Verlag Langgasse 21
,,TagblatL-Haus".
Schalter-Halle geöffnet von S Uhr morgens bis 8 Uhr abend-.
wöchentlich
?kz«»s-Vrri« für beide Ausaaben: 70 Psg. monatlich, M. 2.- viertelMrlich durch §JJ8flftfle 21. ohne Bringerlohm M- 3.- vierteljährlich durch alle deutschen Lostanstaltem r Bestellgeld - Bezugs-Bestellungen nehmen augerdem entgegen: m WleSbaden dre Zwe ^arcknug 1v. sowie die Ausgabestellen in allen Tellen der --tadt: tn Blebnch . d'e do>- : ^bestellen und in den benachbarten Landorten und rm Rhemgau die betreffenden Tagblatt Träger.
12 Ausgaben
Fernruf:
„Tagblatt-HanS" Nr. 6fi50-53.
Bon 9 Uhr morgnlS bis 8 Uhr abends, anher Sonntag».
gsllSglfe
itüt dieRulnahme oon Anzeigen an vorgeschricbene» .mrsh.« mii-K tain* fSptMrthr i'ihprnnmmpn.
y 7* ituc nie — p : ’ ’ -
iKcbgttipn M « 81 .».».,.. w». ; »» M ”■ M - i-...
"vnnerstag, '0. September 1914.
Morgen'Ausgabe.
Nr. 42?. ♦ 62. Jahrgang.
Kein Einzelfrieden?
(L.^etftoütöig! Erst fünf Wochen sind feit «dein Ä-beginn berfloffen, und schon redet man vom ff^en, wohl gemerkt in den Kreisen des D r e t - o ff b andes und fürs erste nur negativ. Die rn tzif^on Unterzeichnete Erkläruirg der Regierungen ^britanniens, Frankreichs und Nutzlands, wonach
tz
Her
sich wechselseitig verpflichten^ kernen, Einzelfrieden
Laufe dieses
Richtung
Krieges' zu schließen. ist nach mehr- hin bemerkenswert. Zunächst
^alb, weil das bisher schämig verhüllte enge Ver- "Verhältnis zwischen den Mächten des Drm- andes damit vor aller Öffentlichkeit erngestanden '' und weiter deshalb, werl daraus hervorgeht, datz -» .den leitenden Männern des einen. oder anderen ?s>vsrbandstaates doch schon die bittere Er- S u rt g der etwaigen Notwendigkeit eines Mcnsschlusses ansgetaucht sein muh. Es ist kenn- d,Mend, daß jene Abmachung, welche den Mwanken- ;i Testalten im Dreiverband den Rücken starken soll, N in bar britischen Hauptstadt getroften und es ist unschwer zu erraten, durch wen die °rstruna dieser Frage veranlaßt worden ist. schrank re ich ist der nächste dazu. Seme Heere A aus der ganzen Linie geschlagen, die Deutschen Uen vor den Toren von Paris, und Präsident Ä?car6 mit samt dem Kabinett ist nach Bordeaux st ochtet: kurz, die große Nation steht wieder einmal 5 dem Zusammenbruch, eines neuen Zola Östich, der ihn dereinst besingen wird. Die Ent- >-hunq für Frankreich ist grotz und schmerzlich. Bald ? Tiertelsahrhilndert hat man daraus gerechnet daß >)ßland den Franzosen die Kastanien aus dem holen, daß der Zar seine Kosaken nach Berlin K^^üeren {offen werbe, um ben Franzosan Etsoiz- tx.^lngen zurückzu gewinnen. Und man hat zu diesem hiveck ungezählte Milliarden d-sn lieben M-n vorgeschossen in der Hoffnung ans die Erlösung, ^°n Osten koinmen wird. Jetzt ist alles an d e r j L?"rden. Frankreich, das von llen Russen die crbofftc, mußte some Armeen für das n r e i ch marschieren, muß sie für den pansla »>a?E>en Despotismus verbluten lassen. Vielleicht ^Bv^ Herr Poincarch der ja bei der Ankunft rn i^^aur Tränen vergossen haben soll, bereits weh C« ausrusen: Nikolaus, gib mir meine Legionen r^r und — denn der russische Staatsbanke -Zfldürf, eine der Folgen dieses Weltkrieges sem Milliarden!
Hilfe feierlich versprochen hätte. Die Hilseleistung war mäßig, und sie hat völlig versagt. Mit weiterem Sukkurs aber hält England zurück; es begniigt sich im wesentlichen mit der gesahrlosen Ausbringung deiltscher Handelsschiffe, und redet im übrigen den Franzosen zu: kämpst weiter! Das heißt: laßt euch weiter schlagen! Desgleichen ermahnt man Väterchen Zar, nicht nachzugeben, keinen Einzelsrieden zu schließen.
