Wiesbadener Lagblatt.
Anonyme Zusendungen werden nicht anfgenommen.
Druck und Verlag der £. «chelleuberg'scheu Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden. - Für die Herausgabe verantwortlich: I. Gresiß ,n Wiesbaden.
(Hierbei * Beitttgen»)
(Gin gesandt.)
Wiesbaden, 3. Juni. (Da» Nerothal.) Unser, von Natnr- schönheitS-Enthnfiasten al» idyllisch bezeichnete», mit schmucken Landhäusern umsilumte» und in einen erfrischenden Hochwald ausmündendes, auch mit etwrhhen Wäscher-Hütten — nicht etwa, wie idealangehauchte Romantiker behaupten, verballhornisirte», sondern gesegnete« Nerothal, da», »ach Bollendung der in diesem Augenblick ans dem „Augnstenberg" (dieser Eingangspforte de« benannten Thal«) begonnenen Bauten und Parkanlagen eine neue Zierde erhalten wird, soll — wenn ander« die löbliche Absicht der Besitzerin de« dicht neben dem Kriegerdenkmal belegeneu Klee-Grundstück« erreicht wird, immer mehr verschönert werd e n, und zwar durch die Neu-Anlage einer, Seiten« de« Pächter« de» fraglichen Grundstücks zu betreibenden Bleicherei der Kasernenwäschel —
Eine recht nette und originelle Idee die«, namentlich mit Rücksicht ans die kriegerische Nachbarschaft! — Fürwahr, eine Idee, die sich so zu sagen
Briefkasten. W.: Nicht Jeder ist frei, der seiner Feffeln spottet! — K.: Die Unterschiede: „mit Bedienung", „mit Dienerschaft", „mit Gefolge"', „mit hohem Gefolge" beweise» doch nur eine genaue Kenntmß der Rang-(?j Unterschiede Seiten» der Hotelbesitzer. Die Redaction des PMblatts ist dafür nicht verantwortlich zu machen. — L. R.: lieber die Wiiterungsberichte der Seewarte brachten wir erst vor Kurzem einige erklärende Notizen. Zum Voraussagen des Wetters kennen wir nur eine unbedingt zuverlässige Formel: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, Aendert stch'S Wetter, oder 'S bleibt, wie's ist". — bl.: „Schön ist am nächtlich dunklen Himmel Der .Sterne helleS Licht; Doch schöner sind die dunklen Sterne Im weiße» Angesicht*.— A. E.: Der weltliche Rock Macht doch wahrhastig nicht den weltlichen Mann. — B. K.: Das Wort Verballhornung soll von dem Buchdrucker Ball Horn in Lübeck im 16. Jahrhundert herrühren, welcher sich befleißigte, richtige Ausdrücke durch vermeintliche Torrecturen zu verbessern oder vielmehr zu ver- bösern. — Eine Wißbegierige: Cs wird Nicht Bel-, sondern Pell-Kartoffeln geschrieben. „Pelle" kommt aus dem Griechffcheu und bedeutet Fell oder Schale. — Anna M.: .Verehrtestes Redacteurchen! Also wirklich, Sie antworten mir nicht? Und wie hatte ich mich schon auf Ihre Antwort gefreut, welchen köstlichen Spaß hatte ich mir versprochen! Rein, es ist nicht Recht von Ihnen, mich so zu ignoriren. Ich wollte Sie nur einmal ein bischen recht sehr grob sehen. Sie denken gewiß, ich wäre eine alte verbissene Jungfer, aber da find Vie gewaltig im Jrrthum, ich steh« noch in meines Leben» schönstem Mai. Also bitte, antworten Sie mir in Ihrem „geehrten Herm Brieskasten", und thun Sie mir den Gefallen, einmal recht tüchttg grob zu werden, damit meine Hoffnung, einmal herzlich lachen zu können, erfüllt wird. Oder haben Sie meinen «rief schon dem Alles verschlingenden Papierkorb übergeben? Wie kommt es, daß das hiesige Theater so theuer ist, während die Plätze in anderen Städten oft kaum die Hälfte kosten ? Ist die Schauspielkunst denn hier so viel mehr werth? Ich ginge so gerne öfter in'S Theater."--Papperlappapp — Das schnattert m einem Athen, fort, vom
Hundertsten in's Tausendste. Wollten wir allen solchen Plappermäulern antworten, so müßten wir das Tagblatt auf Papier ohne Ende drucken. Wollen Si« u»S mit alle» Schatten- und Lichtseiten kennen lernen, so komme» Sie nur einmal selbst auf die Redaction, Sie werden staunen, wie zart , wir mit Damen umgehest. ' l ;‘n" . 1 P™ vW* «o» ?(D»w
gewaschen hat und unserer Seit» mit Freude begrüßt wird. Und warum auch ntcht? Fließt doch neben der zu errichtenden Bleicherei ein murmelnder Bach, worin die betreffende Wäsche gründlich gereinigt werden kann!
