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Wiesbadener Tagblatt.

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Drpck und Perlag der Scheller,berg'schen Hos-Buchdruckerei in WieSbadm. Für die Herausgabe verantwortltch: I. Greiß in Wierbaden.

(Hierdet s BeUagen.)

+ Frankfurt a. M., 25.Jnni. (Wöchentlicher Börse-nbericht.) Die vor kurzer Zeit eingetretene beflere Stimmung konnte sich bei Beginn der abgelaufenen Woche noch wesenttich befestigen und da in politischer Be­ziehung nur beruhigende Nachrichten vorlagen, durste man sich der Hoffnung hingeben, daß die B-sserung von längerer Dauer sein werde, sowie daß ihr sehr bald ein bedeutender Geschästsaufschwung folgen dürste. Der Verkehr fing bereits an, sich etwas lebhafter zu gestalten und von Seiten des Privat­publikums kamen schon Aufträge an den Markt, die wesentlich zu deffen Be­festigung beitrugen. Das Vertrauen schien somit nach und nach zurückkehren zu wollen, als plötzlich ein Umschwung in der Tendenz eintrat. Ohne be­kannten Grund wenigstens konnte ein solcher Anfangs nicht ermittelt werden machte sich gegen Ende der Woche enorme Verkaufslust bemerkbar, welche na­türlicher Weise eine rückgängige Bewegung zur Folge hatte und wodurch das gewonnene Terrain sehr rasch wieder verloren wurde. Daß dieser Umschwung durch politische Motive herbeigesührt wurde, stellte sich erst später Hera»«, in­dem wir die beunruhigende Haltung, welche Serbien der Türkei gegenüber einnimmt, erst verspätet erfuhren. Die Nachricht von den Rüstungen Serbiens und der Türkei verursachten große Verstimmung und während man sich bei beginn der Woche so beruhigt zeigte, befürchtet man nunmehr wieder neue Verwicklungen und kann e8 somit nicht Wunder nehmen, wenn die Börse neuerdings eine matte Tendenz annahm. Nicht ohne Einfluß blieb auch der neue Rückgang, welchen der Preis des Silber» in den letzten Tagen erfuhr. Wenn derselbe auch nur einen Theil unserer Werthpapiers dircct berührt, so ist doch die Entwerthnng des Silbers ein zu wichtiger Factor, um nicht die Börse im Allgemeinen zu infiniten. Um nun zu den Einzeln- heiten des Verkehr» Überzugehen, haben wir in erster Linie die Schwankungen in Credit-Actien hervorznheben. Dieselben bewegten sich bis gegen Mitte der Woche zwischen 125 und 127, gineen alsdann rasch auf 121 zurück, er­holten sich wieder etwas und büßten schließlich weitere 4 fl. ein. StaatSbahn- Sctien hielten sich bester und fielen von 229 auf 222, somit nur nm 7 fl. Lombarden hatten sich auf 76 gehoben, um zum Cour» von 70 fl. an» dem Wochenverkehr hervorzugehen. Die Übrigen öster­reichischen Bahnen standen während der ersten Hälfte der Woche in sehr ?uter Nachfrage, indem dieselben durch gute Ernteberichte aus Oesterreich- lnzarn günstigst beeinflußt waren. Die meisten Devisen wurden demgemäß zu höheren Eonrsen an» dem Markte genommen, bewegten sich aber im späteren Verlauf de» Geschäfts wieder rückwärts, so daß sie nur einen Theil dfr erzielten Avancen behaupten konnten. Deutsche Bahnen bei nur gering- fugigen Umsätzen wenig verändert. Auf dem Bankenmarkte unterlagen Reichsbank- und Wiener Bankaktien einigen Schwankungen, nach welchen sie ans ihre vorwöchentlichen Schlußcourse zurückgingen. Die übrigen Gattungen

konnten sich bei ziemlich fester Tendenz gut behaupten. Bon Anlageeffecten bleiben deutsche Staatrfonds nach wie vor in guter Nachfrage. Die neue sächsische Rente hat von ihrem EmisstonScourS bereits einen größeren Bruch- lheil eingebüßt und habe ich mich somit nicht geirrt, wenn ich den aufgelegten Benag für zu bedeutend hielt. Amerikaner ziemlich animirt und sehr fest. Dagegen bewegten sich österreichifche Reuten und ungarische Schatzbonds' nachdem fie Anfangs der Woche bester bezahlt wurden, später wieder rück­wärts. Auch österreichische Silberprioritäten liegen, nach einer vorüber- ge^enben Besserung, neuerdings matt und .schließen niedriger al» vor acht Tagen. Ferner gaben Lombardische Prioritäten etwa» nach, während fich Staatsbahn. Prioritäten gut behaupteten und Nordwest. Gold-Obligationen anzogen. Deutsche Anlehensloose bleiben fest, österreichische dagegen schwan­kend und wesentlich niedriger als letzten Samstag. Devisen wenig verändert und nur Wien billiger. Die Geldverhältmste find anhaltend sehr günstig, immerhin aber macht fich momentan etwas mehr Nachfrage für Geld bemerkbar.

