Nr. 413. Samstag, 5. September 1914. Sagblatt»
Die englischen Zeitungen werden ungeduldig.
Das Wochenblatt „The N a t i o n" protestiert mit kräftigen Worten gegen die Geheimtuerei der Regierung in Sache der Kriegsneuigkeiten. „Die Geheimtuerei, wie sie von unseren Zensoren betrieben wird, ist ein p o l i t i s ch e r S e l b st- m o r d in einem Lande, das auf die Bereitwilligkeit von Freiwilligen und auf die Stetigkeit der öffentlichen Meinung angewiesen ist. Sie verursacht eine Panik, tötet die Begeisterung und weckt ein Gefühl der Gleichgültigkeit. Der Feind, der unsere zurückziehenden Truppen verfolgt, weist nur allzu gut, wo er sie finden kann. Geheimtuerei in London wird ihm nichts mehr nützen." Bernard Shaw behauptet in der englischen Presse, daß Grey uttd Asquith das Parlament absichtlich betrogen hätten, als sie erklärten, datz England durch keine einzige Verpflichtung, die das Parlament nicht gekannt, gebunden sei, sich an dem Krieg zu beteiligen. Lord Eversieh versucht, zu beweisen, dah Shaw sich irrt. Shaw suche die Stimmung im Volk zu verderben. Inzwischen ist es sicher, daß man sowohl in der Presse als in verschiedenen hohen Kreisen sehr verstimmt ist, weil die Regierung nicht alle einschlägigen Dokumente veröffentlicht hat.
Die Achtung vor dem deutschen Gegner.
W. T.-B. Zürich, 4. Sept. (Nichtamtlich.) Der schon erwähnte Pariser Brief der „Züricher Neuen Zeitung" sagt weiter: Je weiter die Reisenden sich von Paris entfernten, um so fühlbarer wurde die Entspannung der Nerven, aber auch um so ohnmächtiger die Resignation, mit der sie ihrem künftigen Geschick entgegensehen. Die ihnen begegnenden verwundeten Truppen stimmen sie traurig. Die Soldaten vor Übermüdung ausgemergelt! Eine heitere Note fehlte vollständig. Die Soldaten sprechen mit großer Achtung von den Deutschen, die ihren Offizieren bewunderungswürdig folgten. Die Maschinengewehre der Deutschen wirkten verheerend. Das Feldgrau sei vorzüglich. Der Gegner sei, wie in 1870, überlegen. Die französische Artillerie sei erfolgreich. — Der Erfinder der. Melinit- Patrone, Ingenieur Durbin, wolle dem Kriegsminister ein neues Explosiv übergeben, besten furchtbare Wirkung alles bisher Dagewesene übertreffe. Im Volksmund spielt diese Bombe Durbins eine große Rolle und wird als künftiger Zeus ex machma angesehen. — Der deutsche Ausstellungspavillon in Lyon steht unberührt unter der französischen Flagge da.
Für Krage der Unterstützung Kranstreichs durch Japan.
Ein schon 1911 erörterter Fall.
sich Paris, 4. Sept. Der f „Credit de Paris" erinnert daran, daß im September 1911 von Japan durch England Frankreich bereits eine M i l it ä r k o n ö e n t io n an- geboten wurde und daß England die Verpflichtung übernehmen sollte, in den ersten vier Monaten eines deutsch- französischen Krieges eine halbe Million Japaner nach Frankreich zu schaffen. Bei den großen französischen Manövern im Jahre 1911, an denen der englische General French teilnahm, wurde dieser Vorschlag bereits besprochen, von den meisten Offizieren des französtschen Ge- neralstabes jedoch scherzhaft aufgefatzt. Nur General I o f f r e, der während der Diskussion geschwiegen hatte, sagte noch der Abreise des Generals French zu den Herren lestxer Umgebung: „Wissen Sie, ^der Gedanke mit de»
^Japanern ist gar nicht so dumm."
