Verlag Langgasse 21
»on 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.
wöchentlich
für boloo Ausgaben:
- °s»° Bringeriohn "" ”
70 ®fg. monatlich, M. 2.- vierteljährlich durch den Verlag
. —„. M. vierieljährlich durch alle deuilchen Bostanitalten, ausichliehlich
oiorarfn‘ , 0 , Bcgngs. Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- 8»beft C f, 8 “■ 'otois dis Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen AuS- — i und ui den benachbarten Landortcn und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger,
12 5tusgaben.
Fernruf:
„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
Von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.
Anzeigen-Preis für die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbeirsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform; 20 Pfg. in davon abweichender Satzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen; 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Mk, für örrliche Reklamen; 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.
'MLq?Vn»adme: FürdieAbend-AuSg.bislLUhr m v c. ... V JL., ' 0 . rm ,. . ~ fi M . mfÄ „ciRn« ak i ^6r die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen
wr die Morgen-Ausa. bis 3 Ubr nachmittag? Verlmcr Schrrftlettung des Wiesbadener Tagblatts: Berlm-Wrlmersdorf Güntzelstr. 66,^ernfpr.: AmtUhland450rr.451. Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
^onntc
27. September 1914.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 451. ^ 62. Iahrgang.
Die
Gute Kussichten!
Von Generalmajor z. D. von Werlhof.
'^leosst Kriegshanblnngen und die (summe aller ^>Höt T hhm ^n, der Krieg selbst, hat den Zweck, den d^guers zu vereiteln und ihm den eigenen isxj^ugen. Der Kriegsplan unserer Stri P öe s.st schon tut ersten Monat des hjx,,3^s über den Haufen geworfen. Wenn fcj),' te r mutmaßlichen Absichten festzustellen suchen, so ^ 1 ",Uch die Russen das Ziel, mit ihrer Haupt- Hen i Galizien nach der Balkanhalbinsel vorzu- IvHjPn' wahrend andere Armeen nach Berlin Vordringen kttb i] Eilaren dort die Hauptkräfte der Österreicher Zühi^Larn zu vermuten, so mußten sie hier wohl der %pu $ unterlegene preußische Truppen erwartet be§ I', Andernfalls hätte der Feind keinerlei Aussicht »m Hungens gehabt, und man darf beim ' Gegner ^sligst uls Absicht vomnssetzen, üxis für ihn das
* * 5er Tapferkeit unserer Bundesgenossen ist des übermächtigen russischen Angriffs ge- hu] und in Galizien der Kampf zum Stehen Slüchs:? ut e n. Dank der Feldherrnkunst des unver- di* Generalobersten v. Hindenburg aber, der isijh^^uukenbette ins Feld eilte und der volkstümlichste ^ ganzen Krieges, ein zweiter Blücher, wcr- d; lte, ist Ostpreußen von den barbarischen Hor- »er rohesten Zeit des Mittelalters anMgehören ichgs jtz- befreit, und der Krieg angriffsweise auf russi- ,Gebiet getragen.
uni5 welche Kriegspläne der s e r b i s ch e Gene- Äev, ^lisgearbeitet hatte, entzieht sich der Be- »«ist WB Die Lage ist jedenfalls die, baß Setbien r,?Periode, vielleicht bald der Revolution ausge- ^ et .scheint, während die Cholera im Lande
>b
^!i. Ä.ö-lten Vorstößen in das Gebiet des Gegners •Äj. r le Pflegen in der Save zu enden. Ein Bad rHem Uun für die dreckigen Kerle ganz ersprieß- ^er es handelt sich gewöhnlich uin ein Unter- Nimmerwiedersehen. Immerhin fesselt das ,T ^negstheater österreichisch-u
anderweit nutzbringender verwenden könnte;
Die Verzweiflung macht sich von Zeit zu Zeit
Truppen,
h ^negstheater österreichisch-ungarische
H'-Sn. anderweit nutzbringender verwende.. ..
?uf sich der serbische Kriegsplan beschränkt haben k ilirwt allerdings billig bezweifelt werden.
^ e englisch - belgisch - französischen » tn '^ .kläglich gescheitert. Daß bindende Ver- ^islk» " ieit langer Hand getroffen waren, daß ,°Ws^Und französische Truppen vor Kriegsausbruch , den betreten batten, daß also nicht Deutsch- isÄieu r Ärsche Neutralität verletzte, sondern dies von ÄiilK ^ibst geschah, dafür haben die letzten Wochen Z „„ ^ Beweise erbracht. Die Pläne können nur
fc Q Uori«s'j . tle eroracyr. Lite y !' 3slsiwetsen gemeinschaftlichen -st. beb,;^" s r o n t bestanden haben.
