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bvnnt

ag» 20. September 1914.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 439. * 62. Jahrgang.

j£ e _ . Der Krieg.

englischer Seeoffizier über die Tätigkeit er deutschen und englischen Flotte.

$ 5 » Erfreuliche Eingeständnisse. Ncff,S tb “ m ' 19 - Sept. (Eig. Drahtbericht) Die Ales dns Err Gazette" veröffentlicht aus der Feder ieit dot s Seeoffiziers einen Artikel, der die Tätig­et der "^.ehen und englischen Flotte vergleicht. Er

M sx-^^glischen Flotte natürlich volle Bewunderung, ['‘ftfjen !Cy 6‘) I[ fiiut", von der Untätigkeit der eng- 4ki„« 41t [hrprfieit. dlfinflp

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SU sprechen. Allerdings hätte England !?ae,i >, - ' . b 'e „tolle Husarenstück e" aus- Mn,/. "le einzelne deutsche Schiffe sie mit großem

«.-Mn ;>>, *’ v ***i**J t »rvi-r.»

bisa .^"ttelmcer und im Ozean vollbracht haben, uirfjt C ^ E Erfolg der deutsche n Flotte liege

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-- st ui btcfcn kleinen Unternehmungen, sondern -- geheimnisvollen Wirken. Eug-

hatte eine Anzahl von deutschen Schiffen . r i,„h Flotte hat deutsche Schiffe in den

. l"hen; das sind aber alles sichtbare Bor- l denen Ursache und Wirkung klar zutage >e deutsche Flotte arbeitet mit geheimnisvollen

) ^cr ane wohl re:

Hll « s tt Erkling fühlen.

?u § e - j u ruhig über die See, plötzlich bersten sie ° " b e x und sind verschwunden! Wir °?lcn h,!? m - cr ,. mtr r>on Seemincn, alle Anzeichen aber hm, daß die U n t c r s c c ü o o t s f l o 11 c

SinT hc \ °n der Arbeit ist. England ist un-

.

fuffc» %‘tcu zeigen Deutschland als Meiste r. Die l k' rl n blestm Kampfe sozusagen die Feucr- affen : Lallen, sind vorderhand fast ausschließlich zu ^°°"ersöl„ E - 11 llchland s, geworden. Der große

Unsere Schiffe fahren die See, plötzlich berst und sind verschwunden! Wir >cr nur von Seel

sges;;

Stui.^.^rrtn des Meeres, was nützt das aber, wenn qs stfh zum Herrn des Meeresgrundes Kampf unter der See und der Kampf oben

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i* ;• ^ninüc m -, brr aehcimnisvollen Tätigkeit der dent- \ba§ -Unulttel trägt nun aber die Nervosität !?Ä'lh das H-cr und in die Marine. Fm

Att N^anicle 7 sagt der bekannte englische Schrift- daß im gegenwärtigen Kriege aller Dor- ,Ak>bx .ach.nur die Luftflotte entscheidend wirkt. Da ip dann i ■ ? VS ac Tatsache, daß Deutsch- ' ^ ’ 1 zweifellos Beberrscher dös Lnfthceres

?? seine Flieger leisteten, sei das Groß-

-klsste

i i. „ . " den, a r ö ß t c n K r i e g c. den die s/'^ckien ^/ehen Hai. Alles, was die französischen und «cf, Flieger dagegen leisteten, sei Kinder-

n 0 !n DstfranÄreich.

^ Erörtern^' ^s' ^t. (Eig. Drahtbericht) Bei der Lage Frankreichs kommt der " e ams che Courant" zu dem .Schluß, daß

die Deutschen, nicht wie die französischen und englischen Stellen glauben machen wollen, standhalten, um den Ruckzug auf die Maas zu decken, .sondern um ihre Offensive fortzusetzen, zumal das deutsche Zentrum schon vorrücke. Entscheidend sei die Frage, welcher von beiden Gegnern über die größten Verstärkungen verfüge und diese baldigst einsetzen könne.