Warnung wor Ausflügen nach; den Schlachtfeldern
sst T.-B. Straßburg, 3. Sept. Die amtliche „Straßburger Korrespondenz" schreibt: Es ist beobachtet worden, daß Ausflügler versucht haben, nach den im Elsaß und in Loth- rinaen gelegenen Schlachtfeldern vorzudringen. Vor solchen Ausflügen, die überdies nur der Ausfluß einer unter den obwaltenden Umständen unangebrachten Neugierde sind, wird dringend gewarnt, da sich die Teilnehmer der Gefahr einer Festnahme und unter Umständen großen Unannehmlichkeiten ausfetzen. Erlaubnis- oder Passierscheine für «hitomoBile und Räder, die nicht von den zuständigen Militärbehörden ausgestellt sind, sind wertlos. Die betreffenden Fahrzeuge werden bei dem Versuch, nach den Schlachtfeldern zu fahren, von Polizeiorganen und militärischen Wachen zurückgcwiesen, die Insassen gegebenenfalls festgenommen werden. Die Aneignung von Uniformstücken, Waffen und sonstigen Ausrüstungsgegenständen, die auf den Schlachtfeldern zurückgeblieben sind, von verschossener
Munition, von Gegenständen des Privateigentums der Gefallenen oder Verwundeten ist streng verboten. Abgesehen davon, daß Zutviderhandelnde mit Leichen
räubern verwechselt werden können und sich der Gefahr auSsetzen, erschossen zu werden, bedeutet die Aneignung ' von Gegenständen auf dem Schlachtfeld Diebstahl, der mit empfindlichen Strafen bedroht ist.
Der Tagesbefehl des Kronprinzen von Bayern nach der Schlacht in Lothringen.
Nach der großen Sehlacht in Lothringen, wobei bei Chateau Salins und Luneville die Entscheidung fiel, hat Kronprinz Rupprecht folgenden erst jetzt bekannt werdenden Tagesbefehl erlassen: „Meine braven Truppen! Ich spreche euch mit
dankerfülltem Herzen meine höchste Anerkennung und Bewunderung aus. Ihr habt wie die Löwen gekämpft und bei stürmischem Anlauf einen an Zahl und Zusammensetzung überlegenen Feind geschlagen. Ich habe im felsenfesten Vertrauen auf eure Kraft und Tapferkeit nicht gezögert, euch zum Angriff gegen diesen Feind vorzusenden. Aber noch ist nicht alles getan. Es gilt noch mit Ausbietung der letzten Kräfte den Feind gänzlich niederzuringen und ihn so zu verfolgen, daß er nicht mehr zur Besinnung kommt. Dies ist die Aufgabe der nächsten Tage. Die Vollendung des Sieges zum Heil des Vaterlands, zum Verderben der Feinde. Das Vaterland wird euch jeglichen Dank wissen. Rupprecht. Kronprinz von Bayern."
Ein nachträglicher Bericht über die Schlacht in Lothringen.
W. T.-B- Berlin, 4. Sept. Über die Schlacht in Lothringen gibt der Kriegsberichterstatter der „B. Z. am Mittag" unter dem 1. September noch folgende Einzelheiten:
Die Heeresleitung mutzte den Feind in das deutsche Drenzland vorlocken. Deshalb erfolgte das vorübergehende Zurückziehen der in Lothringen befindlichen deutschen Armee. Die Soldaten gingen mit dem größten Widerwillen vor den zwischen Nancy und Belfort vorgehenden uranzosen zurück, die sich schon damit brüsteten und in den pariser Blättern 'sich als H e r r e n Lothringens preisen ließen. Am 19. August endete das Zurückweichen in der Linie Morville - Mörchingen - Bensdorf - Finstingen - Pfalz- "Urg. Am 19. August gingen die Deutschen plötzlich zum A n -
griff über und warfen die Franzosen stellenweise bis zu 15 Kilometer über die Linie Delme-Chateau Salains-Marsal- Bistingen zurück. An den Kämpfen beteiligten sich besonders die Bayern; sie mußten ein vollkommen offenes Gelände mehrere Kilometer weit mrter französischem Geschütz- feuer der auf den Höhen ausgezeichnet aufgestellten Batterien durchschreiten. Am 21. August erneuerten die Truppen des Kronprinzen von Bayern ihren Angriff, warfen die Franzosen zurück und nahmen Saarbnrg nach ungeheuer erbitterten Kämpfen wieder. Am 22. August wurde der D o n o n im Sturm zurückerobert. Jetzt stehen die Deutschen Nancy gegenüber, vorwärts Luneville, den geschlagenen Feind immer noch verfolgend. Am 80. August wurde ein französischer Vorstoß in das Gebiet Mayon abgewiesen. Das am 28. August gefallene Fort Manonviller ist das stärkste der Welt und konnte trotzdem unserer schweren Artillerie nicht standhalten.
Prinz Friedrich Karl von Hessen an der Spitze seines Regiments.
