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Wiesbadener Tagblatt.

freiwillige» Militärdienst gestellt werden, sollen, gutem nach, gesteigert und danach auch die Bedingungen geändert

gehalten sei. . .

- Die Anforderungen, welche gegenwärtig an die Aspiranten zum ein- jährigen freiwilligen Militärdienst gestellt werden, sollen, gutem Vernehmen nach, gesteigert und danach auch die Bedingungen geändert werden, welche jetzt für Diejenigen bestehen, die da« mangelnde Schulzeugniß durch ein« eigene Prüfung ersetzen müssen. Rach jetzt geltenden Anordnungen müssen die Schulzeugniffe sür die aus der Secunda eines Gymnasiums oder einer Realschule erster Ordnung abgehenden Schüler ergeben, daß diese mindestens ein Jahr der Llaffe angehört haben, ferner, daß der Schüler

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hos-Bnchdruckerei in Wiesbaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: I. Greiß in Wiesbaden.

(Hierher 1 Beilage.)

sich das Pensum der Untersecunda gut angeeignet und sich gut betragen hat, und es werden Abgangszeugniffe, die sich über den Stand der erworbenen Kenntnisse, sowie über Fleiß und Betragen ungünstig aursprechen, nicht als genügend angesehen. Unter Aufrechterhaltung aller dieser Einschränkungen oll nun, wie es heißt, das Schulzeuqniß den Abgang aus der Unterprima, wo eine solche besteht, sonst den einjährigen Aufenthalt in der Prima nach, weisen und die Mangels eine« Schulzeugnisses anzustcllende Prüfung soll ermitteln, ob der zu Prüfende denjenigen wissenschaftlichen Bildungsgrad erlangt hat, welcher durch Vorlegung von Schulzeugnissen nachzuweisen ist. Die Reichs-Schulcommission dürste danach ihre Vorschläge auch einbringen. Jedenfalls wird das Lateinische aus der Prüfungsordnung nicht entfernt werben, wogegen das Griechische für die Realschulbildung durch das Englische ersetzt wird.

— (Militärisches.) Bis zur Fertigstellung eines dem Infanterie- Gewehr M. 71 entsprechenden Carabiners soll an Stelle des als interimistische Schußwaffe eingeführten Ehaffepot-Carabiners aus Chassepot-Gewehren ein Carabiner, für die Patrone M. 71 aptirt, hergestellt werden. Mit dieser Waffe sollen unter Wegfall ihrer bisherigen Schußwaffen ausgerüstet werden: sämmtliche Mannschaften der Dragoner-, Husaren und aller Reserve-Cavallerie- Regimenter (nur die Unteroffiziere und Trompeter behalten bei den vor­erwähnten Regimentern bis aus Weiteres das Cavalleriepistol); die berittenen Mannschaften der Trainbataillone und Administrationen, der Eorps» und Divisions-Brückentrains und der Munitions-Fuhrparks-Colonnen ohne Unter» chied der Charge; die Train-Handwerker, die Reserve-Fahrer der Proviant- und Fuhrparks-Colonnen, die Mannschaften der Feld- und Reserve-Bäckerei- Colonnen, sowie die Krankenträger der Sanitäts-Detachements, mit Ausschluß der Feldwebel, Vicefeldwebel und Spielleute dieser Formationen.

