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Tagblatt.Ha»S" Nr. «650-53.

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^ittrygH, 16. September 1914 .

Morgen-Ausgabe.

Nr. 431. 62 . Jahrgang.

Ereignisse auf dem westlichen ^legsschAu^^ seit Ende August.

Von General der Infanterie z. D. v.

Blume.

itiBp? französische Heeresleitung hatte im letzten tttif er , Vorigen Monats versucht, dem Vorrücken

ül»ch ,1 re£ W cn Flügels durch Belgien Einhalt zu tun, " 1Ier ^ ^urch einen Vorstoß, den sie mit sehr " He ü f graften aus der Richtung v»n Epernay gegen >l« , unserem linken Flügel zwischen Metz und

ff! 8 stehende Armee des Kronprinzen von - 9tiff unternahm, dann durch Widerstand und An- ^cr Ä ^ cr ganzen übrigen Front. Dies führte zu blutiger Einzelschlachten, die sämtlich mit ^"^erlageu der Franzosen sowie auch der bei

oer H-ranzoien lomie aucy aer vci ^ÖcreT n \ ^olandeten und an den französischen linken

^ herangezogenen englischen Hilfsarmee endeten.

iiliw Verfolgung waren die unseren rechten bildenden Armeen der Generalobersten von ü ^.ü I o w und v. Hausen bestrebt, mittels nach Amiens ausholenden Linksschwen- ^ Gegner auf dieser Seite umklammert zu hal- Üöff, 'chAnend, um sie von Paris ostwärts abzudräu- Ä^sMerch aber auch, um ein Festsetzen überlegener

ttSKf": _ . . _ wv [irc . vcav

%r Kräfte in der bekannten, von Natur "sehr

vtmmu'cu, UUU i/UUUl |£i/l

Jit tz^sUnd künstlich befestigten Stellung bei Reims ' hindern. Diese von Reims in nordwestlicher ^ hinziehende Stellung hat nämlich bei sch, ^?ch Nordosten gerichteten Front Paris hinter

"och n?iere rechten Flügelarmeen bedrohten sie aber, jefy Ausführung der Schwenkung südwärts vorschrei-

>iis'?" der linken Flanke. Sie ist dadurch in der Tat St ps Gegner lt n b enutz b a r geworden. Jnwie- aber gelungen ist, die zurückslutenden Streit- 1 Mp^- Zauers von Paris aüzu drängen oder Wliiite Heeresleitung vielleicht vermocht hat, '%e oder weniger großen Teil jener Streit-

Hilfe des vorzüglichen französischen Eisen- 'chkj^"otzes nach Paris heranzuziehen, darüber er- Aiveifel begründet,' nachdem zufolge/ amtlicher 'H sro unserem Großen Hauptquartier vom

y-"- die östlich Paris in der Verfolgung an und Atz ch-.Viarne vorgedrungenen Heeresteile aus Paris

^Msihen Meanx und Montmirail von überlegenen angegriffen - worden sind. Sie haben in

»wnien iinv. üie yaoen in M tJ}.Stoeitögigen Kämpfen den Gegner anfgehalten Arkpp^st Fortschritte gemacht: als der Anmarsch neuer Aiiqps 'kindlicher Kolonnen gemeldet wurde, ist ihr 8>kx, rurückgenommen worden. Der Feind folgte

Set ^iklle. Als Siegesbeute dieser Kämpfe sind

° das

fig Geschütze und einige tausend Gefangene

S ~b amtliche Telegramm, das uns zwar keiner

e,- «. ^fjeSiuBel, noch weniger aber zu irgend- ,7>! e n gibt. (Dasselbe trifft. nach der

»Skp ^Meldungen vom Westen zu, denen zufolge dar M;t"Ugkn weiter zu unseren Gunsten steht, abei ,U Entschieden ist. Wir geben daher den Ar-

e Herrn Generals v. Blume auch jetzt noa Ne ch ^ohl er bei der Abfassung des .Aufsatzes

