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N!^ beide Ausgaben: 70 Bfg monatlich, M 2. vierteljährlich durch den Berlaa 1 ' °& 115 Bringerlod», M. 3.— vierteljährlich durch alle deutichen Postanstalten, auSschlietzlich Btatd-f'J, 0 - j— Bezugs»Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- !>deil?n.„ ivwic die Ausgabestellen in allen Teilen der Ltadt: in Biebrich: die dortige» AuS- aen und in den benachbarten Landorlen uud im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger,

„Tagblatt-HauS" Nr. 6650-53.

Von S Uhr morgens bis S Uhr abends, außer Sonntags,

Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, dnrchlansenb, nach besonderer Berechnung,

Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in iurzen Zwischenräumen entsprechender btachiaß.

^Vd§Vrae»Mn«a,"NN^N/ Berliner Schristleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Gnntzelstr. 66,Fernspr.: AmtUhland 450 «. 451. Tagen undViätzen^v"rd'kein?Gewäh?uÄ?n°mmeu.

Mag, 4. Oktober 1M4.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 463. » 62. Jahrgang.

. Der Rrieg.

Bringung der Kntrvsrpener Zivilbevölkerung n. ^ nach krolland?

des Berlin, 3. Okt. Einer Rottcrdarncr Meldung Äcg-^^'luer Lokalanzeigers" zufolge wird die belgische einen großen Teil der Bevölkerung Ant- a»z ' I'Bhrschciillich rund 2 6000 Familien, $ o r r ~ ^adt entfernen. Tie Mehrzahl soll nach üe„ gebracht worden, wo große Vorbereitun-

Sin 1 "le Aufnahme getroffen sind.

^PaniK LurchZeppelingranaten in Antwerpen, ürnde? ^benhageu, 3. Okt. „Politiken", bringt fol- Äls s,j ^klegramm eines englischen Berichterstatters: 6tad, C : cr 1tcu Zeppelin-Granaten in Antwerpen fielen, ttu, p f‘ nc Panik in der Stadt aus. König Albert iljj, . i^us dem Balkon des Schlosses und forderte auf Zieren ^ Bevölkerung auf, die Ruhe nicht zu

^ Schulunterricht im Gebiete von Lüttich ^ rviedsr ausgenommen.

'»er demBerlin, 3. Okt. Dem „B. L.-A." zufolge hat ^eiudoKommandant in Lüttich verfügt, daß in den Ge- wischen Lüttich und VisKe und in Lüttich selbst die ® ei »o&rH en wieder geöffnet werden. Der Unterricht wird in :!k l r et Weise von belgischen Lehrern und Lehre-

. erfpiu

Voll

»$i^T"B. London, 3. Okt. Der Berichterstatter der.

de/Kündigen annehmen, Polen werde der Schauplatz r ö ft t p n Schlacht dieses Krieges werden. Die

J*' das Schlachtfeld der größten Schlacht?

T.-B. London, 3. Okt. Der Berichterstatter der Meldet aus Petersburg, daß die russischen Militär-

Sß. !n .Äer, anscheinend das Vertrauen, daß sie in dieser Sko^ ' ie 8en werden. Jedenfalls seien die neuen und "Wf rti 8cn Pläne der Entscheidungsschlacht nicht <£( n l? n der Ausführung.

Kvhenzollernprinz auf S. M. S. „Cmdsn".

Rotterdam, 3. Okt. (Erg. Drahtbericht) Ktr. Bln

Kanadas Deutsche sind, so rufen diese Maßnahmen große Erregung hervor.

Eins anerkennenswerte Mahnung Lord Roberts.

W. T.-B. Berlin, 3. Olt. Aus Rotterdam wird, hierher berichtet, daß Lord Roberts in einer englischen Zeitung zur Edelmütigkeit ermahnt. „Wenn ivir Anschuldigun­gen gegen deutsche Soldaten lesen", sagt er darin, „müssen wir bedenken, daß auch gegen unsere tapferen, in Südafrika kämpfenden Soldaten unwahre Anschuldigungen geäußert wurden. Laßt uns jedenfalls die eigenen Hände rein- l,alten und die Deutschen so bekämpfen, daß,wir außer ihrer Zuneigung auch ihren Respekt gewinnen."

