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Verlag Langgasse 21

ula , . „Tagbiall-Haus".

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wöchentlich

S“n«f?a[f? 2 > i n nJ! lr ro Cli,E Ausgaben: 70 Psg. monatlich, M. 2.- vierteljährlich durch den Verlag StfttSofih m Brinaerlohn, M 3.— vierteljährlich durch alle deutjchen Postanstalten, ausschließlich marckrino ln /ecMg».Bc,tellnngcn nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bls- Sabeftellen Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Aus-

- un ° 111 den benachbaiten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger,

Kür dieÄbend-Ausg, bi» 12 Uhr

12 Kusgaben.

Fernruf:

„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

die Morgen-Ausg, bis 3 Uhr Nachmittag», Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf. Güntzelstr. 66, Frrnspr.: Amt Uhland 456 It. 4SI. Lagen und Plätzen wird ?ein'e Gewäh^ubernommen!

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Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

Samstag, 12. September IYI4.

Morgen'Ausgabe.

Nr. 425« * 62. Jahrgang.

Kampf gegen die Lüge.

O Berlin, 10. September.

ußnp ftibt neben der Arbeit, die unsere Heere zu be- kein haben, gegenwärtig auf der Welt für uns l jtigere Aufgabe als die, das ungeheuer- datz ^ Lügengewebe zu zerreißen, in das unsere Feinde Din Almute Ausland eingesponnen haben- Wer diese uicht so furchtbar ernst nimmt, wie sie Um' s = bringt stch in den Augen jedes Einsichtigen Wir • mitzusprechen und zu urteilen- Wir

i Q .-, c f n w beiden Erdhälften nicht bloß als das Volk iviv -in einer gerechten Sache siegt, sondern und dürfen verlangen, daß uns die Mensch- e°s*?!iü^halh unserer Grenzen, die Feinde mit ein- tin» - "siö nun erft recht die Neutralen, Gerech- xjv-C ce 1 1 widerfahren läßt- Dies aber geschieht nicht, H , öaß statt dessen der b l i n d e st e und blödeste bw-oLiegen uns nahezu überall waltet, das muß auf Deutsche so verbitternd wirken, das ist eine so fiidrfa Qre Tatsächlichkeit, daß es für uns in der Tat Dringenderes geben kann, als diesen Alpdruck ^..-oosheit, Verzerrung, unausgesprochener Nreder- ilns ^bgzutilgen- W i e aber soll das geschehen? M,re Feinde haben den Boden mit ihrer Lügensaat Mea? 14 * bestellt- Wir wissen zunächst gar nicht, wie ^,/iusprache des Reichskanzlers an die ameri- ^ "che Presse und jetzt das Telegramm des Kaisers i e i * Präsidenten Wilson ihre Adressen e r - ^ wen sollen- Es gibt ja keine Verbindung mit 3 Bereinigten Staaten, nachdem die Engländer noch jL r Kriegsausbruch unser Kabel von Emden nach ^.Azoren durchgeschnitten haben- Wohl gibt es zM. aus den skandinavischen Staaten nach ^ika, auch von Italien dorthin, aber sie führen rn'Utl i ch über englisches Gebiet, das italienische Malta und Gibraltar, die aus Dänemark Schweden, Norwegen und auch aus den Niederlanden r ®,f t über England- Nicht ein Wort werden die ^Länder durchlassen, das ihnen mißfällt- Auch von Bereinigten Staaten zu uns lassen sie offenbar u3 § passieren, was sie als Störung ihrer welt- h^llnnenden Lügenhaftigkeit anznsehen haben- So wir beispielsweise von drüben, daß sich das s ch t u m dort kräftig gegen die unbeschreibliche Dg^ung der öffentlichen Meinung durch englische b^wellungen auflehnt, aber wir erfahren das nur Ij3>Iich, also mit langen Verspätungen- Brief- b er ' Q ntt ja auch die deutsche Aufklärungsarbeit in toi p'j on geleistet werden, nur daß diese matte, un- nachhinkende Form der Mitteilung stets kürzeren gegenüber der telegraphischen Arbeit der Engländer ziehen wird- Das ^l,.?wste ist, daß selbst eine unmittelbare und schnelle ^ungstätigkeit, die ja leider nicht möglich er- den dicken Wall von Voreingenommenheit und ii^wung gegen uns, den die jahrelange Arbeit §[! t ji[ er Feinde überall zwischen Deutschland und dem ^wUC^e anfgerichtet hat, nicht im Handumdrehen a iw l c en könnte- Man lese, was im „Tag" der Deutich- . Gr Urban ans New Bork berichtet- Er be- sn.- m einer Beziehung nicht, durch den Krieg an ieip ^'tckreiie nach Deutschland verhindert worden zu fo konnte er das erstaunliche Schauspiel der gegen Deutschland mit-

fet

Der Kaiser!

