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Es ist natürlich für mich bedeutend leichter, derartige Stückchen zu liefern als für die Leute in der Kompagnie. Dafür ist aber mein Dienst bedeutend beschwerlicher: täglich von 8 Uhr morgens bis 3y 2 Uhr nachts unterwegs I Jeden Tag mindestens einmal von Franktireurs beschaffen, nament­lich nachts. Da verdient man schon eine Auszeichnung! Wenn mich drese Hunde von Zivilisten nur nicht doch noch einmal fassen! Dann ging's schlecht! Die Mühle und das Gasthaus in W. wurden natürlich sofort, nachdem wir es wieder genommen hatten, angesteckt. Heute ist schlechtes Wetter; es herrscht Regen und Sturm, so daß ich nicht so viel fahren kann. Nur auf den guten Straffen. Daher habe ich Zeit zu schreiben. Bis jetzt war's mir wirklich unmöglich. Feldpost haben wir bis jetzt noch keine be­kommen, was für die Verheirateten sehr unan­genehm ist. Nun Schluff! Hoffentlich trifft Euch dieser Brief in bester Gesundheit. Viele herzliche Grüße von Deinem treuen Sohn.

Aus einem Reserve-Lazarett. Die Frau eines praktischen Arztes, der als Oberarzt der Landwehr im Reserve-Lazarett einer bayerischen Stadt tätig ist, so berichtet dieKöln. Ztg.", besuchte kürzlich ihren Mann und hatte Gelegenheit, sich wäh­rend einer Woche bei der Pflege der Verwundeten nützlich zu machen. Es langten gerade 120 meist schwer verwundete Krieger an, und da e8 an ausgebildeten Schwestern fehlte, konnte die praktisch erfahrene Doktorsfrau manche Hilfe leisten. Ich sprach sie gleich nach ihrer Rückkehr, und sie konnte viel erzählen von den Eindrücken, die ihr geworden. Zwei Episoden, die für die Begeisterung selbst unserer schwer verwundeten Soldaten sprechen, seien hier mitgeteilt. Ein Kanonier wurde zwecks Untersuchung einer schweren Arm- berlehung narkotisiert. In der Narkose kommandierte er mit lauter Stimme:Viertes Geschütz Feuer! Herr Hauvt- mann, da liegt die ganze Reihe Franzosen! Noch einmal Viertes Geschütz Feuer! Herr Hauptmann, wieder liegen die Kerls wie tote Mücken da fliegt ein halber Franzos, Herr Hauptmann, jetzt bin ich selbst verwundet, jetzt kann ich nicht mehr. Aber erst noch einmal: Viertes Geschütz Feuer!" Meine Berichterstatterin sagte, es hätte auf alle Zuhörer ergreifend gewirkt, diesen AuSbruch von Kampfbe­geisterung eines Schwerverwundeten in der Narkose zu ver­nehmen. Ein ebenfalls schwer am Arm verwundeter In­fanterist hatte in einem Gefecht ein französisches Feldzeichen erobert. Davon hatte er sich während des ganzen langen Transports nach Mitteldeutschland nicht getrennt und mit dem zusammenzewickclten Stück Fahnenzeug im gesunden Aem kam er im Lazarett an. Er ließ es nicht los, und auf seinen Wunsch breitete man's ihm über die Bettdecke, wo es wohl liegen bleiben wird, bis der tapfere Soldat gesund geworden ist. Und sollte es anders beschlossen sein, dann wird sein letzter Blick auf die eroberte Fahne fallen, und mit dem Ge­fühl erfüllter Vaterlandspflicht wird er hinüberschlummern.

Ein tapferer Lokomotivführer. Bei einem Überfall auf einen deutschen Proviantzug auf der inzwischen in deutsche Verwaltung übergcgangenen Jwangorodbahn in Russisch- Polen wurde ein Hauptmann erschossen und der Lokomotiv­führer schwer verletzt. Es werden jetzt darüber folgende Dinzelheiten bekannt: Lokomotivführer Beck aus Tarnowitz

in Oberschlesien hatte einen Proviant- und Munitionszug von Kielce nach Nowo-Rodomsk zu befördern. Nachdem die auf feindlichem Gebiet liegende Strecke fast glatt zurückgelegt war, erschienen plötzlich auf einer Anhöhe Kosaken und eröff- neten auf die Lokomotive des Zuges ein mörderisches Schnellfeuer. Obwohl der Lokomotivführer fofort ein rasen­des Tempo einschlug, wurde der auf der Lokomotive mit­fahrende Hauptmann erschaffen. Kurz darauf erhielt auch der Lokomotivführer mehrere Schüsse, wovon einer in den

g ücken ging und die Lunge durchbohrte. Trotz der schweren erwundung fuhr der Lokomotivführer noch 85 Kilometer.

