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_ Morgen-Ausg. bis 8 Ubr nachmittags. Berliner Redaktion des Wtesbadcner Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf. Güntzclstr. 66. Fcrnspr.: Amt Uhland 450 u. 4SI.

21 , September- 1914.

Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewäbr übernommen.

Abend-Ausgabe.

Nr, 440. * 62. Jahrgang.

französische widerstand an der Marne.

» (Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

günstiger lauten die Nachrichten, die von -»nIiaas Ringen in dem Räume Zwischen Oise und ^ Schlacht werden, immer mehr nähert sich die

^eise n l 7 re . r Entscheidung; in beinahe dramatischer E ,tIi 0 cnt totcfelt sich die kriegerische Handlung: Snil» onnar ^ ) der deutschen Heere, die auf (<%n erwarteten hartnäckigen Widerstand

?!>ckiaoL Zurücknahme des rechten Flügels hart- ^Wiipn s ^ a ^ en * 3cr kann eingenommenen Front > eihrpr öe * dagegen gerichteten feindlichen Angriffe ssdez negreiche Teilerfolge Zusammenbrechen

ji<f)e Ce p nrofeen feindlichen Dnrchbruchsversnches

Hinn ^o^gehen des eigenen Zentrums E r -

r---

Mffftn fpt, r i l ket feindlichen Widerstandskraft. Und Meta no . c ^ ka§' Moment, die allgemeine

^ach Offensive auf der ganzen Schlachtfront.

bisherigen Entwicklung ist nicht daran zu i'Qfj ja' hwses Endziel b ald erreicht werden und - u n st lchließliche Entscheidung zu u n s e r e n Mia ausfallen wird. Die Lage ist durchaus ^tiftiap ' te bat sich im Verlauf der letzten Tage immer Ui Mn ?Ealtct und berechtigt mit voller Zuversicht (.% o f le ^ e Übertreibung zu den besten Hoffnungen. Mki^wngs nur gemeldet werden konnte, daß die ^ Reifer .Angriffsversuche abgeschlagen wurden, sei $ ^tetpttr Üch liegen einen Flügel oder gegen die Front i n cit, lm 7 1° sind jetzt die positiven Erfolge zu verzeich-

«It Cn ^ owar nicht nur einzelne Teilerfolge an verein- Mtsj^. Üen, sondern auf der ganzen Mitte. In der daß dieselangsam aber sicher'

iflS^en^ 0 ! ÜCIB . ore,eiangiam aber ) ich er" il "«rnnnt, liegt die große Bedeutung der letzten jt v!hf« v . kl Und bGr Retneis des arnfcpn SCnrffrffrtffoa Sm*

und der Beweis des großen Fortschrittes 'der

,jst Wen Knackige und zähe Widerstand, den die Frau- !s»eq «er Marne geleistet haben, hat aus den und zkgr^I^rraschend gewirkt. Nach dem ersten schnellen ^ Vorgehen der deutschen Heere war man auf ^tet I°;5 < ; n langen Widerstand nicht überall vorbc- s? Man hat sich vielfach gefragt, weshalb

>eo?ZUlsmäßig so leicht war, die französischen snFütfrw 11 £ er ersten Zeit des Krieges zu schlagen und 5>iwr® Gr f und woraus ihr späterer hartnäckiger S»i[ Surückzuführen ist. Der Grund liegt vor- ^N p s zOarm, düst die französischen Führer durch die h* Üfi l'es deutschen Vormarsches vollkom-

i Elle) ^ a s ch t wurden. Sie hatten darauf ge- °Iq^ daß ...

' dieser durch die belgischen Festungen A i fl h a lten würde, bis sie die notwcndi-

Mke ^sifwaßregeln zum Schutz ihrer nördlichen t> 1 hätten. Das wurde ihnen unmög-

und so trat sic der deutsche Angriff in ungünst'gen Lage.

Ihre Flanke war dem

Angriff überlegener Kräfte ausgesetzt. Eine Änderung der ungünstigen strategischen Verhältnisse ließ sich im Norden nicht mehr herbeisühren. Das geschah erst, als die geschlagener-. Armeen in südlicher Richtung zurück­gingen.

