Expedition: Langgaffe No. 27
es vorzugsweise >sohne der Lahngegenb uno ves seinen Reihen nach Frankreich hineinmarschirten;
ierwaldes, welche in
Wiesbaden, 5. Juni. Herr Reinhard Bender von hier hat einen Bauplatz von 17 Ruthen 35 Schuh, an der Jahnstraß« belegen, für den Preis von 10,283 fl. 20 kr. verkauft.
? Der Commandant des Nass. Feld-Art.-Reg. No. 27, Herr Oberstlieutenant Müller, hielt am 3. d. Mts. auf dem Exercierplatz eine Jn- spection der Fahrer und gestern im Kasernenhofe ein batterieweises Fuß- excrcieren ab. Zum Schluffe wurde noch ein Parademarsch ausgeführt. Herr Oberstlieutenant Müller ist gestern zur Tafel Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Carl geladen gewesen.
? Rach Beendigung des Departements-Crsatz-Geschäftes fand gestern die Superrevision der temporär Invaliden des hiesigen Stadtkreises im Rathhaussaale statt.
? Unter den üblichen Vergnügungen, welche den in Mainz versammelten Gas- und Wasserfachmännern bereitet wurden, dürfte der Ausflug nach Wiesbaden nicht in letzter Reihe stehen, und glücklicherweise hatte auch das drohende Gewitter den glücklichen Einfall, vorüberzuziehen, als das Militär- Concert auf dem Neroberg, welches den Anfang der Vergnügungen bildete, in Scene gesetzt wurde und ein zahlreiches Publikum versammelt hatte. Die Bedienung der Gäste seitens des aufmerksamen und in seiner Leistung reellen Wirthes ließ nichts zu wünschen, wie denn auch das Concert selbst die Zuhörer nicht nur befriedigte, sondern auf das angenehmste durch ein ausgewähltes Programm überraschte; darunter vorzugsweise eine Nummer genannt: „Die Post im Walde." Auch das Doppel-Concert im Kurgarten, verbunden mit den in gewohnter Weise vortrefflich gelungenen pyrotechnischen Aus- flihrungen, verfehlte die erwünschte Wirkung nicht, und unsere Gäste dürften es nicht vergesse», wie die Ehrenbezeigungen in Wiesbaden allen übrigen dieser Art sich würdig zur Seite stellen konnten.
? Nicht ohne aufrichtige Theilnahme vieler Bewohner der hiesigen Stadt wurde die Kunde von der wohlverdienten Befferstellung unseres würdigen Theatermitgliedes Herrn Franz Fischer vernommen, wie denn anderseits sein Ausscheiden aus den hiesigen Kreisen und seiner bisherigen Wirksamkeit beklagt wird. Ob und inwieweit er in dem fernen Westen Californiens (San Franzisco) das findet, was ihm hier nicht konnte geboten werden, lassen wir dahin gestellt fein; doch begleiten ihn unsere herzlichen Wünsche dorthin wie auch seinen 12jährigen Sohn, dessen hohe Begabung ihn im Laufe der Jahre zu einem würdigen Priester der Musen erheben wird.
? (Verhaftet.) Alice Christoph, geb. zu Paris, hier wohnhaft, 17 Jahre alt, die bekannterweise am Andreasmarkt v. I. Geld und Eß- waaren von auf der Straße gehenden Kindern auf betrügerische Weise sich aneignete und deßhalb Correctionsstrafe erlitten hat, ist wiederholt wegen derselben Vergehen und wegen Diebstahls verhaftet worden.