Aus Frankfurt a. M. wird, nach einer W. T.-S.-Depesche, berichtet, daß dort einige sechzig Verwundete des Infanterie- Regiments eingetroffen sind. Nach ihren Erzählurigen hat das Regiment in einem der bisherigen Kärnpfe -eine Anhöhe gestürmt, wobei Prinz Friedrich Karl von Hessen, der Gemahl der Prinzessin Margarete von Preußen, der jüngsten Schwester des Kaisers, nach der Verwundung eines Fahnenträgers selbst die Fahne ergriff und fein Regiment zum Sieg führte. Hierzu wird der „Dtschn. Tgsztg." geschrieben: „Es braucht nun auch wohl nicht länger verschwiegen zu werden, datz Prinz Friedrich Karl unmittelbar nach der Mobilmachung sich, trotz seines militärischen Rangs als Generalleutnant, von seinem kaiserlichen Schwager die Führung eines Regiments erbat, dessen Chef er ist, dessen Kommandeur er bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahre 1910 gewesen war, und dem er vorher schon als Bataillonskommandeur und als Oberstleutnant beim Stab angehört hatte. Der Kaiser hat diese Bitte erfüllt. — Wie der Prinz selbst, so stehen seine vier ältesten Söhne in der Front, diese in zwei Kavallerie-Regimentern, und zwar zwei als Leutnants, einer als Fähnrich, einer als Fahnenjunker. Auch sie haben wahrscheinlich schon mit dem Feind die Klingen gekreuzt. — Hut ab vor unseren Fürstengeschlechtern, deren Mitglieder, wenn das Vaterland ruft, kein anderes Vorrecht ihrer hohen Geburt beanspruchen, als in Reih und Glied zu treten, an erster Stelle kämpfen und ihren Truppen mit leuchtendem Beispiel boran- gehen zu dürfen.
Die Angst vor der „Goeben".
Welche blasse Furcht sich in der Bevölkerung der ägyptischen Hafenstadt Alexandrien breit machte vor unserer „Goeben", geht aus folgendem Ausspruch eines angesehenen französischen Handelsherrn hervor, der nach seiner Heimat nicht zurückzukehren sich getraute. Er sagte, wie ein Gewährsmann dem „Stuttg. N. Tagebl." erzählt, wörtlich: „Nous ne pouvorus pas partir parceque la sacree Goeben est toujour en vue.“ (Wir können nicht abreisen, weil die verfluchte „Goeben" überall auftauchen kann.) Und ein englischer Offizier vor Kreta tat in Gegenwart unseres Gewährsmannes den außerordentlich charakteristischen Ausspruch: „We tried so many times to catch that öl ... . devil but she is too last.'* (Zu deutsch: „Wir versuchten so oft, diesen verfluchten Teufel zu fangen, aber er ist uns zu flink.")
Der Chefredakteur der „Augsburger Postzcitung".
A-ugust Menth, der Chefredakteur der „Augsb. Postztg." ist als Offiziersstellvertreter vor dem Feind gefallen. Die „Köln. Volksztg." schreibt in ihrem Nachruf: Die Zentrumspresse verliert in Menth einen ihrer ausgezeichnetsten und hoffnungsvollsten Vertreter. Vom Niederrhein stammend und ursprünglich in der niederrheinischen Presse tätig, hat August Menth als Leiter des ältesten und angesehensten süddeutschen Zentrumsblattes seit mehreren Jahren eine hervorragende Wirksamkeit entfaltet; viele seiner frisch und markig geschriebenen Leitartikel gehören zu dem Besten, was die Zentrumspresse darbot.
Das Verhalten der ostpreusnschen Beamten einwandfrei.
W- T.-B. Berlin, 4. Sept. (Amtlich) Die „NorÄÄ. Allg. Ztg." schreibt: Einige Zeitungen haben die Pflichttreue und das ausharrende Verhalten einzelner' ostpreuß-ischer Sta-atsbeamter bei dem Einfall der Russen in Frage zu stellen versucht. Auf Grund von amtlichen Mitteilungen wird hierdurch erklärt, daß alle derartigen Mitteilungen unwahr sind. Die Tatsache, daß mehrere o st Preußische Land rät e in russische Gefangenschaft geraten sind, spricht deutlicher als alles andere für die Treue und Pflichterfüllung unserer Beamten. Gegen die Verbreiter der unwahren Gerüchte -wird unnachsichtig vorgegangen werden.
Reine Konfmrsenj den Lohnarbeiterinnen.
