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Sa *nsta&
3. Oktober 1914.
Kbeud-Ku§gabe.
Nr. 462. « 62. Jahrgang.
Die günstige Lage im Westen
Wesentliche Korischritte in Srankreich. ° ic ersten Forts von Knlrverpen erstürmt.
, r.-L. Großes Hauptquartier, 2. Okt.,
(Amtlich.) Vom westlichen Armee- rv a 9 c I werden erneute Umfassungsversuche der n^zvsur abgewicsen. Südlich von Rope sind die ^»oscn uns ihre« Stellungen geworfen.
In dcr Mitte der Schlachtfront blieb die Lage
"»-rändert.
in den A r g o n n e n vordringenden Truppen
la Ochsten im Borschreiten nach Süden wesentliche ^»rtcilx.
^ Eplich dcr Maas unternahmen die Franzosen aus !§" "'»gische nächtliche Vorstöße, die unter schweren ^nstcn für sic zurückgeworfen wurden.
"e Antwerpen sind das Fort Wavr c, St. >.'.^r ^'sch
erstürmt und das Fort W a e l h e m eingcschlossen .-kl, Der westlich herausgeschobcnc wichtige Sck'ul- i,7"kt Dendermonde (Termondc) befindet sich 7'ercm Besitz.
tzg ns dem östlichen Kriegsschauplatz scheint der dgj. '^esch russischer Kräfte über den N j e m e « gegen ^ttvcrncmcnt Suwalki bevorzustehen
i n f y,
^7 v $ riite und die Redoute Dorpwcldt mit werken gestern nachmittag um fünf W E
neunte RrregZwoche.
läge einer noch, daß die Engländer keine En und Gemütsmenschen sind! Die „West- . Gazette", die als das Sprachrohr Edward dersicherr, daß Englands Ziel nicht die Ver- chNtjws Deutschlands sei; die Briten seien bereit, sofern nach dem Grundsatz leben und leben lassen ll>olle, den glimmenden Hoffnungsfunken nicht
N tzjA^u. Dem vielfach als offiziös geltenden Blatt Mstzyg^ Erkenntnis einige Posttage oder vielmehr q rt f n ’PÖt gekommen. Nachdeni die England,
^ h ^^ i ch und Rußland in den Krieg hinein- und sich noch dazu mit Japan verbündet lsuchdem sie früher den Grundsatz leben und r. für Deutschland nicht gelten lassen wollten,
S'^h,Ue sich schon un das sterben und sterben lassen eqdo müssen, das dein den Kriegsdienst verab- N iib^? Engländer _ sichtlich peinlich ist. Es fragt Qu -^^ lt) ie weit die Meinung der „Westininster L7 Nlcksi^Elch die Edward Grehs darstellt, wenn öst verkennen rst, daß England zwei seiner k^tociri- 31 e *■ e bereits erreicht hat, nämlich die fcf e t boa ^ n - s Frankreichs und Rußlands. !l ^Noso, , r i 11 e, das Hauptziel dieses Weltkrieges «i^'cht bie Niederringung Deutschlands, ist nicht
^ Ä e§ N't kaum anzunohmen, daß jetzt schon hn^ ^en Kriegshetzern die Erkenntnis gedäm- . - wie unmöglich es ist, dies Ziel überhaupt
iS bog ^ der Tat fraglich, ob Grey und Churchill in ihrer Itechnung erkannt haben, denn stiuu ^ a ^u sie noch immer auf ihre schlaue Tak- üSno l-ondsmächte gegeneinander wüten zu lassen, ,^i !lrhon"^lunds Waffe, die Flotte, vorsorglich
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en wird, um sie, wie in einem Artikel der °henherstg verkündet worden ist, als allein g geb end er Faktor übrig zu behalten. Wj ei » bi» F, r .' 1t nicht nur sehr wenig menschenfreundlich % i^rtn n b^'den Verbündeten, welche England in ch „gehetzt hat, sondern die Rechnung hat auch üki« vielmehr drei Löcher, nämlich die, welche
!Äie tt » te "Aboukir", die „Hogue" und die „Cressy" '^ t ' r schneidige Kapitän Weddigen hat % ^nn i Cr an ^brer empfindlichsten Stelle getroffen, ik&u V« nicht gerade zu befürchten brauchen, ish mit den Panzerkreuzern aus dem Jahre
erfn^? bat. der Abschuß nunmehr nach Jahres- (Zgt, so beginnt man doch im Britenreiche ein- "6 Greys Rechnung ohne die deutsche
Flotte gemacht ist. Das britische Krämewolk enrp- findet das um so schnrerzlicher, da England in diesem Kriege eben zugleich in seinem Lebensnerv, in seinem Welthandel, getroffen wird, dem nicht nur der schneidige Kreuzer „Emden" im Indischen Ozean und die „Karlsruhe" ini Atlantischen Ozean schtoere Wunden schlägt.