'Jv"! .Tip,, oei oer «uiiagung ves tui-naee:

um e - n Vkeldungen noch nicht kannte. Schristl weniger, als die beiden, unser Zentrum ^ des Marken Armeen des deutschen' Kronprinze apfrVrl rs ° 8§ Albrecht von Württemberg währen ^^.oerten Unternehmungen unseres rechte te Hhnen gegenllherstehenden beträchtliche gleichfalls unter vrelsachen, zum Te dt'd?.rn s, ??^n siegreich zurückgeworfen und sic d, !len m über die Höhe von Verdun vorgl H fiibuÄn, der Einschwexrkung jenes Flügels. i -Sbrin? Dichtung angeschlossen haben.. Der deutsck ^.eh »>Hessen Armee bei dieser Schwenkung de »We bildete, hat mit seiner Armee die b<

,c ^ c Stellung südwestlich Verdrm gencm Ariden ^ her Armee greisen die südlich' Berdu an. Die Forts' werden seit ein !ü^f'x^o"rch schwere Artillerie beschossen.

feite steht der vielberufenen franzi tzT ^rotin'Dperrfortlinie nach wie vor die Arnxi d. Uen von Bavern gegenüber, in

'iiif[ erggcii oberen Elsaß hält der Generalober cipÄkten' Nachdem er mit den in das Gebirge g.'

^fi Y ". v V-U *»«.1*. V-V.1t t*t VUV VilCiVItUIC c

%rf!'? 9e ^err f ^ Gn . der am 20. August in Lothring.

Armee aufgeräumt hat,' l

«N»l j^?bun wird belagert und dürfte bald dc StÄ Und s 'Kreits in unsere Hände gefallenen be

« p Und ; tn itmere Hanoe gehauenen t

^ibpr Nau?^^^vn Festungen und Sperrforts

Äff,?' Maubeuge, Longwy, MontmSd

.Mdillip^' Avvelles, Cond6, La Mre, Lao!

teilen.

4>it ich Maden wir uns im Westen einer un g de^-'V an n e nd e n Kriegslage g ^siterer Entwicklung wir aber

voller Zuversicht entgegensehen können. Unsere günstigen Aussichten erfahren eine Stärkung durch die aus den; Osten eingetroffcne Kunde, daß dort der Generaloberst v. Hindenüurg einen neuen Sieg, und zwar über die zweite der in Ostpreußen eingedrunge­nen Armeen, errungen hat und diese in nordöstlicher Richtung verfolgt.

Die amtliche Untersuchung der barbarischen Uriegsführung der Nüssen.

W.T.-B. Berlin, 15. Sept. (Amtlich.) Auch für den Regierungsbezirk Königsberg ist nunmehr eine K o in m i s s i o n zur Feststellung des völkerrechts­widrigen Auftretens der Russen eingesetzt worden, wie sie bereits fiir die Regierungsbezirke Allenstein und Gumbinnen besteht. Die Leitung der Kommission und die Berufung von Mitgliedern ist dem Regierungs­präsidenten von Königsberg übertragen. An diese Kommission werden baldigst alle Mitteilungen über Grausamkeiten und Verwüstungen, die im Regierungsbezirk Königsberg vorgckommen sind, zu richten sein.

DieNord-. KNg. 31g." zur Lage in Galizieü,

W. T.-B. Berlin, 15. Sept. (Nichtamtlich) DieN o r d- d rutsche Al lg. Z t g." schreibt: Die eingehenden Mittei­lungen des Kriegsb>erichterstatterZ desMorgen" (vergl. die letzte Abend-Ausgabe) über die Schlacht bei Lemberg be­kräftigen den Eindruck, den der amtliche Bericht des öster­reichisch-ungarischen Generalstabs hinterließ. Lediglich strategische Rücksicht veranlaßte den Befehl, die Truppen in eine Stellung zurückzunehmen, in der die Vorbereitungen für die weiteren Operationen getroffen werden können^. Die­ser Anordnung war kein Mißerfolg vorangegangen. Sie wurde im Gegenteil angeordnet, nachdem ein wichtiger Teilerfolg errungen war. Die große Übermacht des Feindes in Verbindung mit der Ühermüdung der seit Wochen im Kampf stehenden österreichisch-ungarischen Sol­daten machte es unmöglich, auf der ganzen weit ausgedehn­ten Schlachtlinie die einzelnen Armeen vor. der Gefahr von be­denklichen Flankenstößen zu sichern, die ein gleichmäßiges 'Forischreiten der Operationen gewährleisten. Rach berühmten Muster dürften die Russen mit bekannter Wahrheitsliebe die 'Kunde von einem gewaltigen Sieg in die Welt hinausgesands haben. Das ändert an der unumstößlichen Tatsache nicht das geringste, daß oas österreichisch-ungarische Heer aus über­mäßig schwierigen Kämpfen ungeschlagen hervorgegan­gen und sich zu neuen Unternehmung e n bereit hält. Der h e l d e n m ü t i g e K r i e g s g e i st,' den es seit Beginn der Auseinandersetzungen mit dem Feind so vielfach! und in so erhebender Weise bewährt hat, ist ungebrochen. Aus den bis­herigen glänzenden Leistungen könne die Erwartung ge­schöpft werden, daß die österreichisch^ungarischen Heerscharen mit frischer Kraft den Kampf wieder aufnehmen und unter der hervorragenden Heeresleitung zum endgültigen Sieg füh­ren werden.

