Nr. 418. Dienstag, 8. September 1914. Wiesbadener TagblM»
tance Belge" schreibt, Belgien könne nur noch auf Rußend hoffen. England versprach in der Vorwoche, 20 000 Mann in Ostende zu landen. Es wurden jedoch nur 4000
ausgeschifft.
Kämpfe im Elsaß.
Der „Dtsch. Tgsztg." wird aus Basel gemeldet: In der Richtung mn Belfort ist heftiger Geschützdonner i>ernch^h^^ Etwas Genaues über die Kämpfe in der Sü-d- toestecke des Elsaß und an der lothringischen Grenze äst nicht bu erfahren. Durch St. Ludwig und Neuenburg werden eine Stoße Anzahl französischer Gefangener und verwundeter gebracht, während andererseits frische deutsche Truppen in der Richtung nach Altkirch transportiert werden.
Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Frank gefallen.
W. T.-B. Berlin, 8. Sept. Bei einem Sturmangriff in
Schlacht bei Luneville fiel am 3 September der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Frank. Er wurde unt Mannheimer Landsleuten zusammen in Baccarad be- Staben. 1
Ehre dem Andenken dieses tapferen sozialdemokratischen Führers, der durch seinen Eintritt als Kriegsfreiwilliger ein leuchtendes Beispiel von Vaterlandsliebe ge- Seben hat! Dr. Frank vertrat den Wahlkreis Baden 11 kMannheim-Weinheim-Schwetzingen). Er war geboren am
Mai 1874 in Nonnenweiler, Amt Lahr, jüdischer Konzession; seit 1900 war er als Rechtsanwalt in Mannheim tätig.
8 . Berlin, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Schon gestern übend war in Berlin das Gerücht verbreitet, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Frank, der bekanntlich Su Beginn des Krieges als Freiwilliger in die Armee eintrat, sei am 3. September bei Luneville vor dem Feinde gefallen. In Mannheim war auf unsere Anfrage in später Nachtstunde noch keine Bestätigung des Gerüchts zu erlangen. Heute bestätigt indessen auch der „Vorwärts" und andere Morgenblätter die Tatsache, daß Dr. Frank den Tod im Felde gefunden hat. Dr. Frank, der eigentliche Führer des revi- s i o n i st i s ch e n Flügels in der sozialdemokratischen Partei, war einer der klügsten Köpfe, einer der glänzendsten Redner und einer der geschicktesten Taktiker der deutschen Sozialdemokratie.
Die „Mannheimer Volksstimme" erfährt über den Tod Franks von einem Augenzeugen folgendes: Am 31.' Aug. rückte Dr. Frank mit dem Ersatzbataillon an die Westgrenze ab. Am 3. September bezog er mit dem Regiment das erste Biwak an der lothringischen Grenze bei Blamont. Am ^ Scpt-mber kam bi€ 1. Kompagnie, welcher Dr. Frank als Flügelmann zugeteilt war, zum erstenmal in das Gefecht. Nach einem zweistündigen Schießen kam um 2 Uhr Befehl zum Sturmangriff auf den Feind. Dr. Frank eilte als Flügelmann seiner Kompagnie einige Schritte voraus. Äs er plötzlich, durch einen Schuß in die linke Schläfe getroffen, zu Baden fiel. Von Donnerstag bis Samstag war es nicht möglich, die Leiche Dr. Franks aus dem Feuerbereich SU entfernen. Am Samstag gelang es dann zwei Mann» heimer Landwehrleuten, di-e Leiche. zu bergen. Dr. Frank wurde unter den üblichen Ehren bei Baccarad in der Nähe von Luneville beerdigt.
Ein Vergleich zwischen den großen Telcgraphenlmreaus.
W- T.-B. Kopenhagen, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Das konservative Blatt „Vortland" bringt einen Artikel über das Reuter-, das Havas- und das Wolfs-Bureau, und sagt darin: »Man kann nicht leugnen, daß die Wolfs-Meldungen das größte Vertrauen des Publikums genießen; allerdings ist es für den Sieger am leichtesten, die Wahrheit zu sagen."
Der Austausch russischer und deutscher Untertanen.
W. T.-B. Petersburg, 5. Sept. Zwischen der russischen Und deutschen Regierung ist ein Abkommen getroffen worden, durch das den beiderseitigen Untertanen gestattet wird, das kindliche Land zu verlassen. Diese Erlaubnis erstreckt stch Nicht auf Offiziere, auf Personen zwischen 17 und 45 Jahren Und auf Verdächtige. (Wiederholt zur Berichtigung.)
Gittc Sympathiekundgebung der italienischen Terrazzoarbcitcr in Deutschland.
