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Don
nerstag. 8« Oktober 1914.
Morgen - klusgabe.
Nr. 469. - 62. Iahrgang.
Der Rrieg.
( Japaner besetzen die Marschallinseln. Kämpfe in Britiich-Gstcrsrika. siegreiche Gefechte in Kamerun.
t°ir^ T --If Berlin, 7. Oft. (Nichtamtlich.) Aus Tokio ^tlich gemeldet: Eine Marineabteilung besetzte lm u 1 den Sitz der Regierung der Marschallinscln, E r ft a lt b § I ö §. Fiir die englischen Kausleute die Einfuhr freigcgeben. Die Marineverwnl- hl>^,°Enrt, die Landung sei eine rein militärische gewesen. Eine dauernde Besetzung scr
»!,! dsabsichtigt. . ,
mi n j? «ner offiziellen Note des britischen Kolonial- Lcl,tx heisch es: Tie Feinde unternahmen im
i ' | bri« nÖCr -zahlreiche Versuche, in Britisch-Östafrika cin- ^ e tiiiri eM ""d die Uganda bahn abzuschnciden. Alle (t q|- - c lvurden zurückgewicscn. Rur eine Gr cnz- lrih,, "a wird von einer kleinen deutschen Ab- isi e h a s t e n. Die normale Truppcnbesatznng indische Truppen verstärkt worden, te {'a r biouverncnr von Kamerun meldet si e g- Gefechte gegen Engländer und Franzosen. In ilch^ch^lechten sind die Oberleutnants v. Rotkirch und , ?sd sowie der Bezirksamtmann Rausch gefallen, «ii, w aandigcn Stellen nebmen an, daß diese Kämpfe "Ug uns, tzgm Erossflus? stattfanden.
Der Kam ns um Antwerpen.
. Die belgische Hoffnung auf die Engländer, ^»ttcrdam, 7. Oft. (Eig. Drahtbericht. Ktr.
Antwerpen wird gemeldet, daß die deutschen Aeff^Mnden Geschütze nunmehr die Dörfer und ^ ünniittelbarer Nähe des zweiten Festungs- Mdhr."schießen. In jenem Gelände mutz die belgische m J7 eie den Gegner aufhalten. Die Belgier schlagen Zk?k -L ll^ätzerem Feuer, nachdem die Engländer an künwsen. Es gibt Leute, welche die Stadt
tr^e känrpfen. . .,
9rns e kür Straß e verteidigen wollen. Es wer- ^itx Hutungen gemacht, daß die Stadt, nachdem die '% C jp tn ic gefallen sein wird, sich ergeben werde. Die H ii, ^ der englischen Soldaten bürge aber dafür, si» Stadt nicht früher kampflos fallen werde, ^si^^rpen selbst herrscht Knappheit an Trink- I^und man fürchtet den Ausbruch von 8 eii- V’„ ? et Zug der Flüchtlinge nach der holländischen Sffl» boupT^. >o-i
W’ daß -
. Amtlich wurde in Antwerpen-mit-
einige englische Verstärkungen angekommen Publikum solle aber bedenken, datz das H g» dlg iens an der A i s n e entschieiden werde, "ie Verbündeten ihre Strcitkräfte in Frank- jMh ^.'„schwächen könnten. Zur Ankunft der
eng-
ff 6m,‘iwiTii-Dpcn schreibt der „vcienwe Noneroam- Die Zensur hat in den nächsten Tagen r-i n'i(i+ f!Gr l über Truppenbewegungen der Verbünde- N (Uif ^stallet. Jetzt kann aber gemeldet werden, MiftfJ Festlande beträchtliche Mengen ^^ilbsj? Hwpen eingetrofsen sind und sich in diesem L'uilktx Ä '-n der Nähe der ani meisten bedrohten •öelatertB befinden. Die Engländer führen e m i t M a s ch i n e n g e w e h r e n un d
ganze Züge Londoner Omnibusse und Automobile mit Flu-gzeugen mit sich. Sämtliche Transportfa.hr- zeuge werden niechanisch betrieben.
Eine Aufforderung an die Bevölkerung, die Stadt zu verlassen.
