Nr. 424.
Freitag, 11. September 1914.
W. T.-B. Wien, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Das „Fremdenblatt" schreibt: Diit inniger Teilnahme und auf- nchtiger Bewunderung für den Heldenmut der Söhne des Kaisers Wilhelm wird man die Nachricht von der Verwundung des Prinzen Joachim vernehmen. Bei der leichten urt der Verwundung ist zu hoffen, daß der Prinz bald wieder- targestellt sein und in die Gefechtslinie zurückkehren wird.
Des Kaisers Anerkennung für die Tapferkeit der Sachsen.
. W. T.-B. Dresden, 11 Sept. (Nichtamtlich.) Dem König Friedrich August ist gestern nachmittag folgendes Telegramm des Kaisers zugegangen: „S. M. dem König von Sachsen, Wachwih. Während der ganzen Operativ- ^LN hat Deine Armee unter besonders schwierigen Verhält- Nissen Hervorragende? geleistet. Die gestern nach heißem Kampfe errungenen Erfolge bilden ein neues Ruhmesblatt. Du kannst stolz sein auf Seine Truppen. Nimm meinen warmen Glückwunsch. Wilhelm.
Zum Tode des Prinzen Ernst von Sachsen-Meiningen.
V. T.-B. Meiningen, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Nach emer Mitteilung des Hofmarschallamtes von Meiningen hat öer Kaiser dem Herzog von Sachsen-Meiningen mitgeteilt, daß Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, der Sohn des vor Rainur gefallenen Prinzen Friedrich von Sachsen-Meiningen, der Bruder des Großherzogs von Sachsen, gefallen ist. Er Kurde am 20. August vor Maubeuge mit militärischen Ehren begraben.
Deutsche doch nach Sibirien verschickt?
Trotz aller gegenteiligen Versicherungen scheint es sich °°ch zu bestätigen, daß deutsche Untertanen _bon den russischen Behörden nach Sibirien verschickt worden sind. Ein . großes industrielles Unternehmen in Berlin, das eine Zweigfabrik in Schlüsselburg bei Petersburg besitzt, sendet einem Herrn, besten Bruder in dem russischen Zweiggeschäft angestellt ist. °uf seine Anfrage folgende telegraphische Auskunft: „Samtige deutsche Beamten in Schlüsselburg sind verhaftet und "ach Sibirien, wahrscheinlich nach I e n i s s e i s k, transportiert worden."
Vorsorge und Kürsorge.
, Schwäbisch-Gmünd, 10. Sept. Der Arbeitgeberverband °er Edelmetallindustrie hat der Stadtverwaltung *0000 M. als Kriegsbcihilfe gespendet.
Die KrirgSspende des deutschen LehrcrvcreinS.
. Der Gesamtvorstand des Deutschen Lehrervereins hat Mgendem Vorschläge des geschäftsführenden Ausschusses zu- tastimmt' Aus den Barbeständen der Kasse des Deutschen tahrervereins sind 30 000 M. 'als Kriegsspend e derart SU verwenden, daß 10 000 M. dem Roten Kreuz, 10 000 M. ber Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der rm Kriege Gefallenen und 10 000 M. dem Kriegsunterstützungsfonds des Reichsmarineamtes zugeführt werden. Zur Linderung ber Not unter den aus Ostpreußen und dem Auslands nach Berlin geflohenen Mitgliedern des Deutschen Lehrervererns bewilligt der geschäftsführende Ausschuß vorläufig 1000 M.
Ein Rcservclazarctt in Kabine».
Auf Anordnung deS Kaisers läßt die Gutsverwal- tang von Kabinen ein Reservelazarett mit achtzig bis hun- bert Betten einrichten.
Der Kaiser und die ostpreutzischen Verwundeten. Danzig, 10. Sept. Ein vom Kaiser über den Fall von Haubeuge an die Kaiserin nach Danzig gelangtes Telegramm schließt, wie der Oberpräsident mitteilt, mit den Wor- ^ .Grüße mir die braven ostpreutzischen Verwundeten. Gott hat wieder sichtlich, geholfen." ifttre herzliche österreichische Zustimmung zum kaiserlichen Einspruch gegen die barbarische Kriegsführung der Gegner.