. In der allgemeinen Front P a r i s - V e r d u n glückte es, alle französischen Truppen zu vereinigen und sie zu neuem Widerstande zrr organisieren. Die einge­nommene Front entsprach auch besser dem Kräftemaß. Ter sich cntsvinnende Kampf war zum größten Teil ein frontaler Kampf, bei dem es den deutschen Truppen nicht schon durch den Anmarsch möglich war, die französische Flanke zu fassen. Die Franzosen hatten sich von ihrer ersten Überraschung erholt. Die Festun­gen auf beiden Flügeln sicherten ihre Flanke gegen Um­fassungen. Ihre operative Ausnutzung gestattete so­gar. offensiv gegen den rechten deutschen Flügel vorzu­gehen.

Es entstand nun ein mehrtägiges, hartnäckiges Ringen, in das allniählich alle vorhandenen Kräfte cin- griffen lind das zum größten Teil frontal geführt wurde. Ani 6. Septenibcr erfolgte der französische Ausfall aus Paris und der Vorstoß der französisch-eng­lischen Kräfte gegen die Linie Meaux-Montmirail, der siegreich abgeschlagen wurde. Am 14. September wurde der erste große abgewiesene frontale Durchbruchsversuch der Franzosen gemeldet, am 15. September die Aus- dchnnng der Schlacht bis nach Verdun berichtet und auch heute noch ist keine Entscheid n n g gefallen. Schon daraus läßt sich erkennen, wie groß noch die W i d e r st a n d s k r a f t der Franzosen gewesen ist und wie tapfer und hartnäckig sie sich fetzt ge­wehrt haben. Wir haben cs mit einem kampfträftigen und kampftüchtigen Gegner zu tun, dessen Überwindung sehr schwierig ist.

Mit desto größerer Freude und Befriedigung wer­den aber auch die letzten Nachrichten äufgenommcn werden, daß die deutschen Truppen erhebliche Fort­schritte gemacht haben, und daß eine für die deutschen Waffen günstige Entscheidung zu erwa rten ist. V. 8.

Die schweren Rümpfe im westen.

Fortschritte an einzelnen Stellen.

TV. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Sept., abends. (Amtlich.) Im Angriff gegen das französisch- englische Heer sind an einzelnen Stellen Fortschritte gemacht worden. R e i m s liegt in der Kampfesfront der Franzosen. Gezwungen, das Feuer zu erwidern, beklagen wir, daß die Stadt dadurch Schaden nimmt. Anweisung zur möglichsten Schonung der Kathedrale ist gegeben.

In den m i t t l c r c n V o g e s e n ftitb Angriffe französischer Truppen am Dono n, bei Sen on es und bei Saales abgcwicsen.

Auf dem östlichen Kriegsschanplah heute keine Ereignisse.

Militärische Verrrteilung Lee Lage im Westen.

W. T.-B. Berlin, 21. Sept. Zur militärischen Lage wird imBerl. Lok.-Anz." von einem militärischen Mitarbeiter geschrieben: Wie aus den Mitteilungen des

Großen Hauptquartiers hcrvorgeht, war das französische Vordringen bereits in den letzten Tagen erlahmt. Jetzt sehen wir den langen bewegungslosen Kampf plötzlich zum P o s i t i o n s k a m p f werden, wie wir ihn in den Gefechten am Liaofluß und bei Mulden gesehen haben oder im Balkan­krieg an der Tschataldschalinie. Die Richtigkeit dieser Aus­legung geht umso deutlicher daraus hervor, daß französische und deutsche Meldungen in gleicher Weise bei dem Gegner die Stärke der Erdwälle betonen. Bei einem Angriff auf derartige Stellungen ist zunächst notwendig, eine schlechte Stellung ausfilidig zu machen. Was nun die Stellung der beiden Armeen anbelangt, so ist die der deutschen Armee am günstigsten. Ünsere rückwärtigen Verbindungen sind bis zu dem Punkte verkürzt worden, der es lnöglick/' macht, unser R i es e n h e e r mit allen für das Leben ilnd den Kampf nötigen Mitteln zu versehen. Dieses Gefühl der materiellen Sicherheit ist von unermeßlichem Einflüsse. In den langhingezogenen Kämpfen sind unsere Stellungen außerdem auch von strate­gischen Gesichtspunkten vorteilhaft. Der Feind hat jetzt zwei Flüsse hinter sich. Flüsse im Rücken haben solange nichts zu sagen, bis man sich seiner Erfolge sicher fühlt. Sie üben aber einen höchst beunruhigenden Einfluß aus, sobald das Gefühl der Sicherheit ins Wanken kommt. Daß dieses aber in dem französischen Heere der Fall ist, kann nach der U in st i m m u n g in der französischen Presse nicht bezweifelt werden. Wird die französische Armee nun durch die deutsche Armee zum Abzug uach Paris gezwungen, so müssen sie unter den Augen und unter den Geschützmün­dungen des von neuem mit Verstärkungen belebten Gegners die A i s n e und Marne passieren. Beide Flüsse sind durch anhaltenden Regen im Steigen be­griffen. So ist denn die Aussicht der französischen langen Heeressäulen, die Brücken passieren zu müssen, eine Ans- sichl, die wahrhaft für iie n i ch t erfreulich ist. (Vergl. Letzte Drahtberichte.)