Die lroben Engländer erweisen sich auch jetzt wreoer als smarte Geschäftsleute. Die Franzosen und Russen sind ihnen gut genug, ihnen bei der erstrebten Niederzwingung des deutschen Konkurrenten zu Helsen; aber nickst minder wichtig ist sür sie die Niederringung des französischen und russischen Nebenbuhlers, denn von einem geschwächten Rußland hat England in Asien und von einem zu Boden geworfenen Frankreich m Afrika nichts zu fürchten. Und so redet man, um drei Stiegen mit einer Klappe zu schlagen, den Franzosen iind Russen zu, unentwegt weiter zu kamvsen, wahrend das durch seine insulare Lage geschützte England sorgsam seine Kräfte schont, um bei^ einem spätereii gemeinsamen Friedensschluß als stärkster der drei Kontrahenten sür sich herauszuschlagen, was herauszuschlagen ist. Es ist das die ^aktik, die der englische Lordkanzler Thomas Morus schon vor 400 Jahren mit den Worten gekennzeichnet^ hat: „Es ist nützlich und ehrenvoll, fremde Völker sur sich fechten zu lassen, denn sie glauben, daß sie eine sehr gute Tal für die ganze Menschheit vollbringen, wenn s« die Welt von der stinkenden Last dieses bösen Volkes be-
freien." * , ...
Wenn sich aber auch die Herren Poincarch VrMam und Genossen in der Rolle des standhaften Zinn saldaten gefallen, so bleibt doch ob zu,warten. wie die seniaen darüber denken werden, , die an ihre Stelle treten, wenn die -ernüchterten und betrogenen Franzosen'die fetzigen Machthaber zum Teufel ge sagt haben werden. Und wissen denn die Herren Asguith, Grey und Cburchill, ob sie noch bei dem gemeinsamen Friedensschluß mitzureden haben werden? Allein wie die Dinge auch weiter verlausen, so steht doch schon setzt fest, daß das Ende dieses gewissenlos herbeigeführten »Weltkrieges zugleich das Ende des Dreiverbandes bedeuten wird. Und vielleicht gebt dies letztere Ende jenem noch erheblich voran — trotz der feierlichen, von Sir Edward Grey . diktierten Erklärung, wonach die drei Mächte des Dreiverbandes keinen Einzelfrieden schließeii dürfen.
t
muß die Mehrheit der Franzosen er- lA daß die Hoffnungen, die sie aus den Zwe-ibnnd eitel Täuschungen waren, daß sie aus ^uss:- K Ersatz weder setzt noch später rechnen können. SrqM dieser einen Täuschung gesellt sich die zweite --b e7 5 aefeHt sich die gescheiterte Hoffnung auf das i>ei,/<b e Albion". um den Titel zu gebrauchen,
die französische Republik dem wtzigen Bundes- ,c ü wr;„f, 0 „ Unf ffs ist atoeifelloS, daß Franr-
verliehen hat. Es ist zweifellos, daß Frank- Aetzt-M des russischen Ziiredens den Waffengang mit Aland nicht gewagt hätte, wenn ii^k^Nreich das die Franzosen für noch mach- "'ls das Zarenreich gehalten haben, tatkräftige
Die große Schlacht vor Paris.
XX Kopenhagen, y. Scpt. (Eig. Drahlber.) Der L-A." berichtet: Londoner Zeitungen veröffentlichen lange Berichte über die große Schlacht, vst- li-b Paris. Es wird in einer Front von 2o0 Kilometer Länge gekämpft. Im Laufe des Dienstags war der Kanonendonner in Paris ganz besonders deutlich zu hören. Bisher wußten die Berichte natürlich nur von „Erfolgen der Verbündeten" zu melden. Man sprach sogar von cinem^großcn Sieg der Franzosen über die Deutschen, wobei die^dcnt,che Garde, als sie sich aus Aufforderung nicht ergevcn wollte, von den
Franzosen angeblich vollständig vernichtet wurde.
Dieser Sieg' scheint aber auf ebenso zuverlässiger Grundlage zu beruhen wie die übrigen französischen Siegesmeldungen. Dienstagabend lautete die letzte Nachricht dahin, daß die Verbündeten n i ch i t nt - stände zu sein schienen, die bisherigen Erfolge ihrer Offcnsivbcwcgung atlfrecht zu erhalten.
Die verblendete Stimmung in Paris.
