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Dienstag

22, Zeptember 1914»

Morgen» Kusgabs.

Nr« 441. » 62. Jahrgang.

i Oer Seekrieg.

«etetf,! Zurückhaltung der englischen Flotte beruht auf d>r 8' über die man sich klar werden mutz, um ist s-r^^che Politik zu verstehen. Die englische Flotte »hf ; diel stärker als die unsrige. sie könntl es also " . entscheidenden Kampf ankommen lassen.

Aeschieht ba§ nicht? Warum bleiben die eng- igi, Linienschiffe in den Häfen? Man sollte meinen, it S" die britische Schlachtslotte mit dem Willen Mfeidung ausliese, sie wenigstens ein morali- kifi^^chivergewicht aus ihre Seite bringen würde. °ö-r fr ^ üiürde sich unsere Flotte zum Kampf stellen verließ es auch fernerhin ihren eigensten Er- d üoann sie selber den Zeitpunkt ztlm Schlagen j^uren wünscht. Im ersteren Falle brauchte Eng- vorweg damit zu rechnen, daß das Unter­st ausgehen müsse; im zwei-

^ sich vom englischen Stand- behaupten, daß die Deutschen tzi-i, ^ivagt hätten, die Herausforderung 'PtaafirtJ; 611 Wer sich Objektivität genug i« »! r l.F' der kann ruhig zugeben, daß Ästchen Aussichten die besseren sind;

!» vm? ber Tatsache ist nun einmal nicht ^iriao die gegnerische Flotte die

die Schissen und an Tonnenzahl

^^vrannung weit übertrifft, an

sogar um das Doppelte. Die

»Iso ni* 1 ;8feit der britischen Taktik muß X>ez,"sunde haben, die außerhalb der rein »iss^vchen Abwägung der Kräfteverhält- »ns^^gen. Solche Gründe sind auch :> kn 3it finden. Auf die Entschlietzun- W Islands drücken offenbar u. a. un- ^riogMischritte auf dem französischen dit ^pvauplatz. Die Engländer müssen ^chifen^.. ^ gut wie gesicherten Tatsache MsixO daß wir in absehbarer Zeit mit jt Kräften, namentlich artilleristischen.

.»Kiit ^ .und Boulogne stehen werden.

Gierig .. b>äre die Herrschaft Großbritan- ^icht den Kanal erschüttert, wenn Mt, ' blochen. Es kann also nicht ratsam Nl in Portsmouth liegende Flotte vstdssi ull^Isällen einer Seeschlacht in der wtjs^ uuszusetzon. Auch im Falle eines U ei« ® ee fieQe§ wäre die Gefahr groß,

A»tto f. e burch Len Kanal zurückkehrende ps dio r müßte zurückkehren, wenn M kälranzösische Küste besetzten) zu h'Wft:, urn uns an der Ausnutzung t um Kanal wirksam zu

v . .r.L . .. e.

«b^önis

Sorge für die englische Regierung sein müssen. Auch dies Moment also spricht für die Taktik der äußersten Behutsamkeit, die vielfach zum Staunen der Welt in London gewählt worden ist.

Welches die deutsche Aufgabe ist, darüber braucht -man nichts zu sagen, das fühlt und das weiß bei uns federmann instmktmäßig und mit kühl abwägendem Bewußtsein. Schon bas bloße Vorhandensein unserer Kriegsflotte bedeutet die fortgesetzte schwerste Bedrohung Großbritanniens, bedeutet, wie _ es der Augenschein lehrt, die Lahmlegung der englischen Flotte. Diesen Vorteil preiszugeben wird uns nicht einfallen. Unserer tapferen Marine mag es schwer genug ums Herz sein, wenn sie unsere Landheere von Sieg zu Sieg eilen sicht, wahrend sie selbst die schwere Kunst des Abwar­tens üben muß; aber zunächst ist ja noch nicht aller Tage Abend, und sodann weiß die Flotte auch, daß sie

England kann es nicht auf Einkommen lassen, seine Ver- Mllna .v Nordfrankreich durch Weg- it n um tr L CE Seestreitkräfte zu stören, f? doK f ö , er Truppentransporte willen, jv. bet r "gesetzt werden sollen, bedarf Wte . dauernden Konzentration seiner

«^ite

mden Konzentration seiner n der Südküste des

denn je bedarf man in diesen ernsten Zeiten | I I i des deutschen Schicksalskrieges einer gut und l | P ^ gediegen geleiteten Zeitung, die in der Pflege vaterländischer Gesinnung und Begeisterung ihre Hauptaufgabe sieht und ihre Leser über alle Vorgänge auf das schnellste und zuverlässigste unterrichtet. Eine solche modern geleitete und zuverlässig berichtende große Tageszeitung ist das zweimal täglich erscheinende

(Wiesbadener EaMatt.

