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Montag, 7. September, vormittags.
1914.
Nach der Slucht aus Paris.
All AHM Bl Im in A»»! Des Siüetf. Sroel Mi m SnHetK leiolien.
W. T.-B- Großes Hauptquartier, 6. Sept. (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser wohnte gestern dem Angriff auf Nancy bei.
In Maubeuge sind zwei Forts und deren Zwischcnbefestigungcn gefallen. Das Artillcriefeuer konnte gegen die Stadt gerichtet werden; sie brennt an verschiedenen Stellen.
Der Generalquartiermeister: v. Stein
Das vollständige Siasko der französischen Regierung.
Die Gefahr einer Revolution.
A Genf, 6. Sept. (Eig. Drahtboricht) Eine große Zahl von Flüchtlingen aus Paris und Frankreich, (»eiche sich auf schweizerischem Boden in Sicherheit »ringen, ist völlig entmutigt und erklärt ganz offenkundig, das Ende Frankreichs sei gekommen. Die Regierung hätte ein vollständiges Fiasko er- icbt. Ob nach der Einnahme von Paris, auf die alles eine Verteidigung in großem Maße Noch stattflndp-.i werde, sci zweifelhaft, dagegen droht die Gefahr eines Aufstandes, der sich gegen die Regierung richtet. In Paris wäre schon mehrfach dafür agitiert worden, die jetzige Regierung für ab- gesetzt zu erklären, bisher find alle diese Bestrebungen mit großer Brutalität unterdrückt worden. Nunmehr wäre auch auf die Polizei selbst kein Ver- mß mehr, da auch diese beginne, sich aufzulehnen. Daraus ertläre sich auch die Absetzung des Seine- Präfekten Hennion Der Senator Gervais, der «»l „Matin" von der panikartigen Flucht des Isi.Armcc- ^»rps in der Schlacht um Lunevillc berichtete, wurde Mrt bestraft. Mau suchte die Sache zu vertuschen, l!n ^> die Soldaten, die den betreffenden Regimentern ?ugehörten, mußten, um sich zu rechtfertigen, als erste f u . das Feuer zurück und wurden beinahe vollstän- »rg auf gerieben. Diese Tatsache ist in derLffent- ^chkcit bekannt geworden und hat große Verbitterung »»rvorgerufcn. Einer Nachricht aus Lyon zufolge ist dort bereits zu Unruhen gekommen und die ^lcherhxit hxx Regierung in Bordeaux soll, gleich- nicht allzu verläßlich sein- Poincars hat eine Leibgarde bilden lassen, die den Zugang des Gebäudes, in dem er wohnt, streng bewacht, da man ein Attentat befürchtet.
sang- n. Klanglose Ankunft der französischen Regierung und der pariser Zeitungsredakteure in Bordeaux.
□ Rom, 6. Sept. (Eig. Drahtbericht) „Giornale b'Jtalia" Meldet ans Bordeaux: Die Ankunft des Präsidenten der' ^epublik mit den Mitgliedern der Regierung und des diplo- »ßtifdjen Korps — es fehlt nur der Botschafter der Vereinigen Staaten, dessen Schutz die Fremden in Paris anvcr- laut wurden — erfolgte in aller Stille. Auf dem Bahnhof »r eine Kompagnie ohne Fahne und ohne Musik anf- »estellt. Trommler schlugen den Generalmarsch. Die Anfahrt in die Stadt ging ebenso still vonstatten. Kaum »o ein Hochruf auf Frankreich ertönte. Poincare sah „.ich und gedrückt aus. Er erwiderte den stummem der Menge mit müder Handbewegung. In »mer Abendstunde sind auch die Redaktionen des „T e m p s", "J »bira I", „Iourna I", „A g c n c e Hava8" und der 1 ( u ft r a 1 1 o n" eingctroffen; sie werden sich aus Mangel Quartieren auf die Herausgabe kurzer Bulletins be- 'chranken.
Die Lage in, Bordeaux.
T.-B. Bordeaux, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Die ist s c h x belebt, seitdem die Mitglieder der -»Porung und der ,gesetzgebenden. Körperschaften sowie ^lche Pariser hier sind, deren Auswanderung nach 'vom.Südwesten andauert., Präsident Poincarö An/a tn ^ er Präfektur, Ministerpräsident Viviani im w.anb Kriegsminister Millerand im Generalkom- sä,und Marineminister Augagneur in der Marine- chx^"ksschnle. Die Botschaften haben in Bordeaux, die kvn,". "chusien in Arcachan Wohnung genommen. Es uen immer mehr Pariser hier au,
Eine amtliche Mitteilung an die Armee von Paris.
Wi. T.-B. Paris, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Eine amtliche Mitteilung an die Armee von Paris besagt, die Bewegung der nahestehenden Armeen hat sich vollzogen, ohne daß seitens des Feindes irgend ein Vorstoß gegen unsere verschiedenen Stellungen gemacht wurde. Die deutschen Flieger haben es von geistern ab unterlassen, Paris zu überfliegen.
Die Lage in Paris.