Vorgehen gegen
u t r o n t bestanden haben,
Armee, ist -belanglos. N ausgefübrte deutsche Entschluß, zu handeln,
ob mit oder ohne Nur der rasche und
ni.i Uusgesntirre oouricye ismiimutB, zu yanoetn, England noch so sehr ob des Bruchs der >> Meuchlerisch die Augen verdrehte, bat mich ^itetnden das Konzept verdorben. Daneben
Token der „Königin Luise".
Pch» ^warzer Schatten, zergehender Hauch, Deiin^E Brander vorm Themsebanch.
Dick am Ruder. — erstickte Befehle,
Sinh der Nebel, brennt in der Kehle
Pi:
hüllt
m seinen gelben Schrein
Tw^^de, treibende Minen ein,
DrZu» lern verdämmert der Tag,
Dtit §^de Wellen in raschem Schlag,
Dii>ss„ Eiheni Gebiß und schüttelnden Nacken Dicht y , grauen Schalen packen.
i rt l e . r Englands brüstender Wehr ^ ,die Verwcg'nen den Tod ins Meer, der S-rmt der Nebelnacht, —
Hej, ^ nc Stunde, — dann ist'S vollbracht!
D«z der Haß aus den Herzen giert,
Dviz ^ Ü in die sickernde Dämmerung stiert, r 8ahrt und die 'Stunde ist groß,
Ü schlägt da? Blut und bloß,
*S"b r, Mt Himmel, laß uns nicht los!
Der sg'o 5 r i Männer horchen hinaus,
^ jTYj, ‘tocr stampft, als duckt er zum Strauß, ^"en klatschen. -
ih» ? hn Laut. - Qt cn , r er kreisende Nebel gebraut? ift-§ f* Lauschen, - wo floh er her, —
ein Raunen im Wogenmeer, -oungen? Ihr Lachen girrt,
das Steuer klirrt, —
Rufen,
tote ein weißer Dolchhieb schwirrt.
Licht zum Brander irrt.
hatte Frankreich die Absicht, die Neutralität der Schweiz zu brechen. Es stellte nach Erzberger („Tag" vorn 19. September) in der Absicht, die deutschen Truppen des Oberelsaß von der Seite zu fassen, in Bern den Antrag, den Dttrchmarsch durch den Schweizer Jura zu erlauben. Die Schweiz wußte aber durch sofortige Mobilmachung ihre Rechte zu wahren, 360 000 Mann behaupteten im Jura die Neutralität.
Die Kriegspläne Englands zur See scheinen unter vorläufigem Verzicht auf joden großzügigen, früher so oft imd mit solchem Redeschwall an- gekündigten Angriff auf die Lahntlegung des deutschett Handels, der Industrie und der Ernährung hinzn- zielen. Daß das letztere durchaus niißlungen ist, be- darf kaum der Erwähnung. Wir haben nach der letzten guten Ernte Brot genug auf mehr als ein Jahr, selbst für 300 000 Kriegsgefangene und mehr. Und ob deutscher oder englischer Handel uitd Industrie mehr durch den Krieg gelitten haben, ist die große Frage. Im übrigen führt England den Feldzug gegen uns mit den vergifteten Pfeilen der Lüge, und da Lügen kurze Beine haben, so dürfen wir schon jetzt fest- stellen, daß, mag inan uns auch noch so sehr im Auslande geschadet haben, sich doch die Wahrheit Bahn zu brechen beginnt. Die Macht der Tatsachen wird, ein übriges tun. Ob und wann die Wahrheit sich freilich in der ganzen Welt Gehör verschaffen wird, ob sie bis in das Innere des hermetisch abgeschlossenen und demnächst vielleicht unter der Beivachung der gelben Bundesgenossen Englands seufzenden Indiens dringen wird, dessenSöhne jetzt schon an der Marne gegeit uns gekämpft haben sollen, das ist eine Frage, die wir in erster Linie unseren türkischen Freunden zur Bearbeitung überlassen müssen. Ebenso ist die Bedrohung der englischen Gewaltherrschaft in Ägypten Sache der Türkei, die sich auf ihre eigenen, mit uns und unseren Verbündeten Hand in Hand gehenden Interessen zu besinnen beginnt und einen Faktor darstellt, mit dem unsere Gegner zu rechnen haben werden. Abwechselnd gereichtes Zttckerbrot und Peitsche dürsten dort tote iin Bulgarien ihren Zweck verfehlt haben. Wenn aber England glaubte, uns mit seinem Lügenfeldzug wirtschaftlich matt zu setzen, so unterschätzte es die Leistungsfähigkeit Deutschlands durchaus. Der Trugschluß wird durch den glänzenden Erfolg der deutschen .Kriegsanleihe bewiesen, ganz abgesehen davon, daß man bemerkenswerterweise erst jetzt zum Auflegen derselben hat schreiten müssen.
