Sette <t. Morgen- Arrsgabe, 1. Blatt.
her, da wurden uns in Mons etwa 300 gefangene Engländer vorgeführt, und dabei wurde uns durch den Major bekanntgegeben, welche unglaublichen Unmenschlichkeiten und Greueltaten sich die Träger der britischen Nationalität gegen unsere braven Truppen und vor allem gegen unsere Verwundeten haben zu schulden kommen lassen. Nicht genug, daß sie die Häirde aufheben, die weiße Fahne schwenken, um beim Herannahen unserer Truppen hinterrücks zu schießen, viel schlimmer sind die Entsetzlichkeiten gegen unsere Verwundeten. Und das sind behördlich beglaubigte Tatsachen, nicht Gerüchte und nicht Gerede. Der deutschen Ansprache unseres prächtigen Majors folgte eine zwar nicht stilisierte, aber dafür um so verständlichere englische an die britischen Bestien: Bei der geringsten Aufsässigkeit
Maschinengewehre in 50 Meter Entfernung und niemand von euch bleibt am Leben. Unbeschreiblich war die Erbitterung unserer Ärzte, die selbst unsere verstümmelten Verwundeten gesehen haben. Warum ich Ihnen dies schreibe? Damit unsere deutschen Frauen und Mädchen wissen, welche Bestien in Menschengestalt diese Engländer sind, damit sie das an sich so schöne deutsche Mitleid aus ihrem Herzen bannen, wenn es sich um Engländer handelt, damit sie nicht, um ihr bißchen Englisch an den Mann zu bringen, diesen Auswürfen der Menschheit mit Liebesgaben nahen, die unseren braven Truppen entzogen werden, damit sie sich nicht unwürdig zeigen ihres großen Vaterlandes. Wir Leute vom Roten Kreuz würden ihnen ins Gesicht spucken, wenn sie die Schmach auf sich laden. Wir sind ausdrücklich ersucht worden, für weitere Vc r breitu n,g der britischen Greuel zu sorgen. Bald überschreiten wir unter dem Gesang „Deutschland, Deutschland über alles" und „Heil dir im Siegerkranz" die französische Grenze. Hugo Caeker.
Ein Überangebot, betr. Verwendung von Zivilpersonen in Belgien.
W. T.-B. Berlin, 1. Sept. .(Amtlich.) Beim Reichsamt des Innern gehen Bewerbungen um Verwendung bei der Zivilverwaltung in Belgien so zahlreich ein, daß es bei den mannigfachen Ausgaben, deren Erledigung diesem Amte infolge des Krieges obliegt, nicht möglich, sie einzeln zu «beantworten. Es wird daher auf diesem Wege be- kanntgegelben, daß derartige Eingaben zwecklos sind, da das Angebot zurzeit den Bedarf weit übersteigt.
Französische „Kameradschaft".
Berlin, 4. Sept. Aus dem Brief eines Kavallerieoffiziers wird der „Tägl. Rundsch." folgende Stelle mitgeteilt: Gestern ritten wir über eins der Schlachtfelder zwischen Lüttich und Namur. Wir fanden dort zahlreiche tote und verwundete T u r k o s — lauter farbige Leute, keine Franzosen. Wir fragten einen der Verwundeten, wo denn die toten Franzosen hingekommen wären. Er sagte unter wilden Verwünschungen auf die weißen Offiziere der Truppe, die französische Infanterie wäre nicht mehr ins Feuer zu bringen gewesen. Deshalb wären die farbigen Truppen vorgeschickt worden. Sie wären erst wie die Teufel draufgegangen, was ich ihnen gern glaube, denn grausig genug sahen die Kerle aus. Als sie dem Feuer der Deutschen nicht mehr standhalten konnten und zurückgingen, hätten die Franzosen selber aus sie geschossen. Das ist französische Kameradschaft.
Der englische Premierminister als unverschämter Lügner.
— Rotterdam, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht) In der Londoner Guild-Hall hielt A s q u i t h eine Rede, worin er erklärte, nach welcher Seite wir uns auch wenden, es gibt viel Ursachen, um stolz und zuversichtlich zu sein. Die Verletzung der belgischen Neutralität war nur der erste Schritt eines wohlerwogenen Plans, der, wenn auch nicht direkt, doch das nicht weit entfernte Ziel hatte, die Vernichtung der Unabhängigkeit von drei europäischen Staaten, zunächst B e l - g i e ns, dann Hollands und schließlich der Schweiz. Die Zerstörung von Löwen bezeichnet Asquith als das größte Verbrechen seit dem 30jährigen Krieg, als die Vernichtung unersetzlicher Schätze durch den blinden barbarischen Groll. Kitcheners Aufruf hätte schon die Einstellung von nahezu 300 000 Mann ergeben.