W. T--B. Paris, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Die Stadt setzt die Vorbereitungen zur Verteidigung fort. DaZ Boulogncr Gehölz wird teilweise wegrafiert und die Wege nach Paris verbarrikadiert. Der Zustrom Freiwilliger ist ungeheuer.
W. T.-B. Genf, 6. Sept. Der Polizeipräfekt von Paris gibt bekannt, daß von jetzt an nur eine gewisse Anzahl von Toren für das Publikum geöffnet bleiben, die übrigen werden geschlossen. Die militärischen Zonen und gewissv Punkte des nördlichen Weichbildes weriden geräumt. In den Außengemeinden wurden aus Anordnung der Maires die Fahnen eingezogen.
Ein schwer beschädigter englischer Kreuzer in Alexandrien.
W- T.-B. Wien, 6. Sept. (Nichtamtlich) Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Kvnstantinopcl: Wie an unterrichteter Stelle verlautet, liegt im Hafen von Alexandrien ein schwer beschädigter englischer Kreuzer, der deutliche Spuren einer Beschießung aufweist, Außerdem liegen dort zwei englische Kreuzer, ein Torpedojägcr und zwei Torpedoboote, die nach Port Said flüchteten, im Dock zur Reparatur.
Entfernung der Schiffahrtszeichen an der englischen Gstkiiste.
Wi. T--B. London, 6. Sept. (Reuter. Nichtamtlich.) Tie Admiralität teilt mit, daß alle Schiffahrtszeichen an der Ostlüiste Engsands und Schottlands ohne vorherige Warnung entfernt werden können.
Ein Kriegsbericht des Generals French.
W. T.-B. London, 6. Sept. (Nichtamtlich) Bon dem Presseburcau wurde gestern abend 11% Uhr nachstehender Bericht des Generals French veröffentlicht: Die Lage auf dem Kriegsschauplatz ist nicht wesentlich verändert. Die Stellung der Verbündeten wird n o ch b e h a u p t e t. Es bestehen Anzeichen, daß die Bewegung der Deutschen sich in der Richtung nach O st e n und S ü d o st e n entwickelt.
Eine Rechtfertigung der §eldpost.
IV. T.-B. Großes Hauptguartier, 6. Sept. Aus Papieren, die in unsere Hände gefallen sind, geht hervor, daß der Feind durch das Vorgehen der Armeen der Generalobersten v. Kluck und v. Bülow nördlich der belgischen Maas vollständig überrascht worden ist. Noch am 17. August nahm er dort nur deutsche Kavallerie an. Die Kavallerie dieses Flügels unter Führung des Generals v. d. Marwitz hat also die Armcc- bewegung vorzüglich verschleiert. Trotzdem würde diese Bewegung dem Feinde nicht unbekannt geblieben sein, wenn nicht zu B e g i n n des Aufmarsches und des Vormarsches die Feldpostsenbungcn znrückgehaltcn worden wären. Von den Hecrcsangchörigcn und deren Familien ist dies alS schwere Last empfunden und die Schuld der Feldpost bcigcmessen worden. Im Interesse der arbeitsfrcndigen und pflichttreuen Beamten der Feldpost hatte ich mich für verpflichtet gehalten, hierüber eine Aufklärung zu geben.
Der Generalquartiermeister: v. Stein.
vom österreichisch-ungarischen Kriegsschauplatz.
Stürmische Verfolgung des Feindes.
W. T.-B. Wien, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Die Armee des Generals Auffcnbcrg nutzt den Sieg bei Zamosz und Komarow durch stürmische Verfolgung des Feindes aus und vermehrt dadurch unaufhörlich die erbeuteten Trophäen. — Der Angriff des Generals Dank! auf Lublin dauert fort.
W. T.-B. Berlin, 5. Sept. Die „B. Z. am Mittag" meldet aus dem österreichischen Kriegspreffequartier vom 4. Sept.: Auf dem ostgalizischen Abschnitt des Schlachtfeldes würde heute nicht gefachten, dagegen dauerte der Angriff auf Lublin fort. Die Armee des Generals Auffenberg verfolgt die geschlagene russische Armee. Die siegreiche Schlacht bei Samosc wurde erst nach heißem Ringen entschieden. Der Höhepunkt der Kämpfe war jedoch das Ringen um Komarow, wo die Russen unter General Plehwe gewaltige Anstrengungen machten, die Stellungen der Österreicher zu durchbrechen. Die Entscheidung siel aber erst durch das auf beiden Seiten des Huszwa-Flusses vordringende Korps Boroewitsch und durch das Korps des Erzherzogs Joseph Ferdinand, die den Feind im Rücken bedrohten. Durch die
Erstürmung des in stärkstverschanzter Stellung befindlichen Tyschowce wurde der Gegner zu einem schwierigen Rückzug nach Norden und Nordosten gezwungen, der sich in eine regellose Flucht verwandelte. Es wurden 19 000 Gefangene gemacht und 200 Geschütze mit viel Kriegsmaterial erbeutet.
Die Russen in Lemberg.
