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11. September 1914.
Militärische Betrachtungen.
Von Generalmajor z- D. v. Werlhof.
deutschen
Lehren des Feldzuges. *)
und die österreichisch-ungarischen haben sich vortrefflich geschlagen. GAM Offiziere sagten selbst, daß der Elan des hj^'chischen Angriffs denjenigen der Japaner weit Nch lasse. Ähnliche Urteile Neutraler oder von k f!: n liegen zur Genüge vor, so dasjenige des brasi- en Militärattaches Oberst Julien, der „mit Be- dieses Volk in Waffen" (das deutsche) „be- 41tm e -» oder des Spezialkorrespondenten der J ", der den Ansturm der Deutschen mit dien ^Anhaltenden Wogen des Meeres vergleicht. We^og Joseph rühmte besonders die hervorragenden ^ie der österreichischen Artillerie. Während
N.nzösische Feldartillerie gut geschossen hat, wird üxj.-^lrkung der französischen Jnfanteriegeschosse als bei^ ^ hoch gehend abfällig beurteilt. Die Meuterei hk ^ 0 . französischen Armeekorps ist charakteristisch, Mch bisher anscheinend vereinzelt geblieben, noch i>kj„?aender ist aber ihre verschiedenartige Be- nMg jm Ministerrat.
das Versagen der Kosaken, deren Lebens- das Rauben zu sein scheint, während sie ernstlichen Kampfe gern ausweichen, wird kein Nii^erständiger sich gewundert haben. Ihre unge- dgsAen Leistungen sind aus der Bekämpfung des im Auen Aufstandes 1863/64 bekannt, sie waren auch be/uf u r keir kriege von 1877/78 gering und in’ weiften gegen die Japaner 1964/05 .weniger als «h^afk. Die russische Infanterie- hielt lejsj^lst nrit großer Zähigkeit, ihre Schieß- >„:n.!ten werden aber abfällig beurteilt. Von der A^lchen Artillerie wird berichtet, daß ihre Aus- und Wirkung ungemein verschieden sei. Östcr- !»h M Offiziere behaupten, daß die Granaten viel- k'J'att mit Sprengstoff mit Schotter gefüllt ge- ' /W •, en - Schotter ist freilich billiger, hat aber den »3% ' nicht zu explodieren. Bei der genugsam be- m russischen Wirtschaft würde man sich über Vorkommnisse nicht zu wundern brauchen.
M dt . den deutschen Luftschiffen zittert man Erfahrungen von Lüttich in Ant- 1«»." f n, Paris und London. Die Bomben
, -p il U » uuu aj u u «u u u. xjix : rC/unuuvi
und englischer Flieger sind ohne sonder. iS? geblieben. Der Krieg bat schon jetzt
Atz nlen Sieg des vom Auslande bis zum Jahre »i-, verspotteten „starren S Y st e m S" erwiesen, allein Deutschland, und zwar in zwei her- k,Mden Arten, dem Zeppelin und dem Schütte- mk^rfügt, denn die französischen Nachabmungs- sind gescheitert oder zu spät gekommen
and hat in der Luft keinen ebenbürtigen Gegner.
Oberkommando
J'JeJ 1 ,’); Veröffentlichung zugclassen ^OMerrken.
^ Technik der Befehlsgebung.
