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^vnntag, 13» September 1914. ZukURft§arDSit,
Morgen'Ausgabe.
Nr. 427 . » $ 2 . IahrganZ.
w Dis letzten Wochen haben sich mit ehernem Griffel die Seele eines jeden eingegraben. Es war eine ^°e gewaltige Zeit, und man kann froh fein, daß
-C" 1 sie hat erleben dürfen. Der Sieg war schon ge- in Dftn en, noch ehe unsere Truppen ausrückten. Die
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iw.- ^ten von den raschen Erfolgen und dem UN- MtÜU' ^ ' " 1 - — o
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überraschend gekommen. Wir haben es gar nicht erwartet. So groß, so felsenfest war unser Jeanen auf die innere Stärke und den unüber Mvdl
??ktrauen auf die innere Stärke und den „pichen Geist unseres Heeres. „Wir müssen siegen u no ^ " *. « -
, wir werden siegen", das war die gewisse über- MUng, in der wir alle einig waren. Und wie schön * Wahrheit geworden.
hat wohl keinen in unserem Volke gegeben, Hj? e t Mann noch Frau, weder Kind noch Greis, der ly* den heißen Drang in sich verspürt hätte, sich in i i^t-sDienst unserer großen Sache zu stellen. Ein über- j^ugendes Angebot von freiwilligen Kräften zu ijjt Tätigkeit. Und mancher, der nicht unmittelbar Mucht wurde, kam sich schon recht unnütz und über- Mg vor. Inzwischen hat es ja an Vorschlägen der j^ichiedensten Art nicht gefehlt, und da guter Wille Weicher Fülle vorhanden war, wird auch jeder ein ?)chen geftinden haben, an dem er sich nützlich ^sn kann.
^ Die gemeinsame Not, das drohende Unheil, das Fällen Seiten wider uns aufstand, nahm uns ganz k" gar in Anspruch. Wir stehen noch immer mitten k"' und. vermögen das Ende noch nicht abznsehen.
, das Gewölk beginnt sich doch zu verziehen und | E können schon wisder über den nächsten Tag und L ne Sorge hinaussehen. Wir dürfen, nein, wir müssen tzj, 8-rage Gehör schenken, wie wir den reichen s/klsn dieser ernsten Zeit als eine Ernte 1 b i e Zukunft bergen können. z^Die politischen Früchte unserer Waffenerfolge ein- tzn" sei den zünftigen Staatsmännern überlassen.
, H-Ad unser Vertrauen zu ihnen, ob mit Recht oder auch nicht immer auf festen Füßen, wir dürfen iim die Neugestaltung unseres Verhältnisses. zu Gegnern bei ihnen in guten Händen wissen. Jtja* für unser gesamtes öffentliches Leben im Inneren dxx Uns doch eine Fülle von Ausgaben gestellt, zu kürt 1 glücklicher Lösung wir uns jetzt schon rüsten - M,
iSU^'gen wir, daß wir aus der Geschichte lernen und wollen. Wie groß waren die Hoffnungen, bau auf die nationale Erhebung der Besreiungs- E gesetzt hatte, und wie jämmerlich klein war das o^wcht, das sie zunichte machte. Auch 1870 folgte Vft Zeit des Aufschwungs gar bald eine gründliche Vuschung; unser Volk hat sich, als Friede ge- war, damals der großen Tage wenig würdig % An. In einem wüsten Taumel ging unter, was «Ikb^ntem, Großem, Verheißungsvollem kaum erst ls ^ftN war. Wollen wir es uns nicht geloben, daß »lich^^wol nicht wieder so kommen soll? Daß wir % te ffen lassen und ernten wollen, was jetzt unter »pN Augen so tröstlich und stark ans Licht dringt?
2 ff* denn das Große, das wir in diesen Tagen ^^"aben? Daß wir tief in unseres Volkes Seele
, geschaut haben, daß die letzten stärksten sittlichen und religiösen Kräfte,, die unter soviel Oberflächlrchkert, Leichtsinn und Entartring vergraben lagen, wreder wach geworden sind, daß all der oft so kleinliche Hader, das alte Erdübel unserer Nation, die Eigenbrödelei und Querköpfigkeit vor der großen gemeinsamen Not sich verkroch und wir in der Tat waren, was wir uns oft gewünscht: ein einig Volk von Brüdern, daß ein einziger gemeinsamer Gedanke alle beseelte und wir, dre Liebhaber fremdländischen Wesens, uns auf unsere Eigenart besannen. Soll das nun alles mit dem Friedensschluß wieder versinken und ^verwelken? Soll der ganze kleinliche Jammer wieder über uns kommen, unter dem gerade unsere Vesten in der letzten Zeit gelitten haben? Das wolle Gott verhüten! ^ Mit anderen Worten: wir müssen es verhüten und wir niüssen jetzt schon beginnen, den Grund zu legen für das neue Deutsche Reich.
