Nr. 475.
Sonntag, 11. Oktober 1914.
28ir s 0 * 611 ^“ n 9 t- Ich hinein; 22 Sack Post lagen noch da. di? m ran 9 ctl dreimal ins Dorf und holten alles heraus, erst -^ZM^undeten und dann die Post. Heute haben wir die "NAo;en aus ihren Stellungen mit dem Bajonett geworfen.
Der Gcncralstabschef des Kronprinzen, vum-r r ^neralstabschef des Kronprinzen ist der Ober- <5 C * ,nc ^ £r ; m Generalstab der Armee, Generalleutnant l.inidt v. Knobelsdorff, Mitglied der Studienkom- IIwn der Kriegsakademie.
Eisernes Kreuz 1. Klaffe.
^ Das Eiserne Kreuz I. Klasse wurde verliehen: dem ^uptmann und Batteriechef (4. Batterie) im Feldartillerie- -giinent 86 Angerstein; dem Generalmajor und Kom- nni ut ^ cr 0. 5kavallerie-Brigade Rusche; Generalleut- n, ^ und Konimandeur der 40. (Königl. Sachs.) Division '°(5 v Olenhusen; Hauptmann Meißner und Leut- Nt N o b i l i n g vom Niederschles. Pionier-Bataillon Nr. 8; ^ er ft und Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 184 Q uöett; Generalleutnant und Kommandeur der 37. wistg^ ^ Staabs; Leutnant Graf v. Baudissin , eneralleutNant v. Bahrfcldt, Tr. phil. h. c., Komman- ^Ur der 19. Reserve-Division; Generalleutnant v. L iuen- | e c 111 , Chef des Gcneralstabs de: zweiten Armee; Generaldez 8rhr. v. d. Goltz, früher Regimentskommandeur j? Juf.-Regrs. 77; der kommandierende General v. Deim- - der kommandierende General v. Tülff; General- he Frhr. v. König; Generalleutnant v. Wegencr; rf} Divisionskommandeur Graf v. Pfeil und Klein-Ellguth; oueralmajor Suren.
Eisernes Kreuz 2. Klaffe.
. Das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erhielten: Sämtliche als inäipre im Felde stehenden Mitglieder der Familie von u u r f s, nämlich der Generalmajor Ludwig v. Estorff, bvnnandeur der 68. Jnf.-Brig.; der Oberst Eggert v. Estorff, ^O'ffwnndeur der 65. Jnf.-Brig.; der Oberstleutnant Otto , Cstorfff Flügeladjutant Sr. Maj. des Kaisers und Kommandeur des 2 Garde-Regts. z. F.; der Oberleutnant Paul • Estorff, Kompagnieführcr im Füs.-Regt. Königin Nr. 86, vd der Leutnant Ernst v. Estorff im 2. Hann. Dragoner- /Ech- Nr. 16. — Von Mitgliedern der Familie v. Dewitz chlelten das Eiserne Kreuz. 2. Klasse: Generalmajor Emmo Kommandeur der 77. Jnf.-Brig.; Oberst Louis 'Dewitz, Kommandeur der 71. Jnf.-Brig.; Major Kurt von ewih, Abteilungskommandeur im Pomm. Feldart.-Regt. w. 17 - Rittmeister Jobst v. Dewitz vom Res.-Ulanen-Regt. j r ' 5; Rittergutsbesitzer Hans v. Dewitz auf Lischnitz, Ober- Eutnant d. R., Ordonnanzoffizier beim stellvertretenden ^riernlkommando des 14. Armeekorps; Leutnant Karl van Dewitz-Ax^bs, Adjutant im Garde-Jägor-Batl.; Leutnant Schelm v. Dewitz im Gren.-Regt. König Friedrich Wilhelm iv, Rr. g. Leutnant Stanislaus v. Dewitz-Krebs im M.-Regt. Nr. 14; Leutnant Hellmuth v. Dewitz vom 9. Ulan.- Mt. — Aus der Familie v. Hertzberg erhielten das Eiserne Kreuz 2. Klasse: Kurt v. Hertzberg, Generalleutnant ''"d Kommandeur der 20. Landw.-Jnf.-Brig.; Graf Kurt Hertzberg, Generalleutnant und Kommandeur der 20. Land- M^r-Jnf.-Brig.; Graf Kurt v. Hertzberg, Major im Bad. tleib-Gren.-Regt. Nr. 109; Wilhelm v. Herhberg, Haupimann ^ 8. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 80; Graf Ewald v. Hertzberg, x°uptn-ann im 36. Res.-Feldart.-Regt., Führer einer Land- Mm-Bartecie; Max v. Hertzberg, Hauptmann im Res.-Jnf.- Jte 8t. Nr. ?4- Günther v. Hertzberg, Oberleutnant und Negi- ?°nts-Adjutant des Res.-Jnf.-Regts. Nr. 2. — Auch in der »?wilie v. Esebeck erwarben sich mehrere Mitglieder das Sterne Kreuz 2. Klaffe, nämlich: Generalmajor Frhr. Burk- r)* v. Fsebeck. sein Sohn Frhr. Rudolf v. Esebeck, Leutnant der Feldfliegerabteilung 12, sowie der Major im Großen mUeralstab Frbr. Friedrich v. Esebeck, der Rittmeister im ^nenregiment Nr 9 Hans Frhr. v. Esebeck und der Leut- im 8. Garde-Ulanen-Regt. Hans Karl Frhr. v. Esebeck. ... Dem ersten Vorsitzenden des Verbandes katholischer kauf- , "Nnischex Vereinigungen Deutschlands, Dr. T e w s , und ^ Geheimen Negierungsrat und Vortragenden i ..'Wiste:ium des Innern, Dr. v. E g n e r n, früher Landrat Kreises Essen, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klaffe ver
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& Geheimeu Negierungsrat und Vortragenden Rat im •“«nifw.— v— «Ern, Dr. v. Sgticm trüber wurde das Eiserne K
Für Elsoff-Lothringen.
'W- T.-B. Karlsruhe, 9. Okt. (Nichtamtlich.) Der Stadt- beschloß in seiner gestrigen Sitzung, bei dem Bürgeraus- ZÄ die Bewilligung einer Gabe von 10 006 M. für die ^'stsbedürftigen in Elsaß-Lothringen zu beantragen, die ^.Kaiserlichen Statthalter für Elsaß-Lothringen zur sach- ^watzen Verwendung zur Verfügung gestellt werden soll.
deine Mnder unsere große gewaltige Feit miterleben!
Von Pfr. Enckc in Sinn.
hat uns alle miteinander mächtig ergriffen, ernste, gewaltige und wahrhaft großartige Zeit unser Fühlen und Empfinden, unser Sinnen und e,, su so erfüllt, daß wir's fast für ein Unrecht Haida? . 6end etwas zu denken oder zu tun, das nicht ^"wie mit dem Krieg zusainmenhängt. Trotz aller Einsicht will sich immer wieder das Gefühl m U sieltenh machen, als ob nur diejenigen mit ihrem >vn M zufrieden sein könnten, die mit Zurücklassung y. 'Weib und Kind, von Eltern und Geschwistern, von !nt ^ud Gut mit den Waffen in der Hand dem Feind d f | en fter>crt dürfen und täglich ihr Leben einsetzen last os Wortes vollster Bedeutung. Und doch ist's ein !>^ uv!ch größeres -Opfer, wenn man seine Lieben, mit tzch»" unser Leben innig werflochten ist, hingibt in itffMt und Tod und dieses schwere Opfer täglich und gleichfam innner von neuem bringen mnß- "^uußen, die freuet Gefahr und Sturmesdrang, die und fechten, marschieren und reiten und siegen stjffp^uer freut sich mn anderen. Wir daheim müssen Mn. _ Wir hören nichts und sehen nichts von all -Kox. ^uchtj'gen und Erhebenden, dem Grausigen und Mx Len Mut und den heiligen Zorn weckt,
dop, Msien gleichsam ini Feuer aushalten, ohne etwas n-d zu sehen, geschweige denn, uns gegen ihn M können. Dieses Stilliegen und Stillsitzen 1 - l ^ t' !r einen Menschen, der Tatendrang rn sich d>iff ' büre schwere und tapfere Kunst, die gelernt sein '® 0 5l sitzen wir nicht still und legen die Hände " ^rchoß. Die Stimme des kategorischen Imperativ
MlirsdaSrner TagviaM.