Die Gesterreicher in ihrer neuen Stellung.

W- T.-B- Wien, 15. Sept. (Nichtamtlich.) Der Kriegs­berichterstatter derZeit" meldet: Der Abmarsch unserer

Truppen in andere Stellungen ist in vollständiger Ruhe und o h n e Belästigung seitens des stark erschöpften Gegners erfolgt. Die Truppen sind mit dem Bewußtsein ab­gezogen, einen Erfolg errungen zu haben, da sie 80 dem Feinde abgenommcnc Geschütze, und über 10 000 Gefangene mitführcn. Die neue Stellung ist bereits bezogen worden. Der Geist der Truppen ist trotz des schlechten Wetters vor­züglich. Die Armeen Dankl und Auffenberg haben sich mit der Hauptarmee vereinigt.

Die zuversichtlicheDeurteilung der militärischen Lage in Berlin.

dr. Berlin, 15. Sept. (Eig. Drahtbericht) Über die militärische Situation wird uns heute abermals versichert, daß zu irgendwelcher Beunruhigung kein Anlaß vorhanden sei. insbesondere kann von irgend einem Siege ber Franzosen oder der Engländer an der M a r n e an keiner Stelle die Rede sein unb alles, was darüber von den Gegnern verbreitet wird, ist heller Unsinn. Die Lage kann nach wie vor mit unbedingter Zuversicht angesehen werden und die Öffentlichkeit hat um so weniger Anlaß . zu irgendwelchen: Besorgnissen, wenn sie bas überblickt, was bisher erreicht ist. Tatsache ist, baß jetzt Deutschland aus allen Seiten vom Feinbe b e s reit ist. Abgesehen von einigen Grenzgebieten, die zeit­weise gelitten haben, sind unserem Vaterlande die Schrecken des Krieges bis jetzt überhaupt erspart ge­blieben. Im Westen haben die Franzosen, sich bis aufs Blut zu wehren. Daß der französische Feldzug und^ die­ser Krieg überhaupt auch für uns kein Spazier­gang ist, ist klar, Es wird noch harte Kämpfe kosten imd solche harten Kämpfe sind ja bereits auch^ im Gange. Je mehr wir aber auf den Kern beißen müssen, .desto größer ist die Charakterprobe', vor die wir ge­stellt werden. Zu irgendwelcher Nervosität ist aber, wie gesagt, bisher nirgends ein Anlaß. Wir sind zur

Zuversicht berechtigt gegenüber den jetzt im Gange be­findlichen Kämpfen, insbesondere aber zur Zuversicht gegenüber bem endgültigen Ausgang des Krieges, an dessen glücklichem Ende in Berlin wenigstens an allen unseren maßgebenden Stellen niemand mchr zweifelt.

Ein neuer französischer Vorstoß im Gberelsatz abgeschlagen.

XXX München, 16. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die Münch. N. N." verbreiten durch Anschlag folgendes Privattelegramm aus Zürich: .Nach privaten Nach­richten von der elsässischen Grenze wurden die Fran­zosen im Oberelsaß vollständig geschlagen und ziehen sich fluchtartig zurück. Auf französischer Seite waren drei Armeekorps und eine Division im Kampfe. Die Franzosen waren den Deutschen n u m erisch überlegen. Etwa 3000 Fran­zosen wurden gefangen und viel Kriegsmaterial erbeutet.

