmmittel bei natürlicher Verwendung so brillant find, war eS befremdend, ja unangenehm berührend, daß sie in die Manier des ForcirenS einzelner Töne gerieth; statt des dramatischen Lebens, daS sich nicht durch ein solches Forciren erzwingen läßt, sondern in der kunstverständigen Behandlung des Ganzen beruht, wird ein harter, schneidender Gesang erzielt, der unmöglich das Gefühl wohlthuend befriedigen kann. Unser« Bemerkung ist gut gemeint; möchte Fräulein Pessiack sie beherzigen! Gewiß würde dann auch da» sehr auffallende Detoniren, wie es sich gestern kund gab, und daS keinesweg« dieser schätzenswerthen Sängerin sonst eigen ist, Wegfällen.

Unter ungewöhnlich starker Betheiligung der Mitglieder hielt der .Allgemeine Krankenverein der Stadt Wiesbaden' vorgestern Abend im Saale des .Deutschen Hofes' seine erste diesjährige statutenmäßige General­versammlung ab. Seitens des Vereins-DirectorS, Herrn Schuhmachermeisters G. Schäfer, erfolgte B«richterstattung über die Wirksamkeit des Verein«, die selbstredend mit dem von uns bereits gebrachten (s. Tgbl. Ro. 40) Auszug aus dem gedruckt in den Händen der Mitglieder befindlichen Rechen­schaftsbericht nicht nur übereinstimmte, sondern auch mit den nöthigen Er­läuterungen, Beispielen und Ermahnungen von dem Vortragenden versehen wurde. Rach Wahl der PrüsungS-Cvmmissio» für die 1876t Rechnung und Ausnahme neuer Mitglieder ward« bei Wahl des Directors der seit beinahe 16 Jahren amtirende Herr ®. Schäfer, dessen Tüchtigkeit, Gewissenhaftig­keit und seltene Hingebung zu den Vereinsgeschästen wiederholt constatirt wurde, mit großer Mehrheit aufs Neu« erwählt, trotz Agitation von anderer Seite, die «inen sich zur kostenfreien Führung des DirectoratS erbotenen Candidaten aufgestellt halte. D>e Ergänzungswahl des Vorstandes hatte die Wiederwahl der noch wählbaren AuSscheidenden und Neuwahl der Herren Schneider Barbehenn, Schuhmacher Joseph Barth und Bictualien- händler Earl Thon zur Folge. Kann der .Allgemein« Krankenverein' auch gerade nicht bezüglich vrS pecuniären Erfolges in 1876 in einen günstigen Vergleich mit den früheren Abschlüsse» treten, so darf er dennoch auch von Erfolgen des Vorjahres sprechen, di« in dem Bewußtsein liegen, auch den Zeitverhältniflen nach Möglichkeit Rechnung e et tauen zu haben.

+ Die von dem Herrn Minister sür die landwirthschaltlichen Angelegen­heiten zur thunlichsten Abhaltung der Rinderpest angeordneten Reotsionen der Viehbestände beginnen sür unser« Statt bereits mit dem heutigen Tage und haben sachverständige Landwirth« die Vollziehung dieser Maßregel bereit­willigst übernommen.

? In einem Hause in der Gartenstraße ist ein Diebstahl mittelst Ein­bruch« und Sinstergen« verübt worden.

? (Verhaftet.) Gestern wurde die Dorothea Schütz von

hier wegen de« Verdachts, gegen den $. 218 de» St.-G.-B. verstoßen zu haben, sowie zwei weitere Frauenzimmer und eine Mannsperson, welche der Beihülfe zu diesem Verbreche» beschuldigt werden, in Haft genommen.

+ Während der Main vorgestern um beinahe 4 Fuß (über 1 Meter) gefallen, wird von Biebrich ein weitere« Steigen des Rheines gemeldet. Uebrigeni ist die Passage in der dasigen Rheinstraße jetzt vollständig durch Errichtung zweckmäßiger Brettersteg« hergestellt.

— Ans Grund eine« Gutachtens der technischen Deputation für daS Beterinörwesen und im Einverständnisse mit den Ministern der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten und sür di« landwirthschaftftchen Angelegenheiten hat der Minister des Innern kraft der ihm »ach $. 14 der Verordnung über die Polizeiverwaltung vom 20. September 1867 zustehenden Besugniß die beschränkenden Bestimmungen eines von einer Landdrostei erlassenen Reglement» durch Erlaß vom 21. Januar d. I. dahin abgeändert, daß künftig außer dem Departements-Thierarzt« und den Kreis-Thlerärzten diejenigen approbirten Thierärzte, welche 1) die Prüfung alS Thier­arzt nach Vorschrift des Prüfungs-Reglements vom 25. September 1869 bestanden haben, oder 2) schon vor dieser Zeit m Berlin die Approbation erlangt habm oder in Hannover auf Grund der abgelegten Prüfung für befähigt erklärt worden sind, „in gerichtlichen und polizeilichen Fällen Gut­achten abzugeben und bei Maßregeln gegen Verbreitung von Viehseuchen mitzuwiiken", ohne vorgängig« besondere Prüfung al* Fleischbeschauer zugelassen werden._____