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Morgen-Ausgabe, 1 Blatt.

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feinen Fähigkeiten widmete, hat die Nachricht vom Trans­

port englischer Verwundeter nach Antwerpen wahre Bestür­zung erweckt. Die öffentliche Meinung glaubt nicht der offi­ziellen Meldung, datz die Engländer in der Schlacht bei Moris nur 2000 Menschen verloren hätten.

Die Uniform und die Bewaffnung des englischen Hilfskorps in Frankreich.

Der Berichterstatter desTemps" in Nordsrankreich schreibt seinem Blatt über die äußere Erscheinung der eng­lischen Truppen sorgendes: Offiziere und Mannschaften

tragen ein und dieselbe Uniform von dickem gelblichbraunem Wollstoff. An den Füßen halben sie feste gelbe Schuhe, den Unterschenkel schützen Wickelbiuden aus demselben Wollstoff wie die Röcke und daran anschließend mäßig weite Hosen. Der Rock hat auf der Brust und den Seiten je zwei Taschen. Auf einem breiten gelben Lederriemen von der rechten Schul­ter nach der linken Hüfte sind fünf Täschchen zu je zehn Patronen befestigt, ebensoviel Patronen werden am Koppel in Tuschen getragen. Karabiner und Gewehr sind schwer und erinnern an das deutsche Mausergewehr. Auf dem Kops wird eine vollständig mit Wollstoff überzogene Mütze ge­tragen, selbst der Schirm ist überzogen. Als Unterscheidungs­zeichen zwischen Offizieren und Mannschaften dienen fast unbemerkbare Sterne, Tressen oder Winkel aus Gold- oder Silberfäden, gemischt mit Wollfäden, die erst auf etwa 10 Meter sich erkennen lassen. Selbst die Schotten, deren unbe­zwingbare Vorliebe für ihre überlieferte Tracht man kennt, tragen sie so, daß man sie nicht zu unterscheiden vermag. IhrKilt" ist mit Khakistoff verkleidet, und der gelbbraune Feldrock wird gleichmäßig von den schottischen Reitern, Füsi- lieren und der sogenanntenSchwarzen Wache" getragen. Rur ihre Kopfbedeckung unterscheidet sie von den'übrigen englischen Truppen. Sie haben ihre längliche Mütze mit der silbernen Distel als Agraffe behalten, die zwei herab­hängende lange Bänder hat und deren Einfassung ein Band mit farbigen Vierecken nach den Regimentsfarben bildet. Die Beine sind entweder halbnackt und mit schwarzen Strümpfen bedeckt oder mir Hosen, bie. viereckige Muster zeigen. Die kurzen Geschütze haben etwa das doppelte Kaliber von unseren hübschen 7,5-Zentimeter-Kanonen.' Vor allem muß man den Troß sehen mit seinen unzähligen Karren und Wagen, die eine ungeheuere Maste nicht nur von Schießvor- ratz sondern auch von Bedürfnissen jeglicher, geradezu ver­blüffender Art enthalten. Für die Pferde zusammengepreß­tes Heu rn viereckigen Packen, für die Mannschaften Büchsen mit Teee, Kakao, Zucker, Gemüse- und Fleischkon-ferven, so­gar einen Fuß hohe Töpfe mit Eingemachtem. Man sieht Trams für Mngzeuge, deren Zahl gewaltig ist im Vergleich zu derienigen der Mannschaften.

Mit dem Wörterbuch in die Schlacht. 1

Ein Mitarbeiter derBörsen-Zeitung" schreibt: Wie

schwierig es gewesen sein muß, den Kontakt zwischen den Heeressäulen der Franzosen und Engländer aufrschtzuerhal- ten, davon erzählte mir ein Artillerrehauptmann aus der Garnison Reims bezeichnende Züge.Die Englän!der ge­hören ins Kontor!" begann er,aber nicht aufs Schlachtfeld! O, wenn sie nur drüben geblieben wären! Sie haben ja die Hauptschuld an der heillosen Verwirrung bei Maubeuge Eharleroi und vor Namur. Ohne die Engländer wären wir auf keinen Fall geschlagen worden! Stellen Sie sich vor- Mit idem Diktionär in der Hand halten wir miteinander die Verbindungen im wütendsten Schlachtengetümmel aufrecht. Doch Sie können es sich ja gar nicht voüstellen, welche groteske Mißverständniffe infolge ungenügender Aussprache der Meldereiter, dann der kooperierenden höheren Offiziere ent. standen sind!"