X Rotterdam, 6. Sept. (Eig. Drahtbericht) Aus Petersburg wird amtlich gemeldet, die Armee des Generals Ruski sei am Donncrstagfrüh in Lemberg cingerückt. Die Armee des Generals Russilow besetze die Stadt Halicz,
Warum Lemberg aufgegeüen wurde.
— Budapest, 6. Sept. (Eig. Drahtbericht) Die Kriegsberichterstatter melden in zensierten Telegrammen, daß Lemberg am 3. September, früh, geräumt und die österreichische Armee eine ungleich günstigere Stellung westlich Lemberg eingenommen habe. Dem Ereignis stehe gar keine strategische Bedeutung zu, weil Lemberg eine offene, unbefestigte Stadt ist. Lemberg wurde uns nicht genommen. Wir haben es geräumt, wie seinerzeit Insterburg von den Deutschen geräumt wurde, und gleichwie sich bald darauf erwiesen hat, daß die Räumung von Insterburg notwendig gewesen war, um mit zurückgezogenen deutschen Strcitkräften einen glänzenden Sieg an den masurischen Seen zu erringen, der fünf russische Armeekorps vernichtete, ebenso kann man vom ostgalizischen Kriegsschauplatz bald das Eintreffen von Siegesmeldungen erwarten.
Eine erlogene russische Siegesmeldung.
W- T.-B. Berlin, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Die österreichisch-ungarische Botschaft veröffentlicht folgende ihr vom Ministerium des Äußern in Wien gugögangene Depesche: Die russische Meldung von der Schlacht bei Lemberg und der siegreichen Einnahme der Städt ist erlogen. Die offene Stadt Lemberg ist aus strategischem und Humanitären Rücksichten ohne Kampf geräumt worden, Einzelheiten zum Gefecht bei Czernowice.
W- T--B. Wien, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht EiNzölheiten des Gefechtes bei Czernowice am 25. August. Auf russischer Seite stand die ganze podolische Division im Kampfe gegen die KanrieNser und Kischinewcr Regimenter; der österreichische ungarische Äauldstürm wirkte Wunder. Ms die öfter- reichlichen Kväfie anrückten, zog sich der Feind östlich von Czernowice zurück; er erlitt auf der Flucht große Ver» tu sie. 800 Gefangene, darunter einige Stalbsosfi« ziere, wurden gemacht, sowie 500 Gewehre, 4 Maschinen» gewehre und viel Munition erbeutet.
Mmenceaus Zufriedenheit über Joffres Feldzugsleitung.
= Genf, 6. Sept. (Eig. Drahtbericht) Ciemenceau, dev feine eigene Zeitung „L'homme libre" einstellte, verteidigte in einer Unterredung den Generalissimus Joffre gegen den Vorwurf, daß seine Saumseligkeit den gesamten Norden preisgab. Das Talent Joffres bedürfe der Zeit zur Entfaltung. Vorläufig könne das Ergebnis der Joffresche« Strategie, die Einklemmung des Gegners zwischen Paris und Nancy, als befriedigend gelten!
Beschießung von Dcndermonbe.
W. T.-B. London, 6. Sept. (Nichtamtlich) Aus Ostwtde wird gemeldet, daß die Deutschen Dcndermonbe, französisch Termonde, beschießen. (Dendermonde, südöstlich Antwerpen, etwas nördlich der Mitte zwischen Brüssel und Gent gelegen, ist Hauptstadt eines Arrondissements in der Provinz. Oshl- fl andern; es ist wichtig als Eisenbahnknoten» Punkt; es steht mit Brüssel, Most, Gent, St. Nicolas, Mecheln, Antwerpen in Verbindung.)
Die Heldentat der französischen Flotte gegen die „Zenta".
W. T.-B. Wien, 6. Sept. Die Blätter veröffentlichen! Nachrichten über den Untergang der „Z e n t a", welche die Barbarei der französischen Flotte charakterisieren, die die primitivsten Anforderungen der Menschlichkeit mißachtet. Sie überließ nämlich die mit den Wellen ringenden österreichisch-ungarischen Seeleute ihrem Schicksal.
vie Abreise des deutschen Skutari-Vetachements aus Wien.
Eine Parade der deutschen Stutari-Mtcilung vor der Wiener deutschen Botschaft.
Wi. T.-B. Wien, 5. Sept. (Nichtamtlich.) Um 11 Uhr vormittags nahm das deutsche Skutavi-Deiachement vor den deutschen Botschaft Aufstellung. Major Schneider .machte dem deutschen Botschafter Meldung, worauf dieser die Front abschritt. In kurzen Worten führte Major Schneider aus, die deutschen Soldaten hätten das Bedürfnis, Nach ein. jähriger Abwesenheit von der Heimat zu weiteren Kämpfen nach Deutschland gurückzukehren und vorher hier in Wien auf deutschem Boden der deutschen Fahne und dem Vertreter des Allerhöchsten Kriegsherrn ihre Ehrenbezeugungen zu erweisen, Die Anspvcwhe klang in ein Koch