Und dazu nurß das stolze Albion noch die bitteren Vorwürfe der Franzosen hören, daß sie diese, die jetzt endlich die Hoffnung auf russischen Ent- satz aufgebcn müssen, im Stich gelassen hat. Während die Moskowiter aus Ostpreußen gründlich hinausge- trieben sind und aus deni galizischen und südpolnischen Kriegsschauplatz eine kräftige und Erfolg der- sprechende Offensive eingesetzt hat, bei der jetzt Österreicher und Deutsche Schulter an Schulter nebeneinander stchen, ist in die große Festungskette um Antwerpen die erste bedeutende Bresche gelegt — sind doch mehrere Forts nach dem heutigen Tagesbericht aus dem Hauptquartier schon gestürmt — und neigt
sich die Riesenschlacht im Westen immer mehr zu- u n g u n st e n ^der Franzosen, die ihre letzten Kräfte zum letzten Widerstand auf,geboten haben, wobei sie sich von den vorsichtigen Engländern nur sehr spärlich. unterstützt sehen. Freilich rüsten diese angeblich mit fieberhaftem Eifer, und die Londoner Presse ist voll von den Nachrichten über die neuen Armeen, die Kitchener aus dem Baden Englands und angeblich auch der Kolonien stanrpfen will. Aber sogar die englischen Fachmänner trauen diesen für schweres Geld angewor- benen „Helden" nicht, und was das britische Kolonialreich betrifft, so wird ^das Mutterland vielleicht in Bälde Ursache haben, auch da nach dem Rechten zu sehen. Die Erhebung in Persien gegen die russische und englische Gewaltherrschaft und vor allem der von dem Emir von^ STf ghan i st a n verkündete heilige Krieg droht die in Indien ohnehin vorhandene Gärung zu verstärken.. Vor allein aber ist das vorübergehend besetzte Ägypten in hellem Aufruhr, und der Khedive hat sich rund heraus geweigert, dem britischen Ukas, wonach er Konstantinopel verlassen solle, Folge zu leisten. Gleichzeitig läßt die von der Türkei versüate Sperrung der Dardanellen erkennen, daß auch auf dem Balkan die Dinge der Entscheidung zu- treiben, freilich in ganz anderem Sinne, als der Dreiverband, der dort mit Zuckerbrot und Peitsche Hilfstruppen juchte, es erhofft hatte. So erfüllt sich an unseren Gegnern immer mehr die schreckliche Wahrheit des Sprich, und Warnwortes: Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
Der §allder ersten Zortrvon Antwerpen
Mit geradezu unheimlich-er Schnelligkeit und Geschwindigkeit verrichtet die -deutsche schwere Artillerie das Werk ihrer Zerstörung. Was Hände in Monaten mühsam geschaffen haben, wird in wenigen Stunden vernichtet, alle Deckungsmittel von Panzer und Beton, auf die sich der Verteidiger so fest verlassen hatte, werden durch unsere Schüsse durchschlagen und wertlos geinacht werden. Zu den vielen derartigen Beispielen, die dieser Krieg in dieser Hinsicht schon gezeigt hatte, tritt jetzt auch noch Antwerpen hinzu.