Du bist der Kaiser! . .

Von Gottes Gnaden bist du's ganz,

Da dich dein kämpfend Volk gesegnet:

Heil dir im Siegerkranz! —

Der Köpfe Haupt! . . .

Am Weltenkrieg als Herzog stand's.

Dich grüßt der sterbende Blick der Krieger: Herrscher des Vaterlands!

Du bist so deutsch . . ..

Die Schlachten brüllen vor oir sich heiser, beten, wie wir nie gebetet: schütz uns . . den Kaiser!

Fritz Philippi.

freu Verwundeten.

Von Dc. Hans Wantoch.

Wien, Ende August.

vir

ienrt^ cn Sitzen fern vom Schuß. Fern und immer kouuut ^ ^^ieg ist in Feindesland getragen. Und

eitler"®* ® u ,IltS - "k>er nicht mit dem hinreißenden eit>„Ü nicht mit dem jauchzenden Hurraruf

Gruppe oder mit dem dröhnenden Jubel Bu den Daheimgebliebenen kommt der Krieg

erleben- Wenn er es nicht erlebt hätte, so schreibt er, würde er es nicht geglaubt haben- Kaum war der Krieg ausgebrochen, so fielen die Zeitungen des g a n- zen Landes in ihren Leitartikeln über den Kaiser und das deutsche Volk her- Ein Blatt bewies die Notwendigkeit der N i e d e r I a g e Deutschlands, da­mit der vom Kaiser verkörperte Despotismus (!) den durch England und Frankreich verkörperten Demo­kratismus _ nicht in den Staub trete und zuletzt noch die glorreiche amerikanische Freiheit vernichtet- Alle Meldungen über den Krieg waren ungeheuer­liche Lügen, die den Zweck hatten, Deutschlands Leistungen zu verkleinern oder es verächtlich zu machen. Und dazu haben wir uns jahrelang bemüht, durch A u s t a u s ch p r o f e s s o r e n und eine Fülle von Liebenswürdigkeiten die Amerikaner zu gewinnen? Gewiß, die Spuren eines vernünftigen Rückschlags sind inzwischen doch wohl wahrzunehmen, zumal sich das Deutschtum drüben kräftig rührt, aber wir müssen uns nicht einbilden, die öffentliche Meinung der Ver­einigten Staaten auch nur zur Hälfte auf unserer Seite zu haben-

Es fügt sich gut, ldaß zugleich mit den Mitteilungen über die amerikanischen Stimmungen wertvolle Auf­schlüsse über die Bearbeitung der öffentlichen Meinung in Dänemark durch die größere Geschicklichkeit der Engländer hergelangen, und daß wir auch in diesem Punkte die mangelnde Fähigkeit unserer Diplomatie zu einer erfolgverheißendcn Gegen­aktion^ zu beklagen haben- Die Kopenhagener „Politiken" erzählt, der deutsche Gesandte Graf Brock­dorff- Rantzau habe es a b g e l e h n t, auf eine vor­her von dem Blatts veröffentlichte Unterredung mit dem englischen Gesandten zu antworten, da der Augen­blick für eine Polemik nicht geeignet sei! Qb das wahr ist, können wir nicht wissen, möchten vielmehr mit dem „Tageblatt", das darüber berichtet, gern glauben, daß es nicht wahr sei- Aber darum bleibt es doch bestehen, daß die einflußreiche „Politiken" diese Darstellung verbreitet und bei ihren dänischen Lesern gewiß Glauben damit findet- Wieviel jedenfalls in Kopenhagen und sicher ebenso in den anderen nordi­schen Staaten zur Ansklärung getan werden muß, das erfährt man aus den weiteren dortigen Mitteilungen des „Tageblatts", nach denen der englische Ge­sandte eine geradezu entsetzliche, für uns entsetzliche, Tätigkeit der B r u n n e n v e r g i f t u n g ausübt- Trotz unserer Siege, mit denen allein schon die eng­lischen Darstellungen Lügen gestraft werden, wird das dänische Volk s Y st e m a t i s ch zu den Engländern Hin­übergetrieben, alles stimmt in den Chor der Engländer ein: „Seht die Barbaren vor Löwen", Deutschland bleibt für die Dänen ein „Barbarenstaat", das predigt der Engländer, und das glaubt die Welt- Der dänische Verfasser des sehr beachtenden Aufsatzes im „Tage­blatt" schreibt zum Schluß: „Kein Mensch, er sei denn ein Deutscher, glaubt, daß es sich für Deutschland um einen Volkskrieg, um einen Kreuzzug handelt- Man sieht n n r den preußischen Soldaten mit Pickelhaube und Drill und nicht das Volk, das sich erhoben hat, um für seine Kult u r zu kämpfen, für das Feinste, Liebste, Zarteste, was es besitzt, für seine deutsche Seele"