. W. T-B. Wien, 10. Sept. (Nichtamtlich.) In der Be- 'brechung des feierlichen, an den Präsidenten Wilson gerrch- wten Protestes des deutschen Kaisers gegen die barbarische Und verbrecherische Verwendung von Dumdumgeschossen schreibt das „Neue Wiener Tageblatt": Was daran ^sonders ruhmvoll und denkwürdig ist, ist nicht bloß die >wamme Art, wie der Kaiser als erhabener Vertreter der Menschlichkeit auftritt, sondern namentlich die einfache, SU Herzen gehende Sprache, die jedes rechtliche Gefühl unwiderstehlich zur Teilnahme zwingt. Der deutsche "Uiser, der sieghafte Krieger, der wahre Führer seines Volkes Und der große Mensch voller Herz, der er ist, hat sich ein taues großes Verdienst um die Sache der Menschlichkeit ererben. Wenn die sieghaften Taten seiner Armee ihm . neue Ruhmeskränze flechten, so wird auch dieser Akt des Fürsten, im Kriege die Menschlichkeit nicht vergißt, ihm ?.^chfalls Anrecht geben auf einen Kranz, der unverwelklich auf denjenigen der wahren Humanität.
Missbadener T«rgb!att»
Zlbend-Ausgabc, 1. Matt.
Seite 9i
von der französischen Herrschaft an der deutschen Grenze.
W. T-B. Berlin, 11. Sept. In dem Briese eines höheren deutschen Sanitätsoffiziers, der zurzer. einem Lazarett in einer lothringischen Stadt vorsteht und der drei Tage in den Händen der Franzosen war, heißt es: Die Franzosen haben in kindlicher Art und rasender Wut alle Wohnungen der deutschen Beamten und Offiziere zerstört und alles in nicht wiederzugebender Weise beschmutzt. Sie hoben selbst aus dem Lazarett einen S ch w e i n e st a l l gemacht. Die französischen Kranken erzählten, daß sich die französischen Ärzte um ihre eigenen Kranken nicht bekümmert hätten und Sektgelage ab- hieltcn, während die Verwundeten Qualen litten. Nur ein Stabsarzt machte eine rühmliche Ausnahme. Die Einwohner sagten, die drei Tage der französischen Herrschaft hätten mehr als die ganzen 43 Jahre deutscher Herrschaft germanisiert. Die 'französischen Verwundeten sind dankbar, daß sie in den deutschen Lazaretten Pflege und Wartung finden. Die Krankenschwestern und Krankenpfleger haben 1100 neue Betten hergerichtet.
Die Tätigkeit der deutschen Klieger.
O Turin, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht) Wie die Pariser „Liberty" berichtet, sollen sich gestern unter den nach Paris beförderten Gefangenen 12 deutsche Flieger befinden, die seinerzeit Paris überflogen und bombardiert haben. Die Flieger hatten während der unaufhörlichen Veränderungen in den französischen Stellungen durch Rauchbomben, die sie auf,die sich bewegenden Truppenmassen fallen ließen, ihrer Artillerie die Stellen markiert. — Gestern früh hat ein deutscher Flieger über Trohes mehrere Bomben geworfen, von denen eine am Bahnhossplatz explodierte und schweren Gebäudeschaden anrichtete sowie einen Kürassier schwer verletzte. Der deutsche Flieger. wurde dann von einem französischen Doppeldecker längere Zeit verfolgt.
Der Transport von Liebesgaben ins Keld.
IV. T-B. Berlin, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Um die durch die Trüppentvanspovte herporgerufenen Verkehrs- schwierigketten zu umgehen, sendet das Zentralkomitee vom Roten Kreuze heute Automobile, bepackt mit wollenen Socken Fußlappen, Hemden, Unterbeinkleidern, Unterjacken, Wein, Seife, Mittel zur Fußpflege, mit der Eisenbahn nach dem östlichen Etappenh-mprort. Von dort werden sie durch Chauffeure und Begleitmannschaften sofort zu den Truppenteilen geführt. Für weitere Materialnachschübe ist Sorge getragen, so daß von der Front mit Verwundeten zurückkehrende Automobile sofort wieder mit Gaben beladen au den Truppen zurückgesandt werden können. Die gleiche Einrichtung ist für den westlichen Kriegsschauplatz in Aussicht ge- nommcn. Die durch solche Maßnahmen entstehenden sehr erheblichen Ausgaben rechtfertigen die Bitte um Beiträge der Bevölkerung.
