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MteKSadeE Lagblatt.

51,000 Menschen.

Druck und Verlag der L. Schellenbrrg'schen Hof-Vuchbruckerei in Wiesbaden. - Für die Herausgabe verankwarttich^J.^^reitz^^Wwsbadem

Motto: „Wasser thut's freilich nicht."

In früheren Jahren waren hier mehrere römisch-irische Bäder, von denen nur das eine auf der Dietenmühle übrig geblieben ist, und dieses — ist den Winter über geschlossen. Hast Du Dir also eme tüchtige Erkältung geholt oder Dir Dein Ärzt aus einem anderen Grunde em römisch-irische» Bad verordnet, dann, lieber Leser, kaufe Dir ein Eisenbahnbillet nach Mainz, fahre aus der Weltcurstadt Wiesbaden nach Castel, durchschiffe den Rhein, wobei Du Dir vielleicht erst recht eine Erkältung zuziehst (es geht ja m Einem hin) und wenn Dn endlich vor dem Mainzer Bad stehst, fängst Du schon an zu schwitzen, so erbaut Dich sein Anblick. „Laßt alle Hoffnung ^tnter Euch", denkst Du und damit Du nicht umsonst d,e Fahrt gewagt, begibst Du Dich hinein. Die Rückfahrt wird Dir auch sehr gut bekommen und Du hast Seit, Betrachtungen anzustellen über die Bedeutung Wiesbaden« als Wellkurstadt und die Vollkommenheit seiner Curmittel.Nemo.

(Eingesandt.)

In einem Artikel des „Tagblatts" vom 6. ds., „Reform der kauf­männischen Zahlungsweise", trifft Verfasser desselben den Nagel auf den Kopf, wenn er behauptet, daß der Kaufmann durch den übermäßig langen Credit, den er dem Käufer gestatten muß, in der riAtigen Ausbeutung seines Capitals sehr gehindert ist. So wie aber der Kaufmann, ist auch das Publikum geschädigt; der Kaufmann sucht mindestens seinen Ztnsverlust im Preise der Waare zu erlangen, wodurch das Publikum emen höheren Preis sür die Waare zahlen muß. Trotzdem ist deni Kaufmann aber nicht gedient, denn manchmal bietet sich demselben Gelegenheit, mit baarem Geld« ein günstigeres Geschäft abzuschließen, als der den Maaren aufqeburdete Zinsverlust einbringt. Diese Sache einmal angeregt, wäre es im Interesse aller Geschäststreibenden, wenn dieselbe recht durchgehend besprochen und dadurch die Anregung zu einem gemeinsamen Vorgehen der Jnteresienten gegeben würde, denn der einzelne Geschäftsmann kann hierin Nichts thun.

Darmstadt, 4. Febr. Der König von Belgien hat dem Prinzen Ludivig van Hessen für den Muth und die Aufopferung, welche Letzterer gezeigt, als er mit Gefahr seines eigenen Lebens am 15. August v. I. rn Blankenberghe einen Menschen vor dem Ertrinken rettete, den Orden sür Civildienste I. Classe verliehen. .

Loudon, 3. Febr. Professor August Wilhelm, hat sich, rote feie „Pall Mall Gazette" schreibt, das Londoner Publikum in solchem Sturm gewonnen, daß er kaum noch auf größere Triumphe — höchstens auf mehr Münze — rechnen kann. Unsere Zeitungen haben sich bemüht, des großen deutschen Meisters Lob in allen möglichen Tonarten zu singen, so daß sich wirklich kaum noch Etwas über Wilhelmj sagen läßt. Er ist das Tages- ereigniß, in Wahrheit der „Löwe bet Saison". Diese unerhörten Erfolge haben feie Coneert-Directoren zu neuen großen peeuniären Anstrengungen getrieben, so daß wir das Vergnügen haben werden, feen unvergleichlichen Geiger noch längere Zeit zu bewundern. . .

— (Wetter-Prophezeiung.) In dieser Woche wird zunächst bei großentheils bewölktem Himmel zeitweilig Schnee fallen, bann rotrfe, nach Fortschreitung feer Windrichtung über Norden, bei Ostwind allmälig Klärung de« Himmels erfolgen. . „ , . ~

— Wie feer in Mainz erscheinende „Israelit" nnttheilt, sind nn Jahre 1873 in feen alten Provinzen feer preußischen Monarchie 90 Israeliten und 1338 jüdische Kinder getauft und in die evangelische Landeskirche ausgenommen worden. . . _ , , , . £

