Seite 2. Morgen-AnsgaSe, 1. Blatt. Mittwoch, 9. SeptenrSer 1S1-L. Nr. ^lS
daß meine Generale sämtlich gezwungen waren, die ärgsten Mittel zu ergreifen, um die Schuldigen zu bestrafen und die blutdürstige Bevölkerung von der Fortsetzung ihrer M o r d - und Schandtaten abzuschreckcn. Manches berühmte Bauwerk und selbst die alte Stadt Löwen, mit Ausnahme des schönen Rathauses, mußte in gerechter Selbstverteidigung und zum Schutze meiner Truppen zerstört werden. Mein Herz blutet, daß solche Maßregeln unvermeidlich geworden sind, und wenn ich an die zahllosen unschuldigen Leute denke, die ihr Leben und Eigentum verloren haben infolge des barbarischen Betragens jener Verbrecher.
Gez. Wilhelm, I. K-"
Großes Hauptquartier, 8. Sept. (Amtlich.) Immer wieder finden unsere Truppen auf der ganzen Front bei gefangenen Franzosen und Engländern Dumdumgeschossen in fabrikmäßiger Verpackung, so wie sie von der Heeresverwaltung geliefert worden sind. Diese bewußte grobe Verletzung der Genfer Konvention durch Kulturvölker kanp nicht scharf, genug verurteilt werden. Dieses Vorgehen Frankreichs und Englands wird Deutschland schließlich zwingen, die barbarische Kriegsführung seiner Gegner m i t gleichen Mitteln zu erwidern.
Proben der Dum-Dum-Geschosse in Berlin.
Hd. Berlin, 8. Sept. An Berliner amtlicher Stelle sind heute Proben der Dum-Dum-Geschosse eingetroffen, wie sie entgegen aller Ableugnung von Franzosen und Engländern im gegenwärtigen Kriege verwendet werden. Die Geschosse sind zu je 6 und 8 Stück in ziemlich starkes grünes Papier eingepackt, wie es zur Packung schwerer Gegenstände verwendet wird.
W- T.-B. Berlin, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Der Kriegsberichterstatter des „B. T." meldet aus dem Großen Hauptquartier: „Ich habe im Fort Montmedy in den Gefchoß- kammern unzählige Dum-Dum-Patronen gefunden. In Montmedy waren die Patronen noch so verpackt, wie sie aus der Fabrik gekommen sind mit der Aufschrift: „Poudre b. f. Vise 1912. 8 Cartouches." Alle Verpackungen waren gleichmäßig verpackt und verschnürt, so daß man die Fabrik auf den ersten Blick erkannte. Ich habe einige Päckchen als Beweis an mich genommen. Die Geschosse sind maschinenmäßig angebohrt. Das Loch an der Spitze ist 1 Zentimeter tief und % Zentimeter breit. Auch fand ich bei gefallenen französischen Soldaten in den Patronentaschen angefeilte Geschosse. Im Felde herrscht große Empörung über diese Bestialität einer „Kulturnation"."
Zum §Klls von Mauheuge.
chh Berlin» 8. Sept. (Eig. Drahtbsricht) In einer Besprechung des Falles von Waubeuge macht der „Lokal- Anzeiger" daraus aufmerksam, daß die Besatzung der gefallenen Festung nur 10 000 Manu betragen habe. Da nach amtlichen Berichten ein großer Teil der von dem Generalobersten von Kluck geschlagenen französischen Rordwest- arm ee, insbesondere auch ein erheblicher Teil der Engländer sich nach Maubeuge geflüchtet hat, nimmt der „Lokal-Anzeiger" an, daß ein großer Teil der noch bleiben- den 30 000 Mann sich aus Engländern zusammensetzen wird.
Kriegskontributionen der französischen Nordfestungen.
□ Kopenhagen, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die deutschen Militärbehörden haben, wie „Berlinske Tidende" meldet; der Stadt Lille 7 Millionen, Amiens % Millionen, Lens % Millionen, Armentitzres eine halbe Million Kriegskontribution auserlegt.