W. T.-B. London, 7. Oft. (Nichtamtlich.) Die Zeitungen enthalten ein amtliches Communiqu6 von gestern abend 10 Uhr aus Antwerpen, in welchem der Militärgouoerneur dem Bürgermeister mitteilte, datz die B e s ch i c tz u n g der Stadt unmittelbar bevor- stlinde. Diejenigen, welche die Stadt zu verlassen wünschen, werden ersucht, nunmehr abzureisen. Die Beschiehung werde keinen Einflutz auf die Verteidigung haben, die bis zum ä uh ersten fortgesetzt werde. Das polnische, gleichberechtigte Staatssprache.
hd. Berlin, 7. Olt. Wie auS den neuen preußische» Landesbczirken in Russisch-Polen gemeldet wird, wurden von den eingesetzten deutschen Zivilbehörben die deutsche und v o l n i s ch c Sprache für gleichberechtigte Staatssprachen erklärt.
Mehrere hundert Millionen Mark für Gftpreutzen.
W. T.-B. Berlin, 7. Oft. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In der Presse wird von dem Gerücht Notiz genommen, das, von der Staatsregierung bei der bevorstehenden Landtagstagung 15 Millionen Mark zur Unterstützung Ostpreußens eingefordert werden sollen. Tatsächlich sind von der Staatsrcaiernng alsbald 15 Millionen zur Linderung der erste n Not in Ostpreußen bereitgcstcllt worden. Die bei dem Landtag zu beantragenden Mittel für Ostpreußen werden sich aber ganz beträchtlich höher, nämlich ans mehrere hundert Millionen Mark belaufen.
Bulgarische Genugtuung über die Siege Deutschlands und Oesterreichs.
W- T-B. Wien, 7. Oft. (Nichtamtlich.) Die Südslawische Knrrespondenz meldet aus Sofia: Die Meldung über den großen Erfolg der österreichisch-ungarischen Truppen über die Serben hat hier den tief st en Eindruck hervorgerufen. Die Blätter besprechen die Lage der lriegführenden Mächtegruppen und sind übereinstimmend der Meinung, daß die militärische Gesamtlage zugunsten der verbündel^n Zentralmächts neige, die heute auf dem Kriegsschauplatz mit Erfolg operierten. Während der Armeebefehl des Erzherzogs Friedrich den Beginn eines neuen, für die beiden verbündeten Armeen günstigen Abschnittes auf dem galizischen Kriegsschauplatz ankündigt,, erledigt die österreichisch-ungarische Armee den serbischen Widersacher, der nur mehr eine Episode sei. Was.die deutschen Kriegsschauplätze betreffe, so sei von der überwältigenden deutschen Armee nur zu erwarten, daß sie ihren Triumph vollenden werde. Niemand kann, so sagt „Kambana", bei richtiger Einschätzung der Sachlage an dem endgültigen Erfolg der deutschen Waffen zweifeln.
vardanellsnsperre für die Dauer des Krieges
xx Wien, 7. ©ft. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie dos „Volksblatt" meldet, hat die Türkei nach der Zurückziehung der englischen und französischen Flotte ans den türkischrn Gewässern die geforderte Aushebung der Dardanellensperre endgültig und für die Dauer des Krieges ab gelehnt.
Serbisches Zriedensbedürfnis.
hd. Wien, 7. Olt. Nach einer Meldung der „Ncichs- post" aus Sofia fand in der vorigen Woche in N i s ch ein serbischer Ministerrat unter dem Vorsitze von König Peter statt, welcher sich mit der Frage befaßte, Österreich einen Friedensvorschlag zu machen. Ein russischer Großfürst, welcher dem Ministcrrat beiwohnte, trat entschieden dagegen auf. Deshalb wurde ein endgültiger Beschluß nicht gefaßt.
Deutschland und England.
Von D. Friedrich Naumann, M. d. R.