W. T.-B. Berlin, 28. Aug. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat dem Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins (Hauptverein) in Berlin auf seine Bitte, in den Handarbeitsstunden der zum Geschäftsbereich des Ministeriums gehörigen Schulen für die weibliche Jugend von jetzt ab ausschließlich Liebesgaben für die im Felde stehenden Truppen anfertigen zu lassen und sie den Vaterländischen Frauenvereinen der Orte zur Verfügung zu stellen, folgenden Bescheid ergehen lassen: „Dem Vorstand beehre ich mich, aus das gefällige Schreiben vom 8. d. M. zu erwidern, daß für Mädchenschulen wie für sämtliche Schulen meiner Verwaltung von jeher der Grundsatz gegolten hat, alles zu vermeiden, was dazu beitragen könnte, den Gewerbetreibenden und den bei ihnen beschäftigten Arbeitskräften eine unerwünschte Konkurrenz zu bereiten. Ein solcher Wettbewerb ist von den Mädchenschulen meiner Verwaltung, anders als von denjenigen der allgemeinen Unterrichtsverwaltung, eher zu befürchten, weil in ihnen meist ältere und geübtere Schülerinnen unterrichtet werden. Eine Heranziehung der Schulen zur Herstellung von Liebesgaben für die im Felde stehenden Truppen kann ich daher nur unter der Einschränkung befürworten, daß es sich um solche Arbeiten handelt, durch welche den Lohnarbeiterinnen Arbeitsgelegenheit nicht entzogen wird. Als unbedenklich zuzulassende Arbeiten können z. B. in Frage kommen: das Stricken von Strümpfen, Pulswärmern und dergl., in der Regel aber nicht das Nähen von Bettüchern, Hemden und sonstiger Wäsche. Auch so weit hiernach eine Beteiligung von Schulen an sich angängig ist, haben indessen die der Ausbildung von Lehrerinnen dienenden Kurse auszuscheiden, datz die Anfertigung von Liebesgaben mit dem lehrplamnätzigen Gang der Vorbereitung, von dem ohne
Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. _ Seite 3»
Schädigung wichtiger Schulintereffen nicht abgewichen werde« kann, unvereinbar sein würde. Innerhalb der sich hierdurch. ergebenden Grenzen bin ich dem Wunsche des Vaterländischen Frauenvereins gerne entgegengekommen, indem ich die Schulaufsichtsbehörden meines Geschäftsbereiches mit entsprechenden Anweisungen versehen habe. Die Beschaffung der erforderlichen Herstellungsmaterialien wird, so weit sie nicht von dritter Seite zur Verfügung gestellt werden, den örtlichen Zweigvereinen des Vaterländischen Frauenvereins zu überlassen sein. Denjenigen Lehrerinnen und Schülerinnen, welche infolge Schließung der Schulen oder Einschränkung des Unterrichtsbetriebes nicht mehr so wie bisher in Anspruch genommen sind, habe ich darlegen lassen, nach ihren Fähigkeiten sich in den Dienst der für den Krieg bestehenden Hilfsorganisationen zu stellen und deren Zwecke aus jede Weise zu fördern. Dr. S h d o w."
Eine Stiftung von Amerikanern für das deuffchc Rote Kreuz.
W- T.-B. Berlin, 4. Sept. (Amtlich.) 253 amerikanische Staatsangehörige, die aus der Schweiz nach den Niederlanden gereist sind, haben aus Erkenntlichkeit für das ihnen auf der Durchreise durch Deutschland von den deutschen Behörden sowie von der Bevölkerung bewiesene ffeundliche Entgegenkommen den Betrag von 600 M. für das Rote Kreuz gestiftet. Der Botschafter der Vereinigten Staaten übermittelte diese Spende der deutschen Regierung unter deut Ausdruck des Dankes seiner Landsleute sowie der Regierung in Washington für die gute Behandlung der amerikanischen Reisenden.