— (Postalisches.) Die namentlich m kleineren Orten mehrfach auf- tanchenden Klagen über die unzweckmäßigen Schalterfeienststunden bei den Postanstalten haben dem Generalpostamt Veranlassung gegeben, den Vor­stehern der Postanstalten eS als eine besondere Aufgabe ans Herz zu legen, der Gestaltung des Schalterverkehrs, im Zusammenhänge mit feem Posten- gange, aufmerksam zu folgen und die Dienststunden den örtlichen Bedürf» nissen anzupaffen. E« wird, so heißt es in feer Verfügung, feen Bcdürsnis- fen des Verkehrs meist besser Rechnung getragen, wenn, bei sonst einge- schränkten Schalterdienststunden, zu rechter Zeit, vor dem Abgänge und nach feer Ankunst wichtiger Posten rc. die Zahl feer Schalterbeamten m einer, d-.c rasche Abfertigung des Publikums ermöglichenden Weise vorüber- gehend verstärkt oder auch ein Schalter außerhalb der gewöhnlichen Dienst­stunden auf kurze Zeit geöffnet wird, als daß die hergebrachten ^.chaltrrstmi- den von Morgens "bis Abends mit gleicher Veamtenbesetzung eingehalten wer­den, ohne Rücksicht darauf, ob der Verkehr in der einen Stunde sich steigert, in feer anderen vielleicht gänzlich ruht. (Trib.)

— Die neuen Postbrieskästen dürsten doch noch einige Mangel haben. Trotz der breiten Klappen über den links- und rechtsseitigen Oeffnnngen zum Einlegen der Bries« soll, wie wir hören, Regen und Schnee den Weg in das Innere finden und die einliegenden Briefe schon einigemal etwas naß postlagernd ans den Kästen entnommen worden seien. Sei es, daß der Wind den Regen unter feen Klappen hineinweht, oder daß er durch das Charnier hineindringt, oder aber, daß die Klappen oft in die Höhe geschla­gen, von Brieseinlegern stehen gelassen werden — in jedem Falle ist fej^s ein Uebelstand. , . . ?

— Aus Württemb erg wird gemeldet, daß die Behörde seit einiger Zeit mit großer Energie gegen die Weinfälscher einschreitet. Es werden Untersuchungen der sogenannten Weine vorgenommen und m verschiedenen Fällen find schon Tonfiscationen der Vorräthe und selbst Verhaftungen vorgekommen.

Lulu oder feie heilige Familie, im Hintergrund eine trauernde Crinoline, der Tod des Kaisers Sunn-schein-schun-schin von China oder das letzte Röcheln eines TheekesselS rc. — Von auswärtigen Gästen werden aus der Tribüne erscheinen- L. aus F., B. und C. aus Mainz, feie Familie Rainer u. s. f. — kurz, es wird sich ein selten schönes earnevalistisches Bild ausrollen. Zum Schluß wird feie neunte Symphonie aufgeführt.

x Wiesbaden, 8. Febr. Der am Samstag Abend von dem Männer- Ges angverein in den Sälen des „Hotel Victoria" veranstaltete M asken- b a l l war sehr zahlreich besucht und bot derselbe die angenehmste Unterhaltung. Wie sehr der Vorstand bestrebt ist, den Mitgliedern stets neue Beweise seiner Bemühungen zu geben, bewies eine von ihm veranstaltete Verloosung zwölf sehr schöner, zum Theil werthvoller Gegenstände. Gegen 1 Uhr er­folgte der Einzug des närrischen Comite's der Carnevals-Gesellschaft „Elfer", nachdem derselben durch eine Deputation des Männer-Gesangvereins ein Be­such im Saalbau Schirmer, woselbst die „Elfer" zu einer Damensitzung versam­melt gewesen, abgestattet worden war. Der Ball verlief in der fröhlichsten Stimmung und hielt feie Theilnehmer bis zur frühen Morgenstunde vereinigt.

*t Die gestern Abend im „Saalbau Schirmer" vom Gesangverein „Sängerlust" arrangirte hnmoristisch-carnevalistische Abend-Unterhaltung nebst Tombola und Ball verlief dem Programme gemäß und bei animirtester Stimmung der zahlreichen Gäste. Alle Nummern des Programms, na­mentlich aber bet letzte Chor „Wein, Weib und Gesang" unb feie Posse mit Gesang wurden unter der tüchtigen Leitung des Bereins-Dirigenten, Herrn Karl Koch, in gelungenster Weise zum Vortrag gebracht.