Ein ägyptisches Protesttelegramm an Asquith.

W. T.-B. Genf, 15. Sept. DieB. Z." meldet: Das ständige Komitee der I u n g - Ä g tz p t e r in Europa, das seiucn Sitz in Genf hat, hat an dem heutigen Gedenktage des Einzuges der englischen O k k u P a t i o n s t r u p p c n in Kairo, die nach kurzer Zeit zurückzu ziehen die Königin Viktoria und Gladstone versprochen hatten, ein Protesttelc-- gramm an den englischen Premierminister gesandt. Es hebt darin hervor, daß die englische Regierung, die über die Verletzung der Neutralität Belgiens so entrüstet sei, diejenige Ägyptens mit Füßen trete, das Land in den 5kricg hineinziehe und zu seinem Ruin beitrage. Wir erinnern, so heißt es in dem Telegramm, an das wiederholt abgegebene, noch u n - erfüllte Versprechen Englands, den Ägyptern ihre Freiheit wiederzugeüen.

Zur Aufhcbnng der Kapitulationen in der Türkei.

W.T.-B. Konstantinopel, 14. Sept. (Nichtamtlich.) Den Blättern zufolge bereitet die Regierung ein Gesetz vor, in welchem'der Tag, an dem bie Aushebung der Kap i tu l a t.i a n,e n erfolgte, als nationaler Feiertag erklärt wird. Ferner wird ein Gesetz vor­bereitet, das die Vorschriften enthält, die an die Stelle der Bestimmungen der Kapitulationen treten sollen. Die fremden Schulen wenden als ottomanische P r i v a t s ch ulen betrachtet. Die Pforte wird vom 1.^ Oktober ab Zucker, Käfsee, Tee, Petroleum, Alkohol, Zündhölzer, Zigarettenpapier und Spielkarten mit einer V e r b r a u ch s st e n e r belegen.

Sinn Brief an den fxtti liniffet der MfilM Bmidiit Hart 5eM!

Von Dr.' Ludwig Haas, M. d. 9t.*)

In Bern und Basel waren wir zusammen; wir hatten gemeinsam,die. Hoffnung, daß eine Verständi­gung zwischen Frankreich und Deutschland möglich sei und wir hatten die Überzeugung, daß diese Avbeit für den Frieden ein Külturwerk schaffe und deshalb Kul­turpflicht sei.

Obwohl dse. Mehrheit der beiden Parlamente, die Mehrheit des deutschen Reichstags und der französi­schen Volksvertretung,, sich auf den Boden der Berner Konferenz gestellt hatte, kam der Krieg, den das deut­sche und das., französische Volk-nicht gewollt, den aber der russische Zarismus und panslawistischer Rassen­wahn und Übermut - herausbeschworen hat. Das aber ist sicher: die französische-und die englische Regierung hätten Rußland in die-Grenzen der Vernunft und der Btenschlichkcit zurückweisen- können. Sie haben e8 nicht getan. Rußland war der französischen und eng­lischen Unterstützung sicher. Nur dadurch konnte -es durch seine Mobilmachung die. Friedensbestrebungen des deutschen'Kaisers stören.

An dieser Entwicklung tragen Sic keine Schuld; ich bin überzeugt, Sie hätten sie gerne verhindert; Sie gehörten damals dem. französischen Ministerium nicht an. Trotzdem' könnte es für Europa, die europäische Kultur und den europäischen Frieden von Wert sein, wenn sie vor aller Welt als französischer Minister die Frage beantworten würden: Hatte der Zarismus, das Recht, der Beschützer aller Slawen sein zu wollen, jener Zarismus, der alle Freiheit im eigenen Lande unterdrückt, -der nie am Blute seiner eigenen Landes-

*) Der nachstehende, uns zur Verfügung gestellteOffene Brief" des bekannten fortschrittlichen Abgeordneten ist zuerst in ausländischen Zeitungen oeröffentlichl worden und erschien in deutscher Sprache in der eben zur Ausgabe gelangenden Nummer desMärz", Wir geben ihn mit Genehmigung dieser Zeitschrift und mit geringen Streichungen wieder.

Die Schristl.