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Russischer Gottesdienst,

Kapellenstraße 17.

Samstag Abend um 7 Uhr.

_______Sonntag Morgen um 10 Uhr in der großen Kapelle.______________

Die Rache des Spaniers.

(Fortsetzung an- Nr. 109.)

So konnten ungefähr zwei Stunden vergangen sein, als der alte Gaucho erwachte, sich dehnte, die Lampe nahm, zu mir trat und mir in daS Gesicht leuchtete. Nachdem ec die Lampe wieder an ihre Stelle gesetzt hatte, schüttelte er Teobaldo, deutete ihm durch Zeichen an, daß ich schlafe und ging mit ihm aus der Hütte hinaus. Ich horchte einen Augenblick gespannt auf das lang­same und gemessene Athmen der Bewohner der Hütte stand, dann geräuschlos auf und schlich nach der Thüre zu. Der Mond stand beinahe im Zenith, zum Glück verbarg mich aber ganz der Schatten des Hauses. Ich sah mich ringsum, tonnte aber nichts Besonderes erblicke». Bald jedoch vernahm ich zwei Stimmen in dem Corral und erkannte leicht die des alten Gaucho und jene des Sohnes desselben; da sie aber hinter den Pfählen sich befanden, konnte ich sie selbst nicht sehen.

„Nun, Sennor," sagte Teobaldo, „Ihr habt mir erklärt, wie und warum dieser Fremde in unsere Hütte gekommen ist, voto a Dios, der Knabe, der ihn hierher gebracht hat, wird es mit mir zu thun haben. Aber Ihr habt mit noch nicht bewiesen, daß er nach seiner Rückkunft nach Buenos Ayres uns den Behörde« nicht anzeigen, uns die Ehre des Galgens nicht verschaffen könnte. Ihr habt seine Unruhe bemerkt, in die ihn der Anblick des Ringes der Donna Luisa versetzte. Er ist ein Spion, es läßt sich nicht zweifeln. Beim Himmel, Sennor, er soll mit der Klinge meines Messers Bekanntschaft machen."

„Ehe das Messer, das ihn tödten soll, ihn berührt," antwortete der alte Gaucho, „muß es mich durchbohren. Ich habe ihm Gastfreundschaft gewährt, und die hat ein Gaucho in Ehren zu halten."

„Dios meo!“ unterbrach in Teobaldo, „die wahre Liebe fängt bei sich selbst an. Ihr werdet, Sennor, hoffentlich Euer Leben und das meinige solchen kindischen Scrupeln nicht opfern wollen!"

„Teobaldo!" entgegnete der Alte kurz und schroff, „ich werde in meinem Hause nach meinem Willen handeln und damit Punktum. Dieser Fremde hat an meine Thüre geklopft, krank und ohne böse Absicht; seine Anwesenheit hier ist rein zufällig und er kann also unmöglich ein Spion sein."

„Wohl! Wohl!" antwortete rasch der junge Jäger, „aber das Mädchen?"

„Das Mädchen," entgegnete der Alte, „das Mädchen, daS Du liebst, wie Du sagst, ist Deine Cousine. Du erschrickst? Ja, sie ist Deine Cousine, hörst Du? Sie ist die Tochter meines Bruders, sie ist meine Nichte. Ich habe Dir oftmals die Geschichte der Ungerechtigkeit erzählt, deren Opfer wir, meine Mutter und ich, in der alten Welt geworden sind. Du weißt, wie die schmachvolle Behandlung, die mir widerfuhr, mich aus dem väterlichen Hause vertrieben hat; Du hast von der Wunde gehört, die ich in der Sierra Mo- reua empfing, und von der fast wunderbaren Heilung, die ich der Pflege und Aufopferung meiner Gefährten verdankte. Der Vater unserer Gefangenen trägt die Schuld, daß ich die Erbschaft verlor, welche mir von Rechtswegen zukam. Seiner Mutter wegen wurde meine Mutter entehrt und Gott verfluche mich, wenn ich sie nicht räche. Jetzt bin ich, statt mit Ehren und Reichthümern überhäuft zu fein, ein Verbannter, ein Bettler, ein Bastard, und Du — Du bist der Sohn eines solchen Mannes. Jetzt achte auf das, was ich Dir zu sagen habe. Dieses junge Mädchen ist der Abgott ESchiverraS, er liebt sie wie seinen Augapfel; er wird kein Opfer scheuen, um sie wieder zu erhalten,