Geschützdonner vor Paris.
Ä Rom, 8. Sept. (Eig. Drnhtber.) Aus Paris wird unter dem 7. September berichtet: Seit heute früh hört man den Kanonendonner, den man in den letzten Tagen wie fernes dumpfes Grollen vernahm, k l ar und d e u t l i ch, Schlag auf Schlag, als ständen die Geschütze an der äußeren Linie der Forts. Am intensivsten ist das Feuer in der Richtung von M e a u x. . Die Stadt ist ruhig, doch ist die Spannung fieberhaft. (Meaux liegt nur etwa 23 km östlich von Paris.)
Bonlogne leistet keinen Widerstand.
hd. Rotterdam, 8. Sept. Nach einer Depesche aus Bou- logne hat der Bürgermeister die dortige Bevölkerung anfge- fordert, die Waffen abzuliefern und dem Einzuge der Deutschen keinen Widerstand entgegenzusetzen.
Meuterni der französischen Kolonialtruppen.
Mailand, 8. S-ept. (Eig. Drahtbericht) Aus Marseille wird gemeldet: In der Stadt geht das behördlich un
schön abgegangen sind, liegen noch jetzt neben refp. hinter dem Regierunigspalasi? an der Bahnlinie, die um die Stadt führt, unzählige Flinten, Pistolen aller Art, jeden Alters, ja selbst Negerspieße vom Kongo stecken dazwischen im Boden. Denn jeder, bei dem noch Waffen vorgefunden wurden, verfällt der Todesstrafe.
Ich gehe gerade zur Maas, wo drei Brücken zerstört sind. Die mittlere ist so gesprengt, daß sie vorderhand durch zwei -Kolonnenbrücken ersetzt werden mutz. Die beiden übrigen sind bereits notdürftig ausgebessert. Man verankerte die itastkähne auf der Maas nebeneinander und setzte darauf mit Abstützstangen eine Lage starker Bretter, und die Brücke ist fertig. Die Wache haust im Innern einer der Maaskähne oder hat ein luftiges, gesundes Zelt auf dem Deck aufgeschlagen. Jungcns aus der Mark sind es, die mit dem Wasser bis zu diesem August wenig zu tun gehabt hatten.
; u Am Quai des Ptzcheurs ist ein« lange Reihe schöner Häuser verbrannt und besonders durch die Wirkung der Sprengung der Brücke beschädigt worden. Mehrere Feldartilleriegeschütze sind hier aufgefahren. Andere stehen auf Ader Zitadelle neben dem unbrauchbar gemachten belgischen ; Geschützpark und schauen drohend auf die Stadt und Fluß hinab. Am Theater und am Bahnhof Guillemins sieht man schußberest Maschinengewehre. Bor den Hauptgebäuden verstärkte Posten, auch vor dem Magazin der Autos an einem der Boulevards. Die dort Vorgefundenen Autos können nun wieder für unser Heer Dienste tun, seitdem man durch die Aufdeckung eines außerordentlich großen Benzinlagers in Ramur dem drohenden Benzinmangsl vorgebeuigt hat.
Im Theater ist ein großes Truppender. Auf der Bühne, deren Vorhang hochgezogen ist, spielt sich ein moderne? Wallen,teins Lager" diesmal in Wirklichkeit ab. Auf der Straße hinter dem Kulissenraum rauchen, die Feldküchen. Im Foyer liegen die Truppen auf Stroh. Bloß die Logen, das Parterre sind bislang nicht belegt. Ein seltsames Bild, beleuchtet durch die geoampft hereindringenden Strahlen der Sonne Hoch oben über der Galerie, Me Kirchen sind ver-
widersprochene Gerücht um, daß in dep Kaserne der Kolonialtruppen die neu eingezogenen Mannschaften, denen die französischen Niederlagen bekannt waren, gemeutert haben.