Wie ein weiteres Telegramm aus Rotterdam mel­det, entnimmt das Londoner Blatt „S t a r" dem Schreiben eines englischen Offiziers in Ost­srankreich folgenden Passus: „Wenn man die Verluste der vielen Kämpfe zusammenzählt, sieht man, daß ein furchtbares Gemetzel angerichtet ist. Die fran­zösische Artillerie ist kr deutschen in ihrer Wir­kung nicht gewachsen,' denn die schweren Krupp­schen Hanbitzen sind die schrecklichsten todesverbreitenden Kriegsmaschinen, die je erfunden worden sind.

Jntrrcssante Aufschlüsse über die englische KriegSlust.

T.-B. Rom, 19. Sepr. (Nichtamtlich.) „Giornale d'Jtalia" bringt ein Interview mit dem Senator Grafen Di San Martina, der von einer Reise durch England und Frankreich zurückgekehrt ist, ans dem folgende Sätze beson­ders interessant sind: Am 23. IM hat ein Diner stattge-

funden, an dem G r e y Goschen und der frühere Staats­minister Morrey teilnahmen. Grey hat dabei geäußert, daß er die Vorgänge in Irland gar nicht vergleiche mit dem Kon­flikt, der Europa drohe. Ladv Morrey, eine eifrige Par­teigängerin für Ulster, sprach über die Schwierigkeiten in Irland und sagte, niemand sei gewillt, nachzugcben, deshalb wäre auch die Konferenz beim König vergeblich gewesen. Der Kampf wird täglich heftiger, wir stehen vor einem Bürger­krieg. Ich sehe nur erneu Ausweg, nur ein Krieg gegen Deutschland kann noch alle wieder einigen.

Englische und französische Kriegsschiffe an der albanischen und österreichischen Küste.

W.T.-B. Mailand, 19. Sept. (Nichtamtlich.) Der „Corriere della Sera" meldet aus Bari: Mehrere eng­lische und französische Kriegsschiffe liegen vor D u r a z z o, andere vor Eattaro in Blockadestellung.

Eine Reise Pichvns nach Italien.

$ Rotterdam, 19. Sept. (Eig. Drahtbericht) Nach einer Meldung des „Excelsior" aus Paris soll der frühere französische Minister des Äußern Pichon beab­sichtigen, zu pclrtischen Besprechungen nach Rom zu fahren.

Ein Armeebefehl des Generals Dankl an feine heldenmütige Armee.

W. T.-B. Wien, 19. Sept. (Nichtamtlich.) Der Armee­kommandant Dankl hat ain 14. September einen Arinecbe- fehl erlassen, in dem es heißt. Die brabe erste Arniee hat eine außerordentlich schwierige Operation glänzend er­ledigt. Bei Krasnik und vor Lublin habt Ihr die Russen entscheidend geschlagen. Dann habt Ihr zwei

Wochen hindurch ^ bei Tag und Nacht mit einem in f e st u n g s ä h n I i ch e r Stellung stehenden Feind gekämpft und seine ungezählten Angriffe stets erfolgreich abgewiesen. Nachdem die Russen sich täglich verstärkt und schließlich mindestens doppelt so stark lvaren, als wir, stellten wir unsere Angriffe freiwillig ein, um Schulter an Schulter mit unseren übrigen Armeen weiter zu kämpfen. Auch der Marsch durch Sümpfe und Wälder stellte ungeheuere An­forderungen an Euch, aber auch diese Sache gelang, dank Euerer Ausdauer und Zähigkeit. Die Russen haben kaum gewagt, unseren Marsch zu stören. Und so steht denn die erste Armee heute in dem ihr befohlenen Raum. Ich danke allen Angehörigen meiner h e l d e n m ü ti g e n ersten Armee für das, was sie bisher in jever Richtung Her­vorragendes geleistet hat. Der Krieg hat bisher große An­forderungen gestellt, «ie locrden auch in Zukunft nicht klein sein, aber Ihr Soldaten der ersten Armee werdet sie alle standhaft und erfolgreich überwinden zum Wöhle des Vaterlandes und zum Ruhme unseres erhabenen Kaisers und Königs.