V?. T.-B. Leipzig, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Die Mitglieder der Vereinigung der Terrazzogeschäfte Deutschlands, b V. (Geschäftsstelle Leipzig. Kochstraße 124), die in ihrer Mehrzahl italienischer Herkunft sind, haben in ihrer am s. September abgehaltenen Generalversammlung eine Ent- Meßung gefaßt, in der sie betonen, daß sie Deutschland ^Nen und schätzen gelernt haben, und in der sie ihre tiefste Brüstung' über die von deutschfeindlicher Seite äus- Mcnden Falschmeldungen zum Ausdruck bringen. Sie Non zwecks Stellungnahme geeignete Maßnahmen be- 'wlossen und erbieten sich, jederzeit wahrheitsgetreue
^ßen, «her sie tun cs doch, als Stützen der Geschenke 'Eichenden -aui. Natürlich entlädt sich da ein Teil des "%§, der den Beamten gilt, auf die Soldaten. Sie werden • - • - ~ ••• m : .. un-
" II Mißachtung behandelt. Nun ist die Regierung noch "Wichtig genug, dieser Volksströmung nicht durch Verleih ^tgehendster Rechte an ihre Söhne in Uniform ent-gegenzu- sondern unterdrückt sie in jeder Hinsicht. So kommt ^aß der Soldat das Lasttier ist, auf das alles einschlagt. ?edex für seine Familie, wenn er ins Feld zieht, um für den zu kämpfen, wiüd recht gesorgt, noch für ihn selbst nach ^"digung des Dienstes. Betteln kann er dann gehen.
Der Dienst selber ist nicht sehr streng, es wird bedeutend ^Äger als in Deutschland verlangt, aber entsetzlich lan-g- j "'S und -abstumpsend ist er. Denn in der ganzen Sache § E>u Schwung. Die Offiziere kommen selten, sie ziehen loff Dor - mit dem Leben zu hadern und auf Avancement zu lnd Zwischen Karten zu spielen und Schnaps zu trinken. Uer ii*r* llrn die Vorgesetzten sich um die Sache so wenig küm- in bhen auch die Unteroffiziere keinen rechten Grund quälen. So döst alles ruhig dahin, bis plötzlich JLvon hoher Stelle kommt. Dann natürlich Entsetzen! Doch schließlich, der kurzen Zeit der eine lange Periode der Ruhe vorcmsgsgangen und
chrecken, M.ist
tauge ---
Ut&t •^ nach. Deshalb sagen sich die Offiziere, ine tent§ 161 zu teuer bezahlt; und die Frage des Avance- wrad'„ ^ % Trost — wirb doch nicht auf dem Felde der 2. nnd Besichtigungen entschieden, sondern in Peters- )nif e j ist es viel wichtiger, eine treu sorgende Tante oder
Nutzen Jv°^V 3u ^ben, als sich hier mit dem Dienste zu
Direkt als Strafe wird von der Regierung das u".^trachtet. Sie versetzt z. B. Studenten, die sich auf ihr nicht gut betragen, mehr Liebe der Politik
’ u Büchern gewidmet, zum Heere. Früher machte sie
Auskünfte und von Italienern verfaßte Berichte zu liefern.
Deutsche Feldpostsendungen verbrannt!
W. T.-B. Berlin, 7 Sept. Am 1. September ist in Frankreich ein Lastauto mit zahlreichen P o st s ä ck e n für das Feldpostaint der Garde-Korps und- für die Foldpostexpedttwn der 1. und 2. Garide-Jnsanterie-Dibision, sowie der 19. und 20. Infanterie-Division aus bisher nicht aufgeklärter Ursache in Brand.geraten. Die Post ist durch das Feuer vollständig vernichtet worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Der Brand durch Selbstentzündung von Streichhölzchen oder sonstigen feuergefährlichen Gegenständen, die in Feldpostsendungen verpackt waren, entstanden ist. Aus Anlatz dieses Vorkommnisses wird darauf aufmerksam gemacht, daß Zündhölzchen sowie überhaupt alle durch Rerbung, Luftzudrang, Druck oder sonst leicht entzündliche Sachen mit der Post nicht versandt werden dürfen. Durch Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot werden in erster Linie unsere im Felde stehenden Truppen geschädigt, weil Sendungen mit leichtentzündlichen Gegenständen eine ständige Gefahr für die übrigen sehnsüchtig erwarteten Feldpost-sendungen bilden.
Gefallene Offiziere aus bekannten Familien.