Zur Warnung!
Die Verurteilung eines Schwätzers.
# Berlin, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der „Vorwärts" meldet: Ein Bergmann in Benthen hatte erzählt, die Kosaken seien in Oberschlesien eingedrungen, hätten alle Fernsprechleitungen zerstört und das Land verwüstet. Der Schwätzer hatte sich dieserhalb vor dem Kriegsgericht in Ratibor zu verantworten und wurde wegen der Gefährlichkeit seiner. Handlungsweise zu einem .Jahr Gefängnis verurteilt.
Die nationale Stiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen.
W- T.-B. Berlin, 11. Sept. ' Der nationalen Stiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen sind u a. von Herrn Reichsrät Frhrn. v. Cramer-Klett zu München 10 000 M. überwiesen worden.
Die Schamlosigkeit der englischen Lügner.
W. T.-B. Berlin, 10. Sept, (Amtlich.) Sine amtliche Mitteilung des englischen Generalkonsuls für die Niederlande in Rotterdam, die (wie von uns schon in der Mittwoch-Abend- Ausgabe gemeldet wurde. Schriftl.) unter vem 4. September als Flugblatt in holländischer Sprache in den Straßen verteilt wurde zeigt erneut, mit welchen Waffen unsere Gegner kämpfen. Sie lauter in Übersetzung: Wie wir vernehmen, sind zahlreiche Gerüchte im Umlauf, nach denen sogenannte Dumdumgeschosse im Besitze englischer Soldaten gesunden fern sollen Ebenso verlautet, daß bei dem -letzten Seegefecht bei Helgoland mehr Deutsche durch englische Kriegsschiffsboote hätten gerettet werden können,. doch habe warn sie ertrinken Iaffen ohne alle möglichen Anstrengungen zu ihrer Rettung gemachten haben. Beide Gerüchte und Erklärungen sind ganz und gar unwahr und böswillig in Umlauf gesetzt worden. .Kern einziges Dumdumgeschoß ist von englischen Soldaten verwendet
worden. Was die Entschuldigung anbetrifft, daß inan deck Deutschen habe ertrinken lassen, so muß festgestellt werden, daß deutsche Offiziere auf die eigenen Mannschafte» geschossen haben, um zu verhindern, daß sie sich von den durch die Engländer ausgesetztcn Booten ausnehmen lassen. Ferner steht fest, daß die deutschen Kriegsschiffe auch auf eng- lisch- Rettungsboote schossen, während diese die verwundet im Wasser treibenden deutschen Seeleute retteten. —- (Notiz des W. T.-B.: Daß bei den englischen Soldaten Dumdumgeschosse gefunden worden sind, bedarf nach dem Telegramm des Kaisers an den Präsidenten der Vereinigten Staaten keiner weiteren B e st ä t i-g u n g, die unerhörte Verleumdung, deutsche Seeoffiziere hätten auf die im Waffen schwimm enoen Mannschaften und deutsche Kriegsschiffe auf die bei Rettungsarbeiten befindlichen Boote geschossen, steht zu tief, um eines Wortes gelvüvdigt zu werden.)
Die Herkunft der Dumdumgeschosse.
Berlin, 9. Sept. Die Dllmdumpatronen, die dem ersten in der Kriegspressekonferenz geöffneten Palet entstammten» trugen am Boden der Messinghülse die Prägung: „Art. Dopt. Jve", sind also englisches Fabrikat. Jve ist eine Gemeinde in England, Grafschaft Cornwall. Man pflegt die Depots so anzulegen, daß eine vorkommende Explosion möglichst wenig Schaden anrichten kann, weshalb man für das in Frage stehende Depot die Nähe des abgelegenen kleinen Ortes in Cornwall gewählt hat.
Russische Bcntcpfcrbe für die ostpreutzischen Bauern.
Um die große Zahl der russischen Beutepferde los zu sein, werden sie, da ihre Verpflegung Schwierigkeiten macht, den ostpreußischen Bauern geschenkt, damit sie ihre Bestände ergänzen können Vielfach machen die Tiere aber einen erbärmlichen Eindruck und sind zu schweren Arbeiten nicht geeignet.
Ruhe und Ordnung in Namur.
