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Verlag Langgasse 21 )*r\v*S> n 12 HtiSCSCtfofctt. „s^Matt®«««" J*. 6650-53.
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„Tagblatt-HauS" Nr. KK58-53.
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agz 11. GKLsLsr 1 Y 14 .
Morgen - Ausgabe.
Hr. 475 « ♦ 62 . Iahrgmrg.
Die letzten NLmpfe um . Slntwerpen.
tzj,.?'' Rotterdttm, 10. Olt. (Eig. DrahtLericht. Ktr. Bln.) '»h,ni gemeldet, daß, bevor die Besatzung Antwerpen
1, “’ »och j„ dg« Vorstadt Berchem ein heftiger ^ ettkn,nvf zwischen deutschen >md englischen bidiie " ^attfaad, der mit dem Rückzug der Engländer Gestern nacht dauerten die Brände in der ganzen Ist,?' »och au. In dem Keller des Hospitals in der Lnisen- Chi ascn »och 150 Verwundete, davon 100 Deutsche. Der . cö der Verteidigung deS Schclbcübergangs war, die dsg^'n-, Petroleum- und sonstigen Vorräte, welche d^^ntschen nützen konnten, uubraj'.chbar zu machen. Am . cfstaq wurden zahlreiche Leichter mit Getreide >U** C tt * *; mittels versenkter Leichter wurde auch der
miiirts versenkter Leichter ---
W 8 “ n ® nach Ücr Schelde gesperrt. Die Schlcnpen tzt,?°n gesprengt. Die Belgier verliehen grösstenteils die lich ,« der Richtung nach Boom, während die Engländer tr eine Pontonbrücke znrückzogen und diese dann
"ngten.
Rotterdam, 10. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin? I*, ' tt nachmittag 114 Uhr hatte sich ans der ganzen Lime W Antwerpen eine grimmige Schlacht entwickelt, in lil» ,^^llnengewehre eine große Rolle spielten. Biele bei- .Maschinengewehre.wurden durch Hunde gezogen. Man SL j^ c tote und verwundete Hunde auf dem Felde negerr. k ^lders-ütige Schrapnellfeuer war außerordentlich heftig.
e r l u st e der Belgier in den Schützengräben am !«? entlang waren bedeutend. Es wurden auch vcr- Soldaten aus der Gefechtslinie weggeschafft, b'.c nur Platzen der Granaten betäubt waren. Nach mehr- 7 iii acm heftigem Kampfe erhielten dre Deutsai-n von Mchcr Verstärkungen und gross- Abteilungen Jnfanter.e ff“ nun über die Pontonbrücke vor, trotz , heftigen Antengcmehrfeuers, das große Verheerungen rn ehren anrichtcte. Sic besetzten die Häuser von V c r l a e r e h,. kichtctcn von diesen, günstigen Stcllnngcn ern nahezu r,,^endes Gcwehrscuer aus die belgische Infanterie. L.,e Erzwingung deS Übergangs Uber die Schelde war daß di- belgische Besatzung Antwerpen nach W esten ""licsjtzjx Verteidigung den Engländern überlreß.
eines Augenzeugen über die heftigen Näinpfe cm der Schelde.
i'C; T.-B. London, 10. Olt. In dem Bericht des Kor- ^denten der „Dailtz News' in Gent über dre Kampfe an V7 eIb e heißt es: Ich sah furchtbares Elend. Drei lange U Und einen großen Teil der Nächte donnerten dre Ge- "At einem Ufer zum anderen. An dem 15 Merlen ^tten zwischen Dendermonde und Wetteren
^li-n belgischen Truppen große Anstrengungen au-zu- tiefen Laufgräben liegend, waren fte oft stunden- SL i? nt Schrapneüfencr ausgesetzt. Dre Ambulanzen Scf Q rr mglich Diel Arbeit. Besonders groß ist dre Zahl der Offiziere- die Nerven der Soldaten wurden äußersten angespannt. Weiter südlich kam ich in dre heftigen Artillerieduells. Dort glückte es deni Mag.' ^urz nach Tagesgranen eine Pontonbrücke zu SS! und neue Kompagnien Infanterie hernberzu- >hio' Als die belgischen Feldgeschütze Aufstellung ge» , "s <54, b,atte, schosseir die sofort dre Drücke kurz und klern. %rW6feuet war so heftig, daß die über die Brücke Ge- sich nur durch Flucht vor der Vernrchtung retten
Landwehr-Lied.
(Ans dem Jahrzehnt 1850/80.)
