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inst «9 29. September 1914.
ktbend »Ausgabe.
Nr. 454,
62 . Iahrgang.
A
Der Krieg.
bor 5 cr gro g cn irrM in Frankreich!
, Berlin, 29. Sept. In einem Artikel
Muttbri« 1 großen Krachs" glaubt die „Tägl.
iy, * ..Voraussagen zu können, daß die heute schon »»8, "^osischcn Geldmarkt verwüstende Panik nur und die Flucht der Millionen ins "W? a - » noch allgemeiner werde, wenn die 500 000 »„Anleger keine Dvidendc vom Cr6dit Ukißt erhielten. Am Schlüsse des Artikels
Der französische Krach und das Versagen der it» Loschen Heeresverwaltung kann den raschen Ab- Boincar6-Delcass6-usw.-Politik nur noch be- ^ttlen B r i a n d, der dieser Firma geistig
Weit
: °‘>ttns, der oiejcr Kirma gcifiig wrir 0't, der Exgenosse, steht nur kühl zu ihr und i btt so. • tttc Diktator st un de ab. Das Schwanken »Wern^."rungsmänuer zwischen Bordeaux und Paris . ^ en Rest von Ansehen, der ihnen noch ver- ..Daran, daß diese Republik im "kn liegt, ist nicht mehr zu zweifeln.
Das die Zranzosen verschweigen.
, Berlin, 29. Sept. Was die Franzosen . vcr- r“ cn ' darüber schreibt der „Berliner Lokalanzciger": ^Bischer Seite ist bis zur Stunde der Fall des bktz^^"»lp des Romains, der den Durch- lich -^.unserer Armee zwischen Toni und Verdun ^ItotEii ^3ogcn hat, verschwiegen worden. Diese Ver- Oir c ^nhcit der französischen Regierung hat natürlich SbrV e « Gründe. Man ist sich in Frankreich 'tytttib >n M ^ daß die Niedcrzwingnng dieser öe- ” ^ e > tun ß und die damit verbundene, schwere "ti,J j D,tn R des französischen Zentrums in den dstb ! Staaten einen schlechten Eindruck machen es daher vor, diese wichtige Nachricht 'i'Hto 3« unterschlage n. In dem französischen "»s,V^^tier geht man von der richtigen Annahme tyfft,, st »er FM dcs Camp des Romains gerade in ge- , >l Id - .eisen romanischer Länder, besonders in "Nicn, den Glauben an die Widcrstands- A x französischen Armee setzt schon zerstören : t i ieinen U m s ch w u n g ttt der Benr
|j%* f ..n der europäischen Kriegslage »ach sich rWi lU * c ‘ Den Franzosen ist es dagegen nach wie 3U ^un, in den neutralen Staaten den Ein- 3e erwecken, als wäre es mit der strategischen Heeres vom besten bestellt, und sie scheuen auch nicht vor dem Mittel der amtlichen u 0 zurück.
tz^^ndsis- es Urteil über unsere Truppen.
il
vj« ^richterstatter des «Algemeen Hanbels- 'u Amsterdam vom 21. September, der am ^ Schlacht bei S o i s s o n s bis in die Nähe
dieser Stadt vorgedrungen ist, schreibt: Es ist erstaunlich, wie sich das Bild ändert, sobald man von Belgien aus über die französische Grenze kommt. In Belgien überall Verwüstung, rauchende Trümmer, kaum ein unbeschädigtes Haus. Hier dagegen keine 'Spur des Krieges, keine Zerstörung. Ich habe hier mit Franzosen der verschiedensten Gesellschaftsklassen gesprochen und alle versicherten übereinstimmend, baß die Deutschen nicht plündern, nicht sengen und brennen. Die Leute haben einen begreiflichen Haß auf die Deutschen, aber der wurde nicht hervorgerufen durch die deutschen Soldaten, die hier,durchzogen.
Sie wissen von den Verwüstungen in Belgien nicht etwa durch Zeitungen, denn die haben sie schon seit 3 Wochen nicht mehr zu Gesicht bekommen; die Deutschen haben es ihnen selbst erzählt. Sie glauben aber, baß diese Soldaten solche Taten, die durch die Haltung der belgischen Bevölkerung notwendig wurden, nur sehr widerwillig ausführten, denn bei ihnen kamen überhaupt keine Mißhandlungen vor.
