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-? c< ^33. Dmnrerstaa. IV. September 1S14
87 le 100 Mark der gezeichneten Summe sind nur Kffirf,. i ß u össhlen. Wer sich bei Zeichnung der Anleihe ver- 19l? ert Sugeteilten Betrag nicht vor dem 15. April au rJt l ® er äut>erlcmf.en und in das Reichsschuldbuch eiutragen nur 97,30 M. für je 109 M. zu zahlen. r le Zahlung des Betrags hat erst zum S. Oktober zu dier L ^ el ; Ehr als 1000 M. gezeichnet hat, braucht nur au™ 6i§ 3U diesem Tag einzuzahlen, drei Zehntel sind
j, er CltoBer und die restlichen drei Zehntel bis 28. Novem-
miro-'i ntneI ^ uri S£n für die Zeichnung aus die Kriegs- sn ; Jf? n nehmen alle öffentlichen Sparkassen, die 1 )»bankstellen und jbie Seehandlung, sowie alle Banken und 8"gen^ nuch die Lebensversicherungsgesellschaften ent-
x^.? u§ seinen Einlagen bei öffentlichen Spar- bip to 6n ^ ann ibber Sparer ohne Kündigung den für Bezahlung der Anleihe erforderlichen Betrag überweisen. ^ die meisten Sparkassen 3, 3 y z oder höchstens 4 Prozent ß[„•!?, ist der Zinsgenu ß aus der Kriegsanleihe bei
^oher Sicherheit ein ungleich höherer, da 5 Prozent ge- aaytt werden.
g ® er ein vaterländisches Opfer bringen will, kann feine r;, ° ^ ^ b e r s i ch e r u n g s po l i c e beleihen, was gewöhn- gegen einen Zinssatz von 8 Prozent erfolgt, und dafür Kriegsanleihe kaufen.
da ? er Wertpapiere liegen hat, kann sie bei der Kriegs- ^ .Mskasse beleihen, um Gelder zum Erwerb der Kriegs reihe flüssig zu machen. Da der Beleihungssatz für solche oiT”-!; die zum Zweck der Einzahlung auf die Kriegs- ' leihen genommen werden, bis zum 1. April 1916 auf 6 Pro- ° m ermäßigt ist, so ist für die möglicherweise nur für kurze «ert notwendige Beleihung das Opfer nur gering.
^ Vor allem aber heraus mit den vorhandenen, oft nur aus .? st versteckten Barbeträgen. Die deutschen ^affenerfolge haben gezeigt, daß wir uns auf unser Heer ver- ^nnen. An uns liegt es, daß auch in finanzieller Hin- >"ht keine Sorge uns befallen kann.
Die Zeichnungen müssen bis zum 19. September erfolgen.
Wieder ein französisches Lob der deutschen Truppen. Einen bemerkenswerten Brief veröffentlicht der „Temps" wn 6. September über das korrekte Verhalten der putschen Truppen in Nordsrankreich. Staatsrat 'Douver (Rouen), der die betreffenden Gebiete in amt« *cher Eigenschaft bereist hat, beklagt den überstürzten Ab- °.ll g der Zivilbevölkerung von Rouen. Er erklärt, daß sich (l-aten der Deutschen, wie sie aus Belgien gemeldet wurden, lls Norden von Frankreich nicht ereignet hätten. Es wurden ^ne Gebäude angefteckt und alle Requisitionen von Fleisch, «rot usw. wurden bar bezahlt. Als der Verkäufer eines osthrradgeschäfts nicht anwesend war, nahmen die Deutschen ^ nötigen drei Fahrräder erst, nachdem sie den Bürger- ^erster ausgesucht und diesem eine Quittung darüber über- »eben hatten. Scharf gingen die Deutschen nur in Häusern deren Besitzer sich entfernt hatten, denn sie suchten überall Proviant und werden nur zornig, wenn man ihnen '°lchen verheimlicht oder verweigert. Herr Gouver befugt zusammensassend, er müsse anerkennen, daß er in der °llnzen großen Gegend, die er bereist habe, keine Klagen der "^bölkerung über die Deutschen gehört habe.
