9h. 4SS. Dmmerstag, 10. September 1914.
Jlbend-Ausgabe, 1. Blatt.
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tönen Regimentern aber können dort nicht erteilt werden und ebensowenig solche über Deutsche, die sich im Ausland befinden und über Flüchtlinge aus unseren Grenzprovinzen. ^ Nachdem die brieflichen Anfragen einen nicht mehr zu bewältigenden Umfang angenommen haben, andererseits nunmehr alle Postanstalten die für Auskunftszwecke vorgedruckten tosa Karten auszugeben in der Lage find, können vom 8entralnachweiseburean nur noch diese beantwortet werden. Briefliche Anfragen, gewöhnliche Postkarten können von letzt ab nicht mehr erledigt werden.
Ein hessischer Prinz schwer verwundet.
Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen, der älteste Sohn des Prinzen Friedrich Karl von Hessen, der mit den Hanauer Ulanen als Leutnant in den Krieg zog, ist in Frankreich durch einen Brust sch uh verwundet worden. Sein Befinden ist den Umständen nach gut.
Deutsche Minen.
$ Haag, 10. Sept. (Eig. Drahtbericht) Zsas Postboot ist gestern morgen nicht aus Ostende eingelaufen, angeblich, weil deutsche Fischerboote am Feuerschiff Minen ausgesetzt haben. — Einer „Reutermeldung" zufolge, hat ein englisches Kanonenboot ein deutsches Fischerfahrzeug genommen, das angeblich Minen auslegte und noch 200 cm Bord hatte. ~— Die „Times" kündet ernste Matzregeln gegen Minenlegen an und versichert, datz an der Suffolkküste bis zur Norkshireküste überall Minen ausgelegt sind.
Der württembergifche Kricgsminister als stellvertretender
kommandierender General. „
W. T.-B. Stuttgart, 10. Sept. Der „Staatsanzeiger Meldet: Der König hat durch Allerhöchste Order den General der Infanterie und Generaladfutanten v. Marchtaler Unter Belassung in ferner Stellung als KrieBministn zum stellvertretenden kommandierenden General des 13. Konrgl. Württembergischen Armeekorps ernannt.
Besetzung der Walfisckchai durch die Deutschen.
London, 9. Sept. Deutsche Truppen Letzten dre W a l - fischb ai. Die britische Regierung bemerkt dazu: Die Bar kann leicht wiedergewonnen werden, sobald dre sudafmkomrsche Regierung ihre Vorbereitungen beendigt hat, rn Deutsch- Südwestafrika einzufallen. (Frl'f. Zig.)
Die Begeisterung für den deutschen Bundesgenossen in Budapest.
T-B Budapest» 10. Sept. (Nichtamtlich) Der hauptstädtische Baurat hat in einer unter dem Vorsitz des Staa s- sekretärs im Ministerium des Innern, Dinetqy von Usfalu, obgehaltenen Sitzung den Antrag des Brrrgermersters, den Waitzinger-Ring „Kaiser-Wilhelm- R r n g und den °m Westbahnhof befindlichen Platz „Berliner Platz zu Nennen, einstimmig angenommen.
Der griechisch-katholische Patriarch von Lemberg m russischer Gefangenschaft.
*** Wien, 10. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der gvi«hlsch- katholische Patriarch in Lemberg wurde von den Russen gefangen genommen. Die österreichischen Behörden hatten ihn vor der Räumung Lembergs durch dm Truppen zu uber- i reden versucht, die Stadt zu verlassen. ^ Er erwioerte aber. „Wo die Herde, da muh auch der Hirte sein .
Die russischen Streitkräfte-> in Galizien. .
XXX Wien, 10. Sept. (Eig. Drahtbsr.) Der Kriegs- korrespondcnt des «Fremd enblaltes stellt rn seinem Berichte fest, datz auf russischer Seite ungefähr 560 000 Mann Infanterie, 40 000 werter, nng^ahr 1500 Maschinengewehre und mehr als ^000 Ge - s ch ü tz'e an den Kämpfen der letzten Woche beteiligt
* Wie dem Zaren die wobilmachungsorder abgezwungen wurde.