— Die vom hydrographischen Bureau der Kaiserlichen Admiralität heraus- gegebenen „Hydrographischen Mittheilungen" erscheinen seit April d. I. in monatlicher Ausgabe unter dem Titel: „Annalen der Hydro­graphie und maritimen Meteorologie" mit entsprechend vermehrtem Inhalte, und werden nunmehr zugleich als Organ der neu errichteten deutschen Seewarte dienen. Die deutsche Seewarte in Hamburg, unter Leitung eines Directors, zerfällt in drei Abtheilungen, welcher jeder ein Abtheilung«chef vorsteht. Die erste Abtheilung ist für di« Arbeiten über maritime Meteoro­logie und Oceanographie in ihrer Anwendung.aus die praktische Seefahrt bestimmt. Es gehört daher in dieselbe das Ausgebm von Wetterbüchern und die Anleitung zum Führen derselben, sowie die Sammlung und Verwerthung des hierdurch gewonnenen Materials. Einen nicht unwesentlichen Theil der Thätigkeit dieser Abtheilung bildet noch der unmittelbare und ununterbrochene persönliche Verkehr mit dem nautischen Publikum. Eine möglichst vollständige Sammlung von Segelhandbüchern und Kartenwerken, Theile der Bibliothek de« Instituts, sind daraus berechnet und theilweise mit Rücksicht darauf an­gelegt, eingehende Besprechungen von Reiserouten in wirksamster Weise zu unterstützen und Rathertheilung rücksichtlich derselben zu ermöglichen. Die zweite Abtheilung umfaßt die literarischen Arbeiten der deutschen Seewarte, die Abfassung von Berichten, Herausgabe einzelner Werke, Verfassung kleinerer Arbeiten für die «Annalen der Hydrographie", Veröffentlichung literarischer Erzeugnisse der Küstenmeteorologie und des Sturmwarnungswesen«, wofür die gedachten Annalen das Organ der Besprechung bilden werden. Em« weitere wichtige Function dieser Abtheilung besteht in der Prüfung der bei den meteorologischen Beobachtungen zur Verwendung kommenden Instrumente, als: Barometer, Aneroide, Thermometer u. s. w. und in der wissenschaftlichen Buchführung über dieselben. Sowohl Capitäneu, wie Mechanikern wird tn den betreffenden Einrichtungen der deutschen Seewarte, wozu auch eine Samm­lung von Modellen und Apparaten gehört, eine Gelegenheit geboten werden, diese wichtigen Instrumente der Navigation im Allgemeinen zu studiren, für besondere Fälle deren Fehler und constructive Mängel zu untersuchen und Abhülfe zu finden. Die dritte Abtheilung der deutschen Seewart« ist der Küstenmeteorologie, der Wettertelegraphie und dem Sturmwarnungswesen gewidmet und es umfaßt diese Organisation die deutschen Küsten von Memel bis Borkum, auf welcher Strecke eine Anzahl von meteorologischen Beobach­tungsstationen und Signalstellen eingerichtet werden, die mit der Centralstelle in telegraphischer Verbindung stehen. Außer der Einrichtung und Verwaltung dieser Stationen fällt der dritten Abtheilung auch die Unterhaltung eweS regen Verkehrs mit den meteorologischen Instituten in Rußland, Schweom, Norwegen, Dänemark, Niederlande und England zu, sowie die Bearbeitung des von den meteorologischen Systemen von Deutschland, Frankreich, Oester­reich rc. alltäglich einlaufenden Materials über den Zustand der Atmosphäre. Aus dieser Bearbeitung ergeben sich zusammensassende Witterungsberichte, synoptische Karten und darauf gegründet die Schlüffe sür die Wetterprognose.

— (Vergoldete Zwetpfennigstücke.) Die „Köln. Ztg." mahnt zur Vorsicht; in zwei Fällen seien von Kölner Geschäftsleuten neue galvanisch vergoldete Zweipfennigstücke unter einer größeren Zahl Zehnmarkstücke als solche in Zahlung angenommen worden. Die Täuschung wurde dadurch möglich, daß die Pfennigstücke mit der Aversseite nach oben lagen.

— (Auswanderung.) Wie Frankfurter Blätter berichten, werden von dortigen Häuser-Maklern zwei ganze Bauerndörser mit 400 und 475 Morgen Land ausgeboten, deren Einwohner fortziehen wollen. .

— Der Borstand des Marburger Krieger- und Landwehr-Vereins, welcher am 18. und 19. das diesjährige Kriegerfest feiert, macht, wie die „Caffeler Tagespost" am 10. mitlheilt, darauf aufmerkfam, de* sich diesem Feste der Viehmarkt am 25., das Thierfchaufest am 29. ansa,.ießl. Nun, die Krieger und Landwehrmänner werden auch aus diesem Zusammenstoß siegreich hervorgehen!_______________________________________________ -

f| Wiesbaden, 22. Juli. Fräul. Agnes Maclea dahier hat ihre Besitzung Parkstraße 8 für den Preis von 62,500 THIr. an Frau Lydie von Jordan aus Moskau verkauft.

8 Wiesbaden, 22, Juli. (Pferdebahn.) Nachdem eS mit der Anlage der Pferdebahn Ernst geworden und deren Eröffnung auf die vor- gefchrrebene Strecke bald zu erwarten steht, tritt die Frage lebhafter hervor, ob in der Veranlagung nicht einzeln« Straßen und Stadttheile fast gänzlich von deren möglicher und praktischer Benutzung ausgeschloffen sind. Wie bekannt, umfaßt das Schienennetz die Strecke von der oberen Rheinstratze (Moritzstrahe) durch di« Wilh«lm- und Taunusstraße nach der Beau-Site, und in dieser Veranlagung bleibt der ganze westliche Stadttheil unberücksichtigt liegen, und zwar hauptsächlich das Wellritz-Viertel incl. die stark bebaute Emserstraße. Sollte es nicht möglich sein, diesen Rayon in den Verkehr mit hineinzuziehen? Wie wir vernehmen, ist seitens des Sonnenberger Gewerbe- vereins daS Ersuchen an die Bahn-Direction gestellt worden, die Bahn bis nach Sonnenberg zu führen, und hat man sich diesseits bereit erklärt, der event. Ausführung mit allen möglichen Mitteln entgegen zu kommen. Wenn man die großen Änlagekosten der Bahn in Erwägung zieht, so ist es aller- dings anzunehmen, daß die Direction sich nickt so leicht zur Veranlagung anderer Strecken entschließen wird, außer den bis jetzt vorgezeichneten, welche die meist« Frequenz versprechen; e« dürste aber doch nicht unmöglich sein, daß man auch Rücksichten für das genannte Viertel nähme, wenn dessen Bewohner sich zu einer Verständigung bereit fänden. Durch die Erweiterung der Linie von der Moritz- nach der Oranienstraße, vorab durch die Schwal» bacher-, Bleich-, Walram-, Emserstraße und wieder abwärts bi« zum Abweiche- punkt nach der Bleichstraße, eine Ausdehnung von etwa 1500 Metern, würde das ganze jetzt so apart liegende Viertel in den allseitigen Verkehr mit herein- gezogen, und es dürste rascher Erwägung zu empfehlen fein, ob nicht Schritte einzuleiten wären, fo lange die Bahn noch im Baue ist, wo eine Erweiterung sich eher bewerkstelligen läßt, als wenn das Netz einmal abgeschlossen ist und alle Dispositionen demselben anpaffend getroffen sind. Wir möchten diese Frage durch Vorstehendes angeregt wiffen.