Wo aber der Geist des fferrn ist. öa ist Ireiheit!

Von Pfarrer Fritz Philipp!.

Das ist die Offenbarung des Kriegs: wir erleben des Geistes Wirklichkeit! Und wir erleben diesen Geist als einen erhebenden, befreienden Geist! Die Lügenmäuler unserer Feinde geben als Parole aus, cs gelte von der Tyrannei des germanischen. Mili­tarismus die Völker zu befreien. Im Bündnis mit der russischen Unkultur will das auf einen Weltkrieg doch nicht geschäftsmäßig eingeübte England den deut­schen „Despotismus" überwältigen.

Wir wissen, was wir erlebt haben, und zeugen da­von. Wohl uns, daß wir das Volk in Waffen sind! Säßen die Engländer jetzt an unserem geographischen Platz, sie wären verloren. Sie, die nie die Heimat verteidigt gegen einbrechende Feinde, sondern^ fremde Schwerter sich dienstbar machten, der­weil sie sich die knöchernen Hände wärmten am Herd­feuer. Wir aber führen bei aller Kampfbegeisterung den Krieg nicht um des Krieges willen. Der Krieg ist nicht Selbstzweck. Wir führen Krieg u m d e s Frie­dens willen. Unser oberster Zweck ist nicht Unter­jochung fremder Völker, sondern Freiheit. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, so können wir Hin­weisen mitten im Kriegslärm auf zwei menschliche Dokumente von seltener Art. Die Veröffentlichung des Reichskanzlers und der flammende Protest des Kaisers im Namen der Menschlichkeit gegen die Bestialität und den Blutwahnsinn unserer Feinde. Die Feinde selber müssen offenbaren, daß der Sieg der deutschen Waffen den Sieg der Menschenwürde bedeutet. Wir führen einen Befreiungskrieg.

Damar 1914.

Soldatenlied.

^Use: Ein Fähnrich zog z: radibumsvallera, juck Graf Moltke zog zu Felde,

Gros ^dtbumsvallera, juchheira Mol ke .zog zu Felde, 5 )n J iS ranf ? cic ^ ^ollt' er ’nein! seinem Felde schönes Jungsräulein.

Fbr'n-Ä'orn Stirnband kränzte. An i ba§ ^aune Haar,

ftnfr* r > nb erglänzten

nf E'ienrmglein klar.

“»SeÄ -«->»-» ■

Er ft, et f e Üch vor ihr.

-Schönt fcinen Sitten:

^ 0n riraue, tanzt mit mir!"

E rnit euch tanzen

Thm war ’T h > B s ^ Wr - Bald kommt ^ a “r r bcr Schanzen, ^ r°mn.t er übers Meer!"

^rang übern Rasen: ^rompete/^i; deutsches Blut, "^Lir dien' mufet blasen: ötenen dem Kaiser gut!"

.Vergibt ^ I eft umfassen: , .

Sch An' M E? -r-ch führ'.

Du schz^^uch nimmer lassen,

^ m sie Frau Namur."

^ Seih' e Kanonen klangen . . . 'D'e Nin„? b Wald zur Stund'. Und S e ! n aKe sprangen

len in grünen Grund.

Der Kranz fiel auf die Schtmzen . .

Von ihrer Stirn so bleich.

Das war ein wildes Tanzen;

Hurra, du Deutsches Reich!

Da neigte sich mit Sitten Vor .ihr der deutsche Graf:

„Und tu ich wied'rum bitten.

So schlagt mirs nimmer ab."

G u st a v E s k u ch e.