Gegen das Zranktirenr-Unwesen.
Ein alter Belfort-Kämpfer schreibt den „Münch. N. N.": Während der Belagerung von Belfort im Kriege 1870/71 hatten wir auch, besonders in den höhergelegenen Bogesen- gemeinden, unter Franktireurs und schuftigen Zivilisten zu leiden, die hinterlistig auf uns schossen. Anfangs wurden diese Übeltäter erschossen. Da diese Maßregel nicht den gewünschten Erfolg hatte, schon weil sie abgelegen von der Gemeinde vollstreckt werden mußte, kam ein höherer Offizier auf den Gedanken, die Schuldigen öffentlich im Dorfe auf-' hängen zu lassen. Diese Maßnahme wirkte derartig abschreckend, daß von da an wir in dieser Beziehung nicht mehr belästigt wurden. Der Oberst v. O., der dieses Strafgericht erdacht hatte, war im ganzen Bereich der Belagerungsarmee der gefürchtetste Mann und allerorten bekannt. Nun scheint dieses Verfahren gegen die Übeltäter bei unserem zivilisiert sein wollenden Gegner auch sehr angebracht zu sein.
Die Lage irr Belgien.
O Rotterdam, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der „Nieuwe Rotterdamsche Curant" meldet, daß deutsche Truppen bei Melle die Belgier nach einem Bombardement zurückwarfen. Die Deutschen stehen nur noch einige Kilometer von Gent. Flüchtlinge aus Ostende erklärten, daß die Beschießung von Ostende bevorstehe. 30 Züge mit Flüchtlingen fuhren von Ostende ab. Die Engländer landeten dort wiederum Truppen.
Aus dem deutschen Brüssel.
Die „Köln. Volksztg." meldet aus Brüssel: Die deutsche Zivilberwaltung ist dezentralisiert worden. In Brüssel bleiben mit Exzellenz v. Sandt die Herren v. Lanken und Legationsrat Dr. Kempff. Heinrich T r i m b o r n übernimmt den Bezirk V e r v i e r s. Die deutsche Zeitung, vorläufig ein reines Nachrichtenblatt, ist am Samstag zum erstenmal erschienen. Der amtliche Wolfs-Dienst liegt diesen Bulletins zugrunde. In der Bevölkerung wühlt der bisherige Lügenwust iveiter, danach haben Engländer wie Russen uns furchtbare Schläge versetzt. Im großen und ganzen kann man feststellen, daß Angriffe und Beschädigungen nach der ersten Augustwoche nur mehr gegen veretnzelte Deutsche vorgekommen sind. Auch müsse manche der in Umlauf gesetzten Schreckenstaten auf die , Rechnung überreizter Phanürsien gesetzt werden. Das in Gent erscheinende „Dien Publique" meldet, ein „Zeppelin" habe am Mittwoch neun Bomben auf Antwerpen geworfen. Der Schaden an den getroffenen Gebäuden sei beträchtlich. Zahlreiche Personen seren verletzt worden. Der „Zeppelin" habe sich zurückgezogen, sobald die Antwerpener Scheinwerfer ihn beleuchtet hätten. Der Ordnungsdienst in Brüssel wird von der städtischen Polizei sehr gut versehen. In den Straßen herrscht vollständige Ruhe.
Tic Lage in Löwen.