Solche Tatsachen muß man zur Ehre ber Wahrheit weitergeben.
Der „Daily Telegraph" über die Kriegslage.
Rotterdam, 26. Sept. Zu der augenblicklichen Lage schreibt der „Daily Telegraph": „Die natürlichen Stärken der deutschen Stellungen sind mit vorzüglicher Sachkenntnis und mit Kennerblick auf ihre Verteidigungsmaßnahmen ausgewählt lvorden, und das schlechte Wetter, das die Truppenbewegungen erschwert sowie der hartnäckige Widerstand, den sie bei ihren Angriffen auf die verbündeten Truppen finden, und schließlich die Gegenangriffe der Feinde, alles dies macht die Schlacht zu einer der v erzweif elt st en, welche dei Geschichte je gekannt hat, und was ihre Dauer anbetrifft, so hat sie nicht ihresgleichen. Seit zehn Tagen stoßen die feindlichen Heere aufeinander. So weit man jedoch bisher ans den offiziellen Berichten ersehen kann, haben bisher keine der beiden Parteien einen endgültigen Vorteil zu verzeichnen."
Ein französischer Bericht über die Kriegslage.
Aus Paris, 28. Sept., meldet die „Franks. Ztg.": In einem am 27. Sept., nachts 11 Mir, ausgegebenen Bulletin heißt es u. a.: Die Deutschen haben in der Nacht vom 25. aus den 26. und bis zum 27. bei Tag und Nacht auf unserer ganzen Front unaufhörlich mit unerhörter Heftigkeit ihre Angriffe erneuert, mit dem offenbaren Zweck, unsere Linie zu durchbrechen. Die gesamte Anlage der Angriffe beweist, daß Instruktionen vom Oberkommando gekommen sein müssen, eine Lösung der Schlacht zu suchen. Die französischen Kommandostellen teilen mit, daß die Stimmung der Truppen trotz der riesigen Anstrengungen
ausgezeichnet sei.
Englands zweckloser Handelskrieg gegen Deutschland.
W. T.-B. Berlin, 29. Sept. (Nichtamtlich.) Warum Englands Handelskrieg gegen Deutschland scheitern mutz, wirb von dem Generaldirektor des Nord- deutschen Lloyd Heinecke im „B. T." ausführlich besprochen. In England erkenne man bereits, wie sehr man niit dem Handelskrieg, den man gegen uns entflamme, sich ins ei g e n e Fleisch schneide. Die Qualität der deutschen Volkswirtschaft und ber deutschen Industrie, die in immer steigendem Maße in den letzten Jahrzehnten die Stellung ber bequem gewordenen englischen Exportindustrie untergraben hätte, würde sich, sobald wieder die freie Konkurrenz in ihre Rechte trete, siegreich behaupten.
Ein deutsch-amerikanischer Protest gegen die Aufbietung der Japaner gegen uns.
IV.T.-B. Berlin, 29. Sept. Alle Zeitungen der Vereinigten Staaten haben einen Aufruf an die Deutsch-Amerikaner veröffentlicht, der in slam- menden Worten gegen die Aufbietung der Japaner durch die Engländer zum Kampfe gegen Deutschland protestiert. ____
Englische Kurzsichtigkeit.
O Berlin, 27. September.
England und Frankreich haben uns bisher nicht wissen lassen, wie der Erfolg unserer Kriegsanleihe auf sie gewirkt hat. Nur die „Times" gab ein dürftiges Gestammel von sich. Vielleicht w e i ß die große Masse der westlichen Völker noch gar nicht, Was sich in Deutschland zugetragen hat, vielleicht glaubt sie immer noch, daß unsere Volkswirtschaft und unser Finanzwesen vor dem'Abgrund sicht. Nach den kindischen Lügen, mit denen sich die öffentliche Meinung in beiden Ländern über ihre sehr begreiflichen Sorgen hinwogzubringen versucht hat, wäre es keines- lwegs ausgeschlossen, daß'ein dichter Schleier des Ver- schweigens über die Opferfähigkeit unseres Volkes auch auf den: Gebiete der Geldmittel gebreitet werden soll. Nun brauchen wir ja nicht neugierig darauf zu sein, wie bie Feinde über unsere finanzielle Kriegsrüstung denken; sie mögen sie nur ruhig so gering bewerten, wie es ihnen beliebt, für uns sprechen die T a t s a ch e n und die Taten, und das kann genügen. Je verzerrter sich im Hohlspiegel namentlich des englischen Hasses gegen uns bas Bild ber deutschen Zustände darstellt, desto eher bekommen w i r, und bas ist ganz ban- kenswert, eine Vorstellung davon, wie sich die englische öffentliche Meinung, vertreten Lurch ihre „vornehmsten" Führer, bie Zerschmetterung unseres Reiches und unseres Volkes denkt. Wären bie Engländer nicht
% «
U^ntatsmatmal und Liebesgaben des . $ ^'kures Wiesbaden an die Front.