V Die Lebens - Versicherung«- und Ersparniß-Bank in Stuttgart hatte sich im abgelaufenen Jahre 1874 eines Zuganges an neuen Versicherungen zu erfreuen, der alle Jahrgänge seit dem Bestehen der Bank übertr-f. Die alljährlich sich steigernde Betheilignng ist einerseits ein Beweis für die wachsende Erkennlniß des Segens der Lebensversicherung, andererseits ist sie ein Zeichen fees allgemeinen Vertrauens zur Verwaltung feer Bank. Die Gesammtzahl der Anträge, welche die Bank seit ihrem Be­stehen (Juni 1854) entgegennahm, beläuft sich auf 34,834, mit einer Ver­sicherungssumme von 127,652,700 Wik. Hiervon konnten 30,424 Personen mit 112,702,600 Mk. ausgenommen werden. Diese Versicherungen brachten eine Prämien-Einnahme von 23,816,300 Mk. Dagegen hatte die Bank 1900 Sterbesölle mit 6,899,300 Mk. zu berichtigen. Das Jahr 1874 schließt mit einem Versicherungsstand vcn 26,453 Versicherungen und einer Versicherungs- Summe von 91,979,970 Mk. — darunter ein reiner Zuwachs an ne,neu Versicherungen d: I. 1874 von 2204 mit 11,522,800 Mk. Die Prämien- einnahrne des Jahres 1874 beläuft sich auf 3,136,100 Mk., dagegen sind 283 Sterbefälle mit 1,061,242 Mk. angefallen. Das Rechnungs^Ergebnis; des Jahres 1874 wird ohne Zweifel gleich den früheren Jahrgängen wie- herum günstig aitsfallen, und den Versicherten eine reichliche Dividende ge­währen. Die Dividenden der Bank ergeben einen Durchschnitt von 37,7 Prozent der Prämien, die niedrigste Dividende, welche vertheilt wurde, Be­trug 33 Prozent, die höchste 46 Prozent. Die gegenwärtig an die Ver­sicherten zur Bertheilung kommende Dividende beträgt 37 Prozent.

? Es mehren sich in bedauerlicher Weise die Nachrichten von Blutver­giftungen durch phosphorisirte Zündhölzer, und ist es Ausgabe der Tages­presse, die Warnungen nicht zu sparen. Da es indessen der Industrie gelungen ist, auch phosphorsreie Zündhölzer herzustellen unb in den Handel einzusiihren, dieselben auch im Preise sich nicht wesentlich von ihren gefähr­lichen Nebenbuhlern unterfcheiden, so würde es unter allen Umständen zweckmäßig sein, die Fabrikation jener kleinen Mordinstrumente polizeilich zu inhibiren.

? lPaletot-Marder.) Am Sonntag Abend wurde wiederholt aus dem Wirthslocale zum ,/Neuen Nonnenhof" mit großer Frechheit ein Paletot gestohlen. Der Dieb wird beschrieben als eine Persönlichkeit von mittlerer Statur, blassem Gesicht mit im Entstehen begriffenen Bart.

* In der Woche vom 1. bis 6. d. M. sind laut Badeliste 316, und ferner 93 nicht namentlich aufgeführte Personen angekommen, im Ganzen feit Anfang d. I. 3272 anwesende unb durchgereiste Fremde.

* Der Oberförster-Candidat von Preuschen ist zum Oberförster für Kemel, und der Oberförster-Candidat Borgmann zum Oberförster zu Thiergarten Rez.-Bez. Kassel, ernannt. .

♦ Der dritte und letzte Maskenball der städtischen Cur-Directivn am Sonntag war bedeutend zahlreicher besucht, wie die beiden früheren. Da man für diesen Abend ein kleines Jeu'chen arrangirt hatte, so hatten aus Freude darüber die vier Kartenköuige mit ihren Damen sich eingefunden und producirten sich in einem gelungenen Lancier, wahrscheinlich , um rote die Ulanen, als Vortrab zu dienen für die Armee, die hinter ihnen steht. Diese müßte sich übrigens eilen, da heute ihres Herrn und Meisters, de« Prinzen Carneoal, Reich zu Ende geht. ,

* Herr Wilhelm Ritzel in Bierstadt hat die Backstemfabrik von Herrn Karl Stiehl daselbst käuflich erroorben. . .

* (Vom Rigi in der Schweiz.) Endlich ist der schwierige Bau ge­löst, die Riai-Eisenbahn, die von Vitznau auf die Höhe führte, ist nun durch feie Erstellung der Arther-Linie auf feer andern Seite des Berges fertig ge­worden und wird den 1. Juni dem Betrieb übergeben. Diese, in ihrem Steiaunasverhältnisse bis zu 20 %, mit Zahnstangenbetrieb ausgerüstete Bahn, die mit jedem Zug 80 Personen sicher zu befördern vermag, gestattet nun dem, namentlich aus Deutschland eintretenben Reisenden ben Weg hinauf über Zürich, ben Zugersee unb Arth zu nehmen unb, nachdem er sich an feer Wunderwelt des Rigi (5540 Fuß) gesättigt, ben anbern Weg nach bem Vierwalbstättersee hinab zu nehmen. Im vorigen Sommer besuchten ihn