Eine wenig rühmliche Sitzung deS englischen Unterhauses.
W. T.-B. London, 4. Sept. (Nichtamtlich) Im Unterhaus entstand eine heftige Szene wegen der Homerule-Frage. Asquith sprach in versöhnlichem Sinn und beantragte die Vertagung des Hauses bis zum 9. September. Er erneuerte die Versicherung, daß keine Partei aus der Vertagung des inncrpolitischen Streits Vorteil ziehen oder dadurch einen Nachteil erleiden solle. Der Entschluß der Regierung, die Homerule-Bill und die Walisische Kirchenbill rechtskräftig zu machen, sei u n v e r ä n d e r t. Da aber eine irische Zusatzbill eingebracht sei, wäre es unbillig, das Parlament zu vertagen, gleich als ob die Zusatzbill nicht vorgelegt wäre. Die Regierung hoffe, in der nächsten Sitzung Vorschläge machen zu können, welche allgemeine, wenn nicht vollständige Billigung fänden.
B o n a r Law unterstützte den Antrag und sprach die Hoffnung aus, daß ein Streit vermieden würde. Die Nation würde denen, die den Waffenstillstand brächen, nicht leicht vergeben.
R e d m o n d forderte energisch, daß die Homerule-Bill Gesetz würde, was auch immer aus der Zusatzbill würde.
' Balfour erwiderte heftig, es sei unmöglich, die irische Frage ohne tiefe Bitterkeit zu erörtern; es sollte daher nicht versucht werden.
Diese Rede erweckte große Erbitterung bei den Iren und Radikalen, deren zornige Zwischenrufe das Echo bei den Unionisten hervorriefen. Dies war eine äußer st peinliche Szene. Seit langem hatte keine Rede Balfours einen solchen Ausbruch von Feindseligkeiten erregt.
Als Balfour das Haus verließ, während Sir Joseph Walton sprach, brachen die Radikalen in lauten Beifall aus, als ob sie sich freuten, von seiner Gegenwart befreit zu sein.
Balfour war sichtlich von dem Sturm der Leidenschaftlichkeit überrascht, den feine Rede entfacht hakte. Premierminister A s q u i t h legte sich ins Mittel und beruhigte das Haus durch die feierliche persönliche Bitte, diese so gefährliche Erörterung fallen zu lassen. Er schloß mit den Worten: Laßt uns einig bleiben, so lange wir können!
„Daily Telegraph" schreibt hierzu: Asquith rettete die Situation. Aber es war ein beklagenswerter Rückfall in die P a r t e i s u ch t und mußte so manchen Augenzeugen zittern machen. Eine zweite solche Episode wäre ebenso beklagenswert wie eine verlorene Schlacht. Die Nation solle darauf bestehen, daß vor dem Zusammentritt des Hauses am 9. September der irische Ausgleich Tatsache wäre.
Wiesbadener Tagblalt» Sonntag, 6. September 1914cNr. 415«
Die Anstrengungen zur englischen Rekrutierung.
W. T.-B. London, 5. Sept. (Nichtamtlich.) Den Zeitungen zufolge sind Schritte getan worden, um eine parlamentarische Nekrutierungskom Mission zu bilden, an der alle Parteien teilnehmen. Präsidenten sind Asquith, B o n a r Law und der Vertreter der Arbeiterpartei Artur H e n b erse n.
Anerkennung englischer Kurgäste in Karlsbad.
Wi. T.-B. Wien, 5. Sept. Das „Neue Wiener Tageblatt" meldet: Vorgestern hat der größte Teil der in Karls
bad weilenden Engländer die Stadt verlassen. Vor der Abreise erschien Fürst Uemike-G e a t o n, ein angesehenes Mitglied der konservativen Partei des Unterhauses, um dom Bürgermeister im Namen aller englischen Kurgäste seinen Dank für die außerordentliche Aufmerksamkeit auszuisprecheu, die in diesen ernsten Tagen seitens der Karlsbader Bevölkerung den britischen Untertanen gegenüber bewiesen worden fei.
Japanische Belagerungsartillerie auf dem Wege nach Europa.
sicl. Stockholm, 5. Sept. Russischen Zeitungs- meldungen zufolge befindet sich eine starke Abteilung japanischer Belagcrungsartillerie auf dem Wege nach dem europäischen Kriegsschauplätze. Sie soll jetzt die Uralgcgend erreicht haben.