Gr stopfte dann, da der Speisewasserbehälter des Tenders wie ein Sieb zerschossen war, die Löcher, um nicht sämtliches Wasser zur Speisung des Kessels entweichen zu lassen und

baburcfy bie ttotioenbige sgeiterbeförberung beb gugeb nid)t in ffrage gu ftellen, mit .poigpfropfen unb brnd) bann. Von (Sdjmerg überwältigt, bewufjtloS gufammen. täecf würbe in baS (Stifabetljlrantenfjaus in Kollow ip befördert, wo er feiner &enefung entgegen fie()t.

Was bie h«umgekehrten Engländerinnen aus Berlin er­zähle». 200 Engländerinnen, die in Berlin als Kriegsge­fangene zurückgehalten worden waren, sind vor einigen Tagen in Queenborough gelandet und wurden mit großer Freude begrüßt.. Die Londoner Blätter berichten ausführlich, was sie von ihrem Aufenthalt in Deutschland erzählten, 'und das Gesamturteil der Damen lautete:Wir sind mit der größten Freundlichkeit und Rücksicht behandelt worden." Hier konnte man von authentischer Seite hören, wie falsch all die wilden Gerüchte sind, die in englischen Blättern über die Stimmung in Berlin verbreitet wurden. Die Engländerinnen erzählten, daß das Leben in Berlin seinen Gang geht wie immer, daß der Kaiser und der Krieg in Berlin sehr volkstümlich sind, daß eine große patriotische Begeisterung überall herrscht. Als denbestgehaßten Mann in Deutschland" bezeichneten die Zurückreisenden Sir Edward Grey, weil erden Krieg ge­macht" hat. Von Lloyd George wird weniger gesprochen, und Asquith und Churchill würden merkwürdigerweise fast gar nicht genannt.Ob die Deutschen sicher sind, zu gewinnen? Aber gewiß", sagte eine Dame.Sie sagen, es wäre eine Sünde, unser Heer, das gerade gut genug sei, um gegen Hampelmänner zu kämpfen, gegen sie zu schicken."Die eng­lischen Gefangenen. im Lager von Döberitz werden nicht schlecht behandelt", erklärte eine andere.Sie sehen sehr wohl aus und haben die Erlaubnis, Fußball zu spielen. Zuerst, als sie in Zelten untergebracht waren, hatten sie's etwas unbe­quem, aber jetzt wohnen sie sehr gut in Baracken. Als der Krieg ausbrach, befand ich mich gerade in demSchloff" eines Offiziers vom deutschen Generalstabe. Er riet mir, schnell abzureisen, aber ich blieb mit einer Freundin da. Ich habe keine schlechte Behandlung irgendwie erfahren. Als ich mich von einem befreundeten Beamten verabschiedete, sagte er zu mir:Aus .Wiedersehen in London." Das denken sie alle daß sie nach London kommen werden. Wie ihre Zeitungen sprechen die Deutschen beständig vom englischen Heer, und in Ausdrücken maßloser Verachtung.Es ist nur ein Haufen zusammengelaufener Burschen", sagen sie und sie verweisen stolz auf ihr eigenes Heer, wo jeder von 18 Jahren aufwärts dient. Sie lachen über unsere Marine­manöver und meinen, das wäre von uns eine merkwürdige Art,den Seekampf im großen Stile zu führen". Eine andere Dame sagte:Ich kam mach Berlin mit den" ausge­sprochensten antideuschen Tendenzen, aber ich muß der Freundlichkeit der Deutschen Gerechtigkeit widerfahren lassen.

In einer Pension, in der ich nach Zimmern fragte, machte mir die Eigentümerin lächerlich niedrige Preise. Berlin ist ruhig, und man merkt nichts vom Kriege." Auch andere Dcnnen berichteten, wie freundlich und zuvorkommend sie be­handelt worden seien. Eine der jüngsten Zurückkehrenden war die 4jährige Miß Sylvia Basilee. Als sie aus dem Zuge stieg, umarmte sie zärtlich eine Ulanen-Puppe, die neueste Neuheit auf dem Spielzeugmarkt von Berlin.

Sang'an Poincare!

Verehrtester Herr .nncore,

Ganz leer ist wohl dein Portemonnaie?

Du machst's, wie jeder andere Lump,

Begibst dich schleunigst auf den Pump.

Zuerst sprichst du mit Jswolski

Der grinst:Ich nehm' ist gebe nie!"

Mit Ernst erklärt Amerika:

Nach London geht, bedient euch da!"

Und wirklich schnell den Gram zu enden

Wirst du an Mister Grey dich wenden.

Ganz grimmig der die Pfeife schmaucht:

Holt euch in Deutschland, was ihr braucht.

Zu dumm habt ihr den Kram gemacht!

Wir hatten's anders uns gedacht.

Seht, wie ihr aus der Patsche kommt.

Was tveitz denn ich, was nun euch frommt!

Doch-

Auf euren Schiffen, daß ihr's wißt.

Wird Englands Banner jetzt gehißt.

Von dannen schleicht sich Poincare

Ihm tufs im Kopf und Magen weh.

8«anttoortfl$ für die Schriflleitung: ®. v. Nauendorf in Wiesbaden. Druck und Verlag der L. Schellenbergfq-n -af-buchdruckerei in Wiesbaden,