wöchentlich
Verlag Langgasse 21
e* „ „Tagblatt-Haus".
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12 Ausgaben.
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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
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3 Uhr nachmittags.
18- LsNtember 1914.
Morgen» Kusgabe.
Lagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Nr. 435 , * 62. Jahrgang.
Unfere größte Kufgabe.
Hkh Kraucht sie nicht erst zu nennen, jedem Deut- U e j. 11 ins Bewußtsein eingehämmert. Sie heißt: !l,s»f b.r 3 wingung Englands. Für uns ist tz 5 ,“• itiidöt mehr die Quelle von Gefahren, die % f ^ornichtung bedrohen, und was Rußland belli 2- -? biird es schon seinen Denkzettel bekommen, liss^ für lange Jahre zu seinem Heil wird merken IjJ' ^.^anz anders stehen wir England gegenüber. S&t ^.^aatswesen muß so bezivnngen werden, daß Äch ^ Lust v e r.g e.h t, seinen unverschämten An- 'ü N Ä Weltherrschaft noch einnral anzumelden. ^ 816?°» ■ tiefer Aufgabe sind wir uns alle bewußt, Euen Urteilsfähigen, der sie leicht nehmen ij) jjV Die Stunde ist noch nicht gekommen, in der k- e uns vom L>chicksal zugewiesene wclt- Mission, die sich in unserem Kampfe gegen feilt, 1an nien darstellt, anders als mit An- !tz k! e n sprechen ließe, aber einige Hinweise
!r möglich. Als kürzlich die „Kreuzztg." schrieb,
i °.B w das Herz der britischen Weltmacht werde E>er Ostsee und nicht in der Nordsee,
S ei, * bon Eer ganz anderen Stelle geführt »r,konnte Las Blatt, das in dieser besonderen mng als unterrichtet gelten kann, das also Füh- :"! lt Maßgebenden Kreisen hat, kaum voraussetzen, Leser verstehen werde, was gemeint war. !>H.Tj müssen uns zurückhalten und können hier- Wdarüber aussagen, auf welchen Punkt die an en Andeutungen hllnzielten. Aber es wird !i»k ;“ Ue§ zur rechten Zeit klar werden. Wir möchten sM .urer wieder betonen, daß der Krieg mit Eng- ?§c>ig ntlich erst in seinen: Vordere i tun.gs- steht, daß weitangelegte Operationen, bei *Mo tn 5 f ^cht allein auf unsere eigenen Kampfmittel t er ^ ^argsam und ohne Rücksicht aus die Un- öe t öffentlichen Meinung eingeleitet werden «it s/..^as denn auch zweifellos ges chi eh t. 'si hsÄsiiten in diesem Zusammenhänge die Frage ^en Erwägung stellen, ob der Kreis der Teil- r ob a ” ^ cm Weltkriege wirklich schon beschlossen ist, uicht noch neue Partner an dom ungeheuren
M 0 t Ql } dem Weltkriege wirklich schon beschlossen ist, noch neue Partner an dom imgeheuren NaL nuf den Plan treten werden. Es wird an Stellen, ans die sich gegenwärtig die Auf- h nicht sonderlich richtet, mit Elser gerüstet.
der Krieg gegen England mit der äußersten B ^snannung geführt werde, ist es notwendig, daß . zn dieser alles wagenden Energie alle x; " unseres Volkes, alle seine Berussstände, aber b >t,„^^ienden Stellen durchaus erftillt. Eine Zeit-
^ es scheinen, als sei das nicht bis auf bei: Jjeti der Fall: heute darf man mit Genugtuung Rte^^.löd,er Zweifel geschwunden ist. Es ist von pl>i,n."gNchtigkeit, zu wissen, daß die berufenen fii’W ^ a g e r unseres W i rts ch a ft s leb «n s, ^ ^ "den Kreise unserer Hochfinanz und un-
^ie Wege nach Paris.
HI.
» m Lille-Amiens.
I? tei t ; ^eralstabswerk über den Krieg von l 914, von ÜB» Bulgen Jahren dieselbe sachliche, klare Darstel-
l> bi e cv c ^ to a£tetr' dürfen, die das in aller Welt gerühmte Unten ivon 1866 und 1870/71 auszeichnete, wird bxAez: z, cn unerwartetsten Episoden des deutschen Auf- äa> Illen ^.o^unkreich die fast widerstandslose Übergabe des ^^ aufzählen. Die große Eingangspforte loht Wett 7 ;°^ sich dem vom Generalobersten v. Kluck tlbfc ti fcfie m 1 t ™ En Heere. Gäbe es noch eine groß- de^dkz, statt des vlämisch-wallonischen Ein-
Sf* tD Kr, f , [ , r r C * )a§ markgräsliche Löwenbanner, das unter QiW.^ ©qixc err ^ a ^ über den heute belgischen und ft 0 r.°‘lälett n " Mehen begann und lange mit dem bur- tj. ,, der deutschen Kaiserkrone beschirmt wurde, 'ü>t^er . fH»tr ,!, n Q ^ e§ ' ruhmvolles Goldtuch entfalten.