Das ist doch geradezu grauenhaft, und wir alle müssen fordern, laut und nachdrücklich, daß zur Ab-

nur mit seiner Ermattung. Er kommt zu ihnen mit ange­schossenen Gliedern und verwundeten Menschen, er kommt mit dem stechenden Duft der Hospitäler und mit den kleinen Trupps der Marschmaroden. Seltsam aber: dieser Anblick hat uns nicht herabgestimmt, ja er hat unsere Zuversicht ge­stärkt, er hat unser Vertrauen erhöht, denn nun haben wir es selber erlebt, wie bei uns alles klappt, mit welch arithme­tischer Genauigkeit alles berechnet und wie wunderbar sedcs geringste Detail vorgesorgt ist. Auf die Minute genau, wie ein Expreßzug, kam der Rote^Kreuz-Train an. Im Nu hatten die sicher gedrillten Hände der akademischen Hilfs­legion die Verwundeten auS den Wagen gehoben, auf die Bahren gelegt und schon sausten die Automobile nach allen Seiten der Stadt,

Prunkende Paläste sind setzt in Hospitäler verwandelt. In den Riesenräumen großer Handelshäuser, wo sonst die rastlose Maschinerie des Erloerbslebens klappert, herrscht die sanfte und einschläfernde Stille des Krankenzimmers. Wien hat für leine verwundeten Söhne mobilisiert. Und überall stauen sich Menschen vor den Toren, Man läßt jeden, der da­rum ansucht, ein, denn unsere Fürsorge kann sich sehen lassen.

Es ist draußen am Rande der Stadt, wo sie ländlich sich löst. Ein weißes Haus zwischen grün blühenden Gürten, Autos fahren vor, flinke Fiaker und langsam trabendo Kaleschen. Die einfachen Leute aus dem Volk, die fürs Vaterland das Leben wagten, bekommen hohen Besuch. Hohen und allerhöchsten, Erzherzöge und Fürstinnen. Man sieht polnische Gräfinnen mit ihrem mystisch dunklen Haar,

wehr mehr als bisher geschehe- In dem erwähnten Kopenhagener Artikel heißt es weiter: „Wenn der ausgezeichnete deutsche Gesandte in Dänemark wie sein englischer Gegenpart mit seinem Namen für die deutschen Berichte einträte, wenn er z- B- heute die Mitteilungen seiner Regierung über den Fall Löwen der Presse mit seinem persönlichen Ausspruch übergäbe, es wäre für Deutschland viel ge» Wonnen-" Warum geschieht das nun nicht? Warum immer wieder diese unbegreifliche Zurück­haltung? Und so kann man immer wieder fragen, wenn es sich um den Aufklärungsdienst im Auslande handelt- Der uns wohlwollend gesinnte italienische Botschafter, Herr Bollati, beklagte es nach seiner Rück­kehr aus Rom, daß bisher von Berlin aus verhältnis­mäßig wenig geschehen sei, um den englischen und französischen Lügen in der italienischen Presse ent­gegenzutreten. Ja, war u m ist „verhältnismäßig wenig" geschehen? Warum wird nicht beispiels­weise den Zeitungen in den neutralen europäischen Staaten (Amerika ist ja leider nicht für uns erreich­bar) ein mit der Autorität des Reichskanzlers gestützter ausführlicher Bericht über die Greuel- taten der Franktireurs derartig übermittelt, daß jeder Satz sich auch dem Widerstrebend- st e n wie eine g r a n i t n e Wahrheit in das Hirn einhämmern lassen muß? Jeden Tag müssen wir das Wort nehmen, keine feindliche Lüge darf auch nur eine Stunde leben- Der Weg ist gewiesen, unserer Regierung liegt es ob, ihn zu gehen-