Die Amsterdamer Zeitung „De Tijd" veröffentlicht folgende Kundgebung der städtischen Verwaltung von Löwen: Wir haben vergebens unsere Gemeindeabgeordneten ausgesucht. Dev letzte von ihnen, Herr de Schepene Schmit, gesetzlich verhindert, sein Amt weiter zu vertreten, hat uns am 30. August die Gemeinde-Angelegenheiten übergeben. Ich erachte es für meine Pflicht, diese Ausgabe zu übernehmen mit Hilfe einiger angesehener Bürger, die es übernommen haben, mir zur Seite zu stehen. Im Einverständnis mit Der deutschen Heeresverwaltung fordere ich die Einwohner von Löwen auf, in die Stadt zurückzukommen und ihre gewohnten Beschäftigungen wieder aufzunehmen. — Wir wenden alle Sorge darauf, von jetzt ab den Gemeindedienst wieder he^ustellen: die Polizei, die bürgerliche Ordnung Und der Dienst der städtischen Wasserleitung sollen schleunigst wieder eingerichtet werden. Der beauftragte Bürgermeister A, Nerincx. ■— (Es ist dies ein weiterer Beweis, wenn es eines solchen überhaupt bedurfte, daß Löwen nicht so stark beschädigt ist, als anfänglich verlautete. Die Schviftl.1 Die belgische Nationalbank nach London übergesiedelt.
hä. London, 8. Sept. Die i&etgifc^e Nationalbank Hat ihre Kassen und Kontore nach London verlegt. Anscheinend hat sich die Bank in >der provisorischen belgischen Hauptstadt Antwerpen nicht mehr sicher gefühlt.
Gesuche um Anstellung in Belgien zwecklos.
W. T.-B. Berlin, 8. Sept. (Amtlich.) Trotz der unter dem 4. September erfolgten Beekanntmachung, daß der Bedarf an Beamten für die Zivilverwaltung Belgiens voll gedeckt ist, gehen beim Reichsamt des Innern täglich noch Hunderte von Gesuchen ein. Es wird daher nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß derartige Eingaben zwecklos sind und daß die Beantwortung der Gesuche bei der gegen
wärtigen Belastung des Reichsamts des Innern nicht finden kann.
Rückkehr der Königin der Belgier nach Antwerpen
Rotterdam, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die der Belgier kehrte gestern abend mit einem Dampfer aus land nach Antwerpen zurück. Ihre Kinder sind in EngnN" zurückgeblieben.
Krupp und die deutschen 42-Zentimeter-Geschütze.
Es ist wahrscheinlich an der Zeit, schreibt die „Neue tische Korrespondenz", im gegenwärtigen Moment, wo Erfolg der neuen deutschen Geschütze die Welt mit Stavr^ erfüllt, der Kruppschen Gußstahlfabrik zu gedenken, » ,e diese Geschütze geschaffen und dadurch erfolgreiche" Anteil an unseren Siegen genommen hat. Es ist dies so notwendiger, als die Weltfirma bekanntlich noch vor flf nicht langer Zeit mit schweren Kränkungen und Best'' digungen überschüttet wurde. Der Vorsitzende des Dich' wriums, Geheimer Finanzrat Hugenberg, hat deshalb vollem Recht in einer unlängst stattgehabten Sitzung in ®fP auf diese Leistung im gegenwärtigen Kriege hingcwiest"' Aber die Firma kann mit Recht verlangen, daß ihr nicht n 111 von ihren eigenen Angehörigen, sondern von allen Seist" Worte der höchsten Anerkennung zuteil werden.
wie Reims besetzt wurde.