in unserem Innern treibt uns immer wieder dazu, unsere Gedanken zusammenzunehmen und still und treu unsere vielen Pflichten,-des Alltags zu erfüllen imd daneben auch nach Kräften all den vielen Anforderungen gerecht zu werden, die der Krieg an uns, die wir daheim -bleiben inüsseii, stellt. Jeder kennt sie und jeder will seine Wlicht doboi tun, denn uns alle miteinander hat das eine GeMhl mächtig ergriffen: Wir Deiltsche gehören zusammen als ein großes Ganze, in dem jeder seinenPlatz hat, ein einig Volk von Brüdern, das sich m keiner Not und Gefahr voneinander trennt. Wir gedenken der durchziehenden Truppen, wir gedenken der Verwund-Ltm, der zurückgebli-ebenen Frauen uüd Kinder, -der arbeitslos und brotlos Gewordenen. Wer denken wir auch au unsere eigenen Kinder und Enkel? Sorgen wir dafür, daß sie einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck bekommen von den gewaltigen Dingen, die in unserer großen Zeit geschehen? Oder glauben wir, das der Schule überlassen zu können? Die kann manches, sogar vieles tun und tut vieles, was wir ihr nur danken können. Aber das Beste kann sie doch nicht tun, weil sie den Geist und die Stimmung, ich möchte sagen, üeii heiligen Geist des Elternhauses nicht hat und nicht haben kann. Den können nur d i e Menschen haben, die -dem Kinde heilig sind in ganz. besonderem Sinn und deren Wort und Wesen das Heilige in der Kindesnatur weckt und stärkt: Vater und Mutter. Die tiefften und stärksten Grundlagen für. meine durch und durch deutsche Gesinnugn meine heilige Liebe zu-m Vaterland und seinen Helden habe ich als Kind in meineni Elternhaus erhalten. Es gehört zu meinen allersrühsten Erinnerungen, daß mein Vater, während ich auf seinen Knien ritt, mir das Lied vom Prinz Eugen, dem edlen Ritter, und das.Blücherlied: Was blasen dieTrompeten? Husaren heraus! vorsang. Unvergeßlich bleibt mir's, wie der Vater, wenn er mit uns Knaben durch _ Feld und Wald wunderte oder am Sonntagabend i-m Winter, wenn wir zu Hause saßen, all die frischen, kraftvollen Lieder der Freiheitskriege mit uns sang, daneben die Jäger- und Soldatenlieder, die Volkslieder^ von Wald und Heimat und von der Liebe Lust und Leid und mitten drin, wie's der Geist gerade eingab, die feste Burg oder ein anderes von den prächtigen, tapferen Liedern -unserer evangelischen Kirche. Und wenn dann -die Großeltern gelegentlich erzählten von ihren Erlebnissen aus der Zeit der napoleonischen Fremdherrschaft -und den Greueln des Krieges, die sie mitgemacht, den: Hunger und der Armut, die sie am eigenen Leibe gespürt haften, dann bildeten solche Schilderungen die notwendige Ergänzung zu jenen Heldenliedern, die den Geist jener großen Zeit atmeten. Ein solches Erbe aus dem Elternhaus gibt sich nicht dus wie Geld und Gut; es begleitet vielmehr durchs Leben wie ein guter Engel, es weckt die Dankbarkeit für alles das, was die Gegenwart uns bietet und erinnert uns daran, Wie teuer es erkauft wurde. Man vererbt es weiter als «in heiliges Vermächtnis an seine eigenen Kinder und erzicht sie in demselben Geist.
Es wird heutzutage mit Recht soviel über den Ber- sall des Familenleben's geklagt, auf dem doch das Vaterland mit all seinen Heiligtümern wie aus einem festen Fundament ruht. Die Eltern kümmern sich zu wenig um ihre Kinder, erzählen ihnen nichts mehr von den Vorfahren und ihren Erlebnissen, vom Vaterland und seiner Geschichte und reden nicht mit ihnen über die 'Dinge, die über das Essen und Trinken und Sich- arnüsieren hinausliegen. Manchem fehlt vielleicht das Geschick dazu oder auch der Stofs. Er weiß nicht recht- was er sagen und erzählen soll. Unsere heuftge Zeit gibt uns den Stoff zu unserem Anschauungsunterricht in Hülle und Fülle. Sprich zu deinen Kleinen schon von Russen und Franzosen, die uns seind sind, obwohl wir ihnen nichts getan haben, die uns aber unsere Ruhe und unseren Wohlstand nicht gönnen. Den Größeren erzähle von Frankreichs Erbfeindschaft gegen uns und seinen Raubzügen; erzähle ihnen von russischen Zuständen, von Treulosigkeit und Beamtenkorrupfton, von Gewalttat, 'die /ich ums Recht nicht kümmert, von der Unterdrückung jeder Freiheit und Selbständigkeit, vonr Ehrenwort des Zaren und seiner noch verlogeneren Minister. Erzähle ihnen von Englands Treulosigkeit und Hinterlist, von der englischen Art, alles mit Geld abzünrachen, statt mit Blut und Leben, von seinen Siold- truppen und seinem Sichsperren gegen die allgemeine Wehrpflicht. Und vor allem suche deinen älteren Kindern die ganze Größe. unserer heutigen Zeit klar zu machen. Gib ihnen einen Eindruck von der ruhigen SeWst- verständlichkeit und stillen Tapferkeit, mit der unsere Krieger Weib und Kind und Haus und Hof verlassen und oft ihre ganze Existenz aufs Spiel setzen, mit der die Frauen ihre Gatten und Söhne hinausziehen lassen in Not und Tod. Suche ihnen begreiflich W machen, daß es Wahrheit ist, was Th. Körner gesungen hat:
Das Leben gilt nichts, wo die FreiHeit fällt.