^ (Von unserem nnlitärrschen Mitarbeiter.) t'k handelt sich im Kriege in allen seinen Phasen, nicht was von den zuständigen Führern befohlen wird, h . k-f c? befohlen wird. Ob der Befehl klar und deut- i» ****iRe ,l nt i €rn 1 von jeder mißverständlichen Fassung ist, ob > (ich^ 'dem der Befehl erteilt wird, ihn auch unzweideutig ,^eix^vsnehmen kann, das ist mindestens eine so wichtige A)rL ni,e it wie die Durchführung der Maßnahmen, die
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'£ werden. Darum hat sich, zumal in unserer Zeit, IS Epoche der ^ru»E ^ vc
tt,,?. ^ £ i allen Gelegenheiten eindringlich gewahrt
„. x- -- großen technischen Fortschritte im Heer- idi^4run Beiehlstcchnik herausgebildet, deren
^E^weinen Gesichtspunkte für die Befehlserteilung
in dem Sah, daß Gefechtsbefehle von jedem iheii V ^^alten werden müssen. Klarheit und Be- ikts °Üer' lßden Zweifel ausschließt. ist unendlich viel " eine etwa formaercchte ( 7 „
es natürlich, daß zu- ik? bes Befehles erwünscht ist; sie darf aber nie-
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»7?. ir«,“ 1 “ eine etwa sormgercchte Abfassung des Be s« die K 7 '°lchen Verhältnissen ist >h?.SUn, des Befehles erwünscht
vgx .Baden der Deutlichkeit werden. Es soll über» j-beit i,, 8 ?. befohlen werden, dessen Ausführbarkeit mit übersetzen ist. Kein Führer darf zu weit hin. StS konnte nK ^ kiwa Fälle in Betracht ziehen, die ein- sondern ' nur für den Fall Anordnungen einer bestimmten Angelegenheit in Frage
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kjS. ^fvsv ist es durch die Natur der Sache ausgc- , ^ ^ Befehl etwa begründet werde, oder daß
^^'e»^ö8li<n,A"jl!cn ausgesprochen, Voraussehungen aufge- fsten in Betracht gezogen oder gar Bcfürch-
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bp "’cn e rex>i©
tt Befehlen gar nicht in den Gesichtskreis des-
werden. Es gehört mit zu einer vollends dee,^c» ?osehlsgebung, daß alle überflüssigen Ge-
425. . S2. Jahrgang.
Was den Gesundheitszustand betrifft, so ist darauf hinzuweisen, daß, währe:rd ün russischen Heere ^ der Alkohol nicht gerade förderlich eingewirkt haben dürfte, im französischen schon im Frieden die ^ Tuberkulose eine geradezu erschreckende Rolle spielt. Über die unwürdige Stellung des französischen So.nitätsossiziier- korps und den damit im Zusammerchang stehenden Mangel an Ärzten wird geklagt. (Als Kuriosum sei hier erwähnt, daß M o n t e n egro in den Balkankrieg mit sage und schreibe fünf Militärärzten ging.) Wenn wir auch über den derzeitigen Gesundheitszustand bei den im Felde stehenden Russen, Franzosen und Engländern wenig unterrichtet sind, so ist er doch naturgemäß ungünstiger als in unserem Heere, denn die Schrecken des Rückzuges reden auch hier eine deutliche Sprache, selbst wenn er im eigenen Lande vor sich geht. Der Gesundheitszustand des deutschen Heeres wird dagegen vom Chef des Sanitätswesens als ein guter und seuchenfreier bezeichnet. Leider sind zahlreiche Beweise dafür gesammelt, daß di>e feindlichen Einwohner, die Franzosen und auch die Trrippen des englischen Kulturvolkes, wie es im Berichte heißt, Dumdumgeschosse anwenden, die geeignet sind, grausame Verletzungen hervorzubringen. Diese Patronen sind von der Heeresverwaltung den Truppen geliefert. Auf ein paar Völkerrechtsverletzungen kommt es ja den Engländern nicht an, ihnen, die bei der geringsten Verfehlung anderer sofort die gewohnte scheinheilige Miene aufsetzen. Die Beschlagnahme in England im Bau begriffener türkischer Schiffe, das höheren Ortes noch belobte Verfahren des „Highflyer" gegen den Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große" sind Brutalitäten, die jenem Volk ein Brandmal aufdrücken. Bezeichnend für die englische Auffassung sind die Worte des Kourmaudanten von Gibraltar dem Kapitän des italienischen Dampfers „Ancona" gegenüber, der ihn auf das Völkerrechtswidrige seines Verhaltens gegenüber seinen Schiffspassagieren aufmerksam machte: „In Kriegs- zeiten werden die Gesetzbücher geschlossen, und England macht die Gesetze". Stead, kein Deutschenfreund, aber ■ ein Warner vor den Gefahren der Greyschen Politik, hat vergeblich verlangt, daß man sich in den^ Grenzen der zehn Gebote halte, übrigens macht England bei seinen Verbündeten auch in dieser Beziehung Schule. Man kann nicht gerade behaupten, daß die ganze Art der Kriegsführung auf beiden Seiten, denn ein völkerrechtswidriges Verfahren rust .selbstverständlich Vergeltungsmaßregeln hervor, einen Fortschritt darstelle. Ein Offizier schreibt, daß man sich in die Zeiten des 30jährigen Krieges versetzt glaube.
