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Nr. 420.

Mittwoch, 9. September 1914.

^obtfier{ habe, hätten die Deutschen veranlaßt, von ihrer

r ^^ “pß^ürtingien Belagerung von Paris abzusehen, bie' sie

Krönung ihrer bisherigen Erfolge betrachteten. Berichte aus dem Kriegsministerium ließen keinen Zweifel, daß die Deutschen, die durch ihre stürmische Offensive furcht­bare Verluste an Menschen und Material erlitten hätten, und vor einem Zusammenstoß mit Truppen zurückschreckten, deren Taktik, kampfloses Zurückweichen, ihre Kraft geschont hatte. Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Tatsache sei die \ 4 u n ^ er * e der Deutschen, die sich nach Osten wenden;

nrcht nur um den Kampf mit französischen Truppen zu ver­meiden, sondern auch, um sich nicht zu weit von ihren Rück- SUgslrnren zu entfernen. Die veränderte Taktik Joffres, des Radius Ouuotutor, zeitige schon ihre ersten Früchte.

Der französische Tagesbefehl.

W. T.-B. Paris, 9. Saht. (Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet, daß der französische Generalissimus an die Trup­pen folgenden Tagesbefehl erlassen hat: Es ist nicht mehr

der Augenblick, rückwärts zu schauen, sondern nur noch den hsernd zurückzudrängen und das gewonnene Terrain, k o st e e s, w a s e s w o l l e, zu behaupten.

Wrsbadeirer Tagb!a1L»

Slbend-AuSgabe, 1. Blatt.

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erlassen, in welchem diese aufgcfordert wird, ihr Klein- gerd im Rathaus einzuwechseln, um die Bezahlung der Gemeindearbciter zu ermöglichen. Nach einer Meldung des „Antwerpcner Handclsblattes" sind dem belgischen Generalstab zwei englische Offiziere attachiert worden

von den großen Brummern.

Wer die Wirkung der 42-Zentimeter-Feldmörser schreibt ein Mitarbeiter der »Münch. N. N." feinem Blatte aus Deutsch-Avricourt zu dem Falle des Sperrforts Manon- viller: Zwei -derartige Mörser wurden in Deutsch-

Avricourt eingcipflanzt, sobald unsere Truppen den Krieg endgültig in Feindesland getragen hatten. Nicht weit vom Bahckhofe begannen sie ihr schreckliches Duett, indem sie das mächtigste der französischen Sperrforts, Manonviller, nieder­ringen sollten und niedergerungen halben, wohl gemerkt, in einer Entfernung von ein paar deutschen M eilen. Die sie bedienen, sehen also ihr Ziel nicht. Berge liegen dazwischen, aber was man nicht sieht, kann man be­rechnen. Da sind genaue Karten da; aber nicht auf sie allein verläßt man sich. Auch ein Fesselballon steigt an ihrer Flanke

Die Verteidiger von Paris.

Paris, 7. Sept. General Michel ist zum Komman­danten des Südsektors der Befestigungen von Paris ernannt tvorden. Zu seinem Generalstabschef ist General Latin ernannt worden. Der ehemalige Präsident Emil Loubet sst zum Präsidenten eines großen Wohltätigkeitsausschusses . gewählt worden.

Die freche Pariser Presse.

v "WL T.-B. Berlin, 9. Sept. Nach dem „Lcckälanzeiger" fechnen die Pariser Blätter noch immer mit einer Vernich­tung des deutschen Heeres unter den Mauern von Paris, örn „Petit Parisien" werde gesagt: Wann werden

Russen Berlin erreichen? Wenn es wirklich zur Pariser ^lagerung kommen sollte, so werde diese Dcidenszeit nur kurzer Dauer sein. Die Russen seien wie die Teufel ^vter den Deutschen her und die Deutschen müßten rasch j.^hrt machen, um die Russen zurückzuschlagen, die -tuen ins Land gedrungen sind. Im „Petit Journal" .ndet sich folgender Ausruf: Das Deutsche Reich muß ver- .irvinden! Wir werden den Frieden in Berlin ^"etzen. Wir werden Europa von den Preußen befreien!