Gedicht von Leop. Böhmer.
Drusik von Anton Meyer (Köln - Mülheim).
Gott solch herrlich Vaterland, mein Deutschland, bist,
^Mrehen hat, der sei zur Hand,
^ 8 man ihn iricht vermißt,
s heißt: Herbei, der Feind ist da, isii ? b^nuf, frisch dran, Hurra, Hurra,
Lu p Saterland, fürs Vaterland,
^ lrcbe deutsche Vaterland.
tz ?u weinst, mein Lieb, auch mir wird's schwer, Darf, ^uten Liebchen zieh'n, -
zv./ ^nn es zehnmal schwerer wär',
Ez' ich müßte hin.
tzz m ja nicht um Gut und Gold,
8üv? ni ^ nicht um schnöden Sold, oürs ,, terland, fürs Vaterland, uebe deutsche Vaterland.
b°rt.
und Kind zu Hans,
Nicki , htx Abschied in der Tat o..°5t leickck ,;„<u £r auS<
mein braver Kamerad
^ ^ zieht .. .......
bfn qj ,und Kind und Haus und Herd Mrs § Hut und greift zum Schwert kiirs lr^^rland, fürs Vaterland, deutsche Vaterland.
konnten. Die Belgier setzten ihr Feuer fort, bis am Nachmittag plötzlich die deutschen Geschütze zu antworten begannen, und zwar mit so furchtbarer Treffsicherheit und Heftigkeit, daß derjenige, der es mit- erlebte, es niemals vergessen kann. Die Genauigkeit deS Feuers war erschreckend. Die Granaten verwandelten die Stellen, die zur Deckung dienten, in ein Chaos.
Die Panik in Antwerpen.
Br. Rosendaal, 10. Olt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Ein Berichterstatter meldet: Als ich gestern die National
straße von Antwerpen betrat, platzten die Granaten über unseren Köpfen. Man iah, daß die toten Bürger weggetragen wurden. Eine furchtbare Panik bemächtigte sich der Menschen. Das Furchtbarste war der Zug von Zehntausenden, die zu Fuß nach der niederländischen Grenze ginge». Es war ein ununterbrochener Zug von Menschen und Tieren. In Todesangst geflüchtete Bauern trieben ihre Viehherden, junge Leute fuhren alte auf Handwagen oder trugen sie ans dem Rücken. Mütter suchten ihre Kinder, andere lachten laut, sie waren wahnsinnig geworden vor Schrecken. Lebensmittel waren unterwegs nicht zu bekommen. Die Flüchtlinge erzählten, daß die Wirkung der deutschen Geschütze furchtbar gewesen sei. Der Geschützdonner wurde nicht nur in Rosendaal, sondern auch in Boxteln, SO Kilometer weit entfernt., gehört.
Die Zlucht der Gesandtschaften und der belgischen Negierung auch aus Gstende.
Br. Rotterdam, 10. Okt. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) übereinstimmenden Nachrichten zufolge verlassen die meisten Gesandtschaften und 5kvns>rlatc sowie die nach Ostende über- gesiedelten Rcgierungsbeparlemcnts auch seit gestern Ostende, nachdem dort Nachrichten von dem Vorrücken der Deutschen cingcgangcn sind.
Die Flüchtlinge in Holland.
M. Amsterdam, 10. Okt. Die ganze bürgerliche Bevölkerung ist jetzt aus Antwerpen geflohen. Man kann sagen, daß in ganz Holland, mit Ausnahme der nördlichen Provinzen, Flüchtlinge aus Belgien untergebracht sind, und in Amsterdam sind gestern abend ungefähr 1000 angekommen. Viel Publikum stand am Bahnhof und sah schweigend und mitleidsvoll den traurigen Aufzug vorüberziehen. Überall werden die Flüchtlinge herzlich empfangen. Das hier gegründete Komitee zur Unterstützung der belgischen und anderen Flüchtlinge arbeitet Tag und Nacht, um alles zu ordnen. In Amsterdam sind Belgier, in verschiedenen öffentlichen Gebäuden, wie der neuen Effektenbörse, dem Zoologischen Garten, dem Blindeninstitut, und auch in Privathänsern untergcbracht.
DelcasseS zerschellte Hoffnungen.
hcl. Berlin, 10. Okt. Der „B. L.-A." meldet, daß unmittelbar vor der Abreise der belgischen Regierung nach Ostende das Kabinett in seiner letzten Beratung eine Depesche des französischen Außenministers Delcasss erhielt, in der die Überzeugung ausgesprochen wurde, Antwerpen würde in letzter Stunde von den vorgedrnngenen französisch-englischen Streitkräften entsetzt werden,
Prcsscstimmcn z»m Falle Antwerpens.