Daß man eine solche Wasserkraft so viel al» möglich ausnutzt, kann nur »l» rationell bezeichnet und gebilligt werden! Ueberdie» verliert dieser Bach durch die beabsichtigte Wäscherei durchaus sticht» an seinem romüuüschetz Character, der »och dadurch gehoben wird, daß inan den fraglichen Baq zeitweise al» Bestattungsort allerlei G'ethietS benutzt, wa» unlängst mit einigen Katzen-Cadavern geschehe» ist.' E» war in der Thai allerliebst, zu sehen, wie die verblichenen Kätzlein ihre kleinen Gebeine in aller Behaglichkeit gen Himmel streckten! Selbst ein sonst fingfanler Spatz, welcher in einer nebenan belegenen Bleicherei, zwischen dem zum Trocknen aufgehängte» Hemde de» biedern Philemon und den Strümpfen der liebreizende» Bauci« saß, kam, ob de» schönen Anblick« der niedliche» Katzeuleiche'u, iti eine so erhöhte Stimmung, daß er eine melodische Hymne saug, wovon wir nur die wenigen Worte: Zwilch! Zwilch! verstanden haben, da» übrige aber, da gerade ein Pferde - Eisenbahn - Waggon vorbeisauste, un» entging.
Und her Genuß diese» murmelnden Bache» (nämlich des to- mantffchen Theil» vom Paulinenstift bis zur Löwenherz'schen Besitzung), wäre uns beinahe durch eine vaudalische Ueborwölbung entzogen worden, wenn c« nicht noch zum Glück Leute gäbe, die rechtzeitig eingriffen und dh- für sorgten, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen! Ja, ja, die Gefahr war groß und nahe: denn die Herren L. Hack und S. Löwen-» herz — die insofern ein gewiffe» Interesse an der Ueberwölbüng de« murmelnden Bache« haben, als der Eine auf dem von Herr» Guckuck erworbene» Grundstück im Nerothal, behufs endlicher Zin»barmachu»g desselben, gerne einLandhau» erbauen (niet lacht da?) und die sehnlichst gewünschte Eoncessiou erlangen möchte, während der Andere sei» nahebei gelegene» Be- sitzthüm zu hebe» wünscht — die beiden Herreu standen, „der laugen Hader» müde", eben aus dem Punkt, zu Protocoll zu erklären, daß sie bfe sämmtlichen Ueberwölbung«kvsten jm Betrage vou ungefähr 12000 Mark bezahlen wollte», und wir unsererseits hegten schon die Befürchtung, daß man die Seitens der Herren Hack und Löwenherz gemachte Offerte nicht wohl zurückweisen würde; — da — wir athmen wieder aus! — da wurde den Petenten in der letzten Stunde die weitere Bedingung auserlegt, auch behufs Erbreiterung des neben dem Kriegerdenkmal hinziehenden und nach vollzogener Ueber- wölbunz des Bachs an seinem, schmälsten Theile allerdings 81/» Meter Brette erhaltenden Wegs n o ch 5 Nachbars-Ruthen von de» beiden Grundstücks-Eigen- thümern E. K. und E. C. zu kaufen, was eine Kleinigkeit von weiteren 3000 Mark Kosten verursachen würde. Glücklicher Weise gingen die Herren Hack und Löwenherz auf das ihnen gemachte Ansinnen nicht ein, und wir haben somit die beruhigende Hoffnung, daß dem schönen Nerothal der murmelnde Bach auch ferner erhalten bleibt! Es lebe die Romantik und das die Bauindustrie fördernde bezw. in richtige Bahnen lenkende Princip!! Adam Brennessel.
* Die Rass. Eisenbahn beförderte im Monat April folgende Anzahl von Zügen: 420 Schnell-, 1589 Personen-, 1950 gemischte, 1198 Güterzüge, feinet 9 Schnell- und 5 Güterzüge außerfahrplanmäßig. Davon verspäteten sich 12 Schnellzüge über 10 Mtn., davon 6 auf der eigenen Bah», 24 Per- sonenzüge über 20 Min., davon 15 auf der eigenen Bahn — 0,58 pCt. btt Zahl der überhaupt beförderten Züge. Bon de» Gesammt-Verspäiungen fallen hei den Schnellzügen 38, bei den Personenzügen 85 Minuten auf verlängerte Fahrzeit und je 94 und 404 Minuten aüf verlängerten Aufenthalt auf den Stationen. Bei ben Personenzügen wurden 4 Anschlüsse versäumt. Es ist ftdoch zu bemerken, daß 282 Minuten in 6 Fällen durch eine in Folge Wolkenbruchs stattgehabte Entgleisung veranlaßt sind.