^ wird aus Kolombo auf Zeylon berichtet, datz

^6cr des deutschen Kaisers an Bord der „Emden" • c 6o»s, ® lnem gefangenen britischen Oberst von einem

TU

H °°elsschif^ sagte der Kommandant des Kreuzers,, frzijr-damit rechne, von englischen Kriegsschiffen an- LWe 3U werden, baß er eS'dann aber den Engländern ?r>i,z ^wachen werde. (Mit dem Vetter des Kaisers ist der °E 0 n z I o s e p h von Hohenzollern gemeint, Zr ^ . »utnant zur See auf die „Emden" kommandiert ist.

tTl 3< der im 24. Lebensjahre steht, ist der Sohn des ^könil-^wr Hohenzollern-Sigmaringen und Schwager des

8S Manuel.)

Die

»Hi

® Verfolgung der Deutschen in Kanada.

- T.-B. Berlin, 3. Okt. Nach einer New Aorker Mel-

T." haben die zahlreichen in Kanada lebenden

eu

^rhaftet

zahlreiche Belästigungen zu erleiden. Viele

worden.

20 Prozent

MHSM

der Bevölkerung

Deutscher Glaube, die Tuelle deutscher RraftI

Von Pfarrer Dietrich Graue, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.

Wir waren vor dein Kriege ein flerhig arbeitendes und gut verdienendes Wirtschaftsvolk geworden. Die Bußprediger aller Konfessionen schalten auf uns Deutsche, daß wir vor lauter Geldverdienen nicht mehr Zeit und Lust hätten, Gemüt und Geist wie m der guten alten Zeit zu pflegen. Genußsucht, anspruchs­volle Berwöhntheit aller Klassen des Volkes, Geburten­rückgang, Sinken des kirchlichen «Sinnes, Sittenlosig- fext — das waren etwa die Punkte, die man uns vor- hielt; es stehe um uns nicht viel besser als um das römische Reich vor seinem Zusammenbruch. Und viel­leicht gab es unter uns selbst diesen oder jenen Schwarz­seher, der sich dadurch in seinem Vertrauen zu unserem Volk doch ein wenig irre machen ließ.

Der Ausbruch des Krieges, die großartig verlausende Mobilmachung, die b eg e ist erte Kraft der bisherigen Kriegführung und die stolze Haltung des ganzen Volkes haben alle Pessimisten Lügen gestraft. Auch im Zeitalter des angespanntesten Wirtschaftlichen Aufstieges, das gewiß seine Schatten und Fehler hatte, ist Deutschland die Heimat des Idealismus und sind wir Deutschen das Volk „der Dichter und Denker" geblieben. Noch immer ist deut- ^scher- Glaube die unversiegliche Quelle deutscher K r a s t.

Nur daß dieser uns letzt alle erfüllende und mit­einander verbindende deutsche G la u b e unendlich viel einfacher ist als irgend ein noch so selbstbe­wußter Kirchenglaube. Zwar können die Kirchen aller Konfessionen schon vor den: Kriege nicht so schlecht ge­wesen sein, wie in den leidenschaftlichM Religions­streitigkeiten der letzten Jahre' oft genug bchauptet Wurde; die evangelische Predigt von Gott und Jesus, die Innigkeit des katholischen Mariendienstes, aber auch der strenge Monotheismus des Judentums haben ihre Wirkung n:cht verfehlt. Und doch steht der deut­

sche Glaube der Gegenwart hoch über diesen konfessio­nellen Einseitigkeiten, denn im Sturm der Weltge­schichte, der über uns dahinfährt, hält nichts^ künst­lich Gemachtes stand und besteht nur das Natürlrche, das der Seele des Volkes unmittelbar entgriollen rst. Zudeni wurzelt der seelische Schwung unseres Volkes, den wir jetzt staunend erleben, zum Glück keineswegs nur im Kirchlichen. Wir sind viel reicher. Durch frer- willige, weltliche Prediger, die nicht einmal Predrger sein wollten, ward er vorbereitet, überall, wo deutsche Dcänner und Frauen rein sachlich und ohne alle theo­logischen Gesichtspunkte ihre Pflicht taten und andere dazu anhielten, waren sie erfaßt von dem heutigen Gerst des deutschen Volkes und wurden seine Propheten; in Werkstätten geschah das und in Schulen, in Bureaus und Fabriken, in Küche und Waschhaus, an der Näh­maschine und sin Hörsäal, auf dem Kasernenhof und rn den Gerichtsstuben, auf dem Acker und in den Geswaf- ten. Überall, wo immer das Volk der Ordnung am Werke war! Der Katechismus des Glaubens, der all diesem Tun zugrunde liegt, ist seltsam kurz: Tue deine Pflicht! Sei gewissenhaft! Wenn war das Unsere tarn, wird ^Gott das Seine tun! Daber besteht eine geheime Verabredung, die ohne alle Worte sofort getroffen wurde: Frage keinen, wie er sich Gott vor­stellt! Ob ihm Gott und Jesus fast in Eins, zusammen- fallen, ob ihn Gott im Antlitz der heiligen Mutter holdselig anlächelt, ob er monistisch Gott und beseelte Welt nicht zu trerrnen vermag oder wie einst Fichte an Stelle eines persönlichen Gottes chrfürchtig dre stttüche Weltordnung, verehrt, — ganz gleich, wenn er nur wirklich glaubt an seinen Gott und ihm Treue halt und dadurch in der Not fest wird!

