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wechsel oder die Begleilungserscheinung gewisser Nervenschmerzen mit wechselndem Auftreten und bald zu bewältigen; wir haben hier den Kropf nur in Ausnahmen, bis jetzt nie die wirkliche Cholera und auch nicht die erquistte Gicht. Diese Leiden, die Cholera ausgenommen, sind allerdings nicht so erheblich, daß man ihrerwegen eine solche Gegend meiden müßte, wenn sie aber in nur engen Schranken auftreten, so ist die betreffende Gegend doch immer vorzüglicher.

Eine Krankheit, welche mehr ins Gewicht fällt bei der Messung der Skala der salutären Verhältnisse eines Aufenthaltsortes ist die Lungenschwindsucht und ich will über deren Vorkommen dahier bei dem Uebergange zu den Sterblichkeits- Verhältnissen in Wiesbaden das Nähere angeben.

Cine Stadt, welche 20000 Einwohner zählt und dabei in jährlicher Fluth und Ebbe des Sommers 20 bis 25000 Fremde hinzuzählen darf, hat auch ihr Kontingent zur Sterblichkeit zu liefern. Ich werde die Namen der Krankheiten, woran die Kranken starben und die Zahl, wie viele davon erlagen, genau angeben (vom Jahre 1862).

Namen der Krankheiten und Zahl der Gestorbenen im Jahr 1862.

Brustkrankhciten 126, wovon 86 durch Lungenschwindsucht fielen; 3 durch Croup. Abzehrung der Kinder (atrophie) 31. Abzehrung der Alten (warasmu8) 46. Schlagfluß 21. Hirnentzündung 19. Herz­leiden 8. Wassersucht 19. An C o n v u l si o n e n (Krämpfe der Kinder> 19. Typhus 13. Brechruhr oder Cholcrine 7 Kinder. An Darm­entzündung 5. Rose 5. Krebs 14. Rheumatismus 6. T u ber- culose 4 Kinder. Nierenleiden 2. Keuchhusten 1 Kind. Durch Er­weichung, Abszeßbildung, Eiterbildung, Geschwür, Opera­tionsfolge, Syphilis in Summa 12. Im Wochenbette 2. Durch Unglücksfall und Selbstmord 14. Plötzlich 2. Todtgeboren wur­den 36. Gleich nach der Geburt starben durch Schwäche 14, zwei Leichen neugeborner Kinder. An diese jährlich mehr und weniger vorkommenden Todesfälle reihet sich die Zahl der ausnahmsweise in diesem Jahre durch Schar­lach verstorbenen 91 Kinder.

I. Die Lungenschwindsucht, schlechtwegSchwindsucht" genannt, ist die über den Erdkreis am meisten allgemein verbreitete tödtende Krankheit des menschlichen Geschlechtes. Betrachten wir uns so im gewöhnlichen Leben,-sso mögten wir diesen Ausdruck kaum glauben und dennoch ist es durch ärztliche Statistik wach­gewiesen, daß etwa der fünfte Thetl der Menschen an Lungenschwindsucht zu Grunde geht. Das ist so notorisch, daß man bei der großen Verbreitung der Lungenkrank- heiten überall dahin schaut, wo deren Herrschaft und Einfluß beschränkt oder gar- aufgehoben werden kann, denn der NameSchwindsucht" trägt in der Regel auch das Todesurtheil in sich. Je weiter nördlich und je wechselnder das Clima, um so mehr tritt die Schwindsucht auf, je südlicher und stabiler das Clima, um so weniger. So im Allgemeinen Dazu kommt noch, daß diese Krankheit erblich, also um so zerstörender ist. Ein Clima, worin diese Krankheit im Verlaufe gehemmt wird, wird für die daran Leidenden empfohlen, so Italiens und Frankreichs südliche Meeres­küsten , Aegypten ic., und ein Ort, wo sie nach Procenten weniger vorkommt oder doch weniger rasch deeimirt, muß eben auch für gewisse Leidende empfehlen sein. Die Erfahrung zeigt nun, daß der Aufenthalt zu Wiesbaden sehr passend ist zum Uebergange solcher Kranken aus südlichen Climaten nach und nach wieder in ihr nördliches, um das gewonnene gute Resultat dauerhaft zu machen.

In Wiesbaden starben während 19 Jahren 7428 Menschen und davon erla­gen 1286 durch Schwindsucht, oder fast je der 6te. Da nun in andern Städten und Gegenden ein weit größerer Antheil an dieser Krankheit erliegt, so muß der Lage unserer Stadt ein günstiger Einfiuß zugerechnet werden; und in der That ist sie für