Es kann und darf nicht sein, daß diese große erbebende Reinigung und Läuterung von allem Kleinlichen und Niedrigen, die wir an uns erfuhren, ohne dauernde schöne Früchte bleibe. Wollen wir, die wir jetzt der ganzen Welt gezeigt haben, was ein einiges, sittlich starkes Volk vermag, nachher wieder in demütiger Bewunderung vor französischer Kultur und engel- ländischem Herrentum ersterben? Wir wollen doch nicht nur auf dem blutigen Schlachtfeld unsere Überlegenheit beweisen: -innerlich vor allem müssen wir uns von all -den ausländischen -Einflüssen freimachen, denen wir nur zu gern erlagen und die uns im Kern unseres Wesens schwächten. Wir wollen nicht nur unseren Feinden den Frieden diktieren; w:r wollen doch auch wahrmachen helfen, daß am deutschen Wesen noch einmal die ganze Welt genesen soll. Und sollen wir nicht auch für irnsere innerpolitischen Verhältnisse eine Neugeburt inrd tiesdri-ngende Unignstaltunig erwarten dürfen? Können tvir -es unserer Arbeiterschaft vergessen, daß sie in der Zeit der Not so treu, so selbstverständlich treu zum Vaterland gestanden hat? Wie kleinlich und erbärmlich konunen uns jetzt all die Mittel und Mittclchen vor, mit denen man sic bis in die letzte Zeit in ihrem berechtigten Austvärtsstreben zu hindern suchte! Ich denke, auch für manche Frage der inneren Politik werden mns unsere braven Soldaten die erwünschte Lösung niit nach Hause bringen. Wird und muß nicht auch das Verhältnis der Konfessionen zueinander ein anderes, friedliches -werden? Soll es ohne Wirkung bleiben, dasi wir uns jetzt nicht als Evangelische oder Mtbolische oder Juden oder Monisten, sondern schleckühin und ohne jede Ern- schränkung als Deutsche fühlen lernen? Der
Glanz unserer Wasfencrfolge müßte verblassen, fände der Friede uns wieder als dasselbe kleinliche, zerrissene, oberflächliche, sensationshungrige, ausländisches Wesen nachäffende Geschlecht!
Das sind keineswegs spätere Sorgen, die man nach dem Friedensschluß bereden und beraten könnte. Die sittlich-religiöse Neuqeburt unseres Volkes kann uns kein günstiges Geschick schenken; sie muß ebensogut erkämpft und unter Opfern erstritten werden wre der Sieg in der Schlacht. Und dieser Kampf ist schwerer, erfordert mehr Geduld und -Opfermut. Für ihn niüssen -wir uns jetzt schon stärken. Es gilt, die Kräfte zu pflegen und zu vertiefen, die sich jetzt so freudig und stark in uns r-ca-en; sie auch da zu Wecken, wo sic noch schlafen. Der Geist der Opferwilligkeit des Ge
meinsinns, der sittliche Zorn Wider alle Heimtücke und Hinterlist, das stolze Bewußtsein, daß -unser Land ein unerschütterlicher Hort für Freiheit und Gerechtigkeit ist, und daß darin -die Weltausgabe liegt, die ihm be- chieden ist, soll uns nicht nur während der Kriegs- awnate durchfluten; wir wollen ihn festhalten und stuchtbar machen für eine bessere, schönere Zukunft. Und hier liegt unsere Aufgabe! Unsere Brüder in Waffen stehen draußen vor dem Feind. Laßt auch uns nicht untätig sein! Daß wir jetzt die gemeinsame Not gemeinsaln tragen, ist cttvas Selbstverständliches. Sorgen wir auch dafür, daß uns die glücklicheren Tage, die wir erhoffen, nicht wieder aus- einanderreißen. Uird wenn imscre Krieger wieder- kehren, sollen sie uns anders finden, als da sie uns verließen: ernster, gereifter« geläutert und durchglüht von: heiligen Geist des neuen größeren Deutschland. Das sei unsere Kriegs- und Zukunftsarbeit.