8 . Berlin, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Auch der Sohn des bayerischen Finanzministers v. Breunig, Rechts- praktikant Helmut v. Breunig, ist gefallen. Ebenso ist die Familie des Oberpräsidenten der Rheinproving v. Rhein- baben von einem schweren Verlust betroffen worden. Der Schwiegersohn des Präsidenten, ehemaligen Ministers Alexander v. L e t t o w - V o r b e ck, fiel an der Spitze seiner Kompagnie. Der Familie v. König auf Zörnigall sind drei Brüder entrissen worden, Haupt'mann . Joachim v. König, Komlpwgniechef im Garde-Grenadier-Regiment Nr. 6, Oberleutnant Hans v. König, Kompagnieführer im anhaltischen Infanterie-Regiment Nr. 93, und Leutnant d. R. Kurt von König vom Infanterie-Regiment Nr. 24 (Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin).
Das Opfer des Meuchelmords eines russischen Offiziers.
— Königsberg, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Wie die „Kreugzeitung" erfährt, ist der Rittmeister v. Brandes in Althof bei Insterburg, der konservative Kandidat bei der letzten Reichstagswahl für den Wahlkreis Gumbinnen- Insterburg, durch einen russischen Offizier meuchlings erschossen worden.
Verbot einer konservativen Zeitung.
A Breslau, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Auf Anordnung des Generalkommandos des 6. Armeekorps ist das Erscheinen der „Br i e g e r Zeitung" vom 4. bis 8. September verboten worden. Das Blatt ist nicht nur amtliches Publikationsorgan der ZivilbehLvden, sondern auch das Sprachrohr des konservativen Abgeordneten Dr. Oertel für seinen Wahlkreis.
Die französischen Gefangenen als Arbeiter für die Moor- kultivicrung.
fi- München, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Das bayerische Kriegsministerium hat anyeordnet, daß die einge- brachten kriegsgefangenen Franzosen dem Kgl. R e m o n t e - depot zugeteilt werben, um die Moorgebiete in der Lois-achgsgen-d zu kultivieren. Auch andere Moorgebiete in Bayern sollen durch Gefangene kultiviert werden.
Alle deutschen Wehrpflichtigen aus China in Tsingtau.
Isst. London, 7. Sept. (Auf Umwegen.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß alle wehrpflichtigen Deutschen aus den deutschen Niederlassungen in den Vertragshäfen Chinas sich nach T s i n g t au begeben haben, um dort ihrer Dienstpflicht zu genügen.
Die Bayern.
Wie ein in Gmünd untergebrachter verwundeter Franzose erzählte, wurden bei einem Vorstoß bei Luneville 500 Bayern von der Hauptmacht abgeschnitten und gefangen. Von 800 Franzosen bewacht, sollten sie abtransportiert werden. Unterwegs aber merkten die Bayern, daß ihre Freunde in der Nähe waren, und revoltierten. Sie gingen auf die Franzosen los, rissen ihnen die Gewehre aus den Händen und schlugen mit den Kolben auf sie ein oder erwürgten sie, der, Rest wurde gefangen und den heranrückenden Kameraden zugeführt.
Flicgeroffiziere als Opfer ihrer Pflicht.
8 . Berlin, 8. Sept. (Eig. Drahtbericht) Wie die Fliegerersatzabteilung 3 >in Darmstadt bekanntgibt, sind der Oberleutnant des Dragoner-Regiments Königin Olga Nr. 25, Graf Uexkuell, und der kriegSsreiwillige Flieger R. Breton, ein hervorragender Überlandflieger, mn 4. Sept. Opfer ihrer Pflicht geworden.
Eine deutsche Frau als Kraftfahrzeugführerin?
IM. Köln, 5. Sept. Frau Toni W e r n t g e n, die Mutter des vor mehr als Jahresfrist auf dem Hangelarer Flugplatz abgestürzten .Fliegers Bruno Werntgen, hat sich der Heeresverwaltung als Kraftfahrzeugführerin
das sogar mit den Beamten, deren Büstechlichkeit gar zu offenkundig wurde und die keine Freunde an hoher Stelle besaßen. Zu all diesen vielen abstoßenden, den Dienst wenig angenehm gestaltenden Momenten kommt noch hinzu: das russische Volk ist gar nicht kriegerisch veranlagt. Fischfang, Landwirtschaft trieben sie früher, lebten ruhig dahin. Und jetzt sollen sie plötzlich Begeisterung für einen Berus empfinden, der.allgemein verhaßt, verachtet ist, sie fünf Jahre ihrer Familie, und was vielleicht noch härter empfunden wird, rhrer gewohnten Umgebung entreißt.