^titr.'^tn nennen, ist so reichlich vom franzö-
Brs^stsiutu Luncht, daß die alte Verwandtschaft mit dem fteiÄ hat. m er ^dherfläche kaum noch Kennzeichen zurück- ^>>,^h'hen <g t;i Ur üum Beschauen einiger im gefälligen I"6en j,, ..^tchteter Bauten, vor allem aber beim {tifft ° n Art tipjf. ^olkspsyche entdeckt man, daß Art nicht
„sprich Reissei), wie alle Vlämen und Hob
^ ^ Tf PttV. Ctt -tf4- fr» v*n-tr£»Ti rf» 1-»r>rvt rl-
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auf 6 ^ - man den französischen Firnis weg, A . l eine dicke Kruste unverwüstlicher nieder U " b derben “ ' ' '
. ^ "der Lebensfreude —
i^'sck,?' ""d, Teniers ausmnlten.
.? tzu, " Grxn,.^ .„.^ourcoing, das Städtedreieck an der
Humors, harter Arbeitskraft
1 ,, % 18, StanJ ® e ’? eil äfreube — so wie sie im Genre °c-ws!e. «j “"8 Hals »nh ^niora
c «iss ^tenap Ta u ' ay L-laoleoretecr an Der
Und B' ''s,industriellem Fleiß, an Volksdichte. Äf l tei der französisches Exempel. Die Ver-
-„Nebst „L^'ch'eber und Schützen, Gildefahnen und ^ E rstä„j,° Schmaus, dafür findet sich nur
- Doch abgesehen von dem Sprachen-
serer I n d u st r i e, die leitenden Personen unserer H a n d e l s s ch i f f a h r t, kurz alles, was nroralisch wie materiell für das Gedeihen unserer Volkswirtschaft verantwortlich ist, unbedingt auf dem Boden der Überzeugung stehen, es dürfe Englmrd gegenüber körn Schwanken geben, jede noch so große augenblickliche Erschwerung der wirtschaftlichen Lage müsse hingenoin- men werden und dürfe den Entschluß, das große Ziel zu erreichen, auch nicht einen Augenblick beirren. Es ist uns rni besonderen bekannt, daß die gesamte Kaufmannschaft von Hamburg .und B r e m e n, die unter der Wirkung des Krieges naturgemäß doch zunächst und nicht wenig leidet, den Kampf mit Großbritannien bis zum herrlichen Ende, d. h. bis zur Z e r t r ü m m e- r u n g der englischen V o r m a ch t s st e l I u n g zur See, Lurchzuführen bereit und entschlossen ist. Gerade aus den Hansestädten kommen die wichtigsten Kundgebungen, die Kaiser und Reichskanzler in der Gewißheit bestärken können, daß die Regierung die gesamte Nation einschließlich der leitenden Schichten des Wirtschaftslebens hinter sich haben wird, wenn sie diesen Krieg so führt, wie er allein geführt werden soll nnid muß, als einen Entscheidungskrieg.
Manche Beurteiler hatten gemeint, manchen Stellen innerhalb der Regierung dieselbe Festigkeit der Entschlußkraft erst zutrauen zu sollen, wenn Beweise dafür vvrlägen. Gleichgültig, ob diese Zweifel berechtigt .waren oder nicht, jedenfalls sind auch sie jetzt hinfällig geworden. Sie sind es geworden, nachdem der Reichskanzler in seiner Kundgebung an die Adresse der amerikanischen Zeitimgen über England und auch Rußland mit so schöner Deutlichkeit alles Notwendige gesagt hat, daß wir wirklich darauf vertrauen dürfen, es werde kein Zagen und kein Schwanken mehr geben. Vollends die Erklärung des Reichskanzlers an das Dänische Telegraphenbureau zur Antwort auf die letzte Rode des englischen Premierministers atmet Len unbeuglsamen Willen zur Abrechnung mit Großbritannien. Wenn ein deutscher Staatsmann von England als dem VeMindeten Rußlands und Japan gegen uns schreibt, daß es mit einer in der Weltgeschichte einzig dastehenden Verblendung die Zivilisation verraten und die Sache der Freiheit der europäischen Staaten und Völker dem deutschen Schwerte zur W a h r u n g übertragen habe, so kann es von solchen Worten kein Zurück mohr geben, sondern hinter ihnen kann einzig der Entschluß stehen, einen so niederträchtigen Feind auf die Knie zu zwingen. Nein, wir fürchten nicht mehr, daß die Federn der Diplomaten verderben könnten, was das Schwert uns errungen hat und noch erringen wird.