Weitere Fortschritte bei Lemberg.
A Wien, 12. Sept. (Ctg. Drahtbericht) Unter den lakonischen Meldungen der Kriegsberichterstatter ist di> wichtigste jene der „Arbeiterztg." Sie schreibt: Unsere Truppen haben im Lemberger Raum die Russen an mehreren Stellen geworfen. Jedenfalls hat der Angriff erhebliche Fortschritte gemacht.
Die Lage vor Paris.
Der Aufmarsch der Verl'ündetcn.
Uck. Rotterdam, 12. Sept. Ein englischer Kriegsberichterstatter in Paris schreibt, die Verbündeten würden alle Kräfte ausbieten, um eine Vereinigirng des nördlichen ber schen Heeres mit dem durch den Argonner Wald anrück den sowie mit dem dritten bei Verdun stehenden Heer- oerhindern. Die Entscheidungsschlacht werde weiter c etwa Bei Verdun, stattfinden. Derselbe englische £ svondent sah im Tale des Grand Morin eine lange t Londoner Omnibusse mit französischen Broten, Käse Kohle. Ein anderer englischer Korrespondent meldet: Aufmarsch der Verbündsten erfolgt in einem groß Kreise von Norden aus in der Richtung der Nachhut ! rechten deutschen Flügels.
Die Lage für uns nicht ungünstig.
# Berlin, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht) Das Fehlen der Nachrichten vom französischen Kriegsschauplatz hat eine gewisse Nervosität hervorgertlfen, hauptsächlich wohl deshalb, weil wir durch das unglaublich schnelle Vordringen unserer Armeen und durch die fast ununterbrochene Kette von Slegesineldunge-n etwas verwöhnt worden sind. Die augenblickliche Nervosität wird noch erhöht durch allerlei phantastische Meldungen, wie sie nainentlich die Londoner „Daily Mail" und' der gariz unzuverlässige, in den letzten Tagen wieder -besonders d e u t s ch f e-i n d I r che „Cor- riere della Sera", bringen. Demgogenüber können wir Mitteilen, daß alle über die Lage der Schlacht ber Paris verbreiteten ungünstigen Nachrrchten falsch sind. Die Lage der derltschen Armee an der Marne rst keineswegs ungünstig.
Turkos in Paris. — Die Begeisterrulg der Pariserinnen, bä Amsterdams 12. Sept. Der Pariser Korrespondent der Londoner „Daily Telegraph" schreibt: Während der lehren
Tage zogen Tausende von Turkos auf ihrem Marsch von Marseille nach der Front durch Paris. Das P u b l i k u m war begeistert. Frauen und Mädchen loarfen ihnen Blumen
Kackdruck Verbote».
Die Billard-Partie.
. Eine Episode von Anno 1870.
^ et aus dem Französischen von E. H. Hausdorff. Qrm .cn PioupiouS sind am Ende ihrer Kraft. Seit pitibe schlagen sie sich mit dem stürmisch andrängenden Arschj ^ne ganze Stacht sind sic unter strömenden Regen t. Und dennoch läßt man sie nun schon drei Stun- ^Ila^^'uchts und wieder nichts, Gewehr bei Fuß, im
Aba„.( grundlosen Wege stehen, ii
U "farmen, um nicht zu fallen. Manche schlafen stehend, au? Akutster des Kameraden gestützt, und der Schlaf is? schlaffen, abm-wannten Gelichtern die erlitte-
Ab, - urnnoioien uv ege fieyen.