* Der „91. Frkfrtr. Pr.« entnehmen wir das Folgende: „Die Acht undAchtzigerinFrankreichl87 0—71. In der Frühe des 26. Juli 1870 stand das zweite naffauische Infanterie-Regiment No. 88 im Verein mit anderen Trupventheilen der 21. Division gefechtsbereit in der südlichen Pfalz, am östlichen Ausgang des Defilös von Annweiler. Ein Vorstoß der Franzosen von Bitsch her wurde befürchtet; demselben sollte in genannter Gegend entgegengetreten werden. Doch der Feind kam nicht, um die Mittagsstunde wurde wieder in die Cantonnementsquartiere zurückmarschirt. Während das Regiment, noch in Bataillons-Colonnen concentrirt, den Feind erwartete, hielt der damalige Commandeur der 42. Infanterie-Brigade, Generalmajor v. Thiele, eine kernige, ächt soldatische Ansprache an die Truppen. Dem Schreiber dieses Aussatzes, welchem es vergönnt war, einen Theil des Feldzuges in den Reihen der Acht und Achtziger mitzumachen, haben sich namentlich die Schlußworte des in manchem heißen Kampfe wohl erprobten Com-
Westerwaldes, welche in seinen Reihen nach Frankreich h>neinmarsch,rten; kräftige, ausdauernde Männer, deren Väter zum letzten Male bei Waterloo den französischen Gewehrläusen und Bajonnetten gegenüber gestanden hatten. Aber auch Leute aus den thürinaischen Staaten, aus dem Kurhessischen und bet Maingegend fochten 1870 in der Uniform des 88. Regiments. Hauptmann Th. Becker hat sich der ehrenvollen Arbeit unterzogen, die Geschichte des Regiments während des Feldzugs 1870-71 niederzuschreiben. .Aus unseren Tagebüchern' lautet der Titel des Merkchens; dasselbe ist in der „Verlagsbuchhandlung für Militär-Literatur' (Berlin, Potsdamerstraße 54) erschienen und durch neun Illustrationen — Portraits des Kaisers und des Kronprinzen, der Führer der Truppenverbände, in welchen das Regiment 1870 gestanden, seiner eigenen Commandeure u. s. w. — geschmückt. Ohne Ruhmredigkeit, ohne durch Selbstüberhebung die Thaten der Kameraden anderer Truppentheile herabzusetzen, erzählt das Becker'sche Buch in gewandter, doch schlichter Form, was die Nassauer vom 88. Regiment während der langen Campagne erlebt, wie sie in guten und bösen Tagen marschirt, bivouakirt und canton- nirt, wie sie gestritten und gelitten. Mancher ehrenvollen Kriegesthat wird in dem Buche gedacht, manches Lvrbeerreis auf die Gräber der Kameraden niedergelegt, die den Heldentod für Deutschlands Glück und Ehre gestorben. Am 22. Juli 1870 stand das Regiment Nr. 88, nach siebentägiger Mobilmachungs-Arbeit, marschbereit in feinen Garnisonen Fulda und Hersfeld. Am Abend des 24. Juli, einem Sonntage, beförderten drei Bahnzüge die Bataillone nach der Pfalz. In Landau wurden die Waggons verlassen, von da an, am 25. Juli Abends, begann di« lange Zeit der Fußmärsche. Set Weißenburg erhielt das Regiment — oder doch wenigstens einige Compag- nieen desselben — die Feuertaufe. Die 1. und die 3. Compagnie nahmen in leichtem Kampf das Dorf Riedseltz; bei der dortigen Brücke über den Seltzbach traf den Sergeant Pitton von der 3. Compagnie das tödtlich« Geschoß. „Noch während des Gefechtes — erzählt Hauptmann Becker — verschied Pitton; sein Name aber trat an die Spitze der bald langen Reihe unserer gefallenen Kameraden, welche das Regiment als heiliges Vermächtniß einer großen Zeit bewahren wird, so lang« Vaterlandsliebe und Dankbarkeit in feinen Reihen leben.' Zwei Tage später schlug sich das Regiment im heißen, erbitterten Ringen bei Wörth, im Niederwald an der Sauer und auf den Höhen von Elsaßhaufe». Von 11 Uhr Bormittags bis Abends gegen 5 Uhr dauerte die Schlacht; 22 Dfficiere, 23 Unterofficiere und 294 Mann fordert« dieselbe als Opfer an Todten und Verwundeten. Unter ersteren war der Oberst des Regiments Kohn von Jaski. Beim Vorführen des Füsilierbataillons in die Schlachtlinie warf eine Granate ihn tobt zur Erde nieder. „Der König hatte einen seiner besten Soldaten, das Regiment einen wahrhaft hochherzigen, allgemein beliebten Führer verloren.« Es gebricht uns an Raum, hier auf die Details der Kampferlebniffe des Regiments am 6. August einzugehen. Der Tag war reich an Strapazen und Gefahren, aber auch reich an Ehren. Das Durchwaten der durch Regengüsse angeschwollenen Sauer, das Auf- und Abwogen de« langen Feuergefechtes im Niederwald, der Sturm auf Elsaßhausen, endlich die Wegnahme von Fröschweiler, — dies sind Momente, welche Allen, die an jenem denkwürdigen Tage in den Reihen de« Regimentes rnitgesochten, unvergeßlich sind und welche in Hauptmann Becker einen vortrefflichen Erzähler gefunden haben. An dieser Stelle sei es dem Schreiber dieses Aufsatzes gestattet, einen kleinen Jrrthum zu berichtigen, welcher sich bezüglich des Todes des braven Lieutenant Wilm in das Becker'sche Buch eingeschlichen hat. In dem Buche ist gesagt, Wilm sei nach dem ersten großen Vorstoß der Franzosen gegen den von den 88ern besetzten Niederwald gefallen. „Den auf der Westseite des Waldes — heißt es u. A. — eingedrungenen Feinden stand Lieutenant Wilm mit einem geschlossenen Häufchen gegenüber; es kam zum Nahkamps und nicht eher ruhte die wuchtige Waffe in der Hand dieses hoffnungsvollen Officiers, bis der Wald vom Feinde gesäubert und die Lisitzre wieder genommen war. Aber auch hier hatte das feindliche Blei den Weg in einem echt deutschen Herzen gefunden; Lieutenant Wilm lag am Waldrande tödtlich verwundet " Als Wilm fiel, befand sich Schreiber dieses nur wenige Schritte von dem armen Kameraden entfernt. Es war noch in den Anfangsstadien
LKges-KKSsNÄSL.