K, (Warnung.) Wir wollen hiermit Jedermann warnen, um die Zeit, wann in dem Steinbruche im Nerothal gesprengt wird, den jenseitigen Promenade- oder Fahrweg zu betreten; es könnte ihm sonst begegnen, daß er die Seinigen nicht mehr wieder sähe. Einsender dieses schwebte am Mitt­woch Nachmittag in der größten Lebensgefahr, indem ein schwerer Stein etwa suhhoch über seinem Kopf herbrummte, mit großer Gewalt in die Böschung der Fahrstraße einschlug und dann auf den Promenadeweg zurückfiel.

? (Verhaftet.) Tin hier wohnender Bierbrauer aus dem Württem- bergischen, welcher sich seit etwa 5 Jahren der Militärpflicht entzogen und mittlerweile sich hier verheirathet hat, ist ermittelt und gestern in Hast genommen worden. Heute erfolgt seine gefängliche Abführung an das Militär-Commando nach Stuttgart.

? (Arregerverein.) Auf ergangene Einladung Seitens des Krieger- Vereins zu M e tz, welcher am L August c. das Fest seiner Fahnenweihe abhält, wird sich der hiesige Verein „Germania" in corpore, sowie der ganze Hessische Kriegerverband betheiligen. Die Direction der Ludwigsbahn läßt zu diesem Zwecke am 81. Juli zu ermäßigten Fahrpreisen (10 Mark hin und zurück) von Mainz einen Extrazug abgchen. Am Sonntag findet die eigent­liche Festlichkeit statt und am Montag werden die Schlachtfelder in Augen­schein genommen. Freunde des Vereins, welche durch Vereinsmitglieder legitimrrt werden, können ebenfalls an der Fahrt theilnehmen.

* Vor einiger Zeit erwähnten wir des Gerüchts, daß die Absicht bestehe, das landwirthschaftliche Institut oder die landwirthschaftliche Mittelschule, in welche es umgeändert werden soll, nach einer anderen Stadt verlegt werden solle. Seitens eines anderen hiesigen Blattes ist dem zwar widersprochen worden, jenes Gerücht taucht aber mit größerer Bestimmtheit wieder auf und wird gleichzeitig Weilburg als der zukünftige Sitz der Anstalt genannt, so daß wir hier nochmals darauf zurückkommen müssen, damit Seiten« der Stadt Wiesbaden die nöthigen Schritte geschehen, den Verlust abzuwenden. Man hat zwar, wie wir hören, von maßgebender Seite die Ansicht ausge­sprochen: Wiesbaden sei ohne Jntereffe an der Erhaltung der Anstalt in unserer Stadt; dem gegenüber möchten wir aber doch zu bedenken geben, daß das landwirthschaftliche Jnstttut in den letzten Jahren durchschnittlich von 40 Zöglingen besucht war. Rechnen wir die Ausgaben eines Jeden pro Winter nur zu 400 Mark, so macht dies 16,000 Mark, dazu die Besoldungen der Lehrer und die sonstigen Ausgaben wenigstens 14,000 Mark, macht zu- sammen 80 000 Mark, die dem Kleinverkehr unserer Stadt zu Gute kommen. Ob, besonders bei diesen schlechten Zeiten, ein Ausfall von wenigstens 30,000 Mark jährlich ohne Jntereffe ist, dürfte doch etwas ernstlicher zu er­wägen der Mühe werth sein. .

— Das Obertribunal hat jetzt entschieden, daß em Frauenzimmer, welche« wegen unzüchtigen Lebenswandel übel berüchtigt ist, keinen Anspruch darauf hat, daß derjenige, welchen sie als Vater ihre« unehelichen Kinde« bezeichnet, die üblichen Alimente für Mutter und Kind zu zahlen