von den Anstrengungen der letzten Nächte, n äu ti,;; men triefend naß, drängen sie sich aneinander, um den °£. mett , - - '
t’en
erlitte-
Regen,
cn schlaffen, abgespannten Gesichtern die u-r^ugen nur um so mehr hervortreten. lln ^ am et £-® euer ' kein Essen, schwarze, tiefhängende »lig, Himmel, Feinde ringsum; eS ist unsagbar
tyu en 'sSkus s'ch dort? Die Geschütze, deren Schlünde mueiudrohen, scheinen etwas zu erspähen; bk- 4 ",schauen aus ihren Verschanzungen starr zum
vt auf den Kampf gefaßt. Warum wird Au?^,-^" ß ^'ss geblasen? Woraus wartet man denn tohdxft .} e Befehle, die das Hauptquartier nicht schickt. ' Dg i M das Hauptquartier nicht einmal weit enthüben auf dem Hügel ist es; in dem schönen
Schloß Louis' XIII., dessen rote, vom Regen reingewaschene Ziegel hell durch den uralten Park leuchten. Ein echter Fürstensitz, würdig, die Standarte eines Marschalls von Frankreich zu tragen. Hinter einem tiefen Graben dehnen sich wohlgepslegte Rasenflächen, hie und da von Blumenbeeten unterbrochen, bis zur großen Freitreppe aus. Auf der andern Seite des Schlosses bilden bizarr geschnittene Taxushecken traute Gänge und Helle Lücken, der kleine See, auf dem Schwäne majestätisch dahin schwimmen, gleicht einem Spiegel, und aus einer kleinen chinesischen Pagode schallen die schrillen Rufe goldgelber Fasanen und radschlagender Pfauen. Die Besitzer sind geflohen, trotzdem fühlt man nichts van Verlassenheit, von dem großen Hichez - tout des Krieges. Die Standarte des Chefs der französischen Armee schützt alles, selbst die geringsten Blumen der Beete. Es ist ergreifend, so nab dem Schlachtfeld jene vornehme Ruhe zu finden, die die Ordnung aller Dinge« die steifen Taxushecken, die tiefe Stille der Parkwegc hier mit sich bringt.
Der unablässige Regen, der da drunten so häßlichen Schmutz und Schlamm auf den Wegen anhäuft und so tiefe Rinnen wühlt, scheint hier nur noch ein feiner Regenschauer zu sein, der die Röte der Ziegel, das Grün der Wiesen auffrischt, den Blättern der Orangenbäume und den weißen Federn der Schwäne neuen Glanz verleiht. Alles schimmert und leuchtet, alles ist friedlich. Wirklich, ohne die Standarte, die stolz vom Dachfirst weht, ohne die beiden Wachposten am- Gartentor glaubte man sich nie im Hauptquartier der Armee. Die edlen Pferde ruhen in den Ställen, hier Und
dort sieht man Burschen und Ordonnanzen sich rn der Nahe der Küchen hernmtreiben oder irgend einen rotbehoste-i Gärtner ruhig den Rechen durch den Saud der großen Hofe ziehen. ., ^.
Der Speises-aal, dessen Fenster auf die Freitreppe hinausgehen, läßt eine halbe abgeräumte Tafel sehen, entkorkte Flaschen, leere, trübe Gläser auf dem zerknitterten Tischtuch, die ganzen Reste eines üppigen, von den Gästen verlassenen Mahles. Aus dem Nebenzimmer schallt Stimmengewirr, Gelächter, man hört Billardkugeln rollen, Glaser klirren. Der Marschall macht gerade ein Spielchen Billard und deshalb wartet die Armee auf Befehle, die nicht kommen. Wenn der Marschall sein Spielchen begonnen hat, dann mag der Himmel cinstürzen, nichts kann ihn dann bc- wegen,-es abzubrechen. .. . . ,
Ja, das Billard, das i,t die Schwache dieses großen Strategen. Da sieht er, erlist wie in der Schlacht, in voller Gala, die Brust mit Ordcnssterneu übersät, mit glänzendem Auge, die Wangen von der Anregung des Mahles, ^des Spiels und der Gläser genoffenen Grogs leicht gerötet. Seine Adjutanten umstehen ihn, ehrfürchtig, diensteifrig, bei jedem seiner Stöße vor Bewunderung außer sich. Wenn der Marschall einen Punkt gewinnt, stürzen sich alle zur Merr- tafel, wenn der Marschall Durst hat, wollen alle ihm beit Grog bereiten. Das ist ein Drängen von Achselstücken und Helmbüschcn, ein Klirren von Orden und Fangschnüren. Der Anblick dieser feinen HöflingSgesten, so vieler Goldstickereien und neuer Uniformen in diesein hohen, eichenholzgetäfeltem Raum, vor den Fenstern der uralte Park, der riesige Schloß-