Was gibt uns die weite, unendliche Welt
Für des Vaterikmds heiligen Boden?
Sage deinen Kindern immer aufs neue, welch hohes Gui am Deutschen Reich und deutschen Kaiser haben und wie das heutige Geschlecht jetzt mit Gut und B-lut alles das -verWdigen muß, was die Generation von 1870 -so bluft-g erkämpft, wovon die Vorfahren geträumt und wonach sie inmftten von Deutschlands Trauerzeiten sich mit heißeni Herzen gesehnt haben. Man kann das alles ohne viel hohe Worte in schlichter, «infacher Weise schon Kindern verständlich machen. Erzähle ihnen auch, daß h-eute noch Größeres geschehen ist und geschieht als 1870. Das einte der Kriegsruf Frankreichs, d-as mrf die deutsche Zwietracht baute, alle deutschen Staaten und Stämnre znm Deutschen Reich. Wer die alte Zwietracht erhob sich in neuer Gestalt. Erzähle deinen größeren Kindern davon, daß die Deutschen, die zu einem und -demselben Gott beten, sich entzweit haben in kirchlichen Kämpfen; erzähle ihnen auch davon, daß die Deutschen auch darüber uneinig geworden sind, wie sie die Früchte ihrer Arbeit verteilen und g-enießen könnten und welche Ordnungen und Gc-
Morgett-Ausgabe. Erstes Blatt« Seite 3.
setze nicht bloß für einzelne Stände und Erwerbszweige,
sondern für das Volk als Ganzes segensreich wären. Erzähle ihnen, ohne ans schwer verständliche Einzecheiten einzivgehen, wie die einzelnen Parteien und Gruppen in Verbitterung und Hatz einander gegmÄerftanden und viele die Freude ain Reich verloreir hätten und wie unsere Feinde im Westen und Osten auf diese rnn«:e Zwietracht der Deutschen ihre Pläne in ähnlicher Weise gebaut hatten wie einst die Franzosen vor 44 Jahren. Und dann erzähle ihnen immer wieder, daß sie's nie inehr vergessen können, von jener großen Stunde am 4. August, wo der deutsche Reichstag sich trotz aller Par- teiuntcrschiede wie ein Mann erhob und im Namen 'des gescmften Volkes jene Ri-esensumme für die Verteidigung des Vaterlandes bewilligte, wo unser Kaiser jene herrlichen Worte sprach: es gäbe jetzt keine Parteien -mehr, sondern nur Deutsche, und wie die einzelnen Volksvertreter dom Kaiser in die Hand gelobten, durch dick und dünn mit ihm zu gehen. Erzähle ihnen davon, wie unser Schmerzenskind Elsaß-Lothring-en sich jetzt so wundervoll als Glied des Deutschen Reiches fühlt und 30 000 Freiwillige gestellt hast. Erzähle ihnen von .den 114 Millionen Freiwilligen aus allen Ständen. Erzähle ihnen von den Heldentaten -unserer Truppen zu Lande und zur See. Vor allem aber singe mit ihnen unsere herrlichen Lieber: Die Wacht am Rhein und
Deutschland über alles — und die unsterblichen alten aus den Freiheitskrisgen, bei deren markigen Klängen es uns zumute ist, als berührten uns die Geister der Helden von 1813, als hörten wir die gellenden Hörner der Lützower Jäger und das Klirren ihrer Schwerter und es ginge etwas von ihrem todesmutigen Opfersinn auf irns über. — Kindheits- und Jugendeindrücke haften tief und sind auf lange Zeit hinaus bestimmend fürs Leben. Tun wir das Unsrige, um unseren Kindern einen Eindruck zu geben von den großen Ereignissen -unserer Tage, suchen wir ihnen klar zu machen, welch gewaltiges Einheits- und Zusammengehörigkeitsgeftihl sich in unserem Volk jetzt geltend macht, wi-e nicht bloß alles zu den Massen greift, sondern auch an die durch den Krieg entstandenen Nöte denkt. Wer ^hat z. B. früher daran gedacht, im Krieg denB-auern in derErnte zu helfen? Auf unseren Kindern und Enkeln ruht -die Hoffnung des Vaterlandes. Je fteser die Eindrücke sind, die sic jetzt bekommen, um so mehr werden sie auf -ihre weitere Entwicklung oinw-irken und ihrem Geist und Herzen die rechte Richtung geben.