W. T.-B. Berlin, 8. Sept. Wie die deutschen HusM^ in Reims einrückten, wird von den Kriegsberichterstatters aus dem Haupiquasstier tat wesentlichen übereinstimmend wie folgt berichtet: Da noch nicht bekannt war, ob di« A^' sagen der Einwohner wahr seien, welche lauteten, die W satzung hätte Reims verlassen, beschloß Rittmeister vM) Hub rächt mit einer Patrouille sestzu stellen, ob das Fo^ V i t r h bei Reims frei vom Feinde sei. Auf di« Frage, t® e£ freiwillig mitreiten wolle, meldeten sich viele, von denen del Rittmeister Oberleutnant b. Steinäcker, Leutnant Martins Leutnant v. Waldow, Fähnrich Jäckel, Unteroffizier Dr. Arrv hold, Trompeter Zwahlen und die Husaren Knappe, Kraust Busch Reinelt, Böhne und Starke auswählte. Aus eine«» einsamen sechs Stunden langen Waldwege in großen Sich^' heitsabftünden galoppierte die Patrouille an das Fort Hera" und stellte fest, daß es vom Feinde frei war. Nun die Patrouille weiter und erreichte um 9 Uhr abends ^ Stadtgrenze von Reims. Durch die von Neugierigen gesü^ ten Straßen zog die Patrouille vor das Rathaus. Dort & klärt« man dem mit den Ratsherren heraustretende» Bürgermeister, daß hiermit Reims in deutschem Des>^ sei, und daß er selbst als Geisel für die Sicherheti ^ deutschen Truppen hafte. Leutnant Martiny wurde mit Meldung des Erreichten zurückgesandt. Mannschaften umi Pferde bezogen Quartier. Rittmeister v. Hubracht, Leutras v. Waldow und Unteroffizier Dr. Arrchold blieben über 5!w bei dem Bürgermeister im Sitzungssaal und hielten ^ wechselnd neben ihm Wache. Am anderen Morgen um 6 Ä" ritt die Patrouille zurück, zog aber am Nachmittag an if Spitze der Brigade Suckow, die mit klingendem Spch in die alte Stadt einrückte, wieder mit «in. Reims selbst $ limzerstörttz (die Bevölkerung (ruhig und entgegen kommend.
Nach der Schlacht bei Tannenberg.
Osterode, 8. Sept. Hier ist wieder Ruhe ernge' kehrt. Alle Geschäfte sind geöffnet un-d ber Kosaken- schreck ist überwunden. Die Regierung hat wert- gehende Maßnahmen zur Beruhigung getroffen. Alle Gerüchte über eine angebliche Flucht des LandratZ sind vollkommen falsch. Der Landrat hatte, der Sp struktion des Regierungspräsidenten folgend, wichtig Akten, Kasten und Wertpapiere von über 16 Millione» nach Danzig gebracht, wo alle anderen Landräte ef# 11 ' falls eintrafen. Hier fanden wichtige Besprechung^: statt, woraus der Landrat nach zweitägiger Abwestm' heit wieder nach Osterode zurückkehrte. Gestern fP man angefangen, auf den niedergebrcmnten Gehöft^ in'den von den Russen verwüsteten Gegenden Baracks zur Unterkunft für Mensch und Vieh zu errichten. ^ werden auch Beutepscrde und Saatgetreide dorthin ö e ' schafft, damit mit der Winterbestellung begonnen E den kann. Die Schlachtfelder von Osterode fiitb jetzt voll' kommen aufgeräumt. Eine Regienungskonrmission ^ gestern eine Fahrt nach den Schlachtfeldern angstreten- um den dort angerichteten Schaden abzuschätzen.
Eine weitere Auszeichnung des Generalobersten v. Hilrbenbirrl'
# Berlin, 8. Sept. (Erg. Drahtbericht) Der Kaisr ! hat dem Sieger in der Schlacht bei den masurischen
schloffen. Ihre Glocken habe ich während meines dreitägigen Aufenthaltes nicht gehört. In einer fand ich ein Notlazarett im Hauptschiff, und in dem einen Seitenschiff. Sonst stößt man aus Lazarette und Verbandstellen an nicht wenigen Stellen der Stadt. Die Namen der Verwundeten stehen auf einem Blatt Papier draußen am Tore. Mittags sieht man in langen Reihen das Elend von den Psarr- und Wohltätigkeits-Ämtern. Frauen und Kinder meist, dazwischen einige Männer. Sie bekommen hier eine Mittagssuppe und einen Gutschein, mit dem sie im Bäckerladen em Brot erhalten. Das bureau de hienfaisance der Stadt hat furchtbar viel zu tun. Die Polizisten und Zivilgardisten sorgen dabei in lässiger Weise für die notwendigste Ordnung.