Bittere Enttäuschung i» England.

O Rom, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht) Der Londoner Korrespondent desGiornale d'Jtalia" stellt die bittere Ent­täuschung des englischen Publikums fest, das vergebens auf die große Seeschlacht mit der Vernichtung der deutschen Flotte wartet. Dieses Warten sei um so peinlicher, als das deutsche Landheer täglich rn Frankreich vordringe. Außerdem müssen die Engländer von fortwährenden kühnen Vorstößen deutscher Torpedoboote hören.

England als Anstifter Japans. Eine japanische Enthüllung.

üä. Tokio, 7. Sept. In der gestrigen außerordentlichen Sitzung des Landtags gab der Minister des Äußern

einen überblick über die letzten Ereignisse. Er erklärte, daß anfangs A u g u st Großbritannien mit Hinweis auf den Vertrag Hilfe von Japan erbeten habe, da deutsche Kriegs­schiffe den englisch-japanischen Handel bedrohten und man sich in Kiautschau auf den Krieg vorzubereiten scheine.

' Die Abreise der deutschen Botschaft in Tokio.

W. T.-B. Berlin, 7. Sept. (Amtlich) Die Mitglieder un­serer Botschaft in Tokio und der Konsulate in Japan sind am 31. August mit dem amerikanischen DampferMinnesota" nach den Vereinigten Staaten abgereist.

Eine Kundgebung der deuffchen Gelehrten gegen England.

T.-B. Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich) Nachfolgende

Erklärung ist zur allgemeinen Kenntnis gelangt: Unter einem nichtigen Vorwand, der am wenigsten vor der eigenen Ge­schichte standhält, Und der durch zahlreiche Dokumente in seinem Wesen klargestellt wird, hat England uns den Krieg erklärt. Aus schnödem Neid auf die deutschen Erfolge hat das uns blut- und stammverwandte England seit Jahren die Völker gegen uns aufgewiegelt und sich besonders mit Frankreich und Rußland verbündet, um unsere Weltmacht zu vernichten und unsere Kultur zu erschüttern. Nur im Ver­trauen auf Englands Mitwirkung und Hilfe konnten Rußland, Frankreich, Belgien und Japan uns den Fehdehandschuh hin­werfen. England vor allem trifft die moralische Verant­wortung für den Völkerhrand, der furchtbares Unheil für Millionen von Menschen zur Folge hat und unerhörte Opfer an Gut und Blut fordert. Der brutale nationale Egoismus hat ihm eine untilgbare Schuld aufgeladen. Wir sind uns wohl bewußt, datz hochbedeutende englische Gelehrten, die mit den deutschen wissenschaftlich in fruchtbarer Arbeit ;ahrelang verbunden waren, gegen den frevelhaft begonnenen Krieg gesinnt sind und sich gegen ihn ausgesprochen haben. Gleichwohl verzichten in deutschnationalem Gefühl die­jenigen von uns, welche Auszeichnungen von englischen Akademien und gelehrten Gesellschaften erwiesen worden sind, hierdurch auf diese Ehrungen und die damit verbundenen Rechte: Emil v. Behring (Marburg), August Bier (Berlin), Moritz Candor (Heidelberg), Vincent Czerny (Heidelberg), Alfred v. Domszewski (Heidelberg), Paul Ehrlich (Frankfurt a. M.), Wilhelm Erb (Heidelberg), Rudolf Euckeu (Jena), W. Alexander Freund (Berlin), Max Fürbringer (Heidelberg), Ernst Haeckel (Jena), Engelbert Humperdinck (Berlin), Joseph Köhler (Berlin), Leo Königsberger (Heidelberg), Willi Kücken­thal (Breslau), Paul Laban (Straßburg), Philipp Lenard (Heidelberg), Max Liebermann (Berlin), Fritz v. List (Ber­lin), Hermann Oppenheim (Berlin), Wilhelm Rein (Jena), Jakob Rieser (Berlin), Fritz Schaper (Berlin), Otto v. Tschjer- ning (Großes Hauptquartier), Gustav Schwalbe (Stratzburg), Rudolf Sturm (Breslau), Adolf Wagner (Berlin), August Weißmann (Freiburg), Anton v. Keller (Berlin), W. Wundt (Leipzig), Rudolf Kobert (Rostock). Weitere Unterschriften sind zu richten an Professor Schwalbe (Charlottenburg 4).