Hat die Art der Kriegsführung einen ganz anderen Charakter angenomm-en, so gilt dasselbe von dem Bilde der' großen Schlachten selbst. Entsprechend der Zahl der Streiter — das österreichische Kriegspressequartier schätzt die sich in Polen-Galizien gegenüberstebenden Truppen auf 1% Millionen — weist die Ausdehnung der Armeen unge-
kannte Ausdehnungen auf, auch die Armeekorps beanspruchen eine erheblich breitere Front als bisher, womit der S e I b st t ä t i g k e i t der UnterMrer und des einzelnen Mannes weitere Grenzen gesteckt werden als bisher. Nahmen in der größten Schlacht des Krieges 1870/71 acht deutsche Armeekorps eine Front von 18 km ein, so betrug die Aufmarschfront von sieben deutscheri Armeen an der französischen Grenze 1914 3 0 0 km, während der Kampfplatz des österreichisch-ungarischen Heeres als 4 0 0 km breit angegeben wird. Naturgemäß konnte es sich bei solchen Truppenmafsen und derartigen Kampffronten nicht um Gesamt-, sondern nur um E i n z e l s ch I a ch t e n hlLndeln. Rechneten früher die Schlachten nach Stunden, so sind diese jetzt zu Tagen geworden. Es ist danach denkbar, daß während einer solchen Tagesschlacht eine Heranziehung selbst größerer Truppen- massen mittels der Eisen b a h neu zur Entscheidung bewirkt werden kann, im Vorteil ift in dieser Beziehung der im eigenen Lande Kriegführende.
Noch ein Wort über den Seekrieg. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber alle Einzelhandlungen unserer Flotte haben bewiesen, daß sie denselben ungestümen Drang des Heeres besitzen, den des schwer zu zügelnden Drausgehens., Es dringen allerlei Nachrichten an die Öffentlichkeit, die darauf schließen lassen, daß die englische Kriegs- und Handelsmarine nicht unerhMiche Verluste zu beklagen hatte. Wenn nun die „Times" kürzlich erklärte, daß England den 5lTieg selbst dann weiterführen werde, wenn auch alle seine Verbündeten niedergeworfen sein sollten, .gleich einer Dogge, die ihr einmal gefaßtes Opfer nicht nicht mehr loslasse, so ist demgegenüber zu bemerken, daß Großbritannien seine Landkriege bisher fast ausschließlich durch andere Völker führen ließ. Wenn aber das Geld ausgeht, dann tritt die Notwendigkeit ein, auf den Landkrieg zu verzichten, und es könnte der Augenblick kommen, wo auch die Führung des Seekrieges durch Söldner, wie es jetzt geschieht, unter dem Mangel an Barem erlahmen könnte; denn es sprechen manche Anzeichen dafür, daß die finanzielle Rüstung Albions nichts wcnriger als glänzend ist und, wie noch kürzlich im „Tag" ausgeführt wurde, keinen Vergleich mit den deutschen Verhältnissen aushält. Wie sagte doch Trivalzio: „Zum Kriegführen sind drei Dinge nötig: Geld, Geld und nochmals Geld." Wir haben ja nun davon auch gerade keinen Überfluß, aber wozu ist mit Belgien das verhältnismäßig reichste Land Europas jetzt in deutschen Händen? Im siebenjährigen Kriege mußte Sachsen, ohne daß es wie Belgien zweimal ersucht war, sich dem Durchmärsche gegenübsr neutral zu verhalten, weit mehr für Preußens Kriegszwecke bezahlen, als die vielgerühmten Subsidien Englands betrugen, und eine erhebliche Zahl von Soldaten stellen. Auf die belgischen Rekruten wollen wir ja gern verzichten, aber was das Geld betrifft, soll Belgien fiir uns das werden, was Sachsen während des siebenjährigen Krieges für Friedrich den Großen war.
jenigen Empfängers eintreten können, dem der Befehl gilt, lind auch das verlangt die Technik des Befehlens, daß der Befehlende sich in den Gedankenkreis und in das Verständnis des Empfängers hineinzudenken vermöge. Daß jeder Befehl, der schriftlich erteilt wird, vor allen Dingen daraus geprüft wird, ob etwa eine Mißdeutung möglich wäre, versteht sich twn selbst.