Weltwirtschaft unö Krieg,

Die englischen Anfschneidereien, den Krieg zehn und zwanzig Jahre hinausziehen zu wollen, geben erwünschte Veranlassung, den weltwirtschaftlichen Knochenbau des Krieges zu untersuchen. Es wird sich zeigen, daß keine der kriegführenden Großmächte weniger in der Lage ist, den Krieg lange durchzuhalten, als gerade unser brutalster Gegner England- Die ge- geschichtlichen Hinweise auf frühere „heroische^ An­wandlungen Englands haben nur den Wert van Redensarten, denn weder läßt sich ein Vergleich mit den napoleonischen Kriegen ziehen, noch mit d-en lang­wierigen englischen Kolonialkriegen- Vor 100 Jahren waren die wirtschaftlichen Zustände und Verhältnisse grundverschieden, und bei den Kolonialkriegen, der Burenkrieg macht keine Ausnahme, kommt in Be­tracht, daß England seinen wirtschaftlichen Status auf­rechterhalten konnte- Denn es würde gewissermaßen außerhalb der kulturellen Wirtschaftszone gefochten- Jetzt aber liegt die Kulturwelt im Kriege- Englands überfetteter Wirtschastsbau steckt in den Anfängen einer furchtbar ernsten Krise. Sehen wir zu.

Englands Gesamtaußenhandel (Einfuhr und Aus­fuhr) betrug iin Jahre 1913 rund Milliarde M- Die Einfuhr belief sich auf rund 15% Milliarden M- Es ist bekannt, daß England fast seine gesamten Nabrunasmittel nicht selbst erzeugt, sondern einsühren muß- An Getreide, Mehl, Butter, Obst nsw- führte es für rund 3 Milliarden M- ein, an Genußmitteln, Tee, Zucker, Tabak für etwa 920 Millionen M- Der Wert der Gesamteinfuhr für alle für den Lebensunter­halt mehr oder wem>ger notwendigen Artikel betrug beinahe 6 Mfilliarden M- An Rohstoffen (Menerze,

und blonde Wiener Komtesserln, Generale fabren vor und Industriekapitäne. Die Verwundetenspitäler sind jetzt das Stelldichein der Wiener Gesellschaft. Ganze Körbe mit dem köstlichstem Obst wandern in die Paticntenzimmer. Jetzt hält der Wagen der vornehmsten Jnnern-Stadt-Konditorei. Und durch die hohen, weißlackicrten Säle, in denen die Kranken in weißen Kitteln, fünf und fünf, beisammenliegen, geht eben die stadtbekannte Gräfin, deren strahlende Schönheit ebenso berühmt ist wie der Glanz ihrer haselnußgroßen Perlen. Sie geht von Bett zu Bett. Sie fiagt von Mann zu Mann, auf deutsch, tschechisch oder magyarisch, wie es war, wie es kam. Und auf jedem Nachtkästchen bleibt eine Zigarettenschachtel zu hundert Stück stehen. „Den Lanzen­stich werden wir bald los sein", sagte ein Deutschmeister, „aber wir werden noch Nikotinvergiftung kriegen." >

Jawohl, den Deutschmeistern geht es famos. Sie sitzen in einem Winkel zusammen am Tisch und dreschen ihr Tarock. Sie sind außer Bett schon, und bald sind sie wiederum unten beim Feind. Ja, wirklich: es steht nicht nur in gefärbten Zeitungsberichten, die Leute wollen wieder zur Front und ihre spitzbübischen Wiener Gesichter werden ganz ernst, sie werden ganz feierlich und fast von einer er» habenen Entschlossenheit erfüllt, wie sie davon erzählen: „Wir haben es versprochen, Herr, wir haben unseren Kameraden das Wort gegeben, sie nicht zu verlassen. Herr, es ist was, wenn man zwölf Stunden nebeneinander, Seite an Seite, im Kugelregen liegt. Da hält man sein Wort." Ganz nahe waren sie am Feind. Und auf einmal langt einer unter sein Kopspolster, er zieht eine Kosakenmütze hervor,