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Wiesbadener Tagblatt

1873

No. S4L

Bekanntmachung.

100 Thlr. Belohnung.

Der Tazlöhner Heinrich Völcker von Bocken heim, wegen Mordes durch Erkenntniß des Königlichen SchwurgcrichtSboseS hiorselbst vom 27. April d. I. zum Tode verurtherlt, durch Aller« höchste KabinetS-Ordre vom 26. Juli d. I. zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt, ist am 16. August d. I. aus hiesige« Ge« richts-Gefängniß emsprr-ngen. ES wird Demjenigen, welcher die Wiederergreisung desselben bewirkt (den Polizeiorganen und Geusdarwen unter dem in der Ministerial-Verfügung vom 4. Sep­tember 1853 Ministerialblatt der Verwaltung S. 263 ausgesprochenen Vorbehalt) eine Belohnung von hundert Thalern hiermit zuzesichert. , , .

Völcker ist 32 Jahre alt, 5' 2* 1'" groß, hat schwarzbraune Haare und Augenbraunen, braune Augen, gewöhnliche Nase, her« vorstehenden Mund, unvollständige Zähne, längliches Gesicht, her- vorstehende Backenknochen, dunkelbraunen Schnur- und Kinnbart jetzt muthmaßlich rasirt bleiche Gesichtsfarbe und ist von mittlerer Statur. ,

Besondere Kennzeichen sind: Verkrüppelter kleiner Finger der linken Hand, etwa zehn Blutegelnarben am Unterleib, auffallend scheuer, unstäter Blick.

Letzte Bekleidung: Grüne Schützen;oppe mit grünem «ragen, j grünem Besatz und grün eingefaßtem Riegel, schwarze Zeugwrste, ! braune weite Zeughose mit dunkeln Streifen, aus de« linken Knie i mit einem blauen Lappen gepftickr, Lcderschutze.

Frankfurt a. M., den 3. October 1872.

Der Königliche Staatsanwalt, (gez.) Kunitz.

Sitzung des Biirgerausschufses I

vom 17. Äeptrmber 1872. I

stnwesend: Für den abwesenden Herrn Oberbürgermeister I

Lanz der 2te Bürgermeister Herr Coulrn, Herr I Gemeindevorsteher Nathan als Beisitzer, Herr Gc- I meindevorsteher Dr. Schirm und der Bürgeraus- | schuß mit Ausnahme der Herren WilhelmHabel, I Dr. Hoffmann, G. L. Neuendorf, Franz 1 Altstätter, Friedrich Käßberger, Justin 1 Zintgraff, Carl Mahr, Franz Stras- I burger, Ed. Kalb, Daniel Kraft u. Georg I Birlenlach, welche entschuldigt sind; die Herren I Augnst Engel und August Poths «fcht ent- I schuldigt.

Tag-sord«u«gr

1) Vorlage des neuen GehaltSreglementS der städtischen Lehrer, I 2) Vorlage des Vertrags wegen Erwerbung des Civil-HospitalS, I 3) Ermächtigung zur Prozeßführung und I

4) Wahl einer Commission zur Prüfung der 1870t Stadt- | rechnung und der 1871t Acciscamtsrechnung. I

Herr Adolph Heymann kündigt zwei Anträge an. Zunächst I protestirt derselbe unter Bezugnahme auf §. 24 des Nassauischen GcmeindegesktzeS vom 12. Juli 1854 gegen den vom Gemeinde- I rath in seiner gestrigen Sitzung gefaßten Beschluß, wonach die in den Büigcraüsschufsitzungcn ohne Entschuldigung fehlenden Mitglieder mit je 1 Thlr. Strafe belegt werden sollen und spricht den Wunsch aus, daß der Sitzungstermin jedesmal mindestens einige Tage vorher bekannt gemacht werde.

Die Versammlung schloß sich dem Proteste an, und bezüglich des zuletzt erwähnten Wunsches erklärte der Herr Vorsitzende, ] daß demselben nach Möglichkeit Rechnung getragen werden sollte. Sodann rügt Herr Heymann den außerordentlichen Uebelstand, ! welcher durch die Abflüsse und Ablagerungen aus der Marix- j scheu Bierbrauerei an der Sonnenbergerstraße in den die Haupt- Kur-Promenade durchfließenden Rambach erzeugt, indem dadurch ein die Lust in der Umgebung des Rambuchs verpestender Gestank verursacht werde, und beantragt, der Gemeinderath möge den Thatbrstand dieses Uebelstandes conftatircn lassen und auf Grund der bestehenden sanitatspolizeilichen Vorschriften die Beseitigung desselben, nöthigenfalleS durch Strafe gegen die Schuldigen als­bald veranlaffen.

Dieser Antrag wird einstimmig genehmigt. Zum ersten Gegen­stand der Tagesordnung gelangend bringt der Herr Vorsitzende die Vorschläge der städtischen Schuldepmation zu den Gesuchen der städtischen Lehrer um Gehaltsaufbesserung und den dazu ge­faßten Beschluß des Gemeinderaths zur Kenutniß der Versammlung.

Nachdem Herr Dr. Schirm die Vorschläge der Schuldeputation eingehend motivirt und Herr Kaufmann Jung sich sür eine mit dem 1. Januar k. Js. eintretende Gehaltsausbefferung der Lehrer ausgesprochen hatte, erklärte sich die Versammlung mit den sämmt- lichen Anträgen der städtischen Schuldrputation, also namentlich mit der reuen Gehalisscala und der Erhöhung des Schul­geldes der städtischen Schult«, sowie mit dem Geweinderathsbe« schluffe, wonach diese Gehaltserhöhung der Elewentarlchcer und Lehrerinnen mit dem 1. Juni und die der Lehrer des höheren Lehramtes mit dem 1. Ocrober 1872 eintreten soll, einverstanden.

Zweiter Gegenstand der Tagesordnung: Vertrag wegen Uetiir« «ahme der Civil-HoSpitalS. Die Vorlage wird einer aus sieben Mitgliedern bestehenden Commission zur Prüfung und Bericht­erstattung hingewiesen. _ _ _ ,

In diese Commission wurden gewählt: 1) Herr Ernst Honick, 2) Herr Wilhelm Poths, 3) Herr Adolph Heymann, 4) H:rr Daniel Schlink, 5) Herr Karl Bickel, 6) Herr Karl Fauser und 7) Herr Georg Hahn. /T, , ,

Dritter Gegenstand der Tagesordnung: Genehmigung zur Proießführung. Die Versammlung beschloß ohne Debatte mit großer Majorität, sich auf die Seiten» der Wittwe de» Johann Dambmann gegen die Stadtgemeir.de wegen Abgrabung des Wellritzbaches erhobene Klage einzulaffen und den Gegenstand im Prozeßwege zu« Austrag zu bringen.

Zum letzten Gegenstand der Tagesordnung gelangend, wird zur Wahl einer Commision zur Prüfung der 1870t Stadt« rechnung und der 187 r Acciscamtsrechnung geschritten und in dieselbe gewählt: 1) Herr Ernst Hönick, 2) Herr Christian Ittell, 3) Herr Friedrich Kneseli, 4) Herr Friedrich Käßberger, 5) Herr Benedict Rosenstein, 6) Herr Justin Zintgraff und 7) Herr Bern­hard Jacob.

Der Herr Vorsitzende erklärt die Sitzung für geschloffen. Wiesbaden, 14. Oktober 1872.

Zur Beglaubigung dieses Auszug«: Hell, Bürgermeistcreizehülse.

Amtliches Organ für die Stadt Wiesbaden.

Donnerstag den 17. October