Geständnisse und Besorgnisse des Reuterbureaus.

lick. Haog, 20. Sept. Der heutige Rcntcrbericht über die ' Schlacht an der Aisnc gibt endlich zu, daß nian nicht länger von einem deutschen Rückzugsgefecht sprechen dürfe. Der Bericht gibt auch die enormen deutschen Stel­lungen zu und legt der französischen Heeresleitung eine Bedrohung der deutschen Verbindungslinie nahe, anstatt Frontangriffe auf die deutschen Stellungen zu unter­nehmen. Bei St. Quentin und Tergnier hätten die Eng- l ä n der am Donnerstag arge Verluste erlitten.

Eine holländische Betrachtung der Kämpfe an der Maas.

ück. Rotterdam, 19. Sept. In cilier Erörterung der Lage in Frankreich kommtNicuwe Nottcrdamsche Courant" zu dem Schluß, daß die Deutschen nicht, wie französische und englische Quellen glauben machen wollen, standhalten, um

^ Berliner Lheaterkrief.

Irisch ^ Echteren Bühnen wollen, wenn auch etwas 1 $ i»itz den «piegel Vorhalten. Und wenn es auch

ist, so wollen sie doch wenigstens, um ein tzüsl. zu brauchen,Bilder vom Tage"

i Vf dersF °^°dienhaus, das vor zwei Jahren, in beinahe firr, ne - r Vergangenheit, mit einem StückAnno Oh u nb Int PEbt's nun Anno heut, Mobilmachung

ftllf" S sich dar als ein VolksstückEs braust

nJfcie L b n H°ns-Gaus.

(bonm Situationen dieses Augusts, die Mobil- Wird ' Cr tn ^ cn Nahmen einer Kleinstadtstimmung Vi, .8ubebz^ 8«nrehaften und anekdotischen Szenen mit sich.ft^itsbx^,.-, Kriegstrauung, Parteiausgleichung,

MT 8etaV r« U - U ® dorgeführt. Man sieht hier die ein- i n M^i^(srichtungen dieser Gegenwart deutlich ^ir, ft>ip bon lebenden Bildern, begleitet von einem 2LitzvaV 011 ^ in der Wirklichkeit jetzt ist, zwischen n. ^Rührung schwankt.

H h.^iniick, be 'l?(' eTl Naturen mag solche Schaustellung Vtt 5 , ( 5n jefet zRit ihrem kritischen tsimi empfinden sie, ft>d >,p steq» , lneder tatkräftig wirksam sein müßteauf , sw e ®Wfji et ..: e s r ^ als untauglich schamhaft verkriechen Kt? i-n 5tf "bbse Zeit verschlafen".

^ Urgti-g^ ^ ater, rm Spiel, in bequemen Öffcntlichkeits- ^.^".erlandsgesinnung zu betätigen, ist ihnen ? d»illst ^Alen es da wie mit der Religion, wenn daz V.llehe in dein Kämmerlein, und das ist in i'n kj."' b PerIein desinneren Menschen".

> 1 ?, die Fgm dazu sucht die Mehrzahl jetzt die Ge- öWr h e " Zusammenklang; in den Stun-

j-- und mehr noch jetzt, wo Ungewißheit

Ventisp ^ngt. Und diese Mehr-

b ft>ucht Befreiung.

^ 3 ]n r '( r i passiver Aussprache ist's, wenn sie gange vor sich anschaulich gemacht sieht, ein

Bildnis und Gleichnis, und durchaus echter Trieb aus ihrer Wesensanlage heraus zwingt sie, mit einzustimmen, wenn die Figuren der vorgestellten Wlirklichkeit oben auf der Bühne die alten, wieder neu und dauerhaft gewordenen herzhaften Lieder singen.

Etwas im guten Sinne Naives und Kindhaftes steckt darin, und diese Seite hat gewiß heute Recht, wenn man auch die andere mit ihrem schweren, beklommeneren Einsamkeits­sinn nichtkühl und nüchtern" oder wohl gar mit ganz miß- grsisenem Wortblasiert" nennen darf.