Musik am Kochbrunnen täglich Morgens 6'/- Uhr.
$it Bibliothek des Nepeins für Mk-bildung ist zur unentzeldlichen Benutzung für Jedermann geöffnet Samstag Nachmittags von 3 bis 7 und Sonntag Vormittags von ll1/« bis. 121/« Uhr auf dem Bureau des Gewerbevereins, kl. Schwalbacherstr. 2a. „
Nas clkiwgravtzifche Museum, Saunurftraße 43, ist täglich geöffnet von 2 b,s 5 Uhr. Zu anderer Zeit melde man sich tm Hause. Eintritt die Person 1 Mark. Familien-Billet für 4 bis 6 Personen 3 Mark. 183
Heute Sonntag dey 6. Juni.
Gewerbliche Zeichnenschule. Vormittags von 8-12 Uhr: Unterricht in der Schule auf dem Michelsberge. _ .
Männer-Turnverein. Nachmittags: Waldfest aus dem „Spewrskopf . Abmarsch Nachmittags P/z Uhr vom Vereinslokale.
BI'rger-Schützkn-Corps. Nachmittags 3 Uhr: Uebungsschießen.
Kurhaus ;u Wiesbaden. Nachmittags 4 und Abends 8 Uhr: Concert. Taunue-Sängerbund. Nachmittaas: Großes Sängerfest zu Erbenheim.
Königliche Schauspiele. „Der König hat's gesagt«. Komische Oper m 3 Akten von ®. Gondinet. Deutsch mit Benutzung der A. Schirmer scheu Bearbeitung von Ferd. Gnmbert. Musik von Leo Delibes.
Morgen Montag den 7. Juni.
WSdchen-Zcichnenschul«. Vormittags von 10-12 Uhr: Unterricht.
Viirger-Schützen-Eorp». Nachmittags 3 Uhr: Uebungsschießen.
Surihaus s» Wiesbaden. Nachmittags 4 und Abends 8 Uhr: Concert.
Synagogen-Gesangverein. Abends 8'/- Uhr: Generalprobe.
Zchuhmacher-Gewerks-Nnion. Abends 81/« Uhr: Versammlung tm Lokale des Herrn Ries, „zum Anker'. 4262
Kriegerverein „Germania". Abends 9 Uhr: Gesangprobe im VeretnSlokale.
mandeurs tief in's Gediichtniß eingeprägt. Sie lauteten etwa: „Wenn von den hier versammelten dreitausend nur dreihundert, nur dreißig, ja nur drei Mann aus dem Kriege in di« Heimath zurückkehren, so müffen diese mit Stolz sagen können: Wir haben uns in den Reihen des 88. Regiments mit den Franzosen geschlagen." Nun — glücklicherweise war es mehr als Dreien, mehr als Dreihunderten vergönnt, das Vaterland wiederzusehen. Daß aber das Regiment seine Schuldigkeit gethan, daß die Zurückgekehrten mit gerechtem Stolz auf die Campagne gegen den fränkischen Feind zurückblicken können — davon wissen die Tage von Worth und Sedan zu erzählen, dafür legt das Denkmal zu Wiesbaden, auf welchem die Namen der den Helden- tob gestorbenen Acht und Achtziger in langer Reihe eingegraben sind, gutes Zeugniß ab. Als ein neuer Truppentheil ist das Regiment in's Feld gerückt, seine bei Worth zum ersten Male vor einem Feinde entfalteten Fahnen hatten noch nicht zuvor in mit Pulvsrdampf angefüllter, heißer Schlachtenluft geweht. Als aber am 8. Juli 1871 die Truppe in ihre neue Garnison einzog, waren es kriegserfahrene Veteranen, welche durch die Straßen der goldenen Rhein- stadt marschirten. Das neue Regiment hatte sich auf blutigen französischen Schlachtfeldern das Recht erkämpft, ebenbürtig hinzutreten neben bi« alt- preußischen Truppmtheile, deren Kriegsgeschichte von Hunderten von Treffen unb Siegen zu erzählen weiß. Hat doch auch Kaiser Wilhelm selbst unter den Mauern von Paris es ausgesprochen, „daß die neuen Regimenter den alten sich ebenbürtig an die Seite gestellt hätten." Das zwette nassauische Infanterie-Regiment No. 88 wurde im Herbste des Jahres 1866 aus früheren nassauischen Truppentheilen, sowie aus Mannschaften rheinischer Regimenter geb Ibet. In 1870 waren es vorzugsweise Söhn« der Lahngegend und des