Rach alledent ist es Wohl zu verstehen, daß unsere Gegner, nachdem sie ihre Pläne ans der ganzen Linie scheitern sahen, sich nach einem billigen Frieden sehnen und int Gefühl ihrer Unzulänglichkeit einen Versuchsballon anfsteigen lassen, iydent sie Gerüchte verbreiten, als ob w i r zum Frieden geneigt seien.
Gewiß würde ganz Deutschland glücklich sein, wenn es bald die Waffen niederlegen könnte, aber das darf und kann nur unter der Voraussetzting geschehen, daß den Feinden, die freventlich den Weltbrand heranfbe- schworen haben, nunmehr — der zweite Kriegszweck! — unser Wille anfgezwungen wird. Erst das kann einen dauernden und ehrenvollen Frieden ergeben.
Eine Ewigkeit, — eine zweite verstrich,
Ich weiß nicht, wie lange, — sie wehrten sich. Atemlos, blind, — voll Haß und Fluch,
Dann stand's wie voll zuckender Brände vorm Bug, Das Eisen troff und der Nebel schrie,
Ätitten durch England fuhren sie!
Zerrissen dümpelt das Schiff nach vorn, - Saht ihr das Letzte aus Blut und Zorn,
Quer ein englischer Kreuzer schor.
Sprang wie ein todwundes Tier empor Und glitt zur Seite, - Ihr habt's geseh'n.
Eure Seelen müffen im Nebel weh'n,
Locken und wandern Zeit um Zeit,
Bi? wir euch lösen, im Westwind schreit Ruhlos die Möwe, — grau harrt der Tag,
Ihr Ungesühntcn, — wir kommen nach!
Hans Fr. Blunck (Hamburg).
Frau Mutter.
Von Else Sparwasser.
Sie war eine eigenartige Frau, die große, starkknochige Frau Mutter vom Schultenhof. Hielt das Regiment im Haus stramm in den Händen und war für faule Knechte und schnoddrige Mägde eine unangenehme Herrin. Aber die armen Tägelöhnerskinder in den niedrigen Katen wußten genau, woher oft Brot und Speck kam, und im Winter warme Strümpfe und Hemden.
Zwei Söhne hatte Frau Diuttcr — den achtzehnjährigen, lustigen Heiner, ein Kerl wie ein Baum, und den vier Jahre älteren Träumer, den Franz. Den schickte sie mit in den Krieg.