Eine Proklamation des russischen Generalissimus in Galizien.
W. T.-B- Lemberg, 5. Sept. (Nichtamtlich) Im Besitze vieler russischer gefangener Soldaten wurde eine Proklamation des russischen Generalissimus Nikolajowitsch gesunden, die sich an die russischen Brüder Galiziens wendet und in der die Befreiung vom fremden Joch und die Vereinigung unter die Banner des einigen, unteilbaren Rußlands verkündet wird. Es möge keine unterjochten Russen mehr geben/ Die Proklamation, in der die Österreicher als Schwaben bezeichnet werden, schließt mit der Aufforderung, für Rußland und den Zaren zu beten.
Unverändert günstige Lage auf dem galizischen Kriegsschauplätze.
bck. Wien, 5. Sept. Die Situation aus dem Kriegsschauplätze ist unverändert günstig. Etwas Neues von Belang hat sich inzwischen nicht ereignet.
Österreichische Gcgenmatznahmcn gegen den Boykott in Frankreich.
hd. Wien, 5. Sept. Wie verlautet, trifft die Regierung Gegenmaßnahmen gegen den von Frankreich und England durch Konfiskation und Verkauf österreichischer Waren begangenen Bruch des Völkerrechts.
Die Verluste des 18. Armeekorps.
(Abkürzungen: verw. — verwundet, leichtv. — leicht ber.
wundet. schwerv. — schwer verwundet, Denn. — vermißt, gef. — gefangen.) (Aus der 15. Verlustliste.) Infanterie-Regiment Nr. 118, Worms.
8. Komp.: Nnj.-Freiw: Seine tot.
(Aus der 10. Verlustliste.)
, Infanterie-Regiment Nr. 81, Frankfurt n. M.
5. Komp: Einj.-Frerw. Keipec verw.
Infanterie-Regiment Nr. 87, Mainz.
5. Komp.: Res. Hiüemann (Kreuz-Krug) tot; Musk. Mertens (Kirfchweischede) leichtv.: Res. Licht (Sstörrderling) verm.
6. Komp.: FaHnensunker Unterosf. Poller (Ludweiler)
tot: Gefr. d. R. Schmidt 2 (Dornbach) tot: Musk. Schmoll
(Balve) tot: Res. Biernath (Passenbeim) leichtv.: Gefr.
Johann Schäfer (Hochheim) leichtv.; Musk. Getzner (Sondevbofen) leichtv.: Musk. Seih (Eschenbach) leichtv.:
Res. Kleine (Nieheim) leichtv.
7. Komv.: Res. Friedrich (Moschhetm) tot: Musk Meffer-
schmidt (Hesselbach) leichtv.: Res. Brosch (Bochum) leichtv.: Res. Engemann (Recklinghausen) leichtv.: Res. Küper (Weitmar) leichtv: Res. Menge (Langendreer) leichtv.; Res.
Vedder (Hönstroh) leichtv; Res. Röhuiann (Gr.-Schönda- menau) leichtv: Gefr. d. R. Rang (Bepersberg) leichtv
8. Komp.: Leutn. d. R. Kredal (Kirchbrombach) leichtv; Res. Roth 2 (Obevleinach) leichtv: Res. Gronenberg (Wehlaü) schwerv.: Musk. Kreß (Heddernheim) leichtv.; Füs. Reichert Veriv.
Ohne Angabe der Komp.: Res. Tmnb. Brosch verw.; Res. Wüllner verw.
Infanterie-Regiment Nr. 115, Tarmstadt.
3. Komp.: MuSk. Germer verw.
11. Komb.: Musk. RogalSky verw.; Musk. Wagner 2 verw.
Infanterie-Regiment Nr. 116 . Gießen.
9. Komp.: Res. Philippi verw.
Infanterie-Regiment Nr. 11p, Mainz.
11. Komp.: Musk. Bauer verw.
Garde-Dragoner-Regimcnt Nr. 23 , Darmstadt
4. Eskadr.: Drag. Wege (Groß-Gerou) verm.
Lcib-Dragoner-Rcgimcnt Nr. 24. Darmstadt
Leibeskadr.: Draa. Ritter (Unter-Schöu-Mättenwag) verm.; Drag. Haust (Brainz) tot; Drag. Wagner (Wöllstein) schwerv.: Serg. Dienst (Guntersblum) leichtv.; Draa Kutzel- mann (Grotz-Steinbeim) schwerv. *
3. Eskadr.: Drag. Jung (Holzheim) schwerv
4. Eskadr.: Serg. Lotz (Gießen) schwerv.
5. Eskadr.: Drag. Algesheimer (Gau-Atgesheim) leichtv
Verluste durch Krankheiten. Infanterie-Regiment Nr. 117. Mainz
Res.. Seng tot.