Mit 21 Jahren werden die Leute zur Waffe gerufen, sind also erst Anfang des sechsundzwingigsten wieder frei. Dann einen Beruf zu erlernen, ist es doch zu spät. Auch von den Annehmlichkeiten des Lebens in der Stadt haben sie wenig, denn ihre Eltern sind meist arm, können also den Söhnen keinen Zuschuß schicken. Und die Löhnung — ja dü mein großer Gott! — alle drei Monate eine Mark _ und _ sechs Pfennig. Noch das Putzzeug für die Gewehre müssen sie davon kaufen. Da lassen sich keine Sprünge machen! Freudlos geht die Militärzeit dahin. Unter solchen Umständen ist es natürlich kein Wunder, daß, wenn die Aushebung hevan- rückt, denn hier entscheidet sich das '©djüfjlal, ob militärpflichtig oder frei, Entsetzen und Verzweiflung herrscht. ^ Die Leute machen vielfach vorher eine Hungerkur durch, nähren sich von Tee und trockenem Brot, um nur ja recht kränklich auszusehen. Sogar Selbstverstümmelungen sind keine Seltenheit.
Und diese Leute nun sollen voller Begeisterung in- den Krieg gegen uns ziehen, sich für-die „slawische Sache", wie das Schlagwort heißt, entflammen, von der sie meist nichts ahnen, der sie gänzlich ferne stehen. Sie gehören ja vielleicht ganz anderen Völkerschaften an. Rußland beherbergt solcher doch Mer hundert. Nun ließe sich ja noch mit Schnaps und
Mend-Ausgabe, 1. Blatt. _ Seite 3.
zur Verfügung gestellt. Das Generalkommando hat Frau
Werntgen für ihr Anerbieten gedankt und mitgeteilk, daß es zu gegebener Zeit davon Gebrauch machen werde.
Die Kürsorgetätigkeit.
= Berlin, 8. Sept. Der Allgemeine deutsche Sprach- v er ein hat döm Roten Kreuz 10 000 M. überwiesen, wovon 2090 M. an die Hauptstelle des Roten Kreuzes in Österreich (Wien) abgeführt werden.
Eine Spende Kaiser Franz Josephs für die Hinterbliebenen reichsdeutschcr Militärangehöriger.
W- T.-B. Budapest, S. Sept. (Nichtamtlich.) Der Kaiser hat dem zur Unterstützung der Hinterbliebenen reichsdeutschcr Militärangehörigen gebildeten Hilfsverein 10 000 Kronen gespendet.
Ern Hilfsaufruf zur Notlage in Elsaß-Lothringen
hcl. Straßburg, 7. Sept. Die elf äffische Presse veröffentlichte gestern einen (Aufruf zur Linderung der Not in den von den Franzosen besetzten Gebieten, die gewiß allseitige Förderung verdient. Ebenso wie in Ostpreußen, haben große Teile Elsaß-Lothringens, das ganze Ober-elsaß, das Breuchtal, die Saarbur-ger und die Dagsburger Gegend schwer unter der französischen Invasion und den Folgen des Kriegs zu leiden gehabt, der gewaltige Werte in den betroffenen Gebieten vernichtete. Es fehlt besonders an L e b e n s- Mitteln, so d-ah schnelles Handeln not tut. Zugleich bitier die elsässische Presse die deutschen Brüder im übrigen Deutsch- land, sich vor s ch n e l l e m U r t e i l über die Elsaß-Lothringer zu hüten. Die meisten Behauptungen, wonach von Elsaß- Lothringern auf Deutsche geschossen worden sei, haben sich als unbegründet.erwiesen. Diese fühlen sich vielmehr gänzlich als Deutsche und tun mehr als ihre Pflicht.