\\r. T.-B- Berlin, 10. Okt. Das „Tageblatt" schreibt: Ein Jubelruf wird durch alle deutschen Lande gehen; eines der wichtigsten Bollwerke der Welt ist in kaum zwölf Tagen dem Feinde entrissen worden. Der 9. Oktober ist ein Glückstag für unser Heer und die Heimat geworden. Der Sieger van Antwerpen, General v. B e s e l e r, dürfte wohl neben v. Hindenburg gestellt werden. Auch er ist ein eiserner
Charakter und ein genialer Kopf. Hinter den belgischen Verteidigern Antwerpens stand England, man kann wohl sagen, mit erhobener Hetzpeitsche. Wo sich der Gedanke in belgische Herzen legte, dem zwecklosen Zerstören und Blutvergießen durch die Kapitulation vorzubeugen, da sprach Brttannia ein Veto. Gehorchen muhten alle, auch der König.
Oer Eindruck in Oesterreich.
W- T.-B- Wien, 10. Okt. (Nichtamtlich.) Die Blätter begrüßen den Fall von Antwerpen als ein hochbedent- s a m e s militärisches und politisches Ereignis, welches die ganze Kriegslage g ü n st i g beeinflussen werde. Das „Fremdenblatt" schreibt: Die Katastrophe von Antwerpen
wird in der britischen Geschichte stets ein Denkmal der Schande bleiben und ein warnendes Beispiel für die Völker, die auf England hoffen und vertrauen. Der neue große Erfolg der deutschen Waffen wird auch bei uns mit freudiger Genugtuung begrüßt werden. — Die „Neue Fr. Presse" bezeichnet die Eroberung als das größte Ereignis in diesem Kriege. Mit dem Fall Antwerpens habe. Deutschland ein Beispiel aufgerichtet, damit jeder sehe, wie England und Frankreich die Freunde, die sich ihm anver-- trauen, ins Verderben locke. — Das „Neue Wiener- Journal" sagt: Belgien fällt als erstes Opfer Greys,
des Testamentsvollstreckers Eduards VH- von England. Vielleicht wird es Frankreichs und Rußlands Machthabern noch klar werden, daß sie nichts anderes sind als die Opfer der perfiden englischen Politik.
Eüglische Ergebung.
IV. T.-B. London, 10. Okt. (Nichtamtlich) Die „Morning- post" schrieb vorgestorgr in einem Leitartikel: , Indem die Deutschen ucuzehenre Massen ins Feld warfen, gewannen sie soforüge Vorteile, denen Ausgleich die Verbündeten schreckliche Anstrengungen und viele Menschen kosten wird. Lüttich, Namnr, Antwerpen und Mau beuge, alle m ü s s e n zu rückerobert werden. Bevor dieses versucht werden kcarn, müssen die deutschen Heeve zurückgeschlagen werden. Diese Schläge hätten vermieden werden können, wenn die Verbündeten den Feldzug mit größeren Truppenmassen hätten begrünen können. Die Heeresstärken, die zur Verteidigung Belgiens und der französischen Grenze ausgereicht hätten, werden nicht genügen, um die Deutschen aus den besetzten Gebieten zu vertreiben, so daß die Versäumnisse ans der Friedenszeit größere Anstren-gungen, größere Verluste und größere Kosten verursachen werden, als bei mehr Voraussicht notwendig gewesen wäre. — Ein Kriegsberichterstatt>er der „Morningpost" schreibt: Ein
junger englischer Soldat sagte mir: Man erzählte uns, die Deutschen könnten nicht kämpfen, aber auf mein Wort: Sie haben in der Schlacht an der AiSne wie die Teufel gekämpft. Die Stimmung des Feindes ist im ganzen nicht schlecht. Wir können seine Infanterie in den Verschanzumgen singen und Harmonikaspielen hören. Ein grimmiger Humor liegt in diesen Zeilen. — Ein militärischer Berichterstatter der „Morning- post" schreibt: Woher die Deutschen die Truppen nehnren, um ihre Linien so weit verlängern zu können,^ während sie östlich der Maas ihre Gegenangriffe ansfiihren, ist ein Geheimnis, das gegenwärtig nicht g-swst werden kann. Man muß sich notwendig vergegenwärtigen, daß die mifttari- schen Kräfte Deutschlands noch lange nicht völlig entwickelt sind. Hinter den ausgebildeten Truppen der ersten und zweiten Linie und den alten Soldaten des LaNdsiur^ns befinden sich etwa 100 000 halbausgebildete und 5 Millionen unausgebildete Leute, die dem Mer nach im Notfall dienstpflichtig sind.