# Berlin, 10. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die „B. 3." schreibt: Es beginnen sich nach und nach dw Schleier vo i-nen Vorgängen zu lüften, die sich '» den kritischen Tagen >-or Ausbruch des Krieges im Zarenpalast in Petersburg ab- «rspiclt haben. Von Eingeweihten wird der Hergang am Tarenhofe folgendermaßen geschildert: Am 25. August verbreitete die Agence HavaS folgende Meldung: „Man erfährt aus Petersburg, daß die russische Mobilisation, die am 25. Juli begonnen hat, am 24. August vollkommen beendet worden ist." Dieser 25. Juli war für Rußlands Geschick ein kritischer Tag allererster Ordnung. An diesem Tage nämlich "schien Nikolaus Nikolajcwitsch beim Zaren und stellte ihm im Namen der Großfürstenpartei ein Ultimatum:
Entweder abdanken oder die Mobilmachungsordcr unterschreiben.
Fest steht jedenfalls, daß der Zar am 25. Juli dem jetzigen Generalissimus die Mobilmachungsordcr übergab, sich dann
mehrere Tage in sein Zimmer eingeschlvffen hat und weder Ssasonow geschweige denn den Kriegsminister vorgelassen hat. Am 27. Juli konnte dann der russische Kriegsminrster dem deutschen Militärüevollmächtigtcn chrcnwörtlrch erklären, eS fei kein Mobilmachungsbefehl ergangen. Am 29. Juli hat der russische Generalstabsches diese ehrenwörtliche Erklärung wiederholt. — Nun wissen wir ja, daß man ein russisches Ehrenwort nicht auf die Goldwage legen darf, aber der Schein bleibt gewahrt, denn weder der Kriegsminister noch der Generalstabsches haben am 27. oder 29. Jnlr den Zaren zu Gesicht bekommen, während die MobilmachungS- order sich schon am 25. Juli in der Tasche der Generalisst- mus befand. .
Damit wäre eine Lücke in den über den Krreg ver- öffentlichten Weißbüchern geschlossen. Der Großfürst bat eben ohne Wissen und Willen der anderen Instanzen dem Zaren am 25. Juli die Mobilmachungsorder nicht etwa abgelistet» sondern abgezwnngcn.
England macht seine Neger mobil.
Der „Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt vom 2. September: Es herrscht hier eine wachsende Stimmung dafür, datz 1lberseetruppen von Südafrika gesandt werden sollten. Die Bereitschaft, zu dienen, zeigte sich heute durch die Beantwortung der Aufforderung des Bürgermeisters. Rerrutie- rungsbureauS wurden eröffnet und vormittags hatten sich bereits 1000 Mann eingezeichnet.
Eine Massenversammlung von Färbi gen wurde heute in dem Rathaus abgehalten. Beschlüsse wurden gefasst, dass die Neger in Südafrika zu einem Kriegsfonds beitragen muhten, und die die Errichtung'eines Korps von 5 000 Farbigen zum aktiven Heeresdienstes billigten. .
Die-Meldung erscheint zwar nicht sehr glaubwürdig, doch ist sie für das englische Volk sicherlich hocherfreulich. Deshalb auch wird sie das geschäftstüchtige Blatt seinen Lesern vorgesetzt haben.
Ein Einspruch der englischen Liberalen gegen den Krieg
W T.-B. Berlin, 10. Sept. Dem „B. T." kommt eine ausführliche englische liberale Abhandlung zu Gesicht, welche darin gipfelt, datz England den Krieg ganz ohne Grund gegen alle Treu und Glauben vom Zaun gebrochen habe, dass England Frankreich niemals den Krieg erklärt haben wurde, wenn dieses in Belgien eingerückt wäre, datz Deutschland stets loyal gegenüber England gehandelt habe und datz England nur dem Zarentum und dem russischen Militarismus anf- helse und den Fortschritt des russischen Volkes hemme.
Die Lage in Ägypten. — Mißtrauen der Engländer.
W- T.-B. Konstantinopel, 10. Sept. (Nichtamtlich.) Wie „Tavrr-r-Efkiar" erfährt, legen die Engländer in den letzten Tagen gegenüber der Bevölkerung Ägyptens grosses Misstrauen an den Tag. Einige Blätter besprechen dm zwischen England, Frankreich und Rutzland abgeschlossenen Vertrag, dessen Wortlaut hier von der englischen Botschaft veröffentlicht worden ist. Sie erblicken in diesem Vertrag ein
Zeichen der Schwäche.
Wie sich England inö eigene Fleisch schneidet.