Wie sehr solch deutscher Glaube die Quelle unserer Kraft ist,'lehrt jetzt jede Stunde. „Gott ist mrt den stärksten Bataillonen und besten Kanonen" — das Rrch- tige an diesem: harten Wort hat unser Volk beherzrgt und in langen Fviedensjahrzehnten vorberertet, was setzt an militärischer Kraft bereit steht. Aber diese militärische Schlagfertigkeit wurzelt >m der sitt­lichen Energie, die unseren iinvergleichlichenGene- ralstab erfüllt, die sich dem gesamten Offizierkorps mit- teilte und setzt den letzten Mann des Riesenheeres er- griffen hat. Welcher Konfession angehörig, ob streng- gläubig oder sreigeistig, alle doch, einmütig m der Überzeugung, daß erst der Geist ein Bataillon stark macht und keine Waffe Wert hat, wenn der nichts wert ist der sie führt! Noch nie hat die Welt bestere Trup­pen gesehen, als die, die jetzt unsere Gremen verteidi­gen Denn in ihnen allen ist deutscher Glaube leben­dig: Der alte Herrgott lebt noch, wir aber tun bis, zum letzten Atemzuge unsere Pflicht! , Auch in der Hermat. Lest die hochgemuten Nachrufe, die weiche Frau-enherzen dem Geliebten, Eltern den Söhnen, Geschwister deii Brüdern widmen; bei allem Schmerz welche Große. Das deutsche Volk ist seiner Helden wert. wmummmm

Die schwere grohe Zeit.

u Ubiern schleichen hin die Tage, nd.die Nächte sorgenschwer

n mit hartem Stundenschlage steppend hinter ihnen her. ty ^»endlos kommt und geht die Stunde, Lust erstickt im Keim;

»m frohen Kindermunde ojt das Lachen noch daheim.

.. Mst verhaltenem Atem lauschen !»re Seelen fernem Klang,

, o des Fatums Flügel rauschen »rm Schlachtendorinergang.

«~j Ur ein einziger Gedanke ^ . Befangen Haupt und Herz:

»ncht weiche und nicht wanke "^"schlands Wall von Mann und Erz. (xi Trachten, alles Sinnen nu J auf ein einzig Ziel:

»Vm Un ^ Frieden zu gewinnen ■ T. Bewältigen Schicksalsspiel.

S r ,r c ^ oren reißen über Scharen \> n t 15011 Heimat sich und Herd,

S cn all ihr Hab tum fahren

vertauschen'S mit dem Schwert. ^,^aren über Scharen schreiten TodeZ

e Broße Völkerschlacht.

Dn/Eersoyn und Fürstensprosse N^y^Ben sich in Oteih' und Glied, Dkms,! 510 feindlichen Geschosse -hen keinen Unterschied.

GI^ l0 ache Knaben werden Männer,

Allp Serben wieder jung —

x,„st. Blühende Bekenner T 8er Begeisterung! , s

SitwT t ,aver >Lll)aren jcyreiren »-„.Jmerdröhnend durch die Nacht, Tn ltt ktt Weiten,

Gut und Blut und alle Werte Bringen sich zum Opfer dar:

Unsere ganze deutsche Erde

Ist ein einziger Altar!.

Tausendfältigen Widerhalles Tönt's hinauf zum Himmelszelt: Deutschland, Deutschland über alles.