(Obertribunalsentscheidung.) Der Käufer von Wildpret, welches in der Schonzeit erlegt worden, macht sich nicht der Hehlerei schuldig, auch wenn er weiß, daß das Wild entgegen den Landesstrafbestimmungen in der Schonzeit erlegt worden ist. ,®er Jagdberechtigte,« führt das Erkennt- aus,erwirbt das Eigenthum des Wildes kraft seines privilegirten Rechts zur Aneignung im Wege der Okkupation. Durch Polizeivorschristen, welche über Ort und Zeit der Jagd Bestimmung treffen, wird das Recht zur An­eignung an sich nicht berührt, sondern nur in den Modalitäten seiner Aus­übung geregelt. Macht fich der Jagdberechtigte einer Uebertretung dieser Vorschriften schuldig, so verfällt er in die darin festgesetzte Polizeifirafe^ Einen Einfluß auf das Privatrecht hat die Uebertretung nicht.

Im landwirthschaftlichen Ministerium ist der einstimmige Beschluß gefaßt, den Maulkorb für Hunde unter allen Umständen beizubehalten und ihn schließlich Überall einzuführen. Die statistischen Nachweisungen haben ganz evident dargethan, daß an allen denjenigen Orten, wo her Maulkorb für Hunde eingeführt ist, die Zahl der Tollwuthkrauken bei den Hunden aus ein Minimum zurückgeführt worden ist.

Ueber den Erwerb und den Verlust der preußischen Staatsangehörigkeit liegen jetzt nach der statistischen Eorrelpondmz die Erhebungen für das Jahr 1875 vor. Dieselben ergeben, daß auch im letztvergangenen Jahre die rückläufige Bewegung in der Zahl der auswandern- den Personen, wie sie das Jahr 1873 einleitete, fich fortgesetzt hat: denn nachdem die Zahl der aus dem Untrrthanenverbande Ausscheidenden 1872 auf 64.905 gestiegen war und damit den höchsten Stand erreicht hatte, der seit 1844 beobachtet wurde, sank dieselbe 1873 auf 48,735, 1874 auf 27,724 und 1875 auf 23,781. Zu gleicher Zeit erhöhte fich auch die Zahl Derer, welche die Staatsangehörigkeit erwarben, im Jahre 1873 auf 4,668, 1874 auf 7,836 und 1875 auf 13.648 gegen 2713 im Jahre 1872, so daß in Folge der Zn- und Wegzüge der preußische Staat 1872 62,192, 1873 44,067, 1874 19 888 und 1875 10,133 Untertanen verlor. Daß in den letzten Jahren gegen früher so erheblich mehr Personen die Staatsangehörigkeit erwarben, ist namentlich de» Vorgängen im Regierungsbezirke Düsseldorf zuzuschreiben, wo eine große Zahl von Niederländern, die schon vor längerer Zeit einge­wandert waren und bisher thaisSchlich viele Rechte der Staatsbürger zenoffen hatten, ohne deren Pflichten zu «feilen, vor die Alternative der Auswande­rung oder des Eintritts in den Unterthanenverband gestellt wurde und sich zu dem letzteren entschloß. Von den 23,781 Personen, welche im Jahre 1875 ihre preußische Staatsangehörigkeit verloren, haben nicht weniger als 14,836 den vaterländischen Boden ohne Entlaffungsurkunde verlassen, so daß nur von 8945 Auswanderern das Ziel der Wanderung bekannt ist. Von den- selben sind 1499 mit der Absicht, in anderen deutschen Bundesstaaten die Unterthanenschaft zu erwerben, weggezogen, während 7446 mit dem preußischen Boden zugleich das Deutsche Reich verließen. Von den ausländischen Gebieten übte auch im Jahre 1875 Nordamerika die stärkste Anziehungskraft auf die Auswanderer aus; denn nicht weniger als 3922 Personen 2794 männlichen und 1128 weiblichen Geschlechts die ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche aufgaben, erbeten ihre Entlassungsurkunde, um ihr Lebensglück in Nordamerika zu suchen; die Provinz Hannover entsandte dahin allein 1193 ihrer Einwohner.