M. London, 10. Sept. Der „Economist" wendet sich gegen die Stimmen, wellhe die englische Regierung zu Schritten drängen, um die neutralen Staaten zu verhinderst, c-ebensmittel und andere notwendigen Waren an Deutschland zu verkaufen. Es ist klar, sagt daS wlkÄvnt- schaftliche Fachblatt, dass England anstatt durch solche Massnahmen zu gewinnen, überall moralische Einbußen erleiden würde. Ein Versuch Englands, den legitimen Handel Amerikas und der skandinavischen Länder zu verhindern, würde die allgemeine Meinung sofort gegen England wenden und dessen eigene kommerzielle Verbindungen in Gefahr bringen.
Englands Angst vor deutschen Luftschiffen.
Die „Times" meldet, dass die englische Marine auch damit beauftragt worden ist, Angriffe gegen London aus der Lust aibzutvehren. Wasserflugzeuge patrouillieren regelmäßig die Ostküste Englands entlang, um aus deutsche Luftschiffe und Flugzeuge zu lauern. Nachts arbeiten Scheinwerfer. Auf den Regierungsgebäuden sind Kanonen ausgestellt worden und es werden Flugzeuge bereit gehalten.
Ein Einspruch der Missionare gegen England wegen Verletzung der Kongoakte.
W- T.-B- Berlin, 10. Sept. Wie die „Tagst Rundschau" berichtet, erheben evangelische und katholische Missionäre einen flammenden Protest gegen die Verletzung der Kongoakte, Artikel 11, wonach kriegerische Verwicklungen zwischen europäischen Mächten nicht auf afrikanisches Gebiet übertragen werden dürfen. England hat den Bemühungen von verschiedenen Seiten, es zur Ein
haltung der Kongoakte zu bewegen, nicht entsprochen, darum ist der Protest erhoben worden, dessen weiteste Verbreirung im ganzen Ausland erforderlich ist.
Dev Zustand Belgiens.
Ein weiterer Bericht des Direktors Dr. Helfferich.
W- T-.B. Berlin, 9. Sept. (Nichtamtlich) Die .,Nordd. Allg. Ztg." bringt eine weitere ausführliche Schilderung des Direktors der Deutschen Bank Dr. Helfferrch über den Zustand Belgiens. Dr. Helfferich sagt u. a.: Einige Ortschaften sind
völlig zerstört; teils ist in diesen Ortschi tat heftig gefochten worden, zum anderen Terle erfolgte die Zerstörung wegen heimtückischer Überfälle nach friedlicher Kapitulation. So wurde'die kleine Stadt Baltic e niedergebrannt, werk der Bürgermeister des Ortes nach einer Bewillkommnungs- ansprache den Führer der deutschen Abteilung nieder- s ch o ß. Gleichzeitig wurde aus allen Fenstern ein wütendes Feuer auf die in" den Straßen haltenden deutschen Kolonnen eröffnet. Dagegen ist der große Jndustrieort Verviers völlig unversehrt. Die Stadt Lüttich selbst zeigt nur an wenigen Stellen Spuren des Krieges. Gegenüber der Universität find allerdings eine Anzahl Häuser zusammengeschossen, weil nach der Besetzung der Stadt auf unsere Soldaten von hier geschossen wurde, wie behauptet wurde von russischen Studenten. Die schönste Brücke Lüttichs und die meisten Brücken im Maastal sind von den Belgiern ganz zweckloser Weise selbst gesprengt wor- den. Unsere Truppen errichteten in kürzester Zeit Notbrücken. Zwischen Lüttich und Ti rl emo nt, wo unsere Truppen in breiter Front sich vorwärts bewegten, sicht es bis auf wenige Stellen friedlich aus, als ob nie der Filß eines feindlichen Soldaten die Gegend betreten hätte. Nirgends hat man den Eindruck, als ob unsere Truppen ohne Not zerstört und verbrannt hätten. Ttrtemont selbst ist gänzlich unversehrt. Von Löwen ist lediglich derjenige Stadtteil niedergebrannt, in dem die heimtückischen Überfälle und die anhaltenden Straßenkämpfe stattgefunden haben. Unsere Truppen selbst versuchten zu retten, w<rs zu retten war. In der Stadt B r ü s s e l rst keinem menschlichen Wesen auch nur ein Haar gekrümmt worden. Das Eigentum der Bürger wird auf das peinlichste respektiert; Requisitionen der Truppen wie alle Einkäufe der einzelnen Soldaten erfolgen gegen bare Zahlung. Das große Jndustricbecken von Char- leroi ist so gut wie vollständig verschont geblieben. Alle Fabriken und Werke sind intakt, ^n der weiteren Umgebung von MaNbeugc sind die großen Ortschaften im wesentlichen unberührt, dagegensind die Zerstörungen in der näheren Umgebung, soweit ste im Bereich der Geschütze der Festung liegt, er-
