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..T-gbl-ni.chauS". MSMeNkNÄ) 12 HtlSflftOttU ..TagbIatt.H»i,S" Nr. 6880 S».

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Berliner Redaktion des Wiesbadener Tagblatts- Berlin-WilmerSdorf. Güntzelstr. 66. F-rnfpr.: Amt Uhland 450 u. 451. CÄSSSSÄS

Sonntag, 6. September 1914.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 415. » 62. Jahrgang.

Vor Paris!

Die Mut öer Pariser über öie Flucht der Regierung.

. sich Berlin, 6. Sept. Der GenferKurier" gibt en Privatbrief seines Korrespondenten aus Paris Wieder, der über die dortigen Zustände bedeutsame Auslassungen enthält. Die Ankündigung der Ncgie- Xll M, sie werde nach außerhalb ü b c r s i e d e l n, folgte erst, nachdem die Regierung Paris schon seit . Stunden verlassen hatte. Andererseits wäre cs M nicht möglich gewesen, zu entkommen. Sofort nach ^ckanntwcrden des Manifestes strömten H n d e r t - «sende von Menschen nach dem Elysce und dem ^»cc de la Concorde und eröffnet«: einen wahren Steinhagel gegen die Rcgierungsgebäudc. Tic Mizei machte keine nennenswerten Anstrengungen, Menge zu hindern, bis nach Mitternacht dauerten Kundgebungen des Volkes gegen die Regierung, plötzlich derMatin" durch Anschlag bekannt gab, die gesamte Regierung Paris bereits ver- J i s e n habe. Es war wie eine entsetzliche B o t- chaft, die in das Ve.lt drang, und die Revolution sUrc vielleicht schon in dieser Nacht zum Ausbruch ge- ^unnen, wenn nicht die Regierung zu dem Mittel ge- Aiffen hätte, sämtliche elektrischen Lampen der ^Unenstadt auf eine Stunde zu verlöschen. Die Wut Volkes, daß es schmählich seinem Schicksal über- 'iüm iirwr, wnr unbeschreiblich. Dem Korresponden- _ i! erscheint besonders bedenklich die passive Haltung ' r Polizei und die Tatsache, daß auch Reservisten an Kundgebung teilnahinen.

Die Flucht aus Paris.

jj Mg,«, 5 . Sept. (Gig. Drckhtbericht) DieTribun«" Mhrt Paris: Der Andrang auf den Bahnhöfen ist

p'trrhin unaeheuer. Viele Reifende muhten ihr Gepäck meterweit tragen, weil sic keinen Wagen finden Alten. Die Behörden begünstigen den Auszug durch Ein- li* n 9 zahlreicher Sonderzüge die in unwahrschem.

Länge und wahrscheinlich überfüllt abgehen. Auto- x^O'öile dürfen von morgen ab die Stadt nicht mehr ver-

f 0[ W. t.-B. Basel, 5. Sept. (Nichtamtlich.) ( j Se «be Zeitungsmeldungen vor: Dem Pariser

V

Hier liegen

ftß-ve ötiuiuasjnewjutiatn »ci; tsjem ipauierMatin" zu- befinden sich in Paris 600 VOO Arbeitslose. Ein italienische ZeitungStampa" und d-cn italienischen s^lptmann der Reserve Arnaldo Cipolla aus Paris gerich- boir ® r ' e i besagt: Die Engländer hätten sich über das ?br llnvorbereitets ein der Franzosen ausge- ^°chen Cipolla sei in Lille auf französische Territorial- lw l ^ ^ c .. n gestoßen, die mit Graß-Gewehren bewaffnet ge- wären. Die englischen Offiziere hätten sich besonders die Franzosen sich in denjenigen Waffen- tej 8 ? n ' die sie s e l b st erfunden hätten, von den Deutschen überflügeln lassen. So hätten die Deutschen über viel ^«.ueroplane verfügt, die sie sowohl bei Erkundigungen, t e j, ,TT der Schlacht selbst mit viel größerer Geschick! ich- ?^'^ucht hätten als die Franzosen. Der Rückzug aus ^ habe sich jn großer Unordnung

'Cents V- " -- v b_ bonsogett. Kein

>w batte gewußt, wohin er gehen solle. Cipolla betont, fett ^ Lichts von Grausamkeiten der Deutschen ge- ti e ^Ee. Die Engländer hätten Befehl gehabt, nachdem der in Lille eingerückt waren, abends wieder nach

Stu -i n . dre Gegend von Hagebrouk abznziehen, da der i" Gefahr sei, mußten sie zu Fuß abrücken. c c ' n * ccrer Zug gesandt worden, worin sie nach 8 <i( ? gefahren seien. Die Marokkaner und Senc- Ngch hätten am 2. Septeinber auf ihrem Durchmarsch

8 to e; ~ weit Paris passiert. Der Vorbeimarsch hätte stunden ~ '

^"lsche und

di,

gedauert.

belgische

In Paris Offiziere.

befänden sich viele

- 1 wc uno oeigrsche Offiziere.

^ neue Zusammenziehung der französischen Hauptmacht.