Die Verwendung von Dum-Dumgeschossen.

W- T.-B. Berlin, 7. Sept. (Amtlich) Beim Kriegs- mmisterium ist folgende Mitteilung des Armeeober­kommandos der fünften Armee eingegangen: Leutnant der Reserve Bader, Führer der Feldfernsprechabteilung, Detachement Kämpferer, hat hierher gemeldet, datz er bei der Einrichtung der Feldtelegraphenstation in Longtoy eine grotze Menge angebohrter Infanterie- geschosse, die in Kisten verpackt waren, vorgefunden hat. Ein Stück ist beigefügt. Das Geschoß der bei- gefügten Patronen zeigt an der Spitze eine tiefe, von einer Maschine hergestellte Einbohrung und ist somit ein sogenanntes Dum-Dumgeschoß.

Die äußersten Anstrengungen zur französischen Heeres­vermehrung.

W. T.-B. Paris, 7. Sept. (Nichtamtlich) Gestern ist ein amtliches Dokument veröffentlicht worden, das bestimmt, daß die Jahresklasse 1914 aüsgebildet und nmh Verlaus von einigen Monaten mobilisiert und sofort durch die I äh­re sk lasse 1918 ersetzt wird, die ihrerseits in der Weise aüsgebildet wird, daß sie, sobald dies irgend möglich, ohne Verzug ins Feld rücken kann.

Alffruf des Deuffchen Luffflotten-Bereius.

Der Deutsche Luftflotten-Verein veranstaltet eine Samm- lung für die Familien der im Feld- stehenden Flieger- und

Dienstag, 8. September 1914.

Nr. 417*

Luftsahrermannschuften sowie für im Felde verwundete, <mr die Hinterbliebenen gefallener Militärpersonen derDeutsch Luftflotte". Gaben sind mit dem Vermerk:Beitrag Kricgsluftflotte" an die Hauvigeschäftsstelle des Deichs Luftflotten-Vereins, Berlin IV. 57, Frobenstraße 27, zu ftu- (Posffcheckkonto: Berlin 17456).

Eine herzliche Bitte für unsere Marine.

Der Norddeutsche Männer- und Jüugffngsdund, der arrßs ^..Esrilndung urid Pflege christlicher Jungmännervereine d Soldateufursorge zu seinen Aufgaben gemuckst hat und 1$ für die Unteroffiziere Und Dlaunscbaften dejr Kaiserlich' Warme rn Sonderburg dasAlseuheim" gründete, dem das -Lwldatenheim am Truppenübungsplatz Lockstedter folgte, hat im Einvernehmen mit dem Kaiserlichen Stömxtm. der Hochieeplotte und dem Marinepfarramt eine «ammels^. für Bücher und Spiele eingerichtet, welche ausM«' lrch unserer Marine rn den Starrdorten Kiel. Wilhelmsd-u'c Cuxhaven, Soudcrburg und auf Helgoland, rn den ftai.-v»' uw> Lazaretten, wie auch auf den Schiffen zugute kormü»' sollen. Was für die Versorgung des Land Heeres mit nüf Schriften gesagt worden ist. gilt auch für die KaisinM Marme. Hat die Liebe zur Erfrischung durchziehender Kriegs zur Unterstützung der Familien einbernfener Wehrrncinvo und zur Pflege der Kranken und Verwundeten bereits ops^ willig beigesteuert, so wird sie gewiß auch noch für den 5; nannten Zweck ein Opfer bringen. Außer guren Büchern «#? illustrierten Zeitschriften sind Spiele (auch gebrauchte soreff ste pollstäiidig sind) willkommen und erbeten. Alle Sendung' sind an die G e s ch ä f t s st e l l e des Norddeutschen Männe: und Jünglingsbundes, Hamburg 5, Oertzenpaus erbeten Geldqaben für diesen Zweck, die ebenfalls herzlich erfceW werden, können auf das Postscheckkonto des Buiü- lHaruburg, Nr. 2749) oder auf das Baiffkonw unter Ror' deutscher Männer- und Jünglingsbund bei der BereinÄ*!-' Hamburg eingezahlt werden.

