Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasse 21

Tagblaii-HauL".

kchoUer-Halle eröffnet von 8 Uhr morgen! bi! 8 Ubr abend!.

Fernruf:

Tagbiatt-HauS" Nr. 8650-53.

Bon 8 Uhr morgen! bi! i Uhr abends, nutzer Sonniag!.

12 Ausgaben

Wöchentlich

» en-Preid fiir die Zeile: IS Big. für lokale Anzeigen imArbeiiSmarki" undKleiner Anzeiger" :itI>Äer Saslorm; LüPfa. in davon abweichender SatzguSjühruug, iowie für alle übrigen lolalen Anzeigen: 80 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen; l Mk. für lokale Reklamen: 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurze» Zwischenräumen entsprechender Rabatt.

vezugo-Brel! für beide Ausgaben: 70 Pfg monatlich, M. 2. vierteljährlich durch den Verlag 21. ohne Bringerlohn ÜJt. 3. vierteljährlich durch alle deutsche» Postanstalten, ausichlietzlich veuellaeld Bezugs -Bestellnngen nehmen autzerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- , "taring lS. iowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich : die dortigen AuS- ^ilavei ielle»nd in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

?!"ze>gen.Annahuie: Kur dieAbend-AuSg. bi! >2Uhr _

für die Moraen.Aurg bis 3 Udr nachmittags Berliner Redaktion des Wiesbadener Tk

Für die Ausnahme von Anzeigen au vorgeschriebeneit

Monray. 7. Zeytember 1914.

Paris vor der Belagerung.

. Nachdem 'bie deutschen Flieger über Paris ^ er- Winen und nach dem Siege der deutschen Armee über jJ* französische Arineckorps zwischen Reims und ^rdun die zweite Befestigungslinie mit _ Reims ge- i Q IIen ist, das übrigens genau an .demselben Tage 44 Jahren von den Deutschen besetzt wurde, ist der stanzösischen Regierung der Boden in Paris zu heiß Uvorden. Zu derselben Zeit, wo die Verwaltung der ^iadt Paris bekannt gab, daß eine Belagerung von Mis unwahrscheinlich sei, empfahlen sich der Präst­ant Poincard und das Kabinett Viviani mitsamt dem (Parlament, > da,um über das Heil der Nation zu ^nchen, die Behörden die Pflicht haben,. sich zeit­weilig von Paris zu entfernen". ^ Zeitweilig soll "^?hl heißen bis zur endgültigen Niederlage Frank- ^ichs, bis zum Friedensschluß.

Die Dinge spielen sich diesmal in wesentlich schnellerem Tempo ab als vor 44 Jahren. Da- chnis erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs am Juli, und am 18. September erschienen die Men deutschen Truppen vor Paris, nachdem ein Teil M Regierung sich vorher zunächst nach Tours be- ! ^en hatte, während am 9. Dezember die Verlegung to 1 ' gesamten Regierung und Verwaltung nach -oordeaux erfolgte. Jetzt dauert der Krieg erst gut neu Monat, und die französische Regierung hat Iw) schon m eorpoi'6 nach Bordeaux begeben, das weit ab vom Schuß liegt. Im Kriege von 1870/71 nahm die Belagerung von Paris mehr als vier Monate in Unspruch, denn die Übereinkunft wegen der Übergabe der Ltadt erfolgte am 28. Januar 1871. Diesmal durfte es erheblich schneller gehen, wenn auch dre Annahme verfehlt wäre, daß die Flucht aus Paris dereits auf eine F r i e d e n s st i m m u n g, auf die Erkenntnis deute, daß aller Widerstand gegen den Machtvollen Vorwärtsdrang der deutschen Heere ver­geblich ist.