Eine Soldatenmutter.
Von Richard Ries? (München).
Die alte Huberin nahm lange Schritte, als sie durch die graue Vorstadtstratze der Kaserne zueilte. Es war wunderbar, daß sie dabei das Päcklein nicht verlor, das, von einem großen, blauen Kopfschal umsorgt, in ihrem linken Arme ruhte. Sie achtete nichr der Leute, die ihren Weg kreuzten, und hatte auch für die reichbepackten Wagen und Automobile keinen Blick, die in rasend geschärfter Hast die Kasernenstraße entlang fegten. Eine weinende Frau begegnete ihr, eine Bekannte: „Gehtts nun sei auch dahin. Huberin?" fragte die. „Der mein' is schon fort . . . gestern bei der Nacht... Zwanz'ge Jahr hat der Bub erst, zwanz'ge. . . mein lieber
Bub_ und jiatz werdn's ean derschietz'n . . ." „A jeds
gibt sein Teil her", cntgegnete die Eilende. „An a jeden trifft's. Psi't Gott."
Die Huberin weinte nicht. In ihrem Auge glühte die Strenge des Zielbewußtseins. Eine Spannung aller Energien trieb sie. Sie mußte weiter, schnell weiter .... wenn sie ihn noch einmal sehen wollte, ihren Pepi . . . Gestern abend war^ er aufs Wehramt gegangen, genau so, wie e§ in seinem Befehl gestanden ' war.' Und nicht mehr' heimgekehrt is er, ihr Pepi . . . Sie aber wollte ihn noch einmal sehen, ihren Einzigen; denn ob er wiederkehren würde, wenn er erst ausgerückt wär . . . „Nicht anr jede Kugöl trifft", das wußte sie von ihrem Mann her, der bei Weißenburg mitge- sochten hatte und bei Orleans. Und war doch heimgekehrt, der siebzehnjährige Bub.
Die Huberin achtete nicht des Schweißes, den der heiße Spätnachmittag ans ihre Stirne trieb. Ihre Blicke ver
zehrten den Weg, und sie war froh, daß sich der Wstand zwischen ihr und der Kaserne verringerte. Die lag wie eine Zwingburg, riesig-rot, vor ihr, die Vorschau der langer! Straße beherrschend. _ .
Vor dem eisernen Torgitter des Gebäudes stand ein Posten. „I will zu mei'm Pepi", sagte die Hnberin. „Zum Huaber-Pepi". Der Soldat zuckte wichtig die Achseln: „Geht net! Zivilpersonen derfen net durch!"
Die alte Frau blieb standhaft: „Ist er denn schon aus- g'rückt, mein Bub?" Der Posten zuckte wiederum dre Achseln und wechselte die Schulterung seines Gewehres.
„I geh' net von der Stell', bevor daß i'n geseh'n Hab! sagte die Huberin. „I Hab' ja hier sein Sach dabei . . . Hat ja' sei sieben Zwetschgen net z'sammpacka könn . . . gestern bei der Nacht . . . Hat ja net denkt, daß 'n glei' behalten tätn . . . Sei' Wäsch' und a paar Zigarn . . a paar . .
Der Posten schwieg vorschriftsgcmäß, aber ein freundlicher Unteroffizier riet ihr, . das Paket abzugeben. Der Empfänger Iverde es dann schon rechtzeitig erhalten. Davon aber wollte die Alte nichts wissen. Sie drückte, zum Schutze gleichsam, das Päcklein fester an sich und sagte: „Na . . .
na . . . i . . . na . . . selm muß ich's eam gebn." Da zuckte auch der Unterosfzier die Achseln und ließ die Besorgte stehen. Traurig ging sie an der Kasernenmauer entlang. Die Spannung, die sie ans dem langen Wege zu fteudiger Hast getrieben hatte . . . von der fernen Vorstadt bis hier hinaus zu den Kasernen . . - diese Spannung machte einem lähmenden Gefühlte der Enttäuschung Platz, und eine tiefe Niedergeschlagenheit zwang der alten Mutter, so arg sie sich auch dagegen auflcbnte, die Tränen ins Auge. „Man ders net heulen jetzt",, sagte sie sich. „Es ist ja alles recht so . . . wann's doch eben Krieg sein muß . . . und unla Herr König