Bier Koburger in den feindlichen Lagern.

nprc. Nicht weniger als vier Koburger sind an gegenwärtigen Ereignissen beteiligt: König Georg V. England, König Albert von Belgien, Herzog Ka(j Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha und aller VorausE nach wird auch König Ferdinand von Bulgarien M kurz oder lang in die Reihen der Kämpfenden eintreten. Dl gemeinsame Stammvater der Dynastien in Belgien, Grosi britannien, Bulgarien und im Herzogtum Sachseu-Kobu'ss Gotha ist der 1806 verstorbene Herzog Franz Friede:Ü von Sachsen-Saalfeld-Kobnrg. der seinerseits seinen Urspru^ auf den Gründer des herzoglichen Stammes, den Hauvtm"' Friedrich Wettin, zurückführte.

Ein Sohn des württembergischcn Ministerpräsidenten gefallet

W. T.-B. Stuttgart, 7. Sept. (Nichtamtlich) Minist«-' Präsident Dr. v. Weizsäcker hat durch den Krieg e>-j großen Verlust erlitten. Sein ältester Sohn Karl v. Weizstck« i Legationsrat im Auswärtigen Amt in Berlin, Oberleutnai» d. R. im Grenadier-Regiment Nr. 119, ist im Alter r " : 34 Jahren vor dem Feind gefallen.

Heldentat württembergischer Truppen, hd. Stuttgart, 7. Sept. Nach einer Mitteilung des ( vertretenden Generalkommandos hat Leutnant der SB 1'( Matthes mit seinem Zuge eine feindliche Batterie nichtet, seckH Geschütze, 18 Munitionswagen sowie viele P' -- wurden erbeutet.

Das Schicksal der deutschen Reichsangehörige» in Kurland o. W; T. : b - Berlin, 7. Sept. (Amtlich.) DieNordd. Äh! Ztg. schreibt über das Schicksal der Reichsarigehöriae!' c Kurland: Nach etnem Bericht des kaiserliche« Kqns'dat« <* Libau sind mit ganz geringen Aussnahmen alle deutsch« Reichsangehörigen in Kurland in der Zeit vom 4. bis zud 9. August nach Kostroma an der Wolga a u s g e w i c i e * worden. Der Ausweisungsbefehl erstreckte sich nur w' Männer. Sämtliche Deutsche weiblichen Geschlechts !.f unter 17 Jahren dürfen in Libau oder in ihren anderen herigen Wohnorte verbleiben. Bis zum 9. August durfte eb* Ausgewieseue auf eigene Kosten ausreisen. Die Dagebl-^ benen wurden am 10. August etappenweise auf Staatsloste' nach Kostroma geschafft. Von Kostroma aus ist dann ^ Teil weiter nach Wologda gesandt worden. Diejenigen . 'chen, welche in Deuffchland aktiv gedient haben und --> militärpflichtig waren, wurden als Kriegsgefangene vert: und weiter ins Innere Rußlands gebracht. Sie" befinden > augenblicklich in Wilitka, darunter auch die beiden Söhn- deuffchen Konsuls in Libau. Von Riga wurden die nv& :< militärpflichtigen Deutschen nach Samara, Wilitka, Perm '

Bilder aus der Keichshauptstadt.