Und die Givcken werden wieder läuten.

Von E. Herwarth von Bittcnfcld (Wiesbaden).

Bis an das Schmerzenslager des jungen Weibes drang der Jubel herein.

Paris, tas^ tolle ^wahnsinnige Paris, die Stadt uner­hörten lasterhaften Prunkes und grauenvollen unmensch­lichen Blutdurstes, war gefallen. Hell kündeten in den letzten Januartageu des Jahres 1871 die Siegesglocken dem aup- atmenden Deutschland den Niederbruch der alternden Buhlerin, die, zum dritten Male während des Jahrhunderts, gezwungen ward, ihre in der Nacktheit ekel gewordenen, kunstvoll verhüllten welkenden Reize vor hellen, in Gesund­heit und Jugend blitzenden Augen zu enthüllen.

Jn^ seiner ersten Stunde begrüßten dieselben Glocken das kleine Menjchleln, daß es den feierlichen Klängen zu lauschen schien, als wolle es mit seinen großen verwunderten Augen einen Blick hineinwerfen in das ihm noch verschleierte wirre Leben der Wejen gleich ihm.

„Armes Bübchen , murmelte leise die Wärterin

vor sich hin.

Da regte sich die junge Mutter und die Alte fuhr zu- sanimen.

„Ist er auch tot?"

Unheimlich ruhig fielen die Worte von den bleichen Lrpven des jungen Weibes. Doch die Alte in ihrer Verwir­

rung fand keine Antwort. Noch immer jauchzte der eherne Schall der hundert Glockeir durch die Lüfte. Er machte die Stille de§ Zimmers lastend und unerträglich.

„Wo?"

Der eine schwere Laut übertönte das Singen. Die Alte schluchzte laut heraus.

„Wo — ?"

Gebieterisch fast heischte zum zweitenmal die Frage, der keine Erwiderung ward.

Die Alte wußte es nicht. Wußte nur, daß hinter dem Namen des jungen Husarenleutnants, der vor Jahresfrist kaum ihre glückliche blonde Herrin heimgeführt, vier Buch­staben gestanden hatten: „beim". Die andere Liste, in der ihr Vater, der General, schon vor zwei Wochen aufgeführt gewesen war, hatte nur ein Zeichen genannt „t.". Seit drei Tagen schlummerte der in der Familiengruft, wohin man ihil übergeführt. Und als die letzten Schollen ans der Hand der Tochter auf den prunkenden Sarg dumpf aufgeschlagen waren, hatte das junge nngeborenc Wesen begonnen zum Lichte zu drängen, hatte drei Tage lang um den Willen zum Leben gerungen und den Kampf gewonnen durch den unge­brochenen Mut derer, die ihm das Dasein schenkte.

Schwerfällig und stumm wendete sich daS Antlitz des jungen Weibes zur Wand. Stundenlang verharrte sie so in scheinbarer Erstarrung und Teilnahmlosigkeit. Doch die Ge­danken, die ihr gemartertes und dennoch uilgetrübtes Hirn verworren erst und dann immer klarer und -immer sicherer durcheilten, verdichteten sich zu festen Ansichten, zu unver­rückbaren Entschlüssen fiir das Leben ihres Kindes. Er wenigstens, der Sohn, sollte ihr bleiben für immer. Über seinem Haupte sollte nickst an trügerischem Haar das stets geschliffene mitleidslose Kriegsschwert schweben, bereit, blind­wütend herabzusausen und auch das letzte, was ihr allein noch geblieben, zu zerschmettern. Und was sie damals sich gelobt, fest und unerschütterlich, hatte sie zur Wahrheit ent­stehen lassen mit der Arbelt ihres ganzen Lebens — bis heute.

Immer wieder kehrten in diesen wirren Tagen des August die Erinnerungen der jetzt 65jährigen Frau zurück zu den kurzen grausam zerstörten Monden ihres seligen Liebes-