Zur Ergänzung der amtlichen Berichte des Wolff'schen Telegraphen - Bureaus, auf das wir uns neben dem drahtlichen Dienst unserer eigenen Berliner Schristleitung in erster Linie stützen, haben wir für rasche und interessante Sonderberichte durch unsere Kriegsberichterstatter auf den Hauptkriegsschauplätzen Sorge getragen. m&<§*s><sw$mj§> Bestellungen auf dasWiesbadener Tagblatt" zum Preise von 70 Pf. monatlich und 2 M. vierteljährlich ausschließlich Bestellgebühr, werden jederzeit angenommen: im VerlagTagblatt-Haus", Langgasse 21 in der Zweigstelle Bismarckring 19, in den Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt, in den Zweig-Expeditionen der Nachbarorte und bei allen Postanstalten.

Der (Vertag.

also unsere

Reichs.

Position auf dem desto schwie-

fe; nmft Kriegsschauplatz verstärken, Desto scywce- iivMe sr> n ,.sr Ur England werden, den Kriegsschauplatz Jte 3U verlegen. Landkrieg und Seekrieg Ä-k und die sranzösisch-englischen Nie-

"du Schlachtfeldern Frankreichs und auch »ki ^ird ^'gleich Niederlagen der britischen Flotte; '^lit, big 7^ llanz erst herafisstellen, wenn wir, wie man n le Küste vorgedrungen sein werden, t,^ Dover aus mit guten Feldstechern

Ä' ^nn Z;veter-Mörser in Calais wird sichten kön- & 1 'vus im Effekt so sein, als ob deutsche aber°^ E ^Kveideküste gegenüber verankert sind.

L, manches andere wichtige Argument,

die |n Qrt ^ ern Zurückhaltung empfiehlt. Man «tfw.SK übev^o "v-gen für englische Expeditionsheere Ho§ ien. und wir tun es ja auch nicht, aber

Hiit'j^i§ Üch Hunderttausende für das Land-

v?vkreich geschafft werden soll, und so- .sich für die Flotte die Möglichkeit der ^anZung stm Falle des Bedarfs. Viel- ist immer da, nur daß er immer f e en wofern er überhaupt noch ge- ^ bek^nnf"^ Unseren Marinebehörden ist es 6et) QT .'Hotte ui "Vst das technische Personal der briti- tvpv^' wühsam auf der erforderlichen Höhe 'It xOEunn. Wir haben unerschöpfliche Nliitf ^ bie 1 f ltn l' ere Feinde haben sie nicht. Auch f . ob die gegenwärtig schwimmende

es vollbemannt ist. Nehmen wir

m ÄnimL^l 0 die Beschaffung des Ersatzes, die Qvtf n der Flotten unvermeidlich wer- ' a ile Fälle ein Gegenstand ernstester

unendlich viel tut, indem sie ihre ungeheure Kraft zu- sammenhält. Man muß iminer wieder sagen: der

Krieg hat ja Eigentlich erst begonnen, er kann noch viele wundersam überraschende Dinge bringen.

Unsere wirLschaftlichen Waffen.

O Berlin, 19. September.

Ein ganz ruchloses englisches Gesetz, das demnächst vom Parlament ^ angenommen werden wird, droht Zuchthans-strase bis zu 7 Jahren jedem Engländer an, der Zahlungen an denFeind" leistet. Etwas so Un­geheuerliches^ hat inan noch nicht erlebt. Auch in bar­barischen Zeiten wurde die Pflicht, geschäftliche Be­ziehungen vom Bereiche der kriegerischen Auseinander­setzung zu trennen, zum mindesten nicht ausdrücklich mißachtet; in der Regel wurde Wohl so Verfahren, wie es das englische Gesetz jetzt ausdrücklich festgelegt wissen »vill, aber eine gewisse Schanr bestand doch, die es ver­hindert, daß solche Niederträchtigkeiten mit der Würde gesetzlicher Bestimmungen umkleidet wurden. England zeigt mit jedem neuen Tage immer unverhüllter und immer frecher, daß es den Krieg als wirtschaftspolitische Ausrottungsmethode führen will; auf den Trümmern unseres Wirtschaftslebens soll die britische Geld- und Handclsherrschaft vollends erblühen. Die Engländer werden es sich selber zuzuschreiben haben, wenn wir ge­zwungen sein werden, ihnen auf Wegen zu folgen, die zu betreten uns ursprünglich völlig fernlag. Niemand bei uns war bis dahin auf den Gedanken gekommen, Zahlungsverbindlichkeiten^ durch einen Federstrich in der Weise zu tilgen, Laß ihre Erfüllung Zuchthausstrafe

