Wiesbadener Sagblatt
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Donnerstag. 16. September 1914.
Kbend-Kusgabe.
Kr. 422.
62. Jahrgang.
Die Dumöumgreuel.
Dt. P. Berlin. 10. September.
, Die Greueltaten, welche in diesem Kriege von
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ictl gar
und das Telegramm des Kaisers an den Präsidenten Wilson stellt einen letzten Appell dar, gerichtet an die Adresse der Neutralen, aber bestimmt auch für unsere Gegner. Bleiben diese Mahnungen und War- --r.lt: .. | nungen, bleibt dieser Appell ungehört, so müssen und
Mnzogicher, belgischer, englischer und russncher Sert. I worden die denkbar schärfsten Repressalien
“euminon v,™rSem (Ar.t.ti 311 nt .<?> f m IN L t. A/em I fl e it diese Barbareien unerbittlich durchge
führt werden. Wir finden in der „Kreuzzeitung schon den Vorschlag, jeden Gefangenen, bei dem Dumdumgeschosse gefunden werden, zu erschießen, -ras ist einstweilen nur der Vorschlag eines einzelnen Blattes. . «.UU.U) «uv ■■ ■ | Auf Frankreich und England aber wird die Verant-
«eite, die, wie einwandfrei festgestellt worden■ dafür fallen, wenn dieser Krieg, den Deutscher allem von französischen, aber auch von engtrstyen ^ und die Donaumonarchie um ihre nationale
Existenz führen, der blutigste wird, den die Weltgeschichte bisher gesehen hat.
^Bangen werden, schreien zu m Hi m m e l. 'stanktireurkrreg und den sonstigen, zum Ter
§cht wiederzugebenden Greueln, welche besonders in Frankreich und Belgien von der Zivilbevölkerung^ an
^unrreich und Belgien von oer Zivu-oevoiretnu-n u» Ehrlosen Verwundeten begangen worden sind, stellt 5) würdig die Verwendung der Dumdumgeschosse an
^riippen benutzt werden. In der letzten dieser Tage ^ranstalteten Besprechung der Berliner Pressevertreter Ucht den Vertretern der Militärbehörden wurden solche Minduingeschosse, die au dem Schlachtfeld von . ^Ntm 6 dy in Lllassen gefunden worden- waren, vor- Bkzeigt, und es wurde zugleich vor unseren Augen noch verschlossenes Paket mit Patro- ? e n geöffnet, das den französischen Fabrik- ^Mpel trug. Während die einzeln Vorgefundenen ; wiidnmgeschoske auf dem Wege der Handarbeit zu ! °IcE)cn umgewandelt worden waren, indem man sie ^ierhalb der Spitze einkerbte und die Spitze selbst ^schrägte, enthielt das Paket — in Longwy wie in §antni 6 dh hat man massenhaft solche Pakete mit Vertag belegt — fabrikmäßig hergestellte Dumdumgeschosse die an der Spitze ein einen halben Zentimeter breites und mehr als einen Zentimeter tiefes ^ch ausweisen. Die Wirkung dieser Dumdumgeschosse. | " natürlich eine englisch'e Erfindung und so ge- ^Nnt nach der Staatsfabrik Dumdum bei E a t - siitta — besteht darin, daß sie nicht wie normale Geschosse glatt durchschlagen, sondern die Wunden Leiter aufreißen und den aus Blei bestehenden -^ant elinhalt in den Körper zerstreuen, so rh diese schmerzhaften Wunden nur schwer oder gar M'cht heilbar sind.
Es wird überall, auch im Auslände, die größte Be- Mtuna gefunden haben, daß der d e u t s ch e K a t s e r w... ,>.»?nfm>•» in miipin 2 "t>learamm an den
N veranlaßt" gesehen hat, in einem Telegramm an den Msidenten Wilson gegen die barbarische Krieg-
„ )t uug im allgemeinen und ine Verwendung der grausamen Dumdumgeschosse im besonderen
__ _ feierlich
; eit Einspruch zu erheben. Wenn der „-Kt m deni in der „N. A. Z." veröffentlichten Potest betont, daß die Anwendung dieser Gejchoste «Urch anerkannten Gri-ndsätze des internationalen
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die anerkannten Grundsätze des internationalen Mts streng verboten ist", so wird man diese Tat- 'LM weder ' in Frankreich, noch in Belgien, noch in
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.„ n Blanh zu leugnen vermögen. Schon die Haager g °nferenz^ von 1899 hatte in ihrer dritten Erklärung T^gesprochen: „Die vertragsschließenden Machte
^.terwerfen sich gegenseitig dem Verbote, ^'chosse zu verwenden, die sich leicht im menschlichen
Tie Feststellung der verschiedenen Dumdumgeschosse.