Als ich der Zitadelle einen Besuch ckbstattete, sah ich die Wirkungen unserer Geschosse. Die Granaten haben in den Kasernembauten das Dach getroffen und mehrere Stockwerke durchschlagen. Ein zweites langes Gebäude ist seines mächtigen Daches gänzlich -beraubt. Wie man mir sagte, die Wirkung einer Bombe des Zeppelin, übrigens hat das Luftschiff in der Stadt selbst sehr wenig geschadet. Der Häuserblock, der vor der jetzt als Düsseldorfer Lazarett eingerichteten Universität in Schutt und Asche steht, ist das warnende Mene Tekel für die Bürger geworden, die noch die Lust verspüren -sollten, zu schießen. Man hat aus jenen schöllen Ge.t bäuden geschossen; wie es heißt, waren es russische Studenten. Die sind jetzt längst in Gefangenschaft, weit weg von der Lütticher Hochschule, die sich dazu hergegeben hat, auf ihrem schwarzen Brett die Russen zur Teilnahme an dem Kampf gegen die Deutschen aufzurufen.
Soeben kommt der Landsturm eines bayerischen Korps an. 3 bis 4 behäbige Familienväter sind noch ohne Uniform. Dieser Landsturm bleibt als ■ Garnison in Lüttich. Rechte Bajuvaren, rechte Bauerntypen darunter, wenn sie mit ihren Pfeifen im Munde vor den Läden stehen, unter denen die TMak- und Zigarrenhandlungen das beste Geschäft machen.
Auf dem Wege zum Fort Louein begegnete mir oberhalb des Arbeiterviertels Ans der starke Sanitäiszug der von
Namur zurückkommewden Gardereserve. Die „guten" BelS^ sind des Glaubens, ihr Land würde so allgemach von pen entblößt, und wollen hier und da nicht mehr so sein. Na, die zurückbleibenden Soldaten werden es sie wr* lehren. t
Die Kirche von Ans ist stark beschädigt, besonders ^ schlanke Turm. Belgische Granaten schlugen hier ein, die Besatzung des Forts erkundete, daß der Turm von^, Deutschen als Auslug benutzt wurde. Dabei haben gier eine Anzahl Gehöfte und Häuser arg in MitleidenssW,' gezogen. Je näher Loucin, desto toller wird das Bild " Zerstörung. Im weiteren Umkreis steht kein Haus 1%, Und wo die deutsche Flagge weht, ist das Massengrab " gegen 400 belgischen Soldaten, das gewesene Fort Der zweite Schuß der 42-Zentimeter-Mörser durchbohrt . ö Meter dicke Betonwand des Pulverturmes und warf ganze Fort in die Luft. Was drin war, erstickte an de» eniwickelnden Gasen, wurde verbrannt oder erschlagen b
die herumfliogenben Trümmer oder durch den Luftdruik tötet. Ein ewiges Denkmal deutscher Geschützkunst tere Geschlechter. Ich sah eine schwere Granate, deren mantel mehrere Meter tief im. einen Pangerturm war und die Betonwand zum Bersten gebrarht hatte. sprengte Donnerstagabend die Trümmer und bildete 1%* I Stücke eines riesigen Grabdeckels, nachdem man mit b -^ f Kalk für die Vertreibung des entsetzlichen Kadaverger. ^ • gesorgt hatte. Wie in der Stadt, in den Kasernen^ am ^ Zitadelle hat man auch hier riesige Vorräte an 5ßro©i a ^ Munition gefunden, die auf eine außerordentliche ^ bereitschaft des kleinen Landes schließen ließen. ^
Wieder wurde es ein Abend, so still und ruhig ^ fl Tier. Die Nacht kam und nahm in ihre weichen Ha", frfl deutschen Fahnen, die auf den Forts, der Zitadelle «y NsgierungSgebäude wehten. Da evbrauste ein Männer« j, durch die stillen Straßen. Es sind die Truppen,
Bchnhof ziehen. Wuchtig dröhnt das „Deutschland durch die unmutig sich ausräkelnde schon schlafende