Ein deutsches Fliegerstückchen.
p, . Ein hübsches Beispiel für den unverzagten Mut und die ^i/tesgegenwart unserer deutschen Flieger, die bisher schon ? .große Erfolge aufzuweisen hatten, gibt die „Nordd. Allg. ^üung" mit der Erzählung eines jungen Offiziers, der ^genwärtig in Berlin weilt.
»Wir hatten", so erzählt er, „einen Erkundungs- I^ug auszuführen, der trotz feindlichen Feuers bisher tadel- verlaufen war. Über zwei Stunden waren wir schon in ? Luft gewesen und hatten unsere Aufgabe erledigt. Da, r,lva 18 bis 20 Kilometer von unserem Quartier entfernt, ?ugt plötzlich der Motor unregelmäßig an zu laufen. Der ’ n "r Zylinder setzte ganz aus, und ich muß, so wenig angenehm ?sch die Geschichte war, Tiefensteuer geben. In einem langen, O?Sl'-chst flachen Gleitslug, um das unter uns liegende Ter- nach etwa dort stehenden feindlichen Abteilungen gu_ er- f^ben, kamen wir dem Boden näher und setzten auf einer A°nen, ebenen Wiese, etwa 400 Möter von einem belgischen entfernt, aus den Boden auf. Schon während des Llb-
lrkenmaien geschmückt sind. Der Ort, in dein am ver- Menen Tage der Straßenkampf gewütet hatte, ist zum »erstört. Fast alle Häuser sind mit Gewehrschüssen wie .. w'ckt. Das Tor der Kaserne der Gendarmerie Nationale ob v** iLeilhieben aufgesprcngt. Es hat den Anschein, als ledes einzelne Haus hat erstürmt werden müssen. ,gl steiler Höhe thront über dem Orte ein weltentrücktes bte 6äube ' halb Kirche, halb Burg. Auch dorthin haben lchoff 8<m öer Schlacht emporgeschlagen. Ein Anbau ist zer- q»-ven und seine Trümmer rinnen wie aus einem Korbe schüttet den Abhang herab.
bild v Montfaucon sah ich dann das großartigste Kriegs-
°as ich bisher erlebt habe. Der Ort liegt auf einem Hügel, umgeben von Obst- und Gemüsegärten, über- ^waeb ^ flanken Turm seiner alten Kirche. Die ganze viem„ " 0 war von ausruhenden und biwakierenden Regi- bequ„^? belegt, die es sich im Schatten der Obstbäume so habe n * 0ema ^ t hatten, wie es der Kriegsmann im Felds fcheiub^^' Montfaucon, das den Hintergrund zu diesen 8tojLn?L T? friedlichen Manöverszenen bildete, brannte ^req ny? ’ n lichterlohen Flammen von den Kämpfen her. Noch (-^ltelpunkt es am Tage zuvor gewesen war. Immer neue Regimenter und Kolonnen auf dem Borgen Q e öert Wejten durch den brennenden Flecken. Auf sNgu aber und in den weiter obliegenden Gärten sah
l^Neru ^W'vrende Patrouillen, welche die über den Lageren ^ ^haglich brodelnden Feldkessel zu versorgen hatten. C ’ n ’8ui? to * c e§ nur ein großer Maler in der Ber
yllen (l - öer eindrucksvollen Gesamtstimmung und der reiz- v)uß^ Übelheiten auf die Leinwand bannen könnte. Ich lvie dieser wirklichen Kriegsszene daran denken,
doch alle Theaterkunst ist! Wer das unter Östren -?^ensäulen prasselnde Montfaucon, umlagert von Km:,. Negern, gesehen hat, dem wird der Geschmack für mit denen der Bühnenregiffeur den Ernst ^husch^., Erlebnisse durch leimfarbenbekleckste Kulissen vor- ' versucht, vielleicht für immer vergangen sein, ^borheb„/r^^mtdilde fast verschwindenden, mir aber doch ,,ütest^^ ^Eert erscheinenden kleinen Zug möchte ich noch die vor Montfaucon standen, kam gerade eine
tarierenden Regimenter bestimmte Feldpost an.