^ere? Dt , r& Semeldet: i ek. ZlNizentrierte

b £ r,

e n R n m ber ^gend u e n 0eräumt -

5. Sept. (Eig. DrahLericht) Aus Die Hauptmacht des französischen sich aus dem Wege Dijon und von M o r v a u t. Die Franzosen

uil e * Uetcr ^nrtRcher Bericht über die Ver- ^Achtung russischen RareW-Krinee.

..^!"u,.S. Si

zu den bisherigen offiziellen

^evirntS^t. (Eig. Drahtber.) Das Gou- folgeb-sherrgen offiziellen Berichten

^relu-Ar,., 5 , n i ! ^ : -®l c ,. russische zweite Armee g5U!cc) hat ausgehort zu h c '

?tet sind t'-' -'" '"-mepurt zu bestehen. Ber- S. f 15., 2.1 und die Hälfte des 6. russt- ^.eekorps. Von diesen Korps-i

beschütze

und Fahrzeuge in

sind fämt' unsere Hände ge­

fallen. Durch Flucht konnten sich unter schweren Ver­lusten das erste und die Hälfte des 6. Armeekorps über die Grenze retten.

Der russische Gffensivplan auf dem galizischen Kriegsschauplatz gescheitert.

Lemberg aus taktischen Gründen geräumt.

XXX Berlin, 6. Sept. (Eig. Drahtber.) Der Be­richterstatter desB. T." int österreichisch-ungarischen Kriegspr cs s e quartier berichtet unter dem 4 September:

Die österreichisch-ungarische Armee hat Lemberg aus strategischen Gründen geräumt, so daß der russi­sche Angriff aus leere Stellungen traf. Es gab kein Gefecht. Der eigentliche russische Offensiv­plan ist infolge Auffenbcrgs glänzenden Sieges bei K o m o r o w als gescheitert anzuschen. Die russische Niederlage bedeutet die K a t a ft r o p h e für einen großen Teil der russischen Armee und vereitelte endgültig das geplante Zusammenwirken mit der gegen Lemberg stoßenden Armee, das für Öster­reich-Ungarn hätte sehr verhängnisvoll werden können. Der Umstand, daß die Russen nicht Nach­drücken, beweist den rein taktischen Charak­ter der Räumung Lembergs, das militärisch sehr un­günstig gelegen ist, und ermöglicht die ungestörten planmäßigen Vorbereitungen der weiteren Operatio­nen, bei denen erst die Entscheidung liegen wird.

S iegesnachrichk.*)

Eine Siegesnachricht kam uns ins Haus:

Da steckten wir schnell die Fahne hinaus.

Nun flattert sie fröhlich im frischen Wind Und sagt, daß die Feinde geschlagen sind.

Nun bete jeder, der beten kann:

Hilf Gott, daß sie oft noch so flattern kann!

Eine Sicgesnachricht kam uns ins Haus:

Da holten wir schnell die Karte heraus Und pflanzten die deutschen Fähnchen klein Ein gut Stück weiter nach Frankreich hinein.

Nun bete jeder, der beten kann:

Hilf, Gott, unsrem Heere weiter voran!

Eine Siegesnachricht kam uns ins Haus:

Da setzen wir schnell die Arbeit aus

Und legten stille Hand in Hand

Und dankten dem Herrn, der sich zu uns bekannt.

Run bete, wer immer beten kann:

Hilf, Gott, daß ich bald wieder danken kann!

Martin Schian.

Unser Toöfemö England.

Vmr Dr. Ruth irr dt Schuhmaim.

Einen Monat ist es setzt her, daß dieser Krieg.be­sonnen hat, den sich unsere Gegner so ganz anders dachten, als er bisher für uns verlaufen ist und, wie wir zuversichtlich hoffen, auch weiter verlaufen wird. Was unsere Gegner von der Triple-Entente zusammen­geführt hat, wissen wir längst; aber es verlohnt sich doch, sich diesen Gelegenheitsverband zur Beraubung eines vermeintlich Schwächeren ein­mal im einzelnen anzusehen und die Motive und d:e Bedeutilng der Gegnerschaft der einzelnen Bundes- brüder im Verhältnis zu einander zu prüfen.

Am b e st e n schneidet in moralischer Beziehuiig, wie auch kürzlich in einem Aufsatz von Dr. Reinecke imTag" erwähnt wurde, von unseren Gegnern Frankreich ab: Frankreich hat aus seinem ehrlichen und glühenden Hasse gegen uns nie 'ein Hehl ge- macht, wir wußten, daß beim geringsten Anlaß, bei der ersten, ernsten Verwicklung mit einer anderen Macht die französischen Flinten von selbst losgeyen würden, und wir konnten^ uns danach richten. Wir kannteii auch den Bündnisvertrag, den Frankreich mit dem Zarenreich zu dem alleinigeit Zwecks abgeschlossen batte, seinen Retzanchetraum eines Tages erfüllen zu können.^ Niemals hat Frankreich den Zweck dieses Bündnisses ^ mit den heuchlerischen Phrasen, in denen die Briten Meister sind, zu verschleiern ge­sucht. Vor allen: aber setzt Frankreich im Kampfe mit uns mit Bewußtsein seinen Reichtum, seine militä­rische Ehre, die gesamte Jugend seines Landes, mithin

eitient Kriegsflugbatt des Evangelischen Bundes,

Berlin W. 35

seine gesamte nationale E x i st e n z aufs Spiels sein Einsatz ist der höchste von unseren Gegnern in diesem Kriege.