Es ist falsch, uns jetzt zu sagen, datz wir die deutsch- englischen Versöhnnngsversuche und Besuche nicht hätten machen sollen. Selbst dann, wenn diese Besuche nur ein Irrtum gewesen wären und nichts anderes, selbst dann ist es falsch, jetzt nachträglich im Gottesfrieden des Krieges denen Vorhaltungen zu nrachen, die auf einem nicht erfolgreichen Wege ein gutes Ziel verfolgten. Obwohl ich persönlich an keiner derartigen deutsch-englischen Konferenz teilgenommen hab-e, lasse ich, soweit an mir ist, auf die Veranstalter dieser wohlgemeinten Zusammenkünfte keinen Schatten werfen. Es haben sich vor dem Kriege viele Leute in vielerlei Dingen geirrt! Wie falsch z. B. hat man die Elsässer, die dänischen Nordschleswiger und die preußischen Polen beurteilt! Wie blind waren manche Leute gegen die Vorzüge der großen Kanonen! Kurz, auf allen Seiten müssen Jrrtümer zugegeben werden. Wer darum die Ansprachen der englischen Stadträte, Geistlichen oder ArbeiteMertreter mitgemacht hat, ist deshalb sicherlich nicht weniger ehrenhaft, als wer schon damals sein Mißtrauen gegen die englischen Hintergedanken ausdrückte. Im April etwa oder Mai waren die Verbrüderungstage der christlichen Arbeiter beider Nationen. Damals fand in Berlin unter Teilnahme von Posadowsky, Dernburg, Professor Francke eine große Begrüßungsversammlung statt. War es von diesen und anderen Männern eine Kopflosigkeit? Oder was war es?
Heute, wo England icnd Deutschland sich'auf einen langen und erbitterten Krieg einrichten, ist es schwierig^ sich die Lage der Dinge vor der Kriegserklärung genau ins Gedächtnis zurückzurufen. Man vergißt in solchen Zeiten unglaublich schnell! Dkan weiß kaum mehr, datz auch zwischen den beiden Regierungen b e st ä n d i g verhandelt w u r d e und daß ein Vertrag über Abgrenzung afrikanischer Besitzungen zum Unterzeichnen fertig in den beiderseitigen auswärtigen Ämtern lag. Diesem Vertrag sollte ein anderer über Vorderasien folgen. Fürst Bülow hatte diese Bestrebungen angefangen und v. Bethmann- Hollweg hatte sie fortgesetzt. Die Reden der Verständi- gungsversammlungen waren in gewissem Sinne nur die Begleitmusik zu diesen Regierungsverhandlung-en. Und auf beiden Seiten gab es bis in die höchsten Stellen hinein wohlunterrichtete Leute, die etwa folgende Meinung hatten: „Die Leitung der außer
europäischen Völker in Asien und Afrika ist eine^ so ungeheure und vielgestaltige Aufgabe, daß dazu die Ein-
en naffauischen Regimentern nach Frankreich.
. ^ 5 - Verfolgungskämpfe
nach der Schlacht von Bertrix brachte der 1 ' keine Ruhe. Es galt, den geschlagenen Feind
Ä mnJ U “ weiter zu verfolgen. Nach unserer Berech- Sonntag sein. Allein von der sonntäglichen sonst zn herrschen pflegt, war weder bei der 6et den Bewohnern, die wir passierten, wenig foii ®eri" ; H^sir Marsch ging zunächst durch das bren- (3 t)QU p „S' wo die Geschosse der Fußartillerie übel ge- Xe! Bertrix selber ist ein schönes Städtchen, das
don Wohlhabenheit an sich trägt. Die Bewoh- tü! teilweise nach dem Bombardement in den
bk» brt und standen traurig vor ihren verwüsteten
L’ b-äh.T^Wr Sonntag brachte fast nur der Artillerie Ar- ix! ^»7,.- bie Infanterie fast ohne Verluste in die von lf n Erlassenen Stellungen einrücken konnte, die C näo ien et Artillerie zusammengeschossen waren. Die iE S e h 3 efp mU r^ teTl in diesen Stellungen bereits ziemlich drr " Hein, denn sie hatten sich ausgezeichnete 5ßer=
|fj «ttiK e . f 1 Schützengräben aufgebaut. Die Wirkung
Ek ‘ Cj„ .Keuers muß aber geradezu vernichtend gewesen Xffi verwundeter Franzose erzählte uns, wie
Artig ^ Artillerie-Regiment beim Aufprohen durch "»il^rkuun^^ bollständig znsammengeschossen worden sei.
silb? » ""ieres Feuers konnten wir beim Vorrücken ttÄifäie A uu schien. In dem Orte St. M., in dem die
^iillerie Stellung genommen hatte, fanden >vir ^^ichütze zusammengebrochen, bei denen die Be
spannung und Bedienung dnrch einen Schuß vollständig vernichtet war und einen großen wüsten Haufen bildete. Es war ein schauriger Anblick, diese Toten und schwerverletzten Pferde in den Gespannen liegen zu sehen, darübergestreckt die Leichen der gefallenen Fahrer, und dicht beim Geschütz die gesamte Bedienungsmannschaft. Zwei von den Kanonieren waren schwer verwundet und unsere Ärzte nahmen sich sofort der Schwerverletzten an. In St. M. trafen wir außerdem viele gefangene Franzosen, denen es nicht mehr gelungen war, sich rechtzeitig vor dem verheerenden Artilleriefener zu retten und den nachrückenden 80ern in die Hände fielen.