Nus Kriegspfad in Berlin.

In der Hardenbergstratze, im musikalischen Bezirk der Hochschule, plätschert an der Knesebeck-Ecke der reizende S t r e i ch e I b r u n n e n" Gauls mit seinen duckig-plustrigen Bronze-Enten. Die Kinder werden nicht müde, über die weichen, rundlich-wölbigen Formen hinzugreifen; durch die Patina schimmert nun schon der Goldton, und die Körper schillern vom lebendig-tonigen Gefieder.

Jetzt blicken stillvergnügt auf diese Friedensidylle die ver­wundeten Soldaten, die dorr an jener Ecke imMoffvhaus" untergebracht sind. Im Vorgarten, unter Zelten sitzen sie ge­mütlich in bequemen Rohrstühlen, mit Zeitung und Zigarre; blauweißgestreift die Hosen rrnd die Lazarettkittel. Auf dem Kopf jedoch die Feldmütze, oft mit dem Landwehrkreuz in der Preußenkokarde. Manche tragen den Arm in der Binde, an­dere schleppen das Bein; es sind aber alles Leichtgetroffene, braun und stramm sehen sie drein, kräftige Burschen, die bald wieder vor den Feind können. Die Kinder aber werden ihren geliebten Enten, die sie freilich immer haben, untreu, und drängen sich am Gitter, mit großen Neugieraugen auf die Männer starrend, die also wirklich Pulver gerochen. . ,

*

Unter den Linden sttömt heute alles zur Geschützbesich­tigung. Am Sedantag wurde die Beute eingebracht. Lanü- sturmleute im kreuzgezeichneten Tschako und in der Bluse ge­leiteten sie, die Männer von Tannenberg, dazu den eroberten Fahnenstock der Russen. Die Vierzigjährigen, mit Blumen geschmückt, marschierten dröhnend daher, und Ernst Moritz Arndts Worte wurden leibhaft:

Der Landsturm, der Landsturm, wer hat das sch^e

Wort erdacht,

Daß uns das Herz im Leibe lacht. . .

Heute »rennet und läuft nun ein jeder", das Schießzeng der Gegner zu beäugen, und mehr oder minbet fachmännisch das istdem Berliner sein Fall" zu kritisieren.

Die russischenRezensionsexemplare" sind, elf an der Zahl, in langer Front am Lustgarten vor den Portalen des Schlosses, auf dem jetzt allein die Purpnrflagge der Kaiserin weht, aussestellt. Maut, wenig gebraucht, scheinen sie recht

ftühin ihrer Sünden-Maieiiblüte" eingeheimst zu sein, Be- rnfsverfehler. Unschädlichgemachte. Sie stammen übrigens nicht aus Kruppscher Werkstatt, sondern sind russische Heimats­kunst aus Perm. Am auffallendsten an ihnen wirkt der hohe Deckmantel, hinter dem die Bediemingsmannschaft arbeitet, und der angeblich kugeldicht gegen Jnfanteriefeuer sein soll.

Von dem spaßhaften, indiskret verratenem Inhalt der Protzkästen, der Füllung mit Rizinus, Jufektensalbe und Damenwäsche, merkt man leider nichts mehr. Wie würden die Schlüterschen Kriegermasken höhnisch lächeln, kämen solche Trophäen in ihre Ruhmeswaffenhalle.

Über diePuppenbrücke", von wo man zur Schlotzfreihett und zur pompösen, Denkmals-Apotheose des alten Kaisers schaut, nach dem' zierlichen Haus der Kommandantur, wo Tinte und Feder regieren. Hier baute man im Grün des Vor­platzes die beiden russischen Maschinengewehre auf. Klein­geschwister der Kanonen sind's, niedlich, spielzenghaft auf ihren winzigen Rädern, dem dünnen Rohr auf beweglich flink­federndem Unterbau. Wie das eine von ihnen niedrig im Gras blinkend blinzelt, möchte man es in Erinnerung an den alten NamenFeldschlange", die Feldeidechse, nennen. Ihr Bruder ist etwas höher, auf einem dreieckigen Untergestell pendelnd, aufgerichtet und gleicht so einem astronomischen Fernrohr.