"(Diäteti scher Wegweiser beim Gebrauche der Wies - baden er Quellen von Dr. med. H. Mahr jun. Wiesbaden, Hof- buchhandlung vou Edmund Rodrian.) Der Zweck diese« Schriftchen» ist vom Bersaffer dahj» bezeichnet, daß e» ein sicherer Wegweiser sein soll sür den richtigen Gebrauch der Bäder und de« Kochbrunueu», sowie sür eine kurgemäße Lebensweise, ohne welche ein Erfolg der Cur mindesten« in Frage gestellt ist. Wie bet Entgast Brunnen trinken, wie er baden, wie er spazieren gehen, wie er wohnen, wie er sich kleiden und wa» et essen soll, darüber werden ihm eingehende Rathschläge ertheilt, die sich bi» in die Detail« bet Kochkunst erstrecke». Am Schluffe de» betreffenden Abschnitte» sagt der Herr Bersaffer: „Vorderhand bestehen hier in Wiesbaden »och keine diätetischen Tische und der Eurgast hat an der üppigen Tafel entweder Tantalusqualen zu erdulden, wird aber reichlich dafür durch einen glänzenden Erfolg seiner Tur belohnt oder er beißt wie die Eva in den Apfel mit hem sanere» Nachgeschmack und verläßt unseren Curort mit denselben Gebrechen, welche et auch hierher brachte. Beide» kann geholfen werden, wenn sie an einen Tisch kommen, wo nur die immethm noch mannigfache Auswahl erlaubter. Gerechte patadiren. Hoffentlich kommen solche Tische in der allernächsten Zeit zu Stande und e« soll mir eine große Freude sein, wenn auch ich mein Scherflein dazu beigetragen habe. Vorderhand wird es der einzige Aukwez sein, k la carte zu speisen. Der Eurgast hat dabei noch den Vortheil, daß et sein Mahl auch in Beziehung auf die Quantität regu- lireu kann." Da» kleine Merkchen schließt mit ben Worte» : „Die» ist also der Rath, welchen ich zu meiner, vielleicht auch der Eollegen Erleichterung den Wiesbaden besuchenden Eurgästen an die Hand gebe. Der Eine ober Andere wird ihn hier und da kleinlich, vielleicht trivial finden. Ich bin jedoch überzeugt, daß bei Befolgung selbst der Trivialitäten der Patient mit Dank wissen wird." Sehr richtig sagt der Vetfaffet an einer anderen Stelle: „In früheren Zeiten hatte Wiesbaden «eine» weit verbreiteten Ruf als Heilbad. Dar Flittergold des Roulette'« und de» Trente-et-qüaränt's hatten e» zu einem Luxusbad urngewandelt. Der alte Ruhm kehrt wieder zurück und von allen Seiten ist man mit dankenswerthem Eifer bemüht, durch Einrichtungen mannigfacher Art unserem Badeorte die Stellung zu sichern, welche ihm unter allen deutschen Bädern gehört. Daß noch weitere Verbesserungen unserer Bade- und Trinkeiurichtuugen zur Erreichung des genannten Zweckes ganz besonder« beitrage» werde», ist klar und die« ausdrücklich zu betonen, ist nicht der letzte Grund, der mich bewogen hat, diese» Schriftchen zu veröffentlichen.^
(Gedenktage in der Woche vom 4.—10. Juni.) 4.: Schlacht bei Magenta 1859. 5.: Der heil. Bonisaciu» wird erschlagen 755. 7.: Todestag König Friedrich Wilhelm III. 1840. 9.: Elsaß und Lothringen werben deutsch 1871. 10.: Todestag Kaiser Friedrich Barbarossa's 1190.
— Die zeugeneidlichc Vernehmung der Kinder gegen die Eltern in Srafsachen ist an sich statthaft, wenn sie von dem Rechte bet Zeugnißver- weigerung keinen Gebrauch machen unb auch her Richter nach Lage der Sache von der Vernehmung ein erhebliche» Ergebniß erwartet (Ober-Tribunals- Entscheidung vom 17. Mai).
— (Reichs-Ob er Handelsgericht.) Die Mängelanzeige einer gekaufte» und von einem anderen Orte dem Käufer übersandten Walte hat der Käufer dem Verkäufer sofort brieflich zu machen. Besteht in dem Orte de« Verkäufers der Usu«, die Entdeckung vertrag«- oder gesetzwidriger Mängel dem Berkäuser telegraphisch mitzutheilen, so wird der Säufer dadurch nicht verpflichtet, diesem Usu« bei seiner An zeige zu entsprechen.
— Rach einer Verfügung de« General - Postamt« ist da« Aufkleben vou Freimarken auf die mit der Post zu versendenden Postkarten zu dem Zwecke, de» Empfängern mit den Karten den Geldwerth der Marke» znzusühren, nicht gestattet.