Die französische Knmnicr geschloffen, w T '' B ' ^ firi§ ' 8 - Sept. (Nichtamtlich) Im Minister- ^ am 8. September in Bordeaux berichtete Millerand tzO die militärische Lage. Dann wurde eine Reihe von En beraten, besonders über die Lebensmittelzufuhr. Die V ‘ 0 n k“ Kammer ist geschlosse n. Viviani weist in diesbezüglichen Brief an den Präsidenten der Kam- ^ darauf hin, daß zahlreiche Abgeordnete im Feld sichen, ^i,.d»ß die Nöte, die Frankreich drückten und die sich täglich der Kammer die Möglichkeit des Zusammentritts Ferner sei Frankreich durch höhere Gewalt und die - fcj '8 n iffe gezwungen gewesen, den Sitz der Negierung zu ver- Jwj;' um den Widerstand des Landes zu verstärken und aus- O^Men.

französische Kriegsminister über den deutschen Vormarsch, ^ontmuntque des französischen Kriegsministers aus Bordeaux vom Samstag, das wir nach dem tHii»^?6ebl." Wiedergaben, besagt: Auf unserem linken

• e t , .scheint der Feind die Stadt Paris gan z u nbe ach- t ot 9eu 3U ^?llen und ein anderes größeres Ziel zu ver- Mt 8eind ist bereits über Reims hinausgerückt und

nr^ a den Sous Jourre erreicht. Er berührt

n e fertt • 0cmne - Dies Manöver hat -aber weder heute noch ■ Zweck gehabt. Aus unserem rechten Flügel in

!«,rn und in den Vogesen geht der Kampf nur lang- Miigxn rn u ä to c 1 ’" ,e ^'^r. Maubenge, welches einem ^"rstandmbardement ausgesetzt ist, leistet den blutigsten

Indent ? " '9. Tept. (Erg. Drahtber.) Der Korre­kt die „Trd" meldet aus Antwerpen,

^»itte?-?^don der Mit völlig abge- sh^Hß Brrefverkchr mit Holland ist voll-

L°lgigestellt Nicht einmal ans dem Osten von e.^'ng Greffen Nachrichten mehr ein. Die Bc- don 5>**»«>« habe Zuzu g durch die Trup- tlll gq C | I -? t lt v bekommen, die zuerst nach Frank- >,Kacht Elchen waren und zur See nach Antwerpen b ruhsl c ” ^ IeK * Die Stadt sei zwar vcrhältnis- knn ' ^ ^ c .'"ehr und mehr aber greife die g e - ^cr. n "«j alle Klassen der Bevölke­

rt habO"^cch,elgeld ser knapp, und der Bürger- mehrmals den Aufruf an die Bürgerschaft

Die Lage in Antwerpen

rn die Höhe. Die darin sind, sehen die Wirkung drüben, und dann dauert es gar nicht" lange, bis der Treffer haarscharf W* „ Alle zehn Minuten folgten Lei einem Geschütz die S ch ü -s s e, und als die -beiden Brüder nach kurzer Zeit zu- sammenspieltcn, alle fünf Minuten. Das war ein Konzert! Die in der Nähe waren, hatten vom Klange allein das Ge­fühl, als würden sie umgcworsen. Anderthalb Tage dauerte das Eisenlied, und im ganzen wurden 120 Schüsse abgegeben Dann schwiegen die Kolosse, denn Manonviller war deutsch geworden. Merkwürdig war die Richtung dieser Röhre anzuschaucn. Fast senkrecht. Es sah aus, als schössen sie geradezu in den Himmel. An die 20 Sekunden lang war das Pfeifen der abgeschossenen Ladung hörbar, deren hüchsti. Flugbaqn, wenn die Geschütze am Fuße des Montblanc auf- ge,tellt wurden, bequem über den höchsten Berg Europas streichen würden. ^

Wie Namur übergeben wurde.

Ein Vertreter des „Maasbode" war in Namur bis kurz nach der Kapitulation. Nachdem drei Granaten - aus dem 42-Zentimeter-Kruppgerät auf das Fort Marchövelette. abge­geben waren, mußte es sich ergeben. Der General Michel sah, daß von allen Forts keines dem deutschen Feuer wider­stehen konnte, deshalb zog er in aller Stille mit den Truppen und den Kriegsgeldern ab. Morgens um 121/,: Uhr, am 23. August, verlangte ein Parlamentär die Übergabe. Der Bürgermeister, welcher von dem Abzug des Generals nicht unterrichtet war, ließ überall nach ihm suchen. Die zurück­gelassene Besatzung der Forts konnte sich gegen die deutsche Beschießung nicht verteidigen. In anderthalb Tagen waren sie alle i£ den Händen der Deutschen. Es ist nur eine An­zahl Häuser ans der Place d'Armes verbrannt. Die Wasser­leitung wurde wenig beschädigt.

Das belgische Freischützenwesen von England bestätigt

W. T.-B. London, 9. Sept. Der Korrespondent des „Daily Chronicle" in Bordeaux bestätigt, daß Franktireure Angriffe unternommen haben. Ein -Flüchtling aus einem Avdennendovf bei Baugiers habe ihm erzählt, daß junge Leute und Frauen bewaffnet wurden, welche eine Ulanen» Patrouille aus dem Hinterhalt niedergeschossen haben. Das Dorf sei darauf zerstört worden.