Unerläßlich ist beim Befehlen die deutliche Bezeichnung des Zweckes. Die Wahl der Mittel- durch die der angestrebte Zweck erreicht werden soll, mutz dem Untergebenen überlasten bleiben. Dies aber setzt voraus, dah von seiten des Befehlen- den kein Eingriff in den Befehlsbereich der Unterführer geschieht, sondern Latz deren Verantwortun!gs- und Dienst- freudigkeit auch unter den schwierigsten Verhältnissen aufrecht erhalten bleibt. So wird man beispielsweise in einem Befehle vermeiden, dem Unterführer zu sagen, er möge l>em K Feinde „entgegentreten", „versuchen", „so weit als möglich", „vor stärkern Kräften ausweichen", oder gar „kämpfen ohne die Entscheidung zu. suchen". Dies wären ebenso schädliche militärische Phrasen, wie die Wendungen „dürfte", „möchte" und „könnte". Aus all diesen Worten ersteht dem Unterführer kein klares Bild von dem, was er eigentlich ganz bestimmt tun soll, und sie machen ihn nur unsicher in seinen Entschlüssen. Freilich muß auch in einer.ausgebildeten Technik der Befehlserteilung die Einhaltung des Dienstweges immer angestrebt werden. Lätzt sich dies nicht durchführen, so müssen die übergangenen Stellen von dem Inhalts des Be» fehles verständigt werden, der in solchen Fällen gegeben worden ist. Streng ist darauf zu achten, dah in einem Befehle das Wichtige vorangestellt werde. Ebenso mutz man das, was in einem Befehle inhaltlich zusammengchört, vereinigen. Es empfiehlt sich demnach, um eine richtige Gruppierung des Befehlsstoffes zu erzielen, die schriftlichen Befehle in Rum-' mcrn zu gliedern. Schriftliche Befehle liest der Befehlende am besten vor der Ausgabe durch und läßt sie, wenn sie mehreren Empfängern zu gleicher Zeit erteilt worden sind,
durch einen der Empfänger vorlesen. Mindliche^ Befehle sind durch den Empfänger, auch wenn dieser ein Offizier ist, stets zu wiederholen.
In den meisten Armeen geschieht die Befehlsübermittlung bei Operationsbefehlen stir den folgenden Tag'gewöhnlich am Abend vorher, durch Übersendung von umgedruckten Befehlen an die Truppen, oder nran bezeichnet ihnen durch Telegraph, Ordonnanzoffiziere, durch Radfahrer oder durch Meldereiter, von wann ab sie sich in der Unterkunft oder auf den Biwakplätzen bereithalten, beziehungsweise ^ wann und wo sie sich in die Marschordnung der Kolonne einfügen sollen, die zu einem bestimnUen Zweck in Bewegung gesetzt wird. Bleibt es au: nächsten Morgen bei der ursprünglich gefaßten Anordnung, so geschieht die Benachrichtigung der Truppen über alle näheren Umstände am besten durch Umdrucke, in; Notfälle, z. B„ wenn die Lage gang ungeklärt ist oder bei plötzlich eintretenden Veränderungen, durch^ Alarmierung. Dann erfolgen die weiteren Befehle mündlich oder auf andere Weise an die im Anmarsch befindlichen Truppen, die ihrerseits ihre Adjutanten an die vorher bekannt gegebenen Alarmsammelplätze vorausschicken. Hier wird dann auch alles andere befohlen. Für das Gefecht lassen sich irgend welche Regeln'für die Befehlsausgabe überhaupt nicht gebe::. Hier entscheidet im Einzclfall stets die Zweckmäßigkeit.
Wenn ein Befehl duvch Fernsprecher oder durch Winker.» flaggen erteilt wird, so muß dabei bemerkt werden, wer den Befehl gegeben hat. In solchen Fällen muß stets eine Rückmeldung in Wortlaute erfolgen. Aber selbst wenn die Ver- bindung als gesichert gilt, ist es oft ratsam, wichtige Befehle neben der Übermittlung durch diese technischen Mittel auch schriftlich auszufertigen. Vor dem Gefechte erteilt man mündliche Befehle gleichzeitig an die versammelten Unterführer. Die Adjutanten schreiben das Wichtigste nach. Im Gefechte aber wird es schwer zu rechtfertigen sein, wenn man die Führer zur Entgegennahme eines Befehles von ihren Trctppen wegruft. Es darf dies nur in ganz besondere«