Alle französischen Gefangenen versicherten uns, daß man vor der Wirkung des Artilleriefeuers nicht mehr standhalten könne. So wird es erklärlich, daß wir an diesem Tage, sobald die Artillerie feuerte, ein fluchtartiges Verlassen der Schützengräben und Eindeckungen beobachten konnten und die Infanterie an diesem Tage kaum zum Schuß kam. Auch in St. M. hat die Artillerie furchtbar gehaust. Wir sahen, wie auf dem Bahndamm hin die Bewohner des Ortes mit ihren Habseligkeiten bepackt, die kleinen Kinder auf .dem Arm und an der Hand, eiligst nach den Wäldern zogen, ihre zerstörten Wohnungen verlassend. Es war ein trauriger Anblick, diese Karawane im hellen Sonnenschein, den Bahndamm hinwandeln zu sehen. — Es war eine sternenklare Nacht, als wir durch die prächtigen Ardennenwälder zogen. AIS wir die Höhe überschritien hatten und uns auf einem Hochplateau befanden, sahen wir im Grunde vereinzelte Lichtchen, welche uns verrieten, daß neben uns auf einer Parallelstraße gleichfalls deutsche Truppen den Übergang über die Ardennen vollzogen. Frühmorgens traten wir aus dem Ardennenwalde heraus. Dicht vor dem Orte lag das tiefeingeschnittene Tal der Semois. Die Brücke über die Semois war nnzersiört. -Rechts und links der Brücke waren gewaltige Verhaue und
Eindeckungen. Wie eilig die Franzosen geflüchtet sein müssen, bewies uns auch der Umstand, daß diese Brücke un- zerstört war. Ein paar Maschinengewehre, jenseits des Ufers der Semois aufgestellt, hätten jeden Austritt deutscher Truppen aus dem Walde verhindern lönnen.
Gegen 9 Uhr trafen wir in F. ein und hier wurden seitens unserer Haubitzenbatterien noch die letzten abziehenden Kolonnen der feindlichen Armeen beschossen. Wir hatten ein offenes Schußfeld und konnten die Wirkung genau beobachten. Auf 1600 Meter feuerten wir mit Schrapnells in die Marschkolonnen, bereits die ersten Schüsse lagen gut und wir sahen, wie die Kolonnen auseinanderstoben. . Von diesen letzten Kolonnen mag kein einziger dem verheerenden Feuer der Artillerie entgangen sein. Als wir sodann auf dem Marktplatz von F. Halt machten, um die Pferde zu tränken, wurde unsere Truppe aus allen Häusern heftig beschossen. Die Infanterie mußte einzeln in die Häuser dringen und die Schützen herausholen. Es waren teilweise zurückgebliebene Soldaten, teilweise Zivilisten. Die Häuser, aus denen geschossen worden war, wurden in Brand gesteckt. Ans dem Marktplatz befand sich auch das erste Hotel der Stadt, das Zentralhotel. Im Zentralhotel hatten die höheren Offiziere der französischen Armee Wohnung genommen. Die Tische waren noch für etwa 30 bis 40 Personen vornehm gedeckt. Bei diesem Abendessen waren sie jedoch durch die nachdringenden deutschen Truppen gestört worden und das Essen stand noch halbverzehrt auf. dem Tische. Wir nahmen die Gelegenheit wahr, da fortzufahren, wo die Franzosen aufgehört hatten. Das Essen war ausgezeichnet. ES waren Braten, Spargel und Scll vorhanden. Der Besitzer des Hotels, der nach langem Zögern auf der Bildfläche erschien, teilte uns bettübt mit, daß die. Franzosen vergessen hätten, zu bezahlen. Überhaupt wurde uns seitens der De»