Ium Tode des sozialdsmokratischsrr Reichs- Lagsabgeordneten Dr. Krank.

W. T.-B. Berlin, 9. Sept. In einem Briefe des ge. fallenen. sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Frank wird als Motiv seiner Meldung zum Kriegsdienst an­gegeben, „durch die Tat zu zeigen, daß der Beschluß der -sozialdemokratischen Partei vom 4. August nicht tak­tischen äußeren Gründen, sondern einer inneren Notwendigkeit entsprungen war, daß es der Pariec- also mit der Pflicht der Verteidigung der Hei, m a t ernst ist."

Der Nachruf des „Vorwärts".

Der „Vorwärts" schreibt: „Die deutsche Soziäldemo-

kratie verliert in ihm einen Mann, der mit großer Gabe und unermüdlichem Eifer für ihre hohen Ideale eintrat. Frank war einer der besten Redner des deutschen Reichstags Sein schönes volles^ Organ füllte mühelos den weiten Raum. Ein, schlagfertiger feinges-chliffener Witz schärfte die Polemik. Aus /eichem und umfassendem Wissen wurden die Argumente geschöpft. Frank war auch ein Meister in der Kunst, parla mentarifche Situationen rasch zu ersassen, Blößen der Geg­ner zu-erspähen und sie -geschickt mit nie versagender Schlag- sertigkeit auszunutzen, dazu ein unermüdlicher' Arbeiter in den Kommissionen. Und wie im Reichstag, so hatte er auch im badischen Landtag und in der Mannheimer Stadtivertre- tung eine hervorragende Tätigkeit entfaltet. Persönlich war

Frank ein liebenswürdiger, hilfsbereiter Mensch, ein Mensch von umfassenden Interessen, der in gleicher Weise auf dem Gebiete der Gesetzeswissenschasten wie der Kunstentwickluug die Fortschritte der DLenschheit verfoligte. Doch in diesen furchtbaren Zeiten versagen die'Worte, versagen die Klagen und sei es die Klage um eiries der wertvollsten Leben, ein Lcben, bestimmt, für die große Sache der Menschheit zu wir­ken, jetzt aber vor der Erfüllung vernichtet ist. Wir wollen nicht klagen, wir wollen stand halten bis ans Ende, um dann mit neuer Arbeit beginnen zu können, die das Werk wieder aufnimmt, das den Händen Franks ent­glitten ist."

Sein Hauptmann gab Frank das Zeugnis, daß er seinev Kompagnie in jeder Hinsicht als Beispiel voran- geleuchtct habe. Franks Tod wurde von dem Obersten der gangen Brigade mitgeteilt. Gemeinsam mit zwei Mannheimer Landwehrleuten wurde Frank in einem Tanncnwäldchen bestattet; daZ Grab wurde bezeichnet. Dr. Frank war unvermähli. Seiue hochbetagten Eltern leben noch in stiller Zurückgezogenheit in seinem Heimatsortc Nonnenwciler bei Lahr.

Ein Nachkomme Ernst Moritz Arndts gefallen.

X Karlsruhe, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht) An den Folgen einer schweren Verwundung starb Oberstleutnant Ernst Moritz von A r n d t, BataillonAammandeur im Mannheimer Grenadier-Regiment. Der Verstorbene war ein direkter Nachkomme des Dichters Ernst Moritz Arndt und der älteste Sohn des verstorbenen Generals der Infanterie Arnold von Arndt.

Prinz Eitel Friedrich von Preußen ausgezeichnet.

W. T.-B. Oldenburg, 9. Sept. (Nichtamtlich.) Prinz Eitel Friedrich von Preußen, der Schwiegersohn des Groß­herzogs von Oldenburg, hat das E i s e r n e K r e u z 1. Klasse erhalten^ weil er besondere Tapferkeit bewiesen hat im An­sturm mit seinem Regiment gegen feindliche Artillerie. Fortsetzung der Lehrtätigkeit an den Hochschulen.

W. T.-B. Berlin, 9. Sept. (Nichtamtlich) Um mehrfach aufgetrcten-en Zweifeln zu begegnen, hat der Kultusminister die Universitäten und technischen Hochschulen daraus hiirg-e- wiesen, daß im bevorstehenden Winterhalbjahr die Hochschulen ihre Lehrtätigkeit selbstverständlich aufzunehmen haben. Wie 1870/71 trotz des Kriegs Vorlesungen urw Übungen gehalten tvorden sind, so muß auch der Lehrbetrieb im nächsten Winter fortgesetzt werden, wenn auch vielleicht teilweise in beschränktem Umfang.