W- T-.B. Berlin, 9. Sept. (Amtlich) In den Taschen gefangener französischer Soldaten, insbesondere bei Schirm.eck, MontmMy und Longwy hat mmi zahlreiche Stahl Mantelgeschosse gefunden, die auf maschinellem Wege an der Spitze mit einer 5 Milli- meter weiten und 7 Millimeter tiefen Bohrung versehen waren. Bei dem Fort Longwy wurde eine maschinelle Einrichtung vorgefunden, die dazu diente, Geschosse fertiger Patronen in der bezeichneten Weise zu verändern. Dort wurden auch ganze Kisten ^ mit solchen Patronen erbeutet. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß die Patronen in dieser Form von der französischen Heeresverwaltung an die Truppen ausgegeben worden sind. Bei derartigen Hohlspitzengeschossen, die im allgemÄnen unter dem Namen Dumdumgeschosse bekannt sind, tritt beim Aufschlagen der weichere Bleikern vorne heraus, schlägt sich breit und verursacht dadurch besonders grausame, mit unnötigen Leiden verbundene Verwundungen: das gleiche gilt von dem aufaerissenen Geschoßmantel, der schwere Zerreißungen körperlicher Gewebe hervorrnft. Andere hei gefannenen Franzosen Vorgefundene Patronen sind teils durch Einkerben mit stark hervortretenden Graten versehen, teils an den Spitzen abgekniffen, teils sogar gespalten. Die militärische Untersuchung Hat festgestellt. daß die Mannschaften auf Befehl ihrer Offiziere die Patronen in dieser Weese behandelt haben. Auch Geschosse dieser Art können ähnliche, unnötige Verwundungen verursachen wie die sogenannten Dumdumgeschosse. Der Gebrauch aller solcher Geschosse ist nach völkerrechtlichen Grundsätzen verboten, insbesondere nach Art. 23 Abs. 1 der Haager Landkriegs- ordmmg und der. Haager Erklärung vom .29. Juli 1899, betreffend, das Verbot von Geschossen, die sich leicht im menschlichen Körper ausdehnen oder platt drücken.
zu verwenoen, nie iw, it-iuji uh uiui|u|nu,w. Mder ausdehnen oder platt drücken, derart wie die Moste mit hartem Mantel, der den Kern tricht ganz . "Milt oder mit Einschnitten versehen ist."
Die große §ch?acht Vor Paris.
„ Diese Erklärung wurde von Frankreich und v/Igien alsbald unterzeichnet, während Engl ^ diese, seine Erfindung nicht nehmen lassen w
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wollte,
die barbarischen Geschojfc denn auch ausgiebig im
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mÄ?vkriege zur Anwendung brachte. Als im Jahre .^^die zweite Haager Konferenz stattfand, ratifi-
England nachträglich jenes Abkommen von 1899. zM' auf dieser Konferenz wollten die humanen Briten da Dumdumgeschosse wenigstens zur Benutzung für int, Wilden reserviert wissen, aber zum Schluß iän~ mtcn sie doch dem Abkommen voni 18. Oktober ,sv' äu, welches im Art. 23 Absatz 1 Nummer e der y„5."Uung der Gesetze und Gebräuche des Landkrieges"
^«nT-wi-tnrTi hnn SftVtHpn (Aip-
itkinn Eich verbietet, den „Gebrauch von Waffen, Ge- Stoffen, die geeignet sind, unnötige
s*r äu venirsachen".