In der Nachbarschaft das Kronprinzen-Palais. Vor seiner Rampe Souvenir'te Longwy die beiden ftanzösischen Kanonen.' Unter ihren Mündungen bemerkt man links und rechts eiserne Seitenklappen. Sie wirken wie die Lefzen die­ser Eisenmäuler. Unwillkürlich richtet man jetzt den Schritt nach drüben, zum Kastanienwäldchen, wo heute die Reserve der Alexander die Neue Wache bezogen, und grüßt die Sieges­zeichen alter Zeit, die dort aufgepflanzt: die gedrungenen

bulldogghaften Bronzehaubitzen von 1810 und 1814, und die füllig-mächtigeMadame la Valerie", Jahrgang 1871, das dräuende 24-Zentimeier-Geschütz. Von höheren Haus­nummern ahnte man damals noch nichts. Aus der Höhe des Mont Valerien hat es Tod und Verderben gespien, jetzt legte man ihm mit Eisenkreuzbändern ein Schloß vor den Mund, und hinter dem Lanzengitter steht es mit den beiden kleinen Kurzbolden links und rechts da wie ein ungefüges Mutter­tier mit seinem Wurf. Im Kastanienwäldchen^ neben der Alma mater, steht es, und ist das nicht preußisch und wie ein Synrbol des Kriegs, dieser Philosophenhain der Universität,

in dem die Waffen und die Wache steht: Geist und Kanon: ' Deutschlands Ehre; und wir sind nicht nur mehr, wie W hard Shaw es wünscht, die stille Herde Goethes und Schil [ sondern auch das Volk Bismarcks und Moltkes. Bern'- ' Shaw, es tut mir in der Seele weh, daß ich dich in der ' sellschaft seh. . . Wußtest du nicht, daß wir auch schon eh das Volk Friedrichs des Großen waren, des Feldherrn Philosophen, der so leidenschaftlich von deinem Landsn: Carlhle begriffen und aufgefaßt wurde? . .

Bernhard Shaw? Und nun zur Lindenmitte, zum ?; ' Fritzen. Vergilbte Kränze liegen am Postament des $ mals. Darum aber, im Kreis aufgestellt, die fünf Kam : aus Belgien. Ein Quintett, und hoch oben über der Kami musik wie sein Kapellmeister der König, der die Flöteni im Frieden und im Krieg meisterte.

Dies Quintett von Tirlemont ist jedoch überhaupt n t zum Spiel gelangt. Kein Schuß kam aus diesen Geschü; k Man kann ihnen nichts anderes nachsagen, als daß sie j'" | fraulich blieben. Nur daß das für Kanonen kein Lob bede- , aber für die Legende werden sie vielleicht reif werden, d'-'Ü eisernen Jungfrauen, die erobert wurden und dochin: !

blieben.

Der alte Fritz, den Voltaires Spöttersinn tolerierte, h> gewiß auch für diese durch das Schicksal gefügte Kanonenir ' ein schmales Lächeln übrig gehabt, allerdings nicht ohne ' leichtes Drohen mit dem Krückstock. . .

Felix Poppenberg.

Nus Kunst und Ledsn.

, Theater und Literatur. August Junkermann, 83jährige Nestor der deutschen Schauspieler, hat seine K Wirkung bei den von der Bühnengenossenschaft in Ber veranstailteten vaterländischen Schülervorstellungen zugk .

Er lwirid in dem von ihm für die Whne beavbeiteten Reu" scheu StuckUt de Fvanzosentiü" den Müller Voh spiele^

Wissenschaft und Technik. In Halle staüb der berÄ Pathologe Geheimer^ Medizinalrat Professor' Dr. Tbe> Weber, der Senior der höllischen Universitätsdozet Wclber, der Verfasser zahlreicher pathologischer und th? peuti'scher Fachschriften war, lübte seit 1904 im Ruheist>ft Er war Ehrenbürger der Sch'dt Halle und hat ein Alter '

LS Jahren erreicht.