eine Krankheit — die astatische Cholera — in Folge des Krieges hier ringe- schleppt wurde, aber kein Terrain zur Ausbreitung fand, und für die allgemeine Verbesserung der Salubritüt hier vieles geschehen ist. Ich reihe daher meinen früheren jährlichen Bekanntgebungen der Sanitäts-Verhältnisse auch die heutige an.
"Wiesbaden zählte am Schluffe des Jahres 1865 = 26,177 Seelen und am Ende des Jahres 1866 — 26,751; die Stadt enthielt Ende 1865 = 1497 Häuser, und Ende 1866 deren 1565; sie hatte also an Bevölkerung zugenommcn um 574 Seelen, und an Häusern um 68.
Wiesbaden ist eine Stadt, welche wie ein periodisch aus seinen Ufern tretender, befruchtender und wieder zurücksinkender Strom jährlich anschwellt durch eine große Summe von periodischen Einwohnern, welche im Herbste wieder abziehen, nachdem sie durch ihr Geld Stadt und Stadt-Einwohner wahrhaft befruchtet haben; dies wird bedingt durch die Kurgäste und Vergnügens- Reisende, welche vom Mai an bis in den October die Hotels und Privat-Häusn füllen. Von ersteren, den Kurgästen, zählen wir durchschnittlich 8 bis 9000, mit letzteren 20 bis 26,000 und im Sommer 1867 selbst (bis zum 24. September) über 34,000—indem die Totalsumme der vom Januar an berechneten anwesenden und durchgereisten Fremden — 43,646 beträgt. Einen dritten, wenn auch den kleinsten Antheil an dieser Summe, liefern die Familien und Personen, welche Wiesbaden zum Winter-Aufenthalt wählen und unsre climatische Kurfremdc sind.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß außer der wahrhaft entzückenden Lage der Stadt und der Schönheit ihrer Umgebung — welche durch die Sorgfalt der Stadtbehörde und des Verschönerungs-Vereins für alle Natur-Schön- heiten leicht zugänglich gemacht worden, auch der lucullische Glanz und die prachtvolle Einrichtung des Kursaals mit seinem großartigen Park, seiner behaglichen inneren Einrichtung, seiner Unterhaltung durch Musik, Concerte, Feuerwerke, Beleuchtungen u. s. w. — welche nur durch den Einfluß des bisher bestandenen Spieles auf die jetzige Höhe gebracht werden konnte — die größten Anziehungspunkte darbietet für die eminent große Zahl der nicht absolut Kur- Bedürftigen; es ist aber auch offenkundig, daß abgesehen vom Spiele (nicht aber von deffen Vergnügensweisen) durch den Zauber der climatischeu Einflüsse aus die Gesundheit Viele, welche während einigen Wochen ihres hiesigen Aufenthaltes die atmosphärischen und socialen Vortheile Wiesbadens kennen zu ternro Gelegenheit hatten, ihren Entschluß, hier sich anzufiedeln, zur Reife brachte«. Das geschah bisher jährlich und hatte zur Folge, entweder Wohnungen zu miethen oder Häuser zu kaufen und in beiden Fällen dadurch den Wohlstand der Stadt zu heben und die Bau-Lust zu begünstigen. Und auch diesen neuen Bewohnern — besonders aus Nord-Deutschland oder dem Norden überhaupt —wird eine Nachricht über die hiesigen SanitätS-Verhältniffe willkommen sein.
Während dem Jahre 1866 starben dahier — 656*) Personen; unter dieser Zahl befanden sich 284 Fremde, d. h. nicht Wiesbadener, und 372 Ei»' geborene. Unter den nicht Wiesbadenern sind 228 aus dcm Lande Nassau — meistens Arbeiter, und 56 an« anderen Staaten — wie z. B. aus Preußen, welches 14 Todesfälle, Rußland, welches deren 8, Hessen, welches 6, England, welches 5, Frankreich, welches 3, Wien, welches 3, Hamburg, Sachsen, Frankfurt, New-Kork, welche je 2 (Summa 8) und Baden, Weimar, Altenburg, Würtemberg, Baiern, Polen, Hannover, Tunis, Schweiz, welches« 1 Todesfall (Summa 9) lieferten." (Forts, f.)
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♦) Der Unterschied der Zahl der Todesfälle zwischen meiner Angabe and der sehr auS- auSslihrlichen Darstellung — „Die natürliche Bewegung der Bevölkerung in der Stadt Wiesbaden vom Jahre 1866, von Hofrath Weideubach, stehe Rheinischer Kurier" — hat wohl seine Erklärung in zugezählten Frühgeburten.
------SSitf von A. Gchellruverg.
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