O Rom, 9. Sept. (Eig. Drahlber.) Wie, der „L.- A." meldet, stimmen die Berichte aus Paris darin überein, daß die Stimmung in der ehemaligen Hauptsich hebe, weil die Deutschen angeblich offenbar vor den furchtbaren Verteidigungswerken von Paris zuruck- wichen. In der Schlacht, die jetzt an der Marne zwischen Mons und Chalons tobt, werden, so hofft man in Paris, die Deutschen unterliegen tmd die Pariser so vor dem Schrecken der Belagerung und dem Bombardement bewahrt bleiben. Man macht schon Scherze über die angebliche Äußerung des Kaisers, daß er am Sedantage in einem Pariser Restaurant essen Werde, und meint, daß das besteckte Menu kalt werden würde, während man schon ftir den Zaren ein Festessen in Berlin bereite.
Zur Flucht naü) Bordeaux.
Der Mailänder „Corriere della Sera" will aus bester Quelle wissen, daß der Entschluß der französischen Regierung, nach Bordemix , überzusiedeln, auf das persönliche Eingreifen Lord Kit ch euer s zuruck- zufüüren sei. Der Vorschlag der Übersiedelung sei auf Widerspruch bei den sozialistischen Ministern Guesde und Sembal gestoßen, die den Ausbruch von Unruhen in Paris befürchteten, wenn das Volk die Nachricht von der VerlegiMg des Regierungssitzes erfahre. Es habe schon eine Ministerkrise gedroht, als Kitchener am 31. August, in Paris mit French, -Fosfre und Gallieni im Mini st er rat erschienen sek, der schließlich die Übersiedelung einstimmig genehmigt habe.
Unverantwortliche Aufreizung zum Uleinkrieg in Belgien.
# Berlin, 9. Sept. (Eig. Drahtber.) Der „L.-A." schreibt: In mehreren Antwcrpener Zeitungen,
z. B. dem „Handelsblad", „Metropole", „Gazette d'Anvers" nsw., soll, wie man uns mitteilt, ern A n s - ruf veröffentlicht worden fern, worin das,belgische Volk aufgcsordert Wird, sich zu verteidigen, Wie ut der .güldenen Sporcnschlacht", wo die Greise, Frauen und Kinder sich rn, so glanzender eise hervorgetan hätten wie die streitharc lacht. Tie „Antwerpeuer Zeitung" ladt mit der Veröffentlichung solcher Ausrufe — so sagt das genannte Blatt — eine schwere Blutschuld auf sich. Wenn
das ohnehin durch franzo,i,che und etzgllschc
S i c g c s I ü g c n verblendete belgische Vo.k sich zu neuen Gewalttätigkeiten gegen unsere Truppen hin- reißcn lasten sollte, so müßte darauf ein sch o nun go- loses Strafgericht folgen.
Eine neue Schlacht kei Lemberg.
W. T.-B. Wien, 9. Sept. (Amtlich) Im Raum Lemberg hat eine neue Schlacht begonnen.
von
Die Wege nach Paris.
ii.
^ * MSzieres-Reims.
Maastal, wo schon 1870 die deutschen Heere «T n 8 e verrichteten und wie in einer Maustfalle das Frankreichs mitsamt seinem Kaiser gefangen 3K Üt auch diesmal die Entscheidung gekommen,
1 3eit wanderten wir oft entlang des dunklen A ond tu seinen steilen Bergwaldungen, kitzelten mit "ach den ^Wken nach gierigen Fischen und kletterten hinauf ^'iche de la Meuse, von denen man weit ins ver-
> ond nach den berühmten Grotten van Dinant,
7-he Han sehen kann. Ein Pariser Freund besaß
Uln das der umklammernde Flügel un;ereS klein»? nach Süden (Reims-Verdun) umschwenkte,
"j"8t di- m ""'S-ndes Gut; er zeigte unS froh und über- s^""hen" ^^Bereitungen, die getrorfcn waren, um hier den
i„"ußen" h ' vre getrorfcn waren, um
man „»i” Durchmarsch unmöglich zu machen: „Wie
v '"ichi nh- bur<l5 diese engen Täler hindurchkommen, die »^>*hre sind und wo ein oder zwei Maschinen-
der gehißt, ausreichen werden? Me Tun-
^( verg^». "nnenbcchnen sind unterminiert und augenblick- ^elamst "i" Maasbrücken der drei einzigen Chausseen tz, i! inst Dynamit versehen, um auf weite Entfer-
eine „ Ztrischen Leitungen aufgesprengt zu werden, i>r^d*rgekgn,"^ dann unrettbar ausgeliefcrte feindliche Vorhut ^ in ip; llCn Win sollte . . ." So sprach der Pariser, T» deukr^^ höchster Sicherheit wähnte.