Deshalb sei auch mit mildem Verzeihen über manches hinweggegangen, was eine Zeitlang eine gewisse Beunruhigung verursachen konnte, so z. B. über die Äußerung des Herrn v. Jag ow zum britischeu Botschafter, daß sich die Berliner Bevölkerung unauslöschlich .befleckt habe, als ein paar Fensterscheiben in
der britischen Botschaft eingeschlagen wurden. Du .liaber Gott! Diese fünf oder sechs Fensterscheiben! Aber wir wollen nicht weiter darüber roden, das gehört ja der Vergangenheit an, und jetzt heißt es: In Staub mit allen Feinden Deutschlands, besonders aber mit den Herren Engländern!
Die Lage irre Westen.
Keine überschwenglichen Hoffnungen in Paris.
A Rotterdam, 17. Sept. (Eig. Drahtbericht) Aus Pariser amtlichen Mitteilungen geht hervor, daß die verbündeten englischen und französischen Armeen vom 13. bis 16. September nicht vorgerückt sind. Die offiziellen französischen Berichte warnen vor übereiltem Optimismus. Trotzdem haben sich bereits P o i n c a r 6 und der Zar irr schwungvollen Telegrammen beglückwünscht. — Sehr zurückhaltend schreibt der „Temps" über die militärische Lage. Man darf nicht glauben, daß mit dem Rückzug der Deutschen alles entschieden ist. Die Deutschen werden den Kampf fortsetzen bis ans den letzten Mann. Dabei haben die Deutschen den Vorteil, gegen die Grenzen des eigenen Landes znrückzügehen, wo sie inzwischen mit neuen Mannschaften und Zufuhren versehen werden. Unsere Truppen müssen den Deutschen in Gebiete folgen, die sie seihst vertu ü st c t haben, um den Deutschen ihr Vorrücken zu erschweren. Dazu kommt, daß unsere Truppen ganz erschöpft von einem 2Ütägigcn Marsche und Kampf sind. Wir dürfen uns daher nicht allzugroße Hoffnungen machen über die Kämpfe, die nun bcvorstehen.
Deutsche Flieger über Paris.
bck. Malmö, 17. Sept. „Sydsvensla Dagb-lad" erfährt aus Paris: Drei deutsche Tauben flogen gestern nachmittag über Paris. Sie wurden von Maschinengewehren beschossen, ohne' jedoch Schaden zu leiden. Mehrere Personen wurden durch Bombenwürfe lebensgefährlich verletzt, einiige sind von Kugeln, die den Fliegern galten, getötet worden. Eine dieser Kus^ln siel gestern in den Hof des schwedischen Gesanidtschafts- gebäudes.
über die Negeeiuvasion in Frankreich.
Q Rom, 17. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der Kriegs- korrespondent B a r z r n i gibt im „Corriere della Sera" ein Bild von der Negerinvasion, welche zurzeit Paris überflute. Hinter den seltsamen kostmnierten schwarzen Regimentern kommen endlose Reihen von schwer beladenen Lastkamelen und überschwemmen die Boulevards. Es sei ein Schauspiel !vie im alten Rom, welches ebenfalls seine Barbareulegionen gegen den Feind aufbot.
Von den öfterrerchischen Rriegsschanplätzen.
W- T.-B. Budapest, 17. Sept. (Ungarisches Korrespondenzbureau. Nichtamtlich.) Nach den Berichten von unterrichteter Seite ergriffen die Truppen gegen Serbien die Offensive, die mit entsprechendem Erfolg fortschreitet. — Was die Nordarmee au der galizischen Grenze betrifft, ist nach übereinstimmenden Berichten der Geist der Truppen vorzüglich. Die Truppen sind von dem Be
reit im Küstenstrich um Dünkirchen (Dunkerque), wo wohl noch 150 000 Fischer und Bauern ein unverfälschtes Vlämisch sprechen, und vom übel vermischten Volksplatt rings um Rhssel, ist die Umgangssprache nicht nur der gebildeten, sondern auch der mittleren Klassen das offiziell geforderte Französisch. Alljährlich wirft Belgien hier Tausende neuer Arbeitskräfte auf den Boden der Republik, die sich ihrer mehr oder minder großen germanischen Zugehörigkeit alsbald zu entkleiden haben und der entvölkerten Nation neue Lebenskräfte zuführen. Wird der diesmal wieder mit Waffengeklirr stürmende völkergeschichtliche „Drang nach Westen" den andauernden arischen Menschenverlust zugunsten des Latei- nertums ein Ende machen und dem unauftaltsamen Vorschub seine Verbindung mit den deutschen Stämmen wahren? Werden Grenzen vorgeschoben werden, die unbekümmert um allerlei Gefühlsweh den dünnen Firnis im dickeren Blut auflösen helfen? . Beim Kanonendonnern vernimmt man noch nicht diese Stimme der Zukunft . . .