ir** kabon, daß unsere Truppen in der äußersten
Kp8li^j e . wieder Verpflegungsinangel hätten. Die Un- Ar k’ e durch die rührige Tätigkeit unseres Roter, ™^ti e *w[tenen Liebesgaben auf schnelle Art unseren
ztz^s^^?^6ängig zu machen, war Veranlassung, eine ^Mix^^-Gtoinobilkolonne zu organisieren, welche von
lt tau C }. n des „Wiesbadener Automobilklubs, E. V. ge» r Nachdem am Dienstag, den 22., im Schloßhofe
L^o R„^!^br Aufsicht der Leiter des Roten Kreuzes, der k.'? ton, äanh3a It Dr. Bickel und Graf Beisel, schwer be-
tii, de» ^folgte die Bekanntgabe des Neiseweges usw. Ä sn Kolonnenführer, Herrn Albert Sturm. Neben tÄt ^Antransport von zwei Waggons Liebesgaben, C' ^üher an den Etappenhauptort Sedan geleitet
zur Verfügung gestellten neun Auto- 2. untsmaterial und Liebesgaben im Gewichte von V Kbel^' SrÜT) mor 2 £n§ am 23> d> M. wurde in
die Ausreise angetreten, welche am ersten -'»Tri "z-~ .
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iiL' ne tin 1( ,p r §öf)e des HunSrück in Simmern wurden die
^ Bingen, durch den Hunsrück an die Mosel
Luxemburg gehen sollte.
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Expedition durch ein Telegramm freudig
Gr„^"ö £ Ekiizer „Aboukir", „Hogue" und „Cressy"
^!'^en'^°"uch duZ deutsche Unterseeboot „U 9" die drei Pan? " - .
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gebohrt habe und hierbei über 1600 Engländer
»ieist^^ Städtchen auf dem Wege nach Trier sq .. ®" e militärische Einquartierung, insbesondere C , Bahnübergänge, Tunnels aufs schärfste be-
^ wo man bereits am frühen Nachmittag
Ikis.M J! e telephonisch festgestellt, daß in Luxemburg, Slfo * e ciien Reisetages, Quartiere nicht zu haben V Ri" beschloß deshalb, auch i
im Hinblick auf die nur
wo ^ £ 'te Strecke Trier-Luxemburg Station im v in Trier zu machen. Trier steht ganz
^Eichen des Krieges, die Soldaten sind dort zahl
en,
reicher als die Zivilbevölkerung und die ankommenden Züge aus der Front bringen eine Menge Verwundeter, an deren Verbünden man erkennen kann, daß sie direkt aus dem Schlachtfelde oder den im Operations- oder Etappengebiete gelegenen Lazaretten kommen. Donnerstag, den 24. d. M., wurde zeitig in Trier abfgebrochen, um in geschlossener Kolonne die Fahrt nach Sedan fortzusetzen. In Luxemburg hat das Geschäftslcbcn eine nenirenswerte Einbuße nicht erlitten. Auf dem Marktplätze befindet sich ein großes Kraftwagendepot und an vielen Häusern findet man noch die Bekanntgabe des Staatsministers van Eichen angeschlagen, wonach die großherzogliche Regierung gegen die Besetzung des Landes beim Reichskanzler Protest erhoben habe, jedoch die Bevölkerung ernstlich aufgej ordert wird, den deutschen Truppen keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten.