Berichtigung früherer Verlustlisten Infanterie-Regiment Nr. 118, Worms ,10. Komp.: Ref. Staufs (OberflürSheim) bisher verm ist im Lazarett. ’’
(Aus der 17. Verlustliste.)
Ulanen-Rcgiment Nr. 6. Hanau ,3. Eskadr.: Ulan Krause (Hersfeld) tot; Man Fischer (ObermngHb-ura) denn.
4. Eskadr.: Gefr. Buiskeus (Heiltgentzaus) leichtv.
Kus Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Die Woche.
Viele unserer Leser wundern sich darüber, daß wir mit keinem Wort verraten haben, ob und wann die Wiesbadener Regimenter nach dem Kriegsschauplatz abgerückt sind. Auch das völlige Schweigen über die Stellung der Regimenter im Feld und ihre Beteiligung an den bisherigen Kriegservignisien befremdet viele. Es ist zlvar oft mitgeteilt worden, aber eL scheint trotzdem noch nicht überall bekannt zu
sein, daß über Truppenbewegungen, Aufenthalt der Truppen usw. absolut nichts veröffentlicht werden darf. Das alles findet gewissermaßen unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Die Presse darf nur das veröffentlichen, was ihr amtlich mitgeteilt wird oder die amtliche Druckgenehmigung erhalten hat, sonst nichts. Auch die Veröffentlichung von Soldatenbriefen unterliegt der Genehmigung der Militärbehörde. So kommt es, daß im Osten und Westen Schlachten geschlagen werden, von denen wir erst dann etwas erfahren, wenn sie zu einem bestimmten Abschluß gekommen sind. Wir und der größte Teil unserer Leser haben uns bereits an diese Nachrichtendürre gewöhnt, die zwar manchmal etwas unheimlich, aber doch das notwendige Merkmal des erschütternden Weltkriegs ist. „Machen wir uns stark, immer wortkarger zu werden, die Nachrichtendürre zu dem unerhörtesten Schweigen zu verschärfen", schrieb jüngst der Bonner Professor Dr. Hashagen. „Hinter der Front, bei der großen Schar der in gepreßter und doch so hoffnungsvoller Stimmung Zurückgebliebenen, herrsche nicht nur die opferwillige Hilfsbereitschaft, sondern auch die Selbstverleugnung des Schweigens für die eine große Sache".
Wie wir wiederholt feststellen konnten, schließt man aus der Tatsache, daß bis jetzt noch keine Verlustliste der n a s s a u i s ch e n Regimenter vorliegt, auf ungewöhnlich große Verluste. Diese Folgerung ist natürlich irrig. Wir wissen zwar ebensowenig wie unsere Leser, ob die Regimenter viel gelitten haben oder nicht, sind aber überzeugt, daß die Herausgabe der Verlustlisten unparteiisch und ohne Rücksicht auf die Höhe der Verluste geschieht. Die Heeresverwaltung hat auch da nichts zu verschweigen; sie erfüllt gerade- ausgehend ihre schmerzliche Pflicht, dem deutschen Volk von den Opfern Kenntnis zu geben, die der Kampf um das Ansehen und die Größe des Vaterlands erfordert. Es kann also keineswegs davon gesprochen werden, daß die Veröffentlichung der Verlustliste unserer Regimenter absichtlich in die Länge gezogen werde. Wir müssen uns auch hier mit Geduld wappnen und uns hüten, uns die Zeit bis zum Erscheinen der amtlichen Berichte mit mehr oder weniger gewagten Kombinationen und der Weiterverbreitung von Gerüchten zu vertreiben.