Jo der bekannten Kundgebung, mit der die Regie­rung ihre Flucht beschönigt, wird denn auch stolz ver- kiiydet daßsie die Verteidigung der Stadt und des festigten Lagers durch alle in ihrer Macht stehenden Mtel sicher gestellt hat", und daßder Krieg i kichzeitig im. übrigen Lande westergefuhri werden M Allein über die Mittel, mit denen Parissicher- ptellt" worden ist, dürfte sich die französische Armee- Esting, welche die Hauptstadt für un überwind - 'ich erklärt haben soll, täuschen wie über manches Adere. Freilich dürfte es sich diesmal als ebenso wst>er wie vor 44 Jahren erweisen, Paris durch Aus- Uugerung zur Übergabe zu zwingen, denn die Stadt ? einmal anscheinend sehr auskömmlich ver- ^opiantiert worden, und zweitens dürfte ein Teil der Bevölkerung die Stadt vor der Be- Merung verlassen, wie das aus den Meldungen über , Ie schon jetzt beginnende Flucht aus der Seinestadt Arvorgeht. Allein, es kann als sicher gelten, daß M deutsche Heeresleitung ans derartige lang­wierige Operationen sich nicht e i n l ä ß t, sondern Ach gegen Paris alsbald die sehr eindringliche Apache unserer schweren Geschütze, mit den neuen ^-em-Brnmmern angefangen, reden lassen und mit den Mitteln der m o d e r n e n B e l a g e r u n g s - ^chnik Vorgehen wird, die sich bei Lüttich und tfainur treffilch bewährt haben. Im übrigen scheint 3 französische Heeresverwaltung den uneinnehmbaren Festigungen von Paris nicht so ganz zu trauen, da J ja in den letzten Wochen noch sehr fleißig an ihrer "9>sbosserung gearbeitet hat.

t Was diese Befestigungen betrifft, so sind sie nfüte wesentlich stärker als vor 44 Jahren, wo Wkis außer der einen Umfang von 36 km umfassenden g ütlichen Stadtbcfestigung jenen Gürtel von 14 Forts . .m>ies, die jetzt als der inner e Fortgürtel be° Nnet werden. Die alte Stadtbefestigung selbst gilt ^ einigermaßen wertlos, so daß sie schon an mehreren .Men niedergclegt wurde. Aber auch der ältere Forts- W"Ml, der einen Umfang von etwa 60 Kilometern g.stst'eist, wird heute schon zu den veralteten Befesti­gten gerechnet und dürfte, vielleicht abgesehen von 136 Meter hohen Mont Valerien, unseren iweren Geschützen keinen ausgiebigen Widerstand m^egenzusetzen vermögen. Die Stärke von Paris _in der dritten Befestigungshinie, die ?;ahrc nach dem Krieg in Angriff genommen I -IM und welche um Paris einen Zirkel von rund iW» Kilometern bildet. Dieser zweifellos sehr Gürtel besteht aus drei verschanzten Lagern, von tzdas nördliche 7 große Forts, das östliche (von 5w i rc ! u bis Villenenve) 6 und das südwestliche, welches h^iailles einschließt, ebenfalls 6 Forts anfweist. samt­ig Ast zahlreichen Zwischenwerken und Batterien, "lästere, für Lagerzwecke geeignete Räume um- Men. Diese Werke sind auf die Höhen vorge­

Ü

schoben, auf denen im Jahre 1870 die E in- schließungstr uppcn standen, weisen also zweifellos eine strategisch günstige Lage auf. Aber die von 1874 bis 1886 erbauten Befestigungen entsprechen vielfach nicht mehr dem m o d e r n st c n Fortifikations- typ, und inan hat bei ihrer Anlage vor allem nichts von unseren neuen 42-em-Gesckstitzen mit ihren 14- Zentner-Geschossen gewußt, die. eine Umwertung aller artilleristischen Werte herbeigeführt haben. Es gibt für unsere Artillerie keine Panzertürme stund Betonmassen inehr, die sie nicht durchschlagen könnte: das dürfte man in Bälde auch in Paris erfahren. Man rechnet ja auch dort nicht mehr auf die eigene Kraft, sondern verläßt sich auf die Russen, die auf Berlin rückwärts" Vorstoßen, und auf die Engländer, die leider nicht mehr über den Kanal kommen zu wollen scheinen. Weh dem verblendeten Franzosennoch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf".

kleinere Ncrvalleriegefechte im Norden von Paris

W- T.-B. Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich) Wie dasB. T." über Genf erfährt, sollen im Norden von Paris kleinere Kavallcriescharmützcl stattgcfnnden haben. Der Auszug der Pariser nimmt seinen Fortgang.

Zu den neuen Meldungen vom westlichen Kriegsschauplatz.

Berliner Presscstimmen.

Wl T.-B. Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Theodor W ol f f schreibt im -»Berliner Tageblatt": Die Nachricht, die den siegreichen und unaufhaltsamen Vormarsch der deutschen Armeen ankü-n-dtgte, muß die französische Bevölkerung treffen, wie das verneinende Kopfschütteln des Arztes am Tage nach einer trügerischen Besserung die Umgebung eines Kranken trifft. Die Unzufriedenheit in Paris wird waihr» fcheirÄich nicht zur Revolution führen, alber Herrn PomaarS droht eine andere Gefahr: Arifte Brianid .sei m-'t

General Gallien! in Paris zurückgeblieben. Er werde wohl wissen, w a r u m er die Rolle des Statthalters der Flücht- lingsrolle vovgezogen habe. Er fei ein Mann von vieler: E«hen und^ starker Autorität. Ob er der FriedenAmacher werden dürfte, weiß er bisher vielleicht .seihst noch nicht. Un­wahrscheinlich ist nur, daß ihm in einer solchen Krisis die Stellung eines nachBordeaux icleigrasthierenden Beamten genügt.