Sine -eutschfreundkiche Rundgebung in Norwegen
W. T.-B. Christiania, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Bei der heutigen Immatrikulation hielt der Universitätsprofessor Gerhart Gran vor den Studenten eine Ansprache, in welcher er u. a. aussührte: Man kann seine Sympathien und Antipathien haben, wo man will. In einem trifft sich die gcrnze Welt in diesenTagen, in erstaunter, hingerissener Bewunderung der deutschen Tatkraft, die überwältigt. Diese gewaltige Tüchtigkeit beruht vor allem darauf, daß kein anderes Volk so durchsetzt von Wissenschaft ist wie das deutsche. Man hat viel von dem preußischen Kriegsgeist gesprochen, aber darin stehen die Preußen sicher hinter vielen Völkern Affikas und Asiens zurück und nicht darauf kommt es an, in einem modernen europäischen' Kriege, sondern auf die Wissenschaft, diese imponierende Genauigkeit, die fast unfehlbar ist. Jeder Knopf trifft seine Leitung, jede Leitung führt nach der Zentrale. Diese wunderbare Organisation ist, fast einem Hirne^ gleichend, kompliziert wie ein unübersehbares Netz sich kreuzender, gleichlaufender Bahnen, wovon jede nach der ihr bestimmten Station hingeht, die sämtlich zu einem gemeinsamen Ziele hinführen, das der Bestimmungsort ist. Es wurde off verächtlich gesagt, der preußische Soldat sei zu einer bloßen Nummer herabgesunken. Das ist falsch. Nummern wärmr in dem gegenwärtigen Kriege wertlos. Jeder Äertungsdrayt führt schließlich zu dem individuell bewußten Willen, der beseelt von dem Geiste der Wissenschaft, der Genauigkeit und von Eifer das Äußerste voll bewußt tun wird. Der germgste Mißgriff kann da unheilvoll werden. Kameradschafts- Gefühl, gemeinsame Vaterlandsliebe, mrs kommt alles zusammen. Diese Organisation müssen wir bewundern diese Gedankenenergie, mit der ihr Grund gelegt ist, diese wissenschaftliche Folgerichtigkeit, mit der sie durc^efuhrt wird. Hierin haben alle Nationen von den Deutschen zu lernen. — Die gesamte Abendpresse bringt den angeführten Teil der Rede, die von den Studenten begeistert aufge- nommen worden ist.
Der weitere Aufenthalt des beuffchen Skntari-Detachemeuts in Wien.
W. T.-B. Wien, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Die Offiziere des deutschen Skutari-Dstachements mit Major Schneider an der Spitze wurden heute vom Kaiser im Privat- audienz empfangen. Sie folgten dann einer Einladung des deutschen Botschafters v. Tschirschky zum Frühstück und besichtigten später unter Führung österreichischer Kameraden die Stadt/ überall von der Bevölkerung sympathisch begrüßt Die strammen deutschen Soldaten -waren allenthalben Gege-üstanid begeisterter Kundgebungen von seiten der Be. völkernng.
Üsterrcich-Ungarn erhebt Einspruch gegen bas Vorgehen der marokkanischen Negierung,
Hä. Wien, 4. Sept. Die österreichisch-ungarische Regierung erhob bei den Regierungen von Deutschland, Italien, Amerika, Spanien, Niederlande, Schweden und Portugal Protest gegen die Behandlung des österreichisch-ungarischen Geschäftsträgers in Tanger seitens der marokkanische« Negierung.
Die Kriegsbeute der Armeen Auffenberg und Dankl. — Erfolgreiche Gefechte gegen die Montenegriner.
Wi T.-B. Wien, 4. Sept. ■ Aus dem Bereich der Armeen Dank! und Aussenberg wurden bisher. 11600 Kriegsgefangene abgeschoben, etwa 7000 sind vorerst n och angekündigt. In der Schlacht an der Huczwa wirr- den, soweit bisher bekannt, 200 Geschütze, sehr torf Krie^ material, zahlreicher Train, vier Automobile und die Feld- kcmzleien deS 9. und 10. russischem Armeekorps mit wichtrMN Geheimakten erbeutet. Der Feind ist in vollem Rückzüge. Unsere Armee verfolgt ihn -mit ganzer Kraft. — Aus dem Kriegsschauplatz am Balkan dräng die von GenemAmajor Poimracz beschligte 3. GebirgAbrigade, die schon eimmS einen kühnen Vorstoß in das rauhe, kriegerische Montenegro erfolgreich duvchgeführt hat, vor einigen Tagen von neuem gegen die aus den Grenzhöhen bei Bilek stehenden Montenegriner vor und warf die an Zahl überlegenen femrdlichen Kräfte in mehrtägigem Angriss zurück, nahm ihnen dabei auch schwere Geschütze alb und degagierte durch die kühne Tat die von den Montenegrinern bedrängte GmenKbesestigung. Der Stellvertreter des Chefs des Gen», ralstabs: von Höfer, Generalmajor.
Montenegrinische Bergarbeiter als Kriegsgefangene.
Brühl, 2. Sept. 50 Montenegriner, die auf den hiesigen Braunkohlenbergwerken in Arbeit standen, wurden unter Bewachung nach der Bahn gebracht und werden als Gefangene weiterbefördert.
Die Montenegriner zivilisierter als die Franzost«.
Wien, 2. Sept. Augenzeugen des Kampfes, den der klein« österreichisch-ungarische Kreuzer „Centn" gegen di« große französische Flotte heldenmütig bis zum letzten Augenblick führte, berichten, datz die französische Flotte kein einziges Boot aussetzte, um die überlebenden der „Centa" zu retten, was nach Völkerrecht und Menschlichkeit Pflicht gewesen wäre. Sie fuhr unbekümmert nach Süden-