Aus Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten, vke Woche.
Vor einigen Lagen wurde vorn „Nationalen Frauendienft" in Frankfurt a. M. über die Arbeitslosigkeit der Kranke nschwe st ern geklagt. Es heißt in dem in der „Frankfurter Zeitung" erschienenen Artikel:
„Lauter wurde die Klage über die Arbeitslosigkeit der Schwestem. Und jetzt, nachdem in Frankfurt -neben den bestehenden Krankenhäusern noch 60 Lazarette in Betrieb genommen sind, ist eiMvandsvei festgestellt, daß mindestens 200 auSgebildete Schwestern arbeitslos sind und trotz aller Bemühungen keine Arbeit und keinen Verdienst finden können. In den Lazaretten aber findet man die im Eiltempo ausgebildeten, „auserwähsten" freien Hi-lfskräste, die — darüber braucht man sich nichts vorzumachen — als Lehrlinge das Pflegehandwerk betreiben, während erprobte, gelernte Kräfte fernstehen und zusehon müssen, wie andere die Arbeit, die ihnen zukommt, bei allem guten Willen, diletlanten- und stümperhaft verrichten. . . Es gilt Menschenleben, Menschenkraft zu erhalten, es gilt aber auch die Menschen auf den Platz zu stellen, auf den sie gehören."
Diese und die übrigen Ausführungen des Arftkels blieben nicht ohne Entgegnung. Die „Kriegsfürsorge" an-twortete darauf. Sie führte aus, daß der Bedarf an Schwestern im Verhältnis zu der Zahl der Verwundeten ein geringer ist, da die überwiegende Zahl der verwundeten Krieger in den großen Krankenhäuf-ern untergebracht werden, die schon mit Schwestern einer bestimmten Vereinigung versehen sind. Der Wunsch deS „Nationaler Frauendienstes", daß mehr bezahltes Pflegepersonal amgeftellt werde, sei indessen zu begrüßen, so weit die privaten Vereinslitzarette in Bewacht kämen.
Wir zitieren den Artikel des „Nationalen Fvauendienstes" und die Antwort der „Krregshilfe" hier auszugsweise, -weil, wie man uns von verschiedener Seite versichert, die Verhältnisse in Wiesbaden ähnlich liegen. Die Sch west ern- n o t sei in Wiesbaden mindestens ebenso groß wie in Frank- ftirt, vielleicht sogar größer, tveil hier, in der Baldestadi, verhältnismäßig mehr ausgebildete Berufspflegerinnen ansässig sind als in Frankfurt. „Ich bin vier Jahre Rote-Kveuz- Schwester gewesen, im Besitz der staatlichen Anerkennung und stehe etwa sechs Jahre in der Praxis, habe aber trotzdem seit Beginn dies Kriegs nichts zu tun und nichts zum Leben", schreibt uns eine Schwester. Das ist tieftraurig, daß ausgerechnet in einer Zeit, in der die Pflege von Kranken unzählige freiwillige Hilfskräfte auf den Plan rnft, das gelernte Pflegepersonal zum Teil am Hungertuch nagt. Wir ^ sind der Meinung, daß auf jeden Fall zunächst die auf Verdienst auge- wiessnen und die Krankenpflege als Beruf beftei-benden Schwestern beschäftigt werden müßten, bevor man freiwillige Helferinnen heranzieht. Das kommt den Verwundeten zugute und ist nebenbei eine soziale Maßnahme, an der die Allgemeinheit stark interessiert ist. Wenn Frau Fvesenius eine Nähstube für Heimarbeit einrichtet-e, in der von bezahlten Arbeitskräften für das Rote Kreuz gearbeitet wird, so tat sie das in der ganz richtigen Erkenntnis, daß es doppelt wohlgetan ist, wenn man mit der Liebestätigkeit für die Krieger die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verbindet. DaS hat auch die städtische Verwaltung anerkannt, als sie vorgestern beschloß, die Ilnfevtigung der für die hiesigen Regimenter bestimmten Wäschestücke nn-d Unterzeuge der Heimarbeiterinnen-Organi- sation und der Nähstube der Frau Fresenius zu übertragen. Nun wohl, dersslbe soziale Geist mutz die Verwundetenpflege regeln; auch hier soll mit dem Liebeswerk der KraukLnpflege daS andere ungeheuer wichtige Licbestverk der Bersorgung