Von verschiedenen Seiten wird angeregt, wie im Befreiungskriegs, die goldenen Eheringe auf denr Altar des Vaterlands zu opfern und dafür eiserne Fingerreifen anzustecken. Als Aufschrift für die eisernen Ringe wird von einem Freund unseres Blattes
1813
Eisen Befreit 1914
vorgeschlagen. Derselbe Herr meint, derartige Ringe seien ein schönes, sichtbares Zeichen der Vaterlandsliebe und wertvolle Erinnerungen an eine große Zeit. Die eisernen Ringe müßten natürlich gegen jeden Ring, nicht nur gegen Eheringe, eingetauscht werden. Ein anderer Herr, der zugleich auf den volkswirtschaftlichen Vorteil der Hergabe der goldenen und der Herstellung von eisernen Ringen hinweist, rechnet aus, daß Deutschland allein 20 Millionen Eheringe im Durchschnittswert von 10 M. aufbringen könnte, was einem Goldwert von 200 Millionen Mark entsprechen würde. Durch die Hergabe von Schmuckringen könnten ebenfalls 200 Millionen Mark aufgebracht werden. Aus diesen Ziffern ergebe sich, daß es sich hier um die Gewinnung ganz erheblicher dele. „Es würden unzählige deutsche Männer und Frauen stolz sein, solche Ringe für ihre Nachkommen zu besitzen", ruft ein Leser vertrauensvoll aus. „Was vor 100 Jahren ging", meint er, „das findet auch heute in allen deutschen Herzen wieder Anklang." Der Gedanke, der in dieser Weise zum Ausdruck gebracht wird, ist nicht übel, obwohl ein großer Unterschied zwischen der Lage des deutschen Volkes im Jahre 1813 und unserer Lage ist. Damals war Deutschland ausgeraubt, es fehlte überall an dem Nötigsten, heute sind wir, trotz aller Not im einzelnen, ein wohlhabendes Volk, und wir werden den großen Krieg sicher zu einem für Deutschland glücklichen' Ende führen, ohne durch die Veräußerung der Ehe- und anderer Ringe für die nötigen Geldmittel sorgen zu müssen. Jüngst war mitgeteilt worden, aus dem Bismarck- Nationaldenkmalsfonds solle eine Million Mark für die Kriegsfürsorge bewilligt werden. Diese Nachricht bezeichnet der Vorsitzende des Vereins zur Errichtung eines Bismarck-Nationaldenkmals auf der Elisenhöhe bei Bingen in einer Zuschrift an die „Düsseldorfer Zeitung" als unwahr. Er sagt, die Satzungen des Vereins und die mit den Künstlern und Unternehmern abgeschlosienen Verträge ständen einer derartigen Verwendung der Denkmalsgelder im Wege. Was uns hier aber besonders interessiert, ist die folgende Bemerkung: „Auch ist Deutschland noch nicht so arm, daß aus dem zu Ehren des Reichs-Baumeisters gesammelten Denkmalsschatz Mittel für die Kriegsfürsorge bereitgestellt werden müssen." Wenn der Kapitalstock für ein Denkmal unberührt bleiben kann, weil Deutschland das Geld noch nicht nötig hat, so können auch die Eheringe vorläufig weiter an den Fingern glänzen. Ein dringendes Bedürfnis liegt für ihre Hingabe nicht vor. Wenn aber auch kein dringliches Bedürfnis für den Austausch der Goldringe gegen Eisenriuge vorliegt, so ist doch nichts dagegen zu sagen, wenn er zur Unterstützung der Kriegsfürsorge und gleichzeitigen Erlangung von Erinnerungszeichen an das Weltkriegsjahr 1914 vorgenommen werden sollte. Es käme aber zunächst darauf an, die Reichs- r e g i e r u n g, die wohl für Eisenringe sorgen müßte, von einem dahingehenden Bedürfnis zu überzeugen. -n-
Im Kampf für das Vaterland starb, wie uns aus Berlin berichtet wird, den Heldentod Robert P a e h l e r, Oberleutnant der Reserve im Brigade-Ersatzbataillon Nr. 44 in Meiningen (4. Kompagnie). Der Gefallene ist der Sohn des Oberregierungsrats und Direktors des Königl. Provinzial schulkollegiums in Kassel Dr. Robert Paehler, der 20 Jahre lang, bis zum Jahre 1894, Vs Direktor des Gelehrten-GyE nasiums in Wiesbaden wirkte.
— Für das Eiserne Kreuz vorgcschlagcn. Der Unterofsst zier W i e g a n d t von der 1. Kompagnie unseres 80. Regl ments hat bei den letzten Kämpfen in Belgien mit einen: Z u g, d. h. mit etwa 80 Leuten, eine ganze französische Kompagnie aufgerieben. Mit Rücksicht darauf ist er von seinem Hauptmann für die Verleihung des Eisernen Kreuze» in Vorschlag gebracht worden.
— Kostenlose Zahnbehandlung der Verwundeten. Einen recht anerkennenswerten Beschluß haben die D e n t i st (" Wiesbadens (Mitglieder des Verbands der Dentisten is" Deutschen Reich) gefaßt. Sie haben sich bereit erklärt, d>e Zahnbehandlungen, wie die Anfertigung von Stützapparaten/ Kieferschienen usw. bei Kieferbrüchen und Kieferschuv" Verletzungen für hier untcrgcbrachte Vertvundete kostenlos
