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Sekte L.

ALend-AusgaVe, 1. Blatt.

Wrssdadener Tagblalt.

Freitag, 4. September 1914-,

Nr. 412

unter 200 Geschütze und viele Maschinengewehre, sielen in unsere Hände.

Während dieser Kämpfe der Armee Auffenberg hatte die Armee Dank! am 27. August eine zweite Schlacht bei Niegrpwica-Duco zu schlagen und wei­tere Teile unserer bisher über das westliche Weichsel­ufer vorgegangcnen Kräfte wurden über diesen Fluh herangezogen. Diese ganzen Heeresgruppen drangen In den folgenden Tagen bis nahe an Lublin heran.

Gleichzeitig mit diesen Ereignissen wurde auch in O st g a l i z i e n schwer gekämpft. Am 27. August stieß die zur Abwehr der dortigen, weitaus überlegenen feindlichen Kräfte auf der Linie Dunajow-Busk vorge­rückte Armee den Gegner. Trotz des Erfolges der von Dnjanow die Hohen

schen Mittelmeerflotte, bestehend aus 16 gro­ßen Einheiten, vor der Einfahrt der Bucht von Catta- r o und beschoß aus schwerstem Kaliber Punta d'Ostro, Die Wirkung war kläglich. Drei Artilleristen wur­den leicht verwundet; ein Haus in der Nähe des Forts wurde zerstört. Nach der Kanonade dampften die feind­lichen Schiffe wieder ab,

Der Stellvertreter des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.

Die Lage im Südosten günstig.

W-.T.-B. Wien, 4. Sept. (Nichtamtlich) Tele­gramme der Kriegsberichterstatter der Wiener Abend­blätter stellen fest, daß die Lage auf dem nördlichen Kriegsschauplätze durch das siegreiche Vorgehen der Armeen A u f f e n b e rg s und D a n k l s sich weit

westlich von Pomor« zam gewinnenden Ko- lonnen konnten die beiderseits der Zloc- zower Chaussee vor- gehenden Armeeteile gegen den nament­lich in Artillerie weit überlegenen Feind nicht durchdringen. Am 2$. August setzten die Russen den Angriff auf die ö st l i ch von Lemberg kämpfenden Armeeteile fort und am Nachmittag war ein Zurücknehmen hinter Guila und Lipa und den engeren Raum östlich und nördlich von Lemberg nicht zu um­gehen. Zugleich war auch unsere südliche Flanke aus der Rich­tung Brcecani bedroht

und die rückgängige Bewegung vollzog sich in voller Ordnung, ohne daß der offenbar sehr mitge­nommene Feind wesentlich nach drängte. Am 29. August griffen die Russen aus der ganzen Front aufs neue an, schoben ihre Kräfte auf den Raum nordöstlich Lemberg gegen Süden. Tags darauf wiederholte sich dieser Angriff in großer Heftig­keit, insbesondere von Przemyslant, und Firlejow her vermochte der Feind immer neue Kräfte einzu­setzen, denen gegenüber unsere Truppen nach vergeb­lichen Versuchen, durch Offensive neue im Raume westlich Rohatyn versammelte, Armeeteile zu entlasten, gegen Lemberg und Mikolajow Weichen mußten.

An allen diesen Kämpfen erlitten unsere braven Truppen hauptsächlich durch die an Zahl weit über­legene und auch aus modernen Geschützen feuernde feindliche Artillerie große Verluste. Indessen kann gesagt werden, daß wir bis jetzt gegen etwa 4 0 russi­sche Infanterie- und 11 Kavallerie- divisionen kämpften und zum mindesten die Hälfte dieser feindlichen Kräfte unter großen Ver­lusten zurückgeworfen haben.

Auf dem Balkankriegsschauplatze herrscht im allgemeinen Ruhe, und von den Höhen nordwestlich Pilek wurden die Montenegriner abermals geworfen.

Am 1. September erschien das Gros der französi-

günstiger gestaltet habe. Wahre Heldentaten voll­brachten die Korps Puhallo, Preßburg und Borocvrc. Die bisherige Kriegsbeute sei viel größer als zuerst bekannt wurde.

Die Begeisterung in Wien.

W. T.-B. Wien, 4. Sepi. (Nichtamtlich.) Als gestern nacht der neue Sieg der Verbündeten bekannt wurde, kam es vor dem Kriegsministerium auf dem Ring und auf dem Graben vor dem deutschen Konsulat zu leb­haften Kundgebungen. DieWacht am Rhein" undHeil dir im Siegerkranz" wurden gesungen und Hochrufe auf die Verbündeten und die beiden Monarchen ausgebracht. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt als ein Offizier des deutschen Skutari-Detachements von Männern auf die Schultern gehoben und durch die Menge getragen wurde.

Die Freude der Tschechen.

W. T.-B 1 . Prag, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Die Morgen­blätter besprechen mit innigster .Genugtuung die Siege der Armeen Dank! und