Rotterdam, 9. Sept. Namur ist nach Schilderungen holländischer Blätter die ruhigste der durch die Deutschen besetzten Städte. Die Beziehungen zwischen den Bürgern und dem deutschen Militär sind ausgezeichnet. Die Zeitung „Ami de lOrdre" erscheint täglich. Belgische und französische Sanitätssoldaten verkehren frei in der Stadt, ebenso englische Krankenpflegerinnen. Die gesprengten Maasbrücken sind sämtlich durch neue Brücken ersetzt. Dabei hat Namur mehr gelitten als Lüttich. Das Rathaus und über 100 Privathäuser und ein Teil der Zitadelle sind zerstört.
Auszeichnung eines Fliegers.
IV. T.-B. Straßburg i. E.. 10. Sept. (Nichtamtlich.) _ Wie die Straßburger Neue Zeitung" meldet, ist dem Chefpiloten der Aviatikwerke, Karl I n g o l d in Mülhausen, der zurzeit als FoMvebel-Leutnant Megerdienste tut, als erstem Zivrl" flieger für Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz verlieben worden. Der Flieger unternahm unter außerordentlich gefähvlichen Umständen einen Fernflug, wofür ihm diese Auszeichnung zuerkannt wurde.
Unerwartete Kriegsbeute.
Stockholm, 10. Sept. Die deutsche Saßnitz-Fähre hat unwissentlich Kriegsbeute gemacht: Der englische Fracht
dampfer „Thelma" hielt das mit schwarzer Farbe angestrichene Fährschiff für ein feindliches Kriegsfahrzeug und lief schleunigst bei Smhge Huk absichtlich auf Grund. (Fr. Z.)
Die Behandlung französischer Militärärzte.
$ Haag, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht) Eine Grupp» französischer Militärärzte traf von Maastricht ein und begab sich über England nach Frankreich. Zunächst glaubte man, diese Ärzte seien aus der deutschen Gefangenschaft entflohen, in Wirklichkeit aber sind sie deutscherseits gemäß der Genfer Konvention in Lüttich nach der Heimat entlassen
worden. .. „
Eine neue englische Lugennachrrcht.
W“. T.-B- London, 10. Sept. Die „Times" vom 3. September behauptet in einem Bericht, daß am 29. August in Lüttich 350 gefangene Engländer erschossen worden seien, weil bei ihnen Dumdumgeschosse gefunden wurden. Diese Nachricht ist erlogen.
Der Khcdivc gegen den englischen Völkerrechtsbruch!
Gegen die Ausweisung des deutschen Vertreters aus Ägypten durch den englischen Militärkommandanten in Kairo hat, wie die „Times" schreibt, der Khedive selbst Einspruch -erhoben als Verletzung seiner ihm allein znstehen- den Hoheitsrechte über Ägypten. Der englische Kommandant habe daraufhin die Verordnung von sich selbst durchgeführt und zugleich aus Grund des Kriegsrechts die oberen LandesbehördenÄgYPtens dem -englischen Militärkommando unterstellt.
!5 der Bevölkerung der tiefgehende Schnitt. Nichts verbindet
^hr die hüben und die drüben stehen, die drüben denken feuchten Augen und bangen Seelen an dre Freunde r, , Angehörigen, die aus deutschem Feld für Elsaß ver- taen. Wilde Gerüchte gehen von Mund zu Mund, die un- L^ublichstxn Nachrichten über deutsche Niederlagen. Dre und alle sonstigen Verbindungen nach dem deutschen itB v erIartb sind abgeschnitten. Es heißt, die Franzosen Ans ÖDr Mutzig, und Stratzburg hungere und zittere, di- r-i Schulen werden die großen schwarzen Tafeln auf Ix.- sfs^vße geschleppt, und in großen Lettern steht daraus zu q e j n ' "Vivo lg Trance! A bas Guillaume! „SBit sind eins ^n, um Euch zu retten", sagen die Franzosen. Eine Frau gibt ihnen zur Antwort: „Aber das war ja
nötig. Wir waren durchaus nicht unglücklich!"
° sie mit einem Ohr freundliche Worte und mit
anderen aus dem Volksmund schroffe Wahrheit, wer eine Woche weht auf dem Rathaus die Tricolore. rx.?^siiindert sich jäh das Bild.
Ngto ^ Wirklichkeit, die eherne) gepanzerte Wirklichkeit, mit Konzerten. Mit Kanonen und Säbel-
tat die Gebirgstäler, bis in die Ebene hinein, wütet
Erdrutschen sind da!