Notwendiger scheint jene Mehrzahl jedenfalls und auch produktiver. Sie ermöglicht es wirtschaftlich den Theatern, ihren Betrieb weiterzuführen, und sie gibt den Schallspielern, über derenschönen Schein" undheitere Kunst" die eiserne Tatsache des ernsten Lebens schwer heroingebrochen, die tröst­liche Zuversicht, daß sie in diesen Lausten doch nicht ganz existenzunberechtigt dastehen und daß sie auch im anspruchs­losen SpielAuszug und abgekürzte Chronik des Zeitalters" bleiben, schaffende Vermittler vonSchicksal und Anteil".

»

Diese Überlegungen kamen mir, weil ich immerfort an Viktor Arnold denken mußte, den großen tragischen Humo­risten der Reinhardt-Bühnen, der, abseits vom Krieg, doch sein Opfer ward und auf der Strecke der Zeit blieb. Arme zer­brechliche Kunstlerseele, die so oft die rührende Hilflosigkeit der Einfältigen zum Ausdruck gebracht und die jammervolle Trost­losigkeit auf dem Hintergrund äußerer Komik und die Not des Herzens hinter der Grimasse. Nun rannte ihn der schwer­wuchtige Siebcnmeilenstiefcl des Weltkampfs über den Haufen. Seine Nerven gerieten aus den Fugen. Er muß sich wohl in jedem Sinne wertlos und lebensunfähig vorgekommen sein und sich in der Zerrüttung seines inneren Haushalts so be­droht gefühlt haben, daß er, geängstet, einezertretene Kreatur Gottes", aus dieser Qual der Unerträglichkeiten, freiwillig fluchtete. Mit Reinhardt und seinem Werk war er seit den erstenSchall- und Rauch"-Nbenden den Urzellen des Deutschen Theaters verbunden. Sein Name soll nicht Schall und Rauch werden. Felix Poppender §.

Römaliche Schauspiele.

Samstag, 19. September:Wallensteins Lager". Sinfonische Dichtung von Friedrich Smetana. Hierauf: ncueinstudiert:Wallenstcins Lager". Ein dramatisches Ge­dicht in einem Aufzug von Friedrich v. S ch i l le r. Hierauf: Militärmarsch von Franz « ch u b c r t. Hierauf zum ersten­mal:Wörth". 1870er Kviegsszenen von Georg v. O m p t e d a. Hierauf: Ouvertüre zuEgmont" von L. v a n B ee t ho v e n. Zum Schluß:Rütli-Szene" ausWilhelm Tell".

Am Samstagabend ivechsclten Musik und Dichtung har­monisch miteinander ab. Nach smetanas sinfonischer Dich- tilngWallensteins Lager" gelangte nach zehnjähriger Pause Schillers dramatisches GedichtWallensteins Lager" zur Auf­führung. Gewiß vielen eine willkommene Gabe! Regisseur, Maler und Dekorateur sorgten für einen stimmungsvollen Rahmen und ein buntes Lagerleben. Nicht alle wuvden den Versen Schillers gerecht. Ich vermißte Herrn Schwab mit seiner schönen Sprechtechnik, der in klassischen Rollen ein so edles Maß zu halten weiß. Herr Z o l li n war ein kraftvoller wallonischer Kürassier. Er versteht es, die Worte zur Geltung zu bringen. Allerdings ließ er sich von seinem reichen Organ dazu verleiten, dieses gleich zu Anfang voll ausströmen zu lassen, und so blieb ihm nur wenig Steigerung. Herr A n d r i a n o gab den Kapuziner in seiner feinkomischen Art, Herr Albert spielte den ersten holkischen Jäger frisch umd forsch, und sehr fesch war Frau Doppelbauer als Marketenderin.

Im dritten Teil des Abends, in derRütli-Szene", hatte Herr Z o l l i n als Werner Stauffacher noch einmal Gelegen­heit, seine reichen Gaben zu entfalten. Doch auch da ging er nicht haushälterisch genug mit seinem Organ um, das, allzu straff gespannt, an Wohlklang einbüßt. Trotzdem ist sein Stauffacher eine prächtige Leistung, einfach und großzügig. Die Herren A n d r i a n o, L e g a l, R o d i u s, Al b e r t und Lehr man n wären da noch zu erwähnen. Herrlich wirkten die Dekorationen, geradezu weihevoll die ersten rotglühenden Sonnenstrahlen auf den Schneebcrgen, eine Begleitung zu den Worten des Dichters, wie man sie nicht schöner wünschen kann.