de qE," Granaten werden kilometerweit über die Meuse geflogen sein und die Felsen von den
Mitrailleusen gesäubert haben; die Maasübergänge dürften bald wiederhergestellt und die Festung Mözitzres^ m die eiserne 'Range genommen worden sein — Mezispes, wo Badard glorreich mit 2000 Mann 35 000 Kaiserlichen wider- itnnb das aber 1815 und 1871 in deutsche Hände sul. Die fanft Sv revolutionäre, anarchistische Bovöl.kerung der Eljen^ verke, die den Präfekten stets mit der . roten Fahne und der Internationale empfing, wird sich,recht stckl vchhalten haben, da man ihr keine Bravour nachrühmt. Nachdem Gwe» und Monlmödy gefallen waren, vermochten auch die übrigen MaaSbefestigungen hier nicht zu widerstehen; Sedan künnti. keinen Rückhalt bieten und die ^ Route nach Reims-Epernah stand dem Feinde ossen, wie kräftig und verzweifelt poch Verdun, Toul und Belfert sich mit der Ostarmee dem Einfall widersetzen würden. ri ,
Aus den Tannenwäldern 'der Ardennen stiegen die Truppen des Herzogs Abbrecht von Württemberg" und des Generalobersten v. Hausen ins Tal der Aisne hinunter, deren Wasser den Weg nach der Oise und Seinem nach Paris, nehmen. Unaufhaltsam rückten sie vor über die Schlach.- folder, auf denen sich vor 4.4 Jahren der Todeskampf des Kaisertums «bspielte, Rauconrt, Doncherp, Hirfon, Reihe:, pilaerten auch nach Liesse und sahen die schwarze Jungfrau
_hie kleine Heiligenstatuette, die hier seit den Kreuzzügen
in der mit marmornen Exvotos, silbernen und goldenen Herzen vollgepfropften Notre-Dame-Kirche angebetet wird, weil sie drei gefangenen Rittern geholfen hätte, im Morgenlande eine Sultanstochter zu bekehren, und zu der schon Ludwig XIII- mit Anna von Österreich um einen Dhronerb;n flehten: ein Wunder geschah und der zukünftige Sonnenkönig, Eroberer des deutschen Elsaß-Lothringens, wurde geboren. Unsere Feldgrauen werden die Statuette nicht , be
rührt haben, damit dir Franzosen weiter zu ihr um Abhilfe gegen die Entvölkerung flehen können. ^
Ein schönes Ziel winkte den Emberern: die vom Marne.> flutz durchzogene reiche Champagne. Beim bloßen Nennen der Namen Reims, Epernay, Ay mußte cs schon unseren verstaubten Kriegern auf den durstigen Zungen angenehm oritzeln, als stünden schon die goldhalsigen Schaumwempullen in Kompagnien vor ihnen. Hatten sic die gefürchteten Wein- bergskämpfe zu bestehen, che sie in die Stadt der Kronnngs- kathedrule cindr.angen? Es hieß gleich zu Beginn ocs Krieges, daß die Regierung die von Mißernten zum Hunger und Aufruhr getriebenen Winzer schonen und, -so wert taktr'che Gründe erlaubten, die neue reiche Traube auf dein Stock nicht von stürmenden Truppen vernichten lassen wolle. Man möchte hoffen, daß den Champenois nicht zu »wl Leids geschah, auch wenn die deutsche Fahne, die von den erbitterten Weinbauern an der Marne hier und da aufgezogen worden war, keine Sympaihickundgebung für uns, sondern nur ein äußerster Protest gegen die Gesetzgeber in, Paris sem some.
ReimS wird während der Umfassungsbeweg,ung rings nm Paris und während des weiteren VormarschS ein Hauptstützpunkt der deutschen Heere in Frankreichs bleiben ' Hier werden die Landsleute, die ihre Reise durch die Republik mit so viel Mühen und Mut erkauften, -auf reichem historischem Boden -stehen und sich am Rasttage -des Anblicks ^hrer Knl. turdenkmäl-er- erfreuen. Sie werden durch die ankrke roM-ischr MarNpforte mit den drei mächtigen Rundbogen und zerfressenen, zerschlagenen Steinskulptureist dem hoben Dom entg-egengezogen sein, -dessen r-agend-majestätisches Bild schon die Pucelle von Orleans entflammte. Die wie Spitzen durchbrochenen Wundertürme - steigen zum Firmament auf, kühn und hehr, eine Augenfreude. Darunter die gewaltige Stein-