^An' dieser Stelle schaltet Dr. Helfferich ein, daß die bei den Ausfällen aus Maubeuge gefangenen englischen Soldaten übereinstimmend aus- sagten, daß sie ihre scharfe Munition aus einem rn M a u b e u g e eingerichteten Depot erhielten, wobei zu beachten ist' daß das englische GewchrkaUber Nicht mit dem französischen identisch ist, daß also speziell die Munition für die englischen Truppen bereit ge- halten worden war. Bei den englischen Soldaten wurden große Mengen von Dumdumgeschossen vorgefunden. In der Gegend zwischen Sambre und Maas kehrten die Einwohner zurück. Nachdem dort erbitterte Kämpfe stattgefunden hatten, haben sich die Einwohner überzeugt, daß der deutsche Soldat, solange man ihm nicht ans Leben gehst £* friedlichste Mensch der ganzen Welt ist. ^m Tal der Maas wurde D i n a n t total zerstört, wett unsere Truppen nach friedlicher Kapitulatton der Stadt und mehrtägigem Ailfenthalt plötzlich von allen Setten her von den Einwohnren beschossen wurden. Aus dem gleichen Grunde inußte die Zerstörung emes großen Teils der Stadt Andenne erfolgen. Den meisten übrigen Orten des Maastales ist von den Schrecken des 'Krieges nichts anzumerken. Der Gesamteindruck ist, daß unsere Truppen nur dort zerstört haben) wo die bittere Notwendigkeit des Gefechtes es verlangte oder, wo das Verhalten der Einwohnerschaft die schwersten Repressalien nötig machte. An zahl-
iistindesimatz eingeschränkt. Die Frau war eingeschnürt m
E'Nen eisernen Panzer, ihr Unterkörper gänzlich 'entstellt tstrch wulstartige Aufbauschung der Hülsten, die tn
Deutschland als „Weiberspeck" verspättet wurde. Auch der Mann stopfte Ärmel, Beinkleider und Wams wulstartig aus. charakteristischste, beiden Geschlechtern gemeinsame An- dieser Tracht aber war die „Kröse", die riesengroße, ,"ttartig steif gestärkte Halskrause, die zwar nicht so schwer ein Mühlstein um den Hals hing, aber nicht geringer als "n Mühlstein die Beweglichkeit ihres Trägers hinderte. Diese stacht, die in Genua und Neapel, in Hamburg und Lübeck Mens ~ “
^Enso wie in Madrid die große Mode gewesen, war nichts für ein Jahrhundert, das wie dieses 17. van Kriegs-
unaufhörlich durchtost war. Die schwere Zeit räumte k. 1 mit der Unvernunft der spanischen Tracht; eine K!er- die dem Menschen Beweglichkeit, dem Körper N-atür- derstattete, beginnt sich einzubürgern. Es ist der Soü der nunmehr den Ton angibt -und das Soldatenkleid *3 äum Vorbild, dem der bürgerliche Rock bald nachfol-gt. rote Sammet-Uniform, wie- sie im Bayerischen Natio- Museum aufbewahrt ist, zeigt bereits einen Schnitt, der iü ^ noch in der Männerkleidung nicht ganz verschwunden ten (r* Vergleich mit dem überall Beengten und Gespann- aeiA, , spanischen Tracht bekommt, wie Boehn, der ausge- iefet • Modekenner, darlegt, „die Kleidung des Mannes S^.^men Charakter des Wetten, Hängenden, wenn man will NqK^^pjgen". Und die der Frau folgt etwas langsamer den'»^influtzt von den Mederlanden, die, wie heute^ von gEü^^Mssswirren des endlosen GlaubenÄkampfeS verschont ^ waren.
Unb an me unisorm ves 'sounneii, aujö >piuui|u.,i.
bei bedacht, war auch die „deutsche Tracht", die
" w cwen.