In ben ersten Studien des Krieges schien es, als ob lediglich und stets unser Wille für den Gegner Gesetz werden sollte. Wir schritten von Sieg zu Sieg. Man mußte an dre launige Bemerkung Helmut v. Moltkes denken, der einst die Kameraden von der Marine um die Gelegenheit beneidete, so viele schöne Länder auf ihren Reisen kennen zu lernen und hinzufügte, .daß das bei der Landarmee ttur gelegentlich der Abwehr einer feindlichen Bedrohung vorkomme. Die Truppen eilten durch das herrliche Maastal und durch die Champagner spendende Landschaft um Reims zur Marne. Dtan wurde durch eine Kette unerwarteter Erfolge verwöhnt, wähnte die Franzosen kaum eines weiteren Widerstandes fähig und träumte schon vom baldigen Einzug in Paris. Wer die Widerstandskraft der Franzosen und der mit ihnen vereint kämpfenden 100 000 Engländer derart gering einschätzte, hat sich trotz mancher Anzeichen, -die dafür zu sprechen schienen, geirrt. Rur 20 Kilonteter stand unser rechter Flügel östlich der Pariser Ostforts bei Meaux, als er am 10. September von weit überlegenen uitd aus der Hauptstadt fortwährend verstärkten Kräften angegriffen wurde. Nach zweitägigen, günstig verlaufenen Kämpfen, in denen die Deutschen, nicht etwa die Franzosen, wie sie in Fälschung unteres Berichts glauben machen wollten, 60 Geschütze eroberten und Tausende voy Gefangenen machten, wtirde es der Überntacht des Gegners halber nötig, zunächst -den rechten Flügel und dann die benachbarten Teile des Heeres Z-urückznnchmen. In geradezu klassischer 'Ordnung gingen, nach dem Urteil einer französischen Zeitung, unsere Trttppen Mrück. Die Stegesfanfaren, die daraukhin schon in London und Bordeaux ertönten, sind verstummt, die haben allmählich einer nüchternen, ja sehr nüchternen Auffassung Platz gemacht. Man weiß, daß es sich tum nicht weniger als um fric endgültige Entscheidung handelt, denn Frankreich hat keinen Garnbetta, und selbst ein zweiter Gambetta würde ans dem »Nichts keine Heere schassen können. Die Aussichten für die Entscheidung sichen aber ungünstig für die Franzosen. Die Gegner befinden sich in verschanzten Stellungen einander gegenüber. Die französisch-englischen Angriffe, die den rechten deutschen Flügel ans die Westküste zudrängen wollten, und die Dnrchbruchsverfuche wurden an der Aisne zwischen Oise und Maas stets abgewiesen. Die deutschen Stellungen werden in Meldungen aus Bordeaux als fast uneinnehmbar geschildert. Am 17. September wurden zwei verstärkte französische Armeekorps südlich Noyon entscheidend geschlagen, die Widerstandskraft des Feindes begann zu erlahmen, und neuerdings hat man deutscherseits mit frischen Kräften wieder die Offensive ergriffen. In der Gegend von Verdun stehen die 4. nno 6. Armee in erfolgreichen Kämpfen, und der Angrist gegen die sich nach Toul ziehende Sperrfortslinie schreitet vorwärts. Daß man irördlich Totil sogar Truppen int Biwak überraschen kannte, beweist die aus den napoleonischen Kämpfen und^ von Beanmont her gcnugfant bekannte Sorglosigkeit der Franzosen.
Stehen sonach hier die Aussichten günstig, so ist das in ttoch höherem Maße der Fall auf dem n o r d ö st-
Sie war'keine Frau von vielen Worten. Sogar bei dem Tode ihres Mannes hatte jie ruhig und gefaßt getan, was zu tun blieb. Sie schüttelte auch jetzt in leisem Unwillen dein Kopf, als sie die rotgelveinten Augen der Nachbarin sah, die von ihrem Mann Abschied nahm.
„Franz!" sagte sie und sah forschend in das bleiche, verträumte Gesicht ihres Sohnes: „Willst du ein Mann sein?"
Da stieg ihm eine helle Röte ins Gesicht.
„Ja, Mutter!" Und er gab sich einen Ruck.
«
Singend zogen die Kronprinzenhusaren ins Feld:
. „— — — — läßt mir keine Ruh,
Morgen marschieren wir nach Frankreich zu-
An den Straßenecken standen weinende Mütter und Frauen. Die Mädchen schluckten tapfer die Tränen hinunter und winkten — mit zuckenden Lippen — den letzten fröhlichen Gruß. Im letzten Augenblick drängte ein Trupp Landwehrmänner herbei zu kurzem, heißem Händedruck:
„Auf Wiedersehen, Kameraden! Auf Wiedersehen!"
„Sei tapfer!" sagte Frau Mutter in ihrer harten, knappen Art und sah ihrem Buben nach, bis sie ihn in der Reitergruppe nicht mehr unterscheiden konnte, und noch lang darüber hinaus. Heiner stand neben ihr und bebte am ganzen Leib: „Mutter, laß mich mit!"
„Und wer besorgt das Feld und hält Ordnung? Willst du alles auf meine Schultern laden,- Heiner?-" Du bleibst!"
Heiner sah den singenden Reitern nach, die Hand zur Faust gekrampft, und seufzte vor Neid und Verlangen.
Acht Tage später, mitten in der Kornernte, kam eine Depesche ins Haus. Frau Mutter las sie, bog sie sorgsam zusammen und legte sie in ein Kästchen zu alten Briefen. .Dann ging sie mit müden, langsamen Schritten über Feld und suchte ihren Sohn.