ImLokal-Anzeiger" heißt es: Der Angriff der deut­schen Truppen auf Nancy ist die beste Antwort auf die Prahlereien Clemeneeans, daß es dem General Joffre gelungen sei, die .deutsche Armee Mischen Nancy und Parise i n z u k I emme n".

DieKrcuzzcitung" hält den Fall von Nancy fm wich­tiger als den von Mauheu ge. Nancy habe eine sehr be­vorzugte Lage an der Meurthe und am Rhein- Mar n e - K a na 1. Die Anwesenheit des ohevsten Kriegs­herrn der Deutschen laste darauf schließen, daß man aus die Eroberung der Festung großen Wert lege.

Hein Einzelfriede.

W- B.-T. London, 7. Sept. (Nichtamtlich) Der Minister des Äußern und die Botschafter Frankreichs und Rußlands Unterzeichneten heute vormittag im Foreign Offici" eine Erklärung, welche besagt:'

Die Unterzeichneten, die von ihren Regierungen autorisiert sind, geben folgende Erklärung ab:

Die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und Englands verpflichten sich wechselseitig, kein c n E i n z e l f r i e d e n im Laufe dieses Krieges zu schließen. Die drei Regierungen kommen dahin überein, daß, falls es angebracht sei, den Friedens- Wortlaut zu diskutieren, keine der Verbündeten Mächte Friedensbcdingungen festsehcn kann, ohne vorheriges t'l b e r c i n k o m m e n mit jedem der beiden anderen Verbündeten.

Presscstimmen zu dem Abkommen des Dreiverbandes.

W- B.-T. Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich) Zu der Meldung des Wolfs-Bureaus über die Unterzeichnung einer Erklärung der Mächte des Dreiverbandes, keinen Einzclsriedcn im Laufe dieses Krieges abzuschließen, sagt dieV o s s. Z t g."i Das läßt erkennen, welchen tiefen Eindruck die bisherigen Kriegscreignisse bei allen drei Regierungen herborgerufcn haben, be­sonders natürlich bei der französischen, von der zweifel­los die Anregung zu dieser Erklärung ausgegangcn ist.

DieB e r l. Neue st e n Nach r." sagen: Eng­land und R u ß land scheinen zu befürchten, daß Frankreich unter der Wucht der Niederlage sich be­müßigt fühlen könnte, soviel von seiner eignen Haut zu retten, als dies möglich ist.

ImVorwärts" heißt es: Der Beschluß be­deutet die Notwendigkeit, den militärischen Zwang gegen die drei Verbündeten gleichzeitig so un­widerstehlich gestalte», daß j c de einzelne Macht zum Friedensschlüsse gcnciat wird. Daß da­durch beit Krieg länger währt, als wenn etwa Frank­reich allein den Frieden schließen könnte, ist klar. Aber damit mußte von Anfang an gerechnet werden.

Nr. 416. * 62. Jahrgang.

Keine japanische Truppensendung nach Europa.

W- B.-T. Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich) Laut L.-A." erklärte der japanische Gesandte in S to ck- h o l ni die Meldung für falsch, daß Japan Truppen nach Europa senden wolle. Japan habe nicht die Ab­sicht, sein Heer irgend einer Regierung zur Verfügung zu stellen, weder in Europa noch anderswo. (Über die Sendung japanischer Truppen nach Europa hat auch der japanische Gcsandtschaftsrat Uokata im Hsi"g gesagt, daß er cs für ausgeschlossen halte, daß Japan nach Europa sein Heer schicke, da cs kein Interesse da habe, und zweitens der Transport sehr schwierig wäre und mindestens sechs Wochen dauern würde.)

Deutschlands Entgegenkommen gegenüber den algerischen Gefangenen.

W- B.-T. Konstantinopcl, 6. Sept. (Nichtamtlich) WieTanin" erfährt, haben die Deutschen beschlossen, die Mohammedaner aus Algerien, die sie in den lebten Kämpfen zu Gefangenen gemacht haben, frei- z u l a s s e n, soweit sie mit Gewalt in den Krieg ge­schickt worden sind, und wenn sie erklären, keinen Haß gegen Deutschland zu hegen. Es wird ihnen Gelegen­heit gegeben werden, nach Konstantinopcl zu kommen.