Über alles in der Welt!!.

Ach, im Zittern unserer Lose Brüder, wird das Herz uns weit:

O du heilige, ewig große,

O du gotterfüllte Zeit!!! ....

K. K.

»

Im Osten".

Originalskizze von Hans Becker (Wiesbaden).

Eine Weile starrte Erich Felten den Himmel an. Einen nachtdunklen Himmel, an dem ein fahlgelber Mond leuchtete, glitzernde Sterne unruhig flimmerten — er mutzte die Augen wieder schließen. Glanz und Dunkel verwirrten ihn, jeder Versuch, nachzudenken, sich zu erinnern, wo und wes­halb er hier lag, war vergeblich. Ein Gedanke, den er fest- halten wellte, huschte hastig von dannen, schob andere, neue vor, verwob sich mit diesen, ließ alles im Kreise um ihn herumtanzen.

Vor seinen geschlossenen Augen rannen Bilder hin und her, führten ihn bald da-, bald dorthin:

Auf einem Feste befand er sich, der Champagner, floß in Strömen, die Zigeunerinnen sangen, melancholisch, schmel­zend erklang ihr Gesang, wechselte schnell mit wilden Liedern und Tänzen — andere, neue Stimmen tönten dazwischen, schrien und lärmten.

Dann sah er sich wieder als das, was er noch vor kurzem gewesen: als Direktor des großen Bankhauses in Moskau.

Wie ein Fürst, der seinen Untertanen Audienz erteilt, saß er in seinem Bureau, in einen tiefen Klubsessel lässig gelehnt —. hohe Beamte, Offiziere, Kaufleute erster Gilde warteten im Vorzimmer, bis die Reihe an sie kommen würde, sich seinen Rat in Finanzfragen zu erbitten. —

Das Bild verschwand, ein neues tauchte auf: er befand sich in seinem behaglich eingerichteten Junggescllenhelm, say sich, begleitet von einem Diener, die teppichbelegte Treppe hinabsteigen und aus dem Hause treten. Ein elegantes Coupe erwartete ihn, er stieg ein, rief dem Kutscher einen Befehl zu: „Zur Bank, Grigori, schnell." ^ ^ .

Die Flut der Bilder versagte plötzlich, seine Gedanken lichteten sich. Er wußte auf einmal: — Nicht in Moskau auf glänzendem Feste befand er sich, er rollte nicht auf Gummr- rädern dahin — er lag auf einem Schlachtfelde in Ost­preußen, ein hilfloser Verwundeter, der still ausharren mutzte, bis man ihn finden würde. ^ lL ..

Das letzte Bild, das Gesicht seines Kutschers, harte. die Erinnerung in ihm wachgerufen — in der Uniform eines rnssischen Ulanen hatte er ihn vor sich gesehen — heute hatte er ja auch mit russischen Ulanen gekämpft. .

An den russischen Ulanen mußte er immer. wieder denken: ein besonders hübscher Mensch war sein Grigori ge­wesen. Eine so treue, ehrliche Seele. Aus dem ^jaroslaw- schen Gouvernement stammte er, kein so dicker, auj ge­schwollener Moskowiter — im Gegenteil: schlank, sehnig, ge­schmeidig, mit schwarzen Augen und schwarzem Haar — eine Zierde des Kutschersitzes, um den ihn so viele beneidet, den sie ihm hatten abspenstisch machen wollen.

Doch der Grigori hing an ihm, der ging nicht fort von seinem Barinn. Er. der Deutsche, hatte ihn ja auch wie einen Menschen, nicht wie ein Vieh behandelt, ihn nicht ge­schlagen und gestoßen, auch nicht, wie das so üblich, bet dreißig Grad Kälte vor dem Theater oder somtwo halbe Nächte lang stehen lassen. Er hatte immer für ihn gezorgt, auch für seine anderen Dienstleute — sie hatten ihn alle gern gehabt Torheit, wenn sich bekannte, andere Deutsche, be­klagten, daß sie mit den russischen Dienstboten nicht aus- kommen könnten. —

Warum hafteten seine. Gedanken an allem diesen, warum kam ihm das. jetzt so in den Kopf, dies unwichtige

Zeug? . .

Wohl nur, weil vor seinen Augen immer wieder biC russische Uniform austauchte.

. Wie eine urteilslose Jdeenverbindung erschien ihm das.