'sugelehnt an die Uniform des Soldaten, aufs Praktische
i$on a Befreiungskriegen entstanden ist. Damals
bün . Ee man ii* mit einer Nationaltracktt frei machen
sollte man sich mit einer Nationaltracht frei machen welschen Plunder". Kein Geringerer als Ernst
Moritz Arndt gab in dem Schristchen: „Ein Wort aus der
Zeit über Sitte, Mode und Kleidertracht", eingehende Anweisungen über die Kleidung, die der deutsche Jüngling und die deutsche Jungfrau von nun an tragen sollten. Der Frankfurter Geheimrat Willemer, Rud. Zach. Becker und andere erließen ähnliche Ausrufe. Im November 1814, während des Wiener Kongresses, erschienen bei einer Quadrille in der Hofreitschule der Burg 24 Ritterfrauen, um zu zeigen, „wie sehr auch bei Festlichkeiten die majestätische, altdeutsche Kleidung den Vorrang vor den französisch-englischen Zwittermoden, die uns beherrschen, verdient." Diese „Livree des Deutschtums", wie sich Holtet -einmal ausdrückte, konnte sich aber nicht lange halten, weil sie von der opponierenden Jugend, den Turnern und Burschenschaftern, zu einer Sache der politischen Gesinnung, zu einem Abzeichen im Kampf gegen das Metternichsche NnterdrückungSwesen gemacht wurde. Als Sand Kotzäbue, den die deutsch gesinnte Jugend im Verdacht hatte, als Spion im -Sold Rußlands zu stehen, erdolcht hatte und bei dieser unseligen Tat in der deutschen Tracht betroffen worden war, wurde sie von der Regierung unterdrückt. „Der Rock", schrieb damals Kügelgen, „macht freilich nicht den Mörder, aber immerhin, er war durch eine böse Tat geschändet und kein Zeichen mehr von menschlicher und vaterländischer Tugend." So war es aus mit der deutschen Tracht, bis nach dem siegreichen Feldzug von 1870 wieder der Versuch gemacht ivurde, sich von dcn^ Pariser Mode- willkürlichkeiten zu emanzipieren. Ein Versuch, wie man werk, mit unaulännlidkrt Mitteln. Dem jungen Kaisertum
HU. (.iiiaugi^.ti'V.ji. ^ -
weiß, mit unzulänglichen Mitteln. Dem jungen Kaisertum fehlte es an Vergangenheit und an Kräften, um ein ^solches Unternehmen mit Erfolg durchzusühren. Man verfiel in allerlei mittelalterlichen Mummenschanz, der sicherlich gutgemeint war, aber schließlich doch damit endigte, datz alles beim alten blieb.
Diese Erfahrungen haben wir jetzt schon hinter uns. Wir werden besser als früher ähnliche Fehlgriffe zu ver
meiden wissen.. Wir verfügen jetzt aber auch, was vor vierzig wie vor hundert Jahren nicht der Fall gewesen ist, "Mer...eme ausreichende, eine mehr als ausreichende Zahl von Kras tQt die Lust und Befühiigung haben, auch auf diesem etwas zu schaffen, was dem deutschen Namen Ehre «rache« wird. Und -unsere Freunde, die 'Österreicher, werden auch, hier unsere Bundesgenossen sein. Haben dis Künstler Wiener Werkstätte doch seit Jahren schon sich die denkbar grösste Mühe gegeben, um eine von Paris unabhängige Mode zu schaffen. Bestrebungen, die, wie man weiß, nicht ohw Erfolg gebliclbcn sind. Haben doch im vorigen Winter dw Pariser Schneider sich bereits gierig über die Wiener Klci- der-stoffe gestürzt, mit dem Trick allerdings, sie als ori-ent« lische Muster zu „lancieren". So ist Aussicht genug, daß wtü auch -auf dem Gebiet uns ohne unsere Feinde durchsetzen werden. Der Ernst der Zeit wird überdies auf lauge hinausi alle Extravaganzen von selbst verbieten; so wird die neue deutsche Mode, die kommen mutz, von selbst auch VeÄLrpe-i rung von Würde, Sitte und Animlt sein.
Nus Kunst und Leben.
Theater und Literatur. Wegen Ernst Zahn rst ern« kleine Revolution in der Schweiz ausgkbrochen im Verbanü- schweizerischer Schriftsteller. Wie wir berichteten, hat Ernst Zahn dem deutschen Roten. Kreuz 1000 M. überwresen und das Geschenk mit einem Hymnus an Deutschland überreicht. In diesem Gedicht nannte er Deutschland sein Datevland (er meinte sicher wohl fein „geistiges Vaterland"), und dis Schlntz-verse lauteten: „Ich grüße dich, o Vaterland — siegen oder sterbenI" Darob sind nun die schweizerischen Drchtev französischer Zunge sehr verstimmt, und mehrere von ihnen sollen, wie aus Bellinzona berichtet wird, „zum Zeichen dep. Protestes" aus dem Verbands ausgetreten sein-.