Zürst Biiloto über unsere Zeinde.

W. T.-B. Stockholm, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Mehrere schwedische Zeitungen veröffenLichen ein Interview, das Fürst Bükaw dem norwegischen Schriftsteller Björn- Björnson gewährt hat. Der Fürst drückte in diesem Interview seine Ansicht über den weiteren Pssrlauf des Riesenkampfes, der jetzt die Welt mit Getöse erfülle, aus und kennzeichnete seine llberzeugung mit den Worten: W i r

werden sitgen, weil wir siegen müssen. Das deut­sche Votk erlag noch nie seinen Feinden, wenn es einig war und niemals im Laufe seiner langen und wechsel- vollen Geschichte war es so einig wie heute. Der Fürst nimmt darauf Bezug, daß Deutschland in diesem Kriege auch für die europäische Kult n r, ihren Fortbestand und ihre Zu­kunft kämpfe. Er geht des weiteren auf Deutschlands Stel­lung zu den neutralen Staaten ein, um schließlich die Feinde Deutschlands zu kennzeichnen: Frankreichs Rachsucht, Rußlands panslawistische Ziele, Belgiens Torheit, Japans Heimtücke und Englands brutalen Konkurrenzneid. Von England, das uns Japan auf den Hals hetzte, sagte der Fürst: Das war Hochverrat an der Weißen Rasse- Es wird viel Master die deutschen Ströme herabfließen, bis der Deutsche das England vergißt, dessen Freundschaft von uns und in erster Linie von unserem Kaiser so beharrlich und ehrlich gesucht und mit dem wir so gut in Frieden und Freundschaft hätten lüben können, wenn England uns nuv den Platz an der Sonne gegönnt hätte, auf den das deut. sche Volk ein Recht hat und den es sich, und wenn die Welt voll Teufel wäre, nicht nehmen lassen wird. Aber glauben Sie mir, wir werden das Feld behaupten, wirwer- den kämpfen, bis wir einen Frieden erringen, würdig der Opfer, die unser Volk mit heiligem Ernst bringt.

Oer Reichskanzler an die amerikanische presse.

W. T.-B. Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich.) DieNordi». Allg. Ztg." bringt folgende Mitteilung des Reichskanzlers an die Vertreter der United Pres? und der Preß Association: Großes Hauptquartier, 2. Sept. 1914. Ich weiß nicht, was man in Amerika über diese» Krieg denkt. Ich nehme aber an, daß dort inzwischen der Telegrammwechsel des Kaisers mit dem Kaiser von Rußland und dem König von England bckonntgeworden ist, der unwiderleglich die Vorgeschichte und das Zeugnis dafür ablcgt, wie der Kaiser bis zum letzten Augenblick bemüht gewesen ist, den Frieden zu erhalten. Diese Bemühungen mußten aber vergeblich-, bleiben, da Rußland unter allen Umständen zum Kriege entschlossen war, und England, welches durch Jahrzehnte hin­durch den deutschfeindlichen Nationalismus in Rußland nnd Frankreich ermutigt hatte, die glänzende Gelegenheit, die sich ihm bot, die so oft betonte Friedensliebe zu bewähren,' u ittcn n tz t vorübcrgchcn ließ. Sonst hätte Wohl der Krieg Deutschlands mit Frankreich und England vermieden werden können. Wenn sich einmal die Archive offnen, so wird die Welt erfahre», wie oft Deutschland England die s r e u n d- schaftlick, e Hand entgegen st reckte, aber England: wollte die Freundschaft mit Deutschland nicht. Eifer-: süchtig auf die Entwicklung Deutschlands und im Gefühle,; daß cs durch die deutsche Tüchtigkeit und den bentschen Fleist auf manchen Gebieten überflügelt werde, wünscht cd Deutsch-; land nlit roher Gewalt niedcrznwerfen, wie es^ scincrzcit Spanien, Holland und Frankreich niedcrwarf. Diesciv Moment hielt es jetzt für gekommen, und so bot ihm der Ein-^ marsch der deutschen Truppen in Belgien den willkommenen. Borwand, am Kriege tcilzunchmcn. Z» diesem Einmarsch» aber war Deutschland gezwungen, weil cs dem beabsichtigten, französischen Vormarsch zuvorkommcn mußte nnd Belgier^ nur auf diesen wartckc, um sich ihm anzuschlicßen. Das^ er für England nur ein Vorwand war, beweist die Tatsache^ daß Grcy bereits am 2. August, nachmittags, also bevor di-