Am Freitag Vormittag 11 Uhr verkündeten in Oppenheim und Um­gegend die Thurmglocken einen Dammbruch in der Gemarkung Dienheim. Der Dammbruch wurde schon früher befürchtet und hat nunmehr in der ankgedehntesteu und schrecklichsten Weise stattgefunden. Die Gemarkungen Oppenheim, Dienheim, Ludwigshöhe, Guntersblum, vor allem aber Gimbs-

stau des Conrad Weiner aus Nackenheim, die noch eine Zuchthausstrafe M verbüßen hat, wiederholt wegen Diebstahls in Saft genommen.

2 ®*wJla9 wurde auf der Fischzucht-Anstalt eine Fischotter durch einen Flintenschuß gelobtet.

d Das am Sonntag in Heß loch abgehaltene Sänger fest de» Unter- taunus-Sangerbundes, woran sich die Vereine von Dotzheim, Frauenstein, Arbenhetm, Medenbach, Eppstein, Heßloch, Igstadt, Kloppenheim und Riedern- hausen beteiligten, hatte ohne jegliche Störung seinen Verlauf, sodaß das versammelte Publikum den Ausdruck der Zufriedenheit nicht sparte.

? (Aurslng.) Der MainzerKrieger - Verein' hatte der Einladung de» htefigen Krtegervereins©ermanta" zufolge am Sonntag einen Ausflug unter Vorantritt eine» Musikcorps nach dem Reroberg unternommen. Diesen Vereinen hatte sich auch ein so zahlreiche» Publikum angeschlossen, daß der Neroberg kaum tm Staude war, fie alle aufzunehmen. Die frohen Feststunden werden den geladenen Gästen noch lange in gutem Andenken bleiben.

* Der Commandeur der 11. Feld-Artillerie-Brigade, Generalmajor von Bychelberg, hielt gestern über die hiesige Artillerie-«btheilung Juspec- tton ab.

* In dem am nächsten Freitag im Eurhause stattfindenden Soncert wird Herr Jule» de Swert ein noch im Manuskript befindliche» Coucert im symphonischen Styl zum Vortrag bringen. Diese eigene Eompofition des Künstlers wurde von ihm im Winter in London mit großem Beifall zum ersten Male öffentlich execntirt.

(Kunst-Verein.) Reu ausgestellt: 1)Studienkops' von Pauline ® uno in Wiesbaden, 2)Zwei Landschaften' von Marie Laux in München, 3) .Porträt' von B. Wiebking in Wiesbaden.

* (Naturseltenheit.) Heute wurde uns eine weiße Rose vorgezeigt, aus deren Blüthe eine frische Knospe treibt.

Die in Wiesbaden seiner Zeit auch ausgetretene Sängerin Mila Roder, Tochter des Theater-Moniteur, singt jetzt in London unter dem schönen Namen Mila Rodani.

* Fremden-Verkehr laut Badeliste 28751 Personen.

^'"^Pros>h°ieiuug.) ga bUfet Woche wird zunächst all- mälig dichtere Bewölkung entstehen, bei veränderter Windrichtung werden die Gewitterwolken sich vermehren; nach Entladung derselben wird angenehme Witterung stattfinden.

r Der auf den 24. d. M. vorauSgesagte Sturm ist, wenigsten» für unsere Gegend, nickt eingetroffen» dagegen trat bei stärkerem Nordostwind eine immerhin recht fühlbare Erniedrigung der Temperatur ein, während in Nord-Europa e» fortwährend sehr warm ist.

Mit dem 1. Juli er. geht da» gesäumte Straßenbauwesen in den jum communalständischen Verband Wiesbaden gehörigen Tbeilen de« die«- fettigen Regierungsbezirk» in die Verwaltung des vorgenannten Verbandes über.

heim haben schwer gelitten. Die letztgenannte Ortschaft rief da» benachbarte ____

Alsheim zu Hülse und die Alrheimer erschienen an 400 Mann mit 80 Fuhr- ffttzch werten und errichteten bi» in die Stacht einen 10 Fuß hohen Damm, welcher unx den Ort vor gänzlicher Ueberfluthnng schützte. Am Sonntag waren die »«2 Einwohner von Guntersblum beschäftigt, einen Nothdamm anzulegen. Die hierzu nothwendige Erde wurde von einem in der Nähe liegenden Berg ab­gegraben. Plötzlich rutschte die Erde nach und wurden darunter später mebti 11 Menschen hervorgezogen, von den fünf tobt, die anderen schwer verletzt find. Nach den Überschwemmten Gegenden ist am Samstag eine Pionier- abiheilung zur Hilfeleistung abgeschickt.

Ist Folge der an« dem Elsaß eingegangenen Mittheilungeu über den dort in Folge de» Hochwasser« de» Rhein« in vielen Gemeinden einge­tretenen Noihstand Hatz der Reichskanzler Anlaß genommen, bei sämmtlichen deutschen Regierungen die Veranstaltung von Sammlungen für die noch- leidenden Elläffer anzuregen._________________________________________

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