Standrechtliche Erschießung eines Deutschen.

^ W. T -B. Ostende, 9. Sept. (Nichtamtlich.) Das Kriegs^ gericht hat den am 4. August vevh-afteten Spion Ehrardt zum Tode verurteilt; er wurde erschossen.

Nach dein Siege des Generals v. Hindcnburg.

W. T.-B. Allenstein, 8. Sept. Nachdem vor einiger Zeit auf eine in allgemeinen Vorschriften begründete Anordnung des Ministers des Innern die Verlegung der hiesigen Regie­rung wegen der Kriegslage stattgefunden hat, ist der Regie­rungspräsident mit der Regierungshauptkasse und einem Teil der Beamten am vergangenen. Sonntag von Danzig hierher zurückgekehrt.

Rückkehr deutscher Untertanen aus serbischer Gefangenschaft.

Aus Bukarest trafen 80 deutsche Untertanen in Budapest ein, die in Serbien gefangen waren. Sie wurden mit ihren Frauen freigelassen, weil im Lande Not herrsche und die Verpflegung der Gefangenen unmöglich geworden wäre. Nur die österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen wurden weiter in Haft behalten.

Die Mordbrennerei der Russen in Gstpreutzen-

W. T.-B. Berlin, 9. Sept. Wie die Russen in Ostpreußen hausten, beweist nach der „Deutschen Tagesztg." die denk Grafen Mirbach-Torquitten von einem hohen Militär guge- gangene Nachricht, daß sein schönes Schloß durch die Russen, obwohl bei Torquitten gar kein Kampf stattgefunden habe, z u s a m m e n g e s ch o s s e n worden sei. Nur ein Teil der Ringmauern sei stehen geblieben.

Oke Krage derRückkehr in die ostpreutzische kseimat

W. T.-B. Berlin, 8. Sept. (Amtlich.) Anfragen ost­preußischer Flüchtlinge wegen der Möglichkeit der Rückkehr in die Heimat sind künftig zweckmäßig in allen Gegenden, in denen sich Flüchtlinge in großer Anzahl aushalten, also in Groß-Berlin, den Regierungsbezirken Danzig, Äarienwerder, Köslin, Stettin, Frankfurt a. d. O. und Potsdam, ausschließ­lich an die Landräte des Aufenthaltsortes (in den Stadtkreisen an den Oberbürgermeister, in Groß-Berlin an das Kriegs­bureau des Polizeipräsidiums) zu richten. Diese Amts- stellen werden in den Stand gesetzt werden, Anftagen zu be­antworten. Anfragen aus den sonstigen Landesteilen, itt denen sich vereinzelt ostpreußische Flüchtlinge aufhalten, wer­den an das Kriegsbureau des Berliner Polizeipräsidiums zu richten sein.

Kür Gstpreutzen.

Hd. Essen o. b. Ruhr, 7. Sept. Herr und Frau Krupp von Bohlen und Halbach stifteten 50 000 M. für die Flücht­linge aus der Ostmark.

Wie der Rrieg in Rutzland „gemocht" wurde.

Die „Wiener Allg. Ztg." schreibt: Zar Nikolaus H. waü a ch t Tage hindurch im w a h r st e n Sinne des Wortes a b- gesperrt, und unter falschem Vorwand wurde er gerade-, zu gezwungen, die Mobrlisierungsorder zu unterzeichnen. Sofort nach der Schreckenstat in Serajewo hat die Kriegs- Partei in Rußland durchgesetzt, daß der Zar große mili­tärische Anordnungen treffe. Es ist bezeichnend, daß diese mit aller Eile betriebene Tätigkeit schon am Tage nach der Ermordung des Thronfolgerpaares einsehte. Nachdem daS österreichische Ultimatum an Serbien überreicht worden war, wurde der Zar von der Großfürstenclique einfach in Klausur versetzt. Der treibende Geist aller folgenden Aktionen war Großfürst Nikolaus Nikolajcwitsch, gegenwär­tig Oberkom-mandierender der russischen Armee. Er über­raschte den Zaren -mit der ganz und gar erdichteten Mittei­lung, daß Deutschland vollkommen mobilisiere, und zwar zu einer Zeit, da von einer Diobilisierun-g in Deutschland noch keine Rede war. Er brachte gleich die fertige Mobilisiernngs- order -mit und verließ nicht früher das Zimmer des Zaren, alS bis dieser seine Unterschrift unter das Dokument gesetzt hatte.

Lügcilhaftc russische Siegesmeldungen.

W.. T.-B. Wien, 9. Sept. (Nichtamtlich) Die „Peters­burger Telegraphenagentur" hat die von dem „Wiener Korr.- Bureau" gemeldeten Siege der Armee Auffenberg bei