Patron!» "E man nicht daran glauben, eS seien bloß Schritt, n — es seien — Aber nein — sie sind da! Und Schritt wollen sie den Boden sich erkämpfen. Mit Das -?*ung. Mit unerbittlicher Wut. ta&e n rj, 1 '! ein maßlos blutiges Ringen. Die Franzosen ^Utschp„ s^st verschanzt und ihr Kugelregen hagelt über die taüW Reihen, und wo ein Deutscher fällt, scheinen sich wieder drei Franzosen zu erheben.
„Feuer!" kommandiert der Hauptmann. Eine Granate reißt ihm das Wort vom Mund. Ein anderer übernimmt das Kommando. Die Toten werden aufgeschichtet und miftscn als Deckung dienen. Das ist keine Schändung der Zeichen. Tot dienen die Soldaten noch dem Vaterländ. Kurz und sachlich tönen die Kommandorufe.
„Feuer!"
Und die Deutschen bezwingen es.
Ans den Höhen schweigen die feindlichen Kämmen. Die Franzosen weichen zurück. Die Truppen sind nicht mehr zu halten.
„Vorwärts! Marsch — marsch!
Das Zeichen zum Stürmen ist gegeben. Der Hornist bläst. Die Soldaten stürzen auf den Feind, um die Stellung zu räumen. Kolbeuschläge. Bajonettstiche. Manu um Mann. Auge um Auge.
Jetzt verwandelt sich das Zurückweichen der Franzosen in eine panikartige Flucht. Tornister und Säbel werfen sie weg und laufen über die Waldwege und Landstraße in ihr Grenzstädtchen zurück.
Sie haben für dje Bewohner und die Fahne auf dem Rathaus keinen Blick mehr. Zur Grenze gut Grenze! Sie sind jetzt nur noch Menschen mit starkem Lebensinstinkt, hinter denen der'Tod läuft. —
Ein paar heiße Gefechte noch auf den Kammhohen, und nach einigen Tagen sind die Franzosen bis weit über die Grenze nach St. Dis zurückgedrängt. ,
Einen furchtbaren Anblick bieten die Schlachtfelder. Wer so etwas mit ansieht, wird für das Leben ernst und still.
Da bebt noch die Erde von dem furchtbaren Ringen. An manchen Stellen ist sie rot — blutrot — an anderen zerwühlt, zerstampft, versengt, verbrannt.
Tornister, Säbel, Käppis, Patronentaschen bedecken in wirrem Durcheinander den .Waldboden. Dazwischen liegen die Toten — kalt und starr — mit den gebrochenen Augen, die keine liebende Frau ihnen schließen konnte. Junge, mele Junge sind dabei. Freund und Feind. Ohne Unterschied. Hie und da sind schon Gräber aufgeworfen worden. Schlicht- Kreuze und Aufschriften besagen, wieviele Offiziere und Soldaten da ruhen. Auf dem einen heißt es: „Hier ruht . . . mit seinem Freunde . . ." So konnte auch der Tod zwei.tapfere Kameraden nicht trennen.
Der Wald ist wie verheert. Die Bäume sind unter der Wucht der Schrapnells wie mit einem Hieb vom Erdboden getrennt worden. Stämme und Zweige sind über die Pferde» leichen gestürzt. Hunde suchen die Spur der letzten Verwnn- beten auf, die die Roten Kreüzwappen bergen.
So viel Elend — so viel Tränen. Das würgt in der Kehle, daß man laut ansschluchzen möchte. Und man weiß, diesen Schlachtfeldern, diesen Toten und Verwundeten wer» den sich noch viele, viele anreihen, und dann —
Dann wird Deutschland nach siegreichen Kämpfen für die Kultur in Europa arbeiten, im Frieden wieder anfbauen, was der Krieg vernichtet hat.
Aus Kun6 und Leben.
Bildende Kunst und Musik. Aus Bad Em§ wird unS
mitgeteilt, daß der Herzog von Anhalt, der im Sommer einige Wochen dort zur Kur weilte und wiederholt den Konzerten der Kurkapellc auwohnte, dem verdienstvollen Dirigenten, städtischen Musikdirektor Artur Wolf von Koblenz, die „Goldene Medaille für Kunst und Wisse», schaft" verliehen hat.