Am 29. September war gemeldet worden, daß der Ort M e ch e l n wenige Kilometer südlich der Ant- werpener Fortslinie von den deutschen Truppen genommen worden sei, am selben Tage wurde das Feuer gegen die Forts Waehlcm, St. Catherine und das Zwischenwerk Wavre eröffnet und bereits am 30. September . sind zwei dieser Forts, nämlich Wavre, St. Cathsrine und die Redoute Dorpweldt zerstört und am 1. Oktober nachmittags gestürmt. Die Beschießung selber ihat also nur etwa 24 Stunden bedurst, um diese Bollwerke zu überwinden. Damit ist die über die Rüpel- und Nethe- Niederüng vorgeschobene brückenkopf- artige Befestigungslinie gefallen, denn nun werden sich an jener Seite der Festungslinie, auch die anderen Werke nicht mehr lange halten können. Es ist kein Zweifel, daß nunmehr der Angriff gegen die anderen Teile der Befestigungen fortgesetzt werden wird.
Die Befestigungen voir Anüverpen bestehen aus der alten Staütumwall u n g, die aber militärisch wertlos und zum Teil bereits nieder- gerissen ist. Das dadurch freigewordene Gelände ist zu Hafenanlagen und Erweiterungsbauten benutzt worden. Als Ersatz dient die auf der beistehenden Karte erkeunbare vou 1 an fortlaufend bezifferte Linie der alten Forts, die von Btialmont seinerzeit erbaut wurden. Die Forts sind durch eine neue Verteidigungslinie miteinander verbunden worden, so daß sie eine zusammenhängende Uniwallung üarstellen. Diese Linie ist derart verlängert worden, daß sie sich an beiden Flügeln an die Schelde anlehnt. Dafür ist ein neuer, weiter vorgeschobener Forts- gürtel angelegt worden, der sich im Norden etwa 4 Kilometer, im Osten 8 Kilometer und im Süden mehr als 12 Kilometer von der neuen Stadtuniwallung fernhält. Der ganze Gürtel hat einen Uinfang von über 100 Kilometer und wind durch die einzelnen Wafser- läufe in verschiedene Abschnitte zerlegt. Auf dem rechten Scheldeufer liegen im ganzen 16 Forts und 12 Zwischenwerke, auf -dein liuken 6 Forts und 2 Zwischenwerke. Von diesen letzteren ist aber erst ein Teil fertiggestellt. Es ist auch fraglich, ob die Werke des rechten Scheldeufers vollkommen fertig ausgebaut sind. Genauere Nachrichten sind darüber nicht veröffentlicht wovden.
Hinter den jetzt niedergekämpften Werken liegt der Abschnitt der Rüpel und Nethe, der durch Anstauung und A n s u m P f n n g eine beträchtliche natürliche Widerstandskraft erhalten hat. Es ist anznnehmen, daß sich dahinter Feldbefestigungen befinden, in denen Teile der Besatzung Widerstand zu leisten versuchen werden. Wenn aber unsere schwere Artillerie ihr Feuer dagegen richten wird, so wird auch diese Stellung bald sturmreif sein. Dann bietet nur noch die Staidtumivallung. das heißt die Linie der alten Forts, Widerstand. Ob die Belgier sich zu ihrer nachhaltigen Verteidigung entschließen werden, nachdem die äußere Fortslinie gefallen sein wird, worüber natürlich noch geraume Zeit hingehen wird, -bleibt ab- zuwarten.
Dieser bisher so^ erfolgreich durchgeführte Festungsangriff ist insofern sehr bemerkenswert, da er zeigt, daß es gar nicht nötig ist, große Waffen- und Lagerplätze vollständig einzuschließen, sondern daß es genügt, den Angriff gegen einen Teil der Befestigungen ga