Die dritte. Route nach Paris (weniger direkt wie über Manbeuge, Saint-Quentin, Compitzgne und die zweite über Mszitzres-Reims-Laon) wurde nach der Schlacht von Saint- - Quentin, die zum südlichen Rückzug des französisch-englischen linken Hcerflügels zwang, beinahe im Sturmschritt überwunden. Hinter Lille gab es keine großen Festungen mehr — Arras, Amiens, Beauvais sind nur mehr Friedensund Kunst-, nicht mehr Kriegsstätten wie einst ■— erst im Bannkreis der Hauptstadt konnte das geschlagene französische Heer wieder auf den Rückhalt starker Festungswerke zählen. Wo der Bürgermeister von Lille nach dem eiligen Abzug der Besatzung gar so höflich um Schonung der. Stadt nach Brüsseler Muster bat, brauchten die Haubitzen nicht zugleich mit den in den ^achtziger Jahren gebauten und seitdem verbesserten Außenforts sowie der als Meisterstück Vaubans geltenden fünfeckigen Zitadelle die üppigen Baudenkmäler zu bedrohen. Lille und insbesondere Roubaix wie Tourcoing sind mit ihrer im Mittelalter blühenden Tuchindustrie erneut erst seit fünfzig, sechzig Jahren in den Bevölkerungs- zisscrn (225 000, 125 000 und 85 000) stark in die Höhe ge
gangen — sie erhielten nach den spanischen und englischen Einfällen nicht allzu viel kunstvoll Steinernes aus der Zeit ihrer von den Burgunder Herzogen verliehenen Privilegien, kaum ein paar „Donjons" von den Befestigungsmauern.
Selbst die Kirchen datieren nicht so weit zurück. St. Mauricius im spätgotischen Flammenstil, begonnen im 14. Jahrhundert, sah sich im 17. und 19. von Grund auf umgemodelt. Der schöne Spitzenturm gleicht an Eleganz dem hohen Säulengang des inneren Hauptschiffs; St. Andreas, St. Katherina u. a. entstanden um 1700 und zeichnen sich, um von der übermächtig 1854 begonnenen Basilika Notre- Dame nicht zu reden, vor allem durch die wertvollen Gemälde vlämischer Meister aus — die gesamte niederländische bildende Kunst ist reich in dieseni wallonischen Teil Flanderns vertreten.
Nur unsere Feldgrauen des Nachschubs werden, wenn französische und englische Vorstöße endgültig abgeschlagen sind, Muße besitzen, in das auch äußerlich prunkende, allzu prunkende Palais des Beaux-Arts, einen jungen Riesenbau, einzudringen und in dem „zweiten Louvre" Frankreichs die vielen Rubens, van Dycks,. Hals' Brouwers, Jordaens, Ruisdaels, Snyders, Ostades, ^Teniers usw., dann aber auch berühmte Holbeins, Goyas, Clouets, Watteaus und Corots zu bewundern. Ein flandrisches Museum gliedert sich an und beweist mit seinen alten Aushängeschildern, Gildebannern, Münzen und Pergamenten, daß neben der Wolle-, Leinen-, Tüll- und Spitzen-Spinnerei und Weberei, die heute rund eine Million Spindeln laufen läßt, auch die Eisenbearbeitung, Seifensiederei und noch andere Gewerbe hier seit langem Quellen des Reichtums waren.
Das reizvollste Bauwerk flandrischer Architektur ist die von Destrs im 17. Jahrhundert erbaute Börse mit Karia- tiden, Girlanden, Medaillons, Säulchen und Frontälschmuck sowie einem Loggienhof voller berühmter Büsten. Auch das Stadthaus hat einzelne interessante Teile aus der Zeit Ludwigs XV. und steht auf dem Platze des Palasts der Herzöge von Burgund. Ein Triumphbogen, beinahe so hoch wie der, den sich Napoleon auf dem Pariser Steniplatz errichten ließ,