Was Rußland betrifft, so wußten Einsichftge längst, daß die traditionelle Freundschaft der bstden Herrscherhäuser niemals den Haß würde überbrücken können, den .das orthodoxe und nationalistische Russen- tum gegen uns hegt, und daß dieser Haß sich eines Tages entladen mußte. Auch Rußlands Einsatz in diesem Spiel ist hoch, freilich kommt er den russischen Machthabern nicht so wie den französischen znm Be­wußtsein. Der Gott der russischen Erde ist ja groß, ebenso groß der^ russische Fatalismus! Rußland hat die Niederlagen im japanischen Krieg und die Revolu­tion überdauert, sein Riesenleib hat manche Wunde empfangen, und trotzdem ist dieser Leib stets ange- wachsen; vielleicht überdauert er auch einen Zusammen­bruch in diesem Kriege. Jedenfalls aber tritt doch Rußland ebenso wie Frankreich offen dem furcht- barsten Gegner gegenüber,, den die Erde kennt, dem deutschen Volksheer.

Ganz anders England! Es weiß, daß unsere Millionenheere es jenseits des Wassers nicht erreichen» können. Es kennt die ungeheure Überlegenheit seiner Flotte über die unsere, die durch das Zu­sammengehen mit dem französischen und russischen Ge­schwader noch verstärkt wird. Es kann in Ruhe zu- sehen, wie das überfallene Deutschland sich sein« Gegner zu Lande erwehrt und in dieser Zeit versuchen, den deutschen Handel zu erdrosseln. Wird Deutschland von fernen Feinden zu Lande geschlagen, so fällt Eng- t7» faum. einen Finger gerührt und außer seinen 100000 Paradewldaten in Frankreich nichts aufs Spiet gesetzt hat, von selbst der weitaus wertvollste Siegespreis zu: Die Beseitigung des deutschen Wett­bewerbs zur See und die deutschen Kolonien. Siegt aber Deutschland, so ist es für England, dem außer­dem eine Schwächung Rußlands äußerst angenehm ist, immer noch Zeit, in den Kampf einzugreifen und unter Einsatz, eines Teiles seiner Flotte Deutschland wenig­stens zur See unschädlich zu machen, Und das alles ohne die gewaltigen Opfer, die die Gegner Deutsch­lands zu Lande haben, bringen zu müssen!

Dies mag der Gedankengang der leitenden eng­lischen Staatsmänner und somit der Mchrheit des freiheitlich regierten englischen Volkes gewesen sein; daß man ihn in die Tat umsetzte und uns den Krieg erklärte, beweist eine Gesinnung, verglichen mit welcher das japanische Ultimatum als An- fängerarbeit erscheint, zumal ja auch dieses Ultimatum offenbar englisches Erzeugnis ist. Die Frage ist nur, ob wir nicht doch in der Lage sind, das meergeschlltzte England ebenso zu treffen wi» Frankreich und Rußland.

Wir sind zum Glück in dieser Lage; denn weM» auch Enland selbst geschützt ist, das gesamte brrttsegT Reich bietet genug Angriffsflächen. England und Schottland sind nur der Kopf eines großen Reiches, der natürlich ohne den Körper nicht existieren kann. Ohne Kolonien ist dasreiche" England ein kleines, armes Land mit zahllosen, schon in Friedenszetten hungern­den Pöbelmassen in Stadt und Land und der viel zu großer: wasserkopfartigen Hauptstadt, über die das Ge­spenst der Hungersnot zuerst hereinbrechen wird, sobald die Verbindung mit den überseeischen Ländern nur zu stocken beginnt. Dasarme" Irland ist wenig­stens imstande, sich selbst notdürftig zu ernähren, da es noch einen Bauernstand besitzt, während in England und Schottland der landwirtschaftliche Mittelstand vor 100 Jahren der Industrie und dem Handel geopfert wurde.

Die Quellen der englischen Macht und des englischen Reichtums und die Lebensnerven des britischen Reiches nun liegen in Indien und Ägypten, das die Engländer jetzt nüt gutem Grunde zur britischÄ: Provinz machen, einem langen gehegten Plan folgend, den auszuführen ihnen die ietzige Kriegszeit erlaubt und zugleich gebietet. Beide Länder, Indien und Ägypten, sind bewohnt von einer Bevölkerung, die, auf eine uralte Kultur zurückblickend, mit glim- n: e n de n: Hasse das Joch ihrer Eroberer trägt. Vor 00 Jahren tobte in Indien ein Aufstand, den England nur mit 200 000 Mann weißer Truppen, einer für die damalige Zeit außerordentlichen Kraftleistung, unter- drücken konnte. Jetzt bat England nicht den vierten