von der ersten Fahrt des Feppelin üöerKntwerpen
und der zerstören den Wirkung seiner Bomben gibt der Berichterstatter des „Daily Chronicle" in smem verspätet eingelaufenen Bericht noch eine eingehende Schilderung, der folgende Einzelheiten zu entnehmen sind. Er wurde durch ein plötzliches und furchtbares Geräusch, wie von Kanonendonner -geweckt, und in -der Meinung, daß ein Handstreich aus Antwerpen versucht wäre, stürzte er auf die Straße, auf der schnell auch die von Entietzen gelähmte Bevölkerung evschien. Es war ein Airblrck, wie man ihn wohl in einer sigilifchen Stadt bei einem nächtlichen Erdbeben, wenn die Bewohner -ins Freie fliehen, haben kann. Die (Zahl der Häuser,'die fast völlig zerstört wurden, wird aus 60 ge,chatzt, während 900 mehr oder weniger beschädigt sein sollen. Zwölf Personen wurden tödlich verletzt und acht schwer verwundet. Nachdem der Zeppelin die letzte Bombe auf das Mittelge- bäude der Au t o mv b i l fabr i k von Berchem gsworfeU hatte, die vielen Materialschaden anrichtcte, fuhr das Luftschiff davon und verschwanv schnell in der Dunkelheit, während -alle Geschütze der Forts es zu treffen versuchten. Der Lustkreuzer führ bei diesem „höchst verwegenen Raid' schnell und sicher am Himmel -über Antwerpen dah-n. In Antwerpen glaubt -man, daß die Fahrt -des Zepipeltn unternommen wäre, um den Hauptbahnhof zu zerstören; die Schäden, die dieses große Gebäude erlitten hat, sind jedoch -gering und leicht wieder ausgnbessern. Der Berichterstatter des „Daily Ehronnicle" findet noch seinen Trost wenigstens darin-,'daß das Luftschiff -auf der Rückfahrt her- untergeholt und die Besatzung gefangen genom-inen wäre. Aber nur zu bald für die Freude der Antwevpener wurde auch diese Nachricht widerrufen.
Die englische Schilderung des Seegefechts bei Helgoland.
Dem vom 31. August -datierten offiziellen englischen Bericht über das Seegefecht bei Helgoland entnimmt die „Neue Züricher Zig." folgendes: Der gepanzerte kleine Kreuzer
„Ar-ethusä", und nicht der „Amethyst", wie früher gemeldet, spielte dabei die Hauptrolle. Dieses Schiff, das erste von den zwanzig unter der jetzigen Admiralität -erbauten, war Flaggschiff des Kommodore Thrwhilt, des Kommandanten der Flottille der ersten Flolte. Das Manöver bestand darin, daß eine beträchtliche Zahl von Zerstörern, geführt von der „Arethusa", die schwachen deutschen Kräfte vom Lande weg und aufs hohe Meer in eine ungünstige Situation locken sollte.
Die „Arethusa" wurde von zwei deutschen Kreuzern angegriffen und während 35 Minuten auf 3000 Meter heftig beschossen, so daß sie einigen Schaden und etliche Verluste erlitt, andererseits aber die beiden deutschen Kreuzer, deren einer schwer beschädigt wurde, in die See h i n a u s l o ck t -e. Im Lauf des Vormittags wurde sie zeitweilig mit zwei audereu deutschen Schiffen in ein Gefecht verwickelt. Im Kampf, der nun folgte, und den sie zusammen mit dem Spahschiff „Fear- leß" und dem Geschwader der leichten Kreuzer führte, wurde
ähnlichen Kuüstmitteln vielleicht eine -gewisse Begeffterung dem Soldaten einflößen, wenn -lange Frieden geherrscht, wenn die Schrecken des Krieges -ganz vergessen sind. Aber der japanische Krieg wurde doch erst vor wenigen Jahren gc- fiilhrt. WaS -da an Skot, Hunger -und Verzweiflung gelittc« worden, ist noch lebendig im Gedächtnis des Volkes, lind darauf können wir uns verlassen, ruhig 'die Wirkung abwar- ten. Denn eine solche Saat bleibt -auch bei einem noch so geduldigen Volke, wie es die Russen in ihren unteren Schichtery sind, nicht ohne reiche Ernte!
Nus Rnnff und Leben.
Theater und Literatur. Wie die Blätter in Graz mell« den, ist der Schriftsteller und Kriegsberichterstatter, Freiherr Binder von Krietzelstein, der gleichzeitig als freiwilliger Kvan-ken-pfleger tätig war, bei der Ausübung des Samariterdienstes auf dem Gescchtsfclde unweit der Grenze von einem russischen General erschossen worden. Der Gefallene war bekanntlich unser sehr geschätzter Mitarbeiter, aus dessen gewandter Feder wir zahlreiche Aufsätze brachten. Sowohl wir wie auch unsere Leser können solchen Verlust nur tief beklagen.
Bildende Kunst und Musik. Die Felix-Draefeke- Stistung, die mehrere tausend Mark hoch ist, wurde jetzt von der Witwe des Komponisten dem Roten Kr-euz zugeführt mit der Begründung, daß dies sicher gang im Sinne ihres von .glühendem Patriotismus durchdrungen gewesenen Mannes läge. Die Stiftung wurde dem Meister seinerzeit zum 70. Geburtstage von Schülern unid Verehrern überreicht.
Otto Lohse, der Direktor -der Leipziger städtischen Oper, teilt mit, daß er seinen belgischen Orden, das Großkreuz des Kronenordens für Kunst und Wissenschaft dem Roten Kreuz übergsben hat.