Bei Allwis wurden die Schußwaffen geladen und die belgische Grenze überschritten. Deutsche Landwehrleute haben die Ortsckiaften besetzt und an den Bahnübergängen und Brücken wurde die Kolonne vielfach um Überlassung von deutschen Zeitungen, Tabak und Zigarren gebeten, da letztere dort absolut unkäuflich seien. Die Fahrt setzte sich fort durch die Reihen der belgischon Dörfer, welche durch die Missetaten der Bevölkerung der Zerstörung anheimfielcn. Man sieht sehr deutlich, wie unterschiedlich die einzelnen Häuser, je nach dem Verhalten ihrer Bewohner, behandelt wurden, und mit Kreide haben unsere Truppen an den Haustüren ihr Urteil über die Gesinnung der Bewohner, bei welchen sie teilweise einquartiert ^waren, vermerkt. Man findet Notizen, wie: „Gute Leute", „Haus zu schonen", „Gutes sicheres Quartier" usw. In den zerstörten Dörfern sind die Bewohner geflüchtet und hier und da sieht mau auf dem Felde noch verirrte Haustiere. In traurigein Zustande befindet sich die land- wirtschafUiche Kultur, meist liegt das Korn geschnitten noch auf den Feldern, während Hafer und Gerste auf den Halmen vollständig verdorrt sind.
Hinter Virton bei dem Dorfe Ecoubiez kam man auf französischen Boden. Die Fahrt ging alsdann über Mont- medy, Margut, Carignan nach Sedan. In Montmedy gelangten von den Schlachtfeldern der 6. Armee des Krön- Prinzen aus der Nähe von Verdun viele Verwundeten-
Transporte an. Französische Gefangene betätigen sich dort' als Straßenkehrer. So schön das landschaftliche Bild des französischen Bodens ist, so abstoßend empfindet man den Reinlichkeitszustand der Dörfer und Städtchen. Sedmi wurde am Abend des 24. erreicht und anderen Tages hat man in dem Lazarett Turenne sonne dem großen Proviantdepot des Roten Kreuzes den Hauptteil des mitgefiihrten Sanitäts- materials und der Liebesgaben abgeladen. Dort wurde auch der unter Leitung der Herren Ruthe und Konsul Riedl stehende Bahntransport der Liebesgaben des Wiesbadener Roten Kreuzes erwartet. Die Weitergabe der Verpflegungs- artikel soll planmäßig durch bie von hier ausgehenden Pro- viantkolonuen der Heeresverwaltung an die in der Front stehenden Truppen erfolgen.
In Sedan sieht man an den Hausfronten die Spuren der stattgehabten Stratzenkämpfe. Die Stadt mußte 740 00Ü Mark Kriegskontribution aufbringen. Die Kolonne wurde auf der Kommandanlur aufs liebenswürdigste begrüßt und ihr wurden dort durch Herrn Leutnant Müller-Gottschalt (Eltville) die durch die „Mairie de Sedan" ausgeschriebenen Quartierbillete zugefertigt. Meist ist die bessere Bevölkerung der Stadt geflohen und für bie Sicherheit in der Stadt haften 30 Bürger, die als Geiseln in einem Saale dauernd gefangen gehalten werden. Auch in Sedan findet man jetzt ein zuvorkommendes Verhalten der Franzosen, die Ladengeschäfte sind offen und es herrscht anscheinend das beste Ein- vernehmen zwischen den Truppen und der Bevölkerung. Strikter Befehl ist für die Zivilbevölkerung, abends nach 8 Uhr bei Meidung sofortiger Verhaftung die Straßen nicht mehr zu betreten.
In dem großen Kriegslazarett des — Armeekorps, — Etappeninspektion der — Armee, ist unser Mitbürger, Herr Oberstabsarzt Professor Dr. med. Hacken bruch als beratender Chirurg tätig und findet dort einen ausgedehnten Wirkungskreis für seine bekannte Tüchtigkeit. In dem Lazarett waren nach den ersten Kämpfen an der Maas auch französische Ärzte tätig. Man hat diese jedoch verschiedener Vernachlässigungen deutscher Verwundeter wegen beseitigt. Heute sind fast die Hälfte der pflegenden Schwestern nock Französinnen, und es iit b-triibend. sehen zu müsse.i.