, arenn die Franzosen jetzt diese Dumdumgeschosse, Nichtanwendung sie sich durch völkerrechtliche trä'Mungen feierlich verpflichtet haben. Me p- V m bemltzen, so streicht die „große Nation",
an hnr Zivilisation ^11 ITtClticfH'CtCrt
bef|i!L l P an der Spitze der Zivilisation zu marschieren ^ >Wtcte,' fidE) damit selbst aus der Reihe, der d°n iw» Hu a t i o n e n, zu dem
^ u a t i o n e n, zu denen übrigens Belgien Me -^aniiern nie gerechnet worden ist. Wenn aber das, estaländer, die der Welt vorznlügen versuchen, dies„?o Deutschland den Krieg erklärt haben, weil - t-zoelgien gegenüber das Völkerrecht verletzt habe AeinÄHENd sio doch mit den Franzosen die gleiche ivider ^Verletzung verabredet hatten! — setzt Völkerrecht
K Mailand, 10. Sept. (Eig. Drahtber.) Italic nischc Blatter berichten ans Paris, daß die große Schlacht bei glühender H i b c fortgeht, angeblich ist die Stimmung des Volkes z u v e r s i ch 1 l t ch. Die Militärbehörde spricht in ihrer Mitteilung von zahlreichen Teil erfolgen. Paris bereitet sich durch Auf stapelnna von Nahrungsmitteln auf eine etwaige Belagerung vor.
Der Wald von Compiäanc in Flammen. — Joffrc durch Pan ersetzt. — Der Fall von Nancy bevorstehend?
O Zürich, 10. Sept. (Eig. Drahtber.) Der „Neuen Züricher Ztg." wird aus Paris telegraphiert: Flüchtlinge berichten, die Franzosen hätten den prächtigen Wald von Compiögne angezündet, um die ^Deutschen daraus zu vertreiben. Auf den Strecken östlich von Paris sah man mächtige Militärzüge mit c n g l i sch e r Infanterie. Der französische Gencralstab zeichnet einen Frontwechsel gegen Nord osten vor. Flüchtige aus Bar-La-Dnc berichteten, sie hätten die Stadt in größter Eile räumen müssen. Der Korrespondent verzeichnet das Gerücht, daß der bedächtige Genera! Jvsfrc durch den General Pan ersetzt werden soll. Die Schlacht bei Charlcroi sei durch deü Fehler des Generals verloren geganqcn. Der französische Gencralstab scheine auf die Idee, den rechten deutschen Flügel umgehen zu lassen, verzichtet m haben. Der Fall von Nancy müsse als bevorstehend angesehen werden.
Bolterrecht van den Dumdumgeschossen M}ee ft® 1 vwchen, so bedeutet das den Gipfel briti-
m p T n t itnS o m t « ko t I
. ck> olei und Gemeinheit.
U>n ^ getan, was in seinen Kräften stand,
snn ,» yar getan, was rn leinen Kranen irano,
^»Nc,p» HH'veiden, daß dieser Krieg, der ihm ausge- ^asiexi,» Nuröe, ein barbarischer wird. Die deutsche Hat gewarnt und wieder gewarnt.,.
W- T-.B. Berlin, 10. Sept. Die Blätter äußern sich zu den neuen Schlachten im Westen und bei Lemberg. Die „Tägl. Rnndsch." meint, daß die K a m p f e bei Paris offenbar an verschiede ne n Stellen begonnen haben. Es kommen allerlei Meldungen ans I Paris auf dem üblichen Wege über London, Rotterdam und Kopenhagen. Sie wissen'von allerhand, zum Teil fulminanten Siegen der Franzosen und Eng
länder zu berichten, widersprechen aber einander in solcher Weise, daß die eine die Wertlosigkeit der anderen dartut. Zn dem lakonischen, aber inhaltsschweren Berichte des österreichischen Generalstabs über die neue Offensive in Galizien schreibt die „Post": Die österreichische Heeresleitung hat sicher alles getan, um sich zu einem neuen entscheidenden Schlage vorzubereiten. Die h e i ß e st e n Wünsche Alldeutschlands begleiten die treuen Waffengefährten in dem neuen schweren Kampf. Möge ihnen das Schlachtenglück hold sein.
Oie Kufbietung der letzten Kräfte in Frankreich.