nach sich ziehen sollte. Wer das ausgeklügelt hat, be­weist damit eine ans Feigheit, abgründiger Bosheit und auch teuflischer KlUlgheit so abstoßend gemischte Schlechtigkeit des Fühlens und Denkens, daß jede Un- nrenschlichkeit, die von unseren Feinden bisher gegen uns begangen worden ist, hiergegen verschwindet. Die von Fieberhitze geschüttelten Männer und Weiber in Belgien, deren Grausamkeiten gegen deutsche Verwun­dete zum Himmel schreien, tragen doch wenigstens ihre Haut zu Markte, aber die kalte Gemeinheit jenes eng­lischen Gesetzes kann begangen werden, ohne daß ihren Urhebern ^ auch nur Las geringste geschieht. Wenn unsere Gesetzgebung nirnmehr zu Gegenmaßregeln ge­nötigt sein wird, dann mag mancher bei uns das be­dauern, aber ^ es wird sich nicht ändern lassen. Der Bundesrat wird sich binnen kurzem mit diesen Dingen zu beschäftigen haben und voraussichllich wird er auf den groben Klotz eineir noch gröberen Keil setzen. Die Engländer wer­den zweifellos reiche Erfahrnrigen mit der an uns gerichteten Herausforderring machen, sie haben sie schon gemacht, aber das wird ein Kinderspiel sein gegen das, was ihnen noch bevorsteht. Wan kann es nicht nachdrücklich genug betonen, daß eines der größten und schönsten Ergebnisse des Krieges die mit elementarer Wucht und klarstem Verständnis durchgebrochene Ein- mütigkeit aller Träger unseres Wirtschafts­lebens in demEntschinß ist, den Wirtschasts- kamps ^ mit Großbritannien auszunehmen und nicht eher als mit der Bezwingung dieses tückischesten und gefährlichsten Feindes zu beendigen. Es handelt sich nicht bloß um den Entschluß, sondern es be­steht auch die Gewißheit, beruhend auf sorgfältigster Abschätzung der Kräfte hüben und drüben, daß wir in diesem Kampfe Sieger bleiben werden. Ein prachtvoller Parallelismus ist da zwischen der freudi­gen Zuverlsicht, die sich auf unsere Waffen­gewalt stützt, und der gleichen Sicherheit ans dem Gebiete des uriblutigen Krieges, der mit Len Waffen der wirtschaftlichen Kraft zu führen ist. Immer neue Zeug­nisse kommen dafür, Laß es uns besser geht als den Engländern, von den Fran­zosen und den Russen gar nicht erst zu reden. Wir verweisen u. a. auf die tvich- tigen fachnrännischen Ausführungen, die soeben der Direktor der Deutschen Bank, Herr v. Gwinner, in derTäglichen Rund­schau" veröffentlicht und die ein besonders klares Bild von der Sachlage geben. Wie sah es denn beim Kriegsbeginn aus? Während die englische Bank ihren Diskont auf 10 Prozent erhöhen mußte, ging der Satz in Berlin nicht über 6 Prozent. Die Noten der englischen Bank verloren vor­übergehend ihre Zahlkraft, die Mehrzahl der großen Londoner Akzeptsirmen war und ist noch heute notorisch zahlungsunfähig, die Liquidation der Börsengeschäfte in London harrt immer noch der Regulierung. Die Höhe der schwebenden Ge­schäfte an der Londoner Börse wird von den dortigen Blättern aus mehr als drei Milliarden geschätzt. Um diese verwickelte Maschinerie einigermaßen in Gang zu halten, mußte durch ein Notgesetz ein allgemeiner Zahlungsaufschub verordnet werden. Bei uns war das nicht nötig. Die englische Regierung mußte sogar gegenüber der Bank von England sämtliche Diskont­wechsel garantieren. Herr v. Gwinner hebt den wich­tigen Umstand hervor, daß von unserem Güterumsatz der vierte oder der fünfte Teil auf den Außenhandel entfällt, während für England das Verhältnis das umgekehrte ist. Unsere Volkswirtschaft beruht in erster Linie aus dem großen inneren Markt; wir erzeugen im Lande über Neunzehntel unseres Brotbedarfs, da­gegen kann England ohne ausländische Zufuhren keine sechs Wochen das Leben fristen, leidet also unter der Unterbindung des Weltverkehrs um so viel schwerer als wir. Herr v. Gwinner schreibt den inhaltsreichen Sab nieder:Deutschland kann im äußersten Notfall auf seinen gesamten Welthandel verzichten, England kann es nicht." Der Welthandel ist aber infolge dieses ungeheuren Krieges für England gegenwärtig gerade­so gut vernichtet tote für uns. Es genügt nicht, daß englische Schiffe immer noch und gewiß unter geringe­ren Gefahren als die unsrigen ausgehen und ankom­men, sondern entscheidend ist, daß die halbe Welt durch die Krisen auf allen europäischen Märkten so in der Aufnahmefähigkeit geschwächt worden ist, daß zahlungs­fähige Wnehmer von Waren zurzeit nur in sehr be­schränktem Maße noch vorhanden sind. Sieht man