. Wissbadrnsr TaMatt.
stieges hatten wir die Revolver gelockert und sprangen dann, mit der Waffe in der Faust, zu Boden. Ein Blick auf den Motor zeigte, daß die Zündkerzen des ersten Zylinders verölt waren und ersetzt werden mußten. Da wurde es aber auch in dem vorher still und friedlich daliegenden Dorfe lebendig, und die Bevölkerung, mit Flinten bewaffnet, eilte auf unS zu. Mein Begleiter entsicherte die Waffen und zwang mit vorgehaltenem Revolver die aus etwa dreißig Köpfen bestehende Bande, in einiger Entfernung von dem Flugzeuge stehen zu bleiben. Ich lief ihm zu Hilfe, und es gelang uns, den Ortsvorsteher zu fassen und als Geisel in das Flugzeug zu setzen. Wir drohten den Kerlen, daß ihr Oberhaupt verloren sei, wenn sie etwa feindselige Absichten äußern sollten. Inzwischen gelang es mir, die Zündkerzen schnell auszuwechseln, und der Motor brummte wieder. Nun war nur die Frage, wie wir, ohne beschossen zu werden, vom Boden abkommen könnten. Schließlich nahm ich Platz, mein Beobachter schwang sich zu dem an allen Gliedern zitternden und seinen Dorfgenossen beschwörende Gesten machenden Ortsvorsteher, und zwei Sekunden später rollte die Maschine über den Boden. Trotz der Mehrbelastung kamen wir glatt ab u^, ohne einen Schuß zu erhalten, landeten wir zehn Minuten später an unserem Bestimmungsort, von wo aus der Belgier die Heimkehr zu F u ß antreten mußte."
Die Besetzung von Neu-Guinea durch die Engländer.
Die „Köln. Zeitung" meldet von der holländischen Grenze, 14. Sept. In London machte gestern der Kolonial- minister bekannt: Es ist ein Telegramm des Admirals Patteh, des Befehlshabers der australischen Marine, angekommcn, worin mitgeteilt wird, daß heute morgen die Stadt Herbertshöhe im Bismarckarchipel, Sitz des Gouverneurs von Deutsch-Neuguinea, besetzt worden ist. Der Feind' war nicht darauf vorbereitet, bot jedoch kräftigen Wider- st a n d. Die Funkenstation wurde vernichtet, und die Briten mußten 7 Kilometer durch den Busch Vordringen, wo an verschiedenen Punkten Minen gelegt waren. Der deutsche Kommandant (Gouverneur) ergab sich. Ein englischer Kapitänleutnant, ein Leutnant und zwei Matrosen wurden getötet, drei Matrosen verwundet. Zwei deutsche Offiziere, zwei Unteroffiziere, dreißig einheimische Polizeisoldaten (die Kolonie hat keine andere als eine Polizeitruppe) wurden kriegsgefangen gemacht.
Conan Doyle und die Minengefahr.
tzä. London, 16. Sept. (Auf Umweg.) Die Minengefahr in der Nordsee beschäftigt die englische Presse noch fortgesetzt. Im Sprechsaal der Zeitungen werden täglich gute Ratschläge gegeben, wie man den Minen am besten begegnen kann. Conan, Doyle, der bekannte Detektiv-Novellenschreiber, der geistige Vater Sherlock Holmes, bringt in Anregung, einen Apparat zu bauen, der vor den Schiffen herschwimmen und die feindlichen Minen zur Explosion bringt. In einer seiner Novellen dürfte sich diese Erfindung zweifelsohne als sehr erfolgreich darstellen lassen, in der Wirklichkeit dagegen wird wohl auch der Minenabwehrer, Modell Sherlock Holmes, sich nicht einführen lassen.
Bon den „Heldentaten" der englischen Flotte.
chß Rom, 16. Sept. (Elg. Dvahtbericht) Londoner Blätter teilen mit: Die englische Flotte erschien vor Helgoland und versuchte alles, um die deutsche Flotte zum Verlassen ihrer sicheren Ankerplätze zu verlocken. Sie ließ sogar die Sirenen erschallen, um den Deutschen ihre Anwesenheit kundzugeben. Groß war die-Enttäuschung der Engländer, als die Deutschen in keinerlei Weise reagierten.
Weitere Opfer der Kämpfe.
$ Berlin, 16. Sept. Vor dem Feind gefallen ist der Major Freiherr v. Wangenheim, Kommandeur des Reserve- Feldartill-erie-Regiments Nr. 17, der Führer der Leib- kompagn^ie im Kaiser-AlexandLr-Garde-Grenadier-Regiment, Oberleutnant v. Kaltenborn-Stachau, zwei Mitglieder der Familie v. Puttkamer, der Leutnant im Kolbergischen Grenadier-Regiment Jskow v. Puttkamer und der Referendar und Reserveunteroffizier Gustav v. Puttkamer, ein Sohn des verstorbenen sächsischen Staatsministers, der Oberleutnant Graf Adolf v. Hohenthal, der Berliner Landrichter Reserve- leutnant Fürbringer, ein Sohn des Emdener Oberbürgermeisters a. D. und Landtagsabgeordneten.
Kriegsauszeichnungen.
Dem Oberstleutnant und Regimentskommandeur
Müller, dem Major und Abteilungskommandeur
Drei flinke Kraftwagen, jeder von Feldpostbeamten begleitet, die den rasch von allen Seiten herbeieilenden Ordonnanzen Säcke voll Briefen und Stapel von jubelnd begrüßten Paketen aushändigten. Ich hätte gewünscht, daß die Angehörigen in der Heimat die Freude hätten sehen können, die ihre Grüße und Liebeszeichen ihren im Felde liegenden Jungen bereiteten. Mir erschien das wundervoll, daß die Feldpost den so rasch vorrückenden Truppen bis hierher, fast bis unter die Geschütze der belagerten Festung Verdun, zu folgen vermochte. Aber die Feldpostbeamten.erklärten mir, daß sie noch viel weiter wollten, bis an die Front unserer den geschlagenen Feind verfolgenden Vorhut. Schon war hier ihre Arbeit erledrgt. Die Dlotoren setzen ein, eine Staubwolke wirbelt auf und westwärts entschwinden die drei Feldpostkraftwagen, gefolgt von tausend guten Wünschen und der Dankbarkeit aller, denen sie Heimatgrüße gebracht haben.
Hinter Montfaucon kam ich dann zum-ersten Male in ein unaufgeräumtes Schlachtfeld, das noch fast alle Schrecken der Kämpfe zeigte, die hier am Tage zuvor gewütet haben. Montfaucon und Septsarges, das nächste Dorf, Namen, die vielleicht keiner von ihnen jemals gehört hat, sie sind für viele der letzte Markstein des Lebens geworden, für Deutsche und Franzosen. Die Franzosen lagen noch unbestattet da, wo sie die Kugel dahingerafft batte. Es wird vielleicht in einem späteren Kriegsbriefe Gelegenheit sein, sich über die unfaßbare Nervenschule Rechenschaft zu geben, die man aus den Schlachtfeldern durchmacht; wie rasch sich die Aufnahme, fähigkeit, das^ Empfindungsvermögen den gehäuften Schrecken anpassen. Ein Toter, den man am Wege findet, was ist das sonst für ein nachhaltiges, die innerste Seele ergreifendes Ereignis! Hier sind die Toten an allen Wegen ausgestreut, und schon ertapvt man sich dabei, daß das Auge nicht mehr zuerst das starre Antlitz sucht, um in des Mitmenschen Zügen zu lesen, ob er schwer gelitten hat, ehe sein Dasein ausgelöscht wurde, sondern dieses ursprünglichste Mitgefühl tritt zurück gegen die Beffiedigung des praktischen Wissens:^ Welcher Waffe gehören die toten Feinde an, wie viel Regimenter haben hier gekämpft, sind es mobile Soldaten gewesen oder haben die Franzosen hier bereits ihre Landwehr verwendet, haben unsere Leute hier im Nahkamps gestanden, haben sie gut geschossen — diese und ähnliche
Morgen-AuZgav e, 1. Matt.
J Schneider, dem Hauptmann und Batteriechef von B o m h a r d und dem Wachtmeister T r ö b l i g e r, alle im 12. Feldartillerie-Regiment, wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen.
Berlin, 18. Sept. Der Oberbürgermeffter von Schöne- berg, D o m i n i c u s, der zu Anfang des Feldzugs aus dem westlichen Kriegsschauplatz leicht verwundet wurde, sich aber nach kurzer Zeit wieder zmu Heer begeben konnte und dann eine schwere Verwundung davontrug, ist jetzt durch Berlethung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worden.
lieber die Norbereitungen unserer Kriegsflotte
veröffentlicht der sozialdemokratische Reichstags- a b g e o r d n e t e N o s k e in mehreren sozialdemokratischen Blättern einen Bericht, dem die „Nordd. Mg. Ztg." folgendes entnimmt:
„Die verfügbare dienstfähige Mannschaft ist weit zahlreicher, als berechnet war, die Abgänge an Reservisten und Seewehrleuten sind erheblich geringer, als man annahm. Mangel an Mannschaft wird also der Mariueverwaltung nicht Soxge bereiten. In Ausdrücken höchisten Lobes rühmten mir Admirale die D i e n st f r e u d i g- k e i t der Einberufenen, so daß der Dienst auch solcher Leute tadellos klappt, die seit einer ganzen Anzahl von Jahren keinen Fuß mehr auf ein Schiffsdeck gesetzt hatten. Nur darüber wird von der Mannschaft Unzuftiedenheit geäußert, daß sich keine Gelegenheit bieten will, den russischenKriegs- schiffe n in der Osffee ein Schicksal zu bereiten, ähnlich dem Los der Zarenflotte in der Straße von Tsuschima. Nur wenige der jetzt eingezogenen Seeleute haben bisher aus der Ferne ein russisches Kriegsschiff erblickt, das dann aber beim Erscheinen der deutschen Streitkräfte sich schleunigst davon machte hinter den sicheren Schutz der verderbendrohenden Minengürtel.
Riesengroß, unmöglich im einzelnen zu schildern, war die Arbeit, die auf der jetzt besonders behüteten Kaiserlichen Werft geleistet werden mutzte, um die Flotte in der kürzesten Zeit tn all ihren Teilen rampffertig zu machen. Riesiges hat von der Arbeiterschaft geleistet werden müssen, wie mir der Oberiverst- direktor auseinandersetzt, und willig, opferbereit haben die Arbeiter getan, was notwendig war, und nun spricht der Admiral zu mir Worte der wärmsten Anerkennung für die braven Arbeiter, die für des Reiches Wehrhaftigkeit ihre.ganze Kraft einsetzten. Aus den Arbeitsordnungen der Marine sind in diesen 'Tagen die Bestimmungen he raus gestrichen worden, die sich aus sozialdemokratische Betätigung b eziehen und die so oft im Reichstag der Gegenstand heftiger Auseinanderschungen zwischen sozial- dernokratischen Wgeordneten und der Verwaltung waren.
Über vieles von dem, was ich auf der Werst sah und hörte, wo mir mit gewohnter Bereitwilligkeit und Offenherzigkeit Einblick und Auskunft gegeben wurde, kann ich heute noch nrcht berichten. Aber den Eindruck darf ich aussprechen, daß man mit aller Kraft bemüht ist, nichts zu versäumen, Sixtg dem Reich Erfolg bringen kann. Die Flotte i st auf dem P o st e n!
An die schwarzen Gesellen von Lützows Wälder, verwegener Jagd dachte ich, als, lautlos durch die Fluten gleitend, ein düsteres Torpedoboot nach dem anderen einfuhr. Schwarze Gesellen sind auch die sehnigen jungen Burschen, die auf dem Deck standen. Woher sie kamen, wohin sie morgen gehen, muß verschwiegen bleiben. Glimpflich wird es dem Feind nicht gehen, der sich ihnen stellt.
wahnwitzige neue Erzeugnisse der großen Lügen-- fabriken in London- Brüssel und Paris.
Diese Überschrift und ähnliche finden wir jetzt als ständige Abteilung in deutsch-ameri-kanischen Blättern, was beweist, daß wenigstens in der deutschen Presse Amerikas die Wahrheit nun zur Geltung kommt; — über die englisch geschriebene ist leider nach wie vor sehr zu klagen.
Anbei also wenige Stichproben aus Hunderten der uns vMiegenden Nachrichten:
Paris 10 Aug. Der frühere Minister des Auswärtigen Gabriel Hanotaux veffichert, daß der deutsche Kaiser, von s«ner Familie prxrktisch gefangen gehalten werde und, eme militärische Clique den Krieg führe. Der frühere Premier de Freyrr- net, der soeben ans der Schweiz znrückgskeHrt fft. hat den ganzen deutschen Kriegsplan. ^ „ r
London, 10. Aug. Die tapfere belgische Armee hat die deutsche militärische Seifenblase zerstört. Die deutschen Truvven, die tagelang erfolglos gegen Lüttich Sturur liefen, befinden sich in einer verzweifelten Lage. Sie sind völlig ent-
Fragen müssen die Toten beantworten. Eine wohltätige, aber unbegreifliche Verkapselung der weichsten, eindruck» empfänglichsten Seiten des Herzens muß eingetreten sein. Und dabei hat das Auge die Toten, die zu Hunderten ver- streut, zu Dutzenden nahe beieinandergehäuft das Feld biZ an den Horizont bedecken, alle wie mit einer Augenblicksphotographie erfaßt, daß ich glaube, ich könnte noch jeden einzelnen zeichnen. Schaudervoll war mancher der Anblicke. Wäre die Brust nicht schon so verhärtet, mau müßte fürchten, daß die blutigen Lerber, die zerschmetterten Gesichter den Beschauer im Wachen und Traum verfolgen müßten. Mancher ist so schnell und schmerzlos hinübergegangen, daß er sanft in der Mittagssonne zu schlummern scheint. In den verglasten Augen anderer aber blinkt es wie ein Fluch auf die, die diesen Krieg und mit ihm aller Kriege unsagbare Greuel heraufbeschworeu haben. Den Toten, die an den Durchzugsstraßen liegen, hat man die Gesichter zugedeckt, und das Büschel Stroh oder Unkraut, das uns den schlimmsten Anblick verdeckt, wirft wie eine gütige, mitleidige Wohltat, dio den Toten und den Lebenden galt. Einzelheiten zu schildern, wird jeder, der einer: Lieben im Felde stehen hat, dem Berichterstatter gern erlassen.
Unsere deutschen Toten, deren hier viele waren, find sofort von ihren siegreichen Kameraden beerbigt worden und die Gräber sind mit einer rührenden Liebe geschmückt. Selbst dort, wo das Wohl der Lebenden das höchste Gebot war und der eilige Vormarsch nur Zeit ließ, ein schlichtes Notkreuz zu errichten, an dem ein Notizbuchzettel den Namen des Gefallenen mitteilt und sein auf den Hügel gesetzter Helm die Totenwache hält, selbst da hat es überall zu einer Handvoll Blumen gereicht, um dem Heldengrab die Liebe der überlebenden Mitkämpfer zu bezeugen.
Mancher deutschen Mutter Sohn liegt dort auf den Höhen des Argonner Waldes und in der Talsenke der Maas. Ein Gräberfeld zeigt den Weg des Siegeszuges. Aber unaufhaltsam drängt die ungeschwächte Heeresmacht weiter vorwärts und keiner von denen, die Blitzenden Auges in den Kampf ziehen, ftagt danach, wo sie ihm das Grab schaufeln werden, das ihn mit dem Totenheere der gefallenen Waffenbrüder vereinigen wird.
W. Scheu ermann, Kriegsberichterstatter