W- T-.B. Bordeaux, 10. Sept. (Nichtamtlich) Ein gestern nachmittag znsammcngetrctcncr Minister- rat unterbreitete dem Präsidenten Poincarä zur Unterschrift einen Erlaß, durch welchen diejenigen Männer, die bisher dienstuntauglich oder z u - rückgcstellt waren, aufgcfordert werden, sich einer neuen ärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Diejenigen, die als diensttauglich befunden werden, sollen unverzüglich ausge- hoben werden, diejenigen, die sich nach dem Erlaß nicht stellen, werden als diensttauglich an. gesehen.
Deutsche Reiter vor Troies und Brügge.
$ Haag, 10. Sept. (Eig. Drahtber.) Der „Neuwe Rottcrdamsche Courant" berichtet das Vordringen deutscher Reiter bis nach Troics, das alte Tronje. —■ Nach einer Rcntcrmeldung sind deutsche^ Aufklärnngs- truppcn auch in der Nähe von Brügge gesehen worden.
Die serbische Niederlage bei Mitrowitza.
Völlige Vernichtung der 10 000 Mann starken Timok-Division.
XXX Wien, 10. . Sept. (Eig. Drahtber.) Die Niederlage der Serben bei Mitrowitza stellt sich als die völlige Vernichtung der berühmten T i m o k - D i V ision heraus. Die Serben waren zur Nachtzeit unter dem Schutze der Dunkelheit herübergekommey. Als der Feind sich heranschlich, wurde er mit mörderischem Feuer empfangen und umzingelt. Was nicht niedergcmacht wurde, ertrank zurückweichend in der Save oder wurde gefangen genommen. Kein einziges Mitglied der serbischen Offensivtruppen entkam. Der offizielle Bericht schätzt die Zahl der in diesem Nachtkampfe gefallenen Serben auf 5600. Die Timok-Division wird 10 000 Mann stark gewesen sein, so daß ungefähr 5000 Mann gefangen sind.
Ein mißglückter versuch Japans zur Rechtfertigung seines Raubzuges.
W. T.-B. Berlin, 10. Sept. Die „Norbd. Allg. Ztg/ schreibt: In einer Besprechung soll der japanische Botschaftsrat in Rom einem Vertreter der „Stampa" gegenüber erklärt haben, der Krieg zwischen Japan und Deutschland sei dadurch entstanden, weil Deutschland der japanischen Regierung die nicht in Form eines Ultimatums verlangte Zusicherung verweigert habe, daß das deutsche Geschwader in Ostasicn den Friede» und Handel nicht durch kriegerische Operationen störe. Die Kriegserklärung sei daher zum Schuhe seiner Interessen und zur Behinderung der Lahmlegung seines Handels nötig geworden. Dieser Versuch. einer Rechtfertigung deS japanischen Vorgehens im Osten stellt die Wahrheit geradezu auf den Kopf. Bo« japanischer Seite ist ein Verlange», wie da? vom japanischen Botschaftsrat dargclegte, vor Überreichung des Ultimatums an Deutschland nicht gestellt worden. Umgekehrt ist aber dem japanischen Geschäftsträger in Berlin gerade von deutscher Seite, und zwar vor Überreichung dcd Ultimatums Japans, in Aussicht gestellt worden, daß das dcntschc Geschwader in Ostasien Befehl erhalten werde, sich feindlicher Handlungen in den ostasiatischcn'Gewässern zu enthalten, falls Japan in dem deutsch-englischen Konflikt neutral bleibe. Hierauf ist von japanischer Seite eine Antwort nicht erteilt worden. Hierdurch wird auch zugleich die nach englischen Meldungen von dem japanischen Minister des Äußern Kalo in der außerordentlichen Sitzung des japanischen Parlaments vom 5. September ausgestellte Behauptung widerlegt wonach es die Absicht Deutschlands gewesen sei, Kiautsck»» zur'BasiS seiner kriegerischen Operationen im fernen Osten zu machen.
Ein japanischer Torpedöbootszerstörcr untergegangen.
& Rotterdam, 10. Sept. (Eig.. Drahtber.) Der japanische Botschafter in London erhielt die Nachricht, daß der japanische Torpcdobovtszerstörcr „S ch i r o - tayc" infolge Nebels und Regens auf einen Felsen stieß und unterging. Die Besatzung wurde gerettet. (Der „Schirotahc" hatte einen kleinen Gehalt von 410 Tonnen und cine^. Besatzung von 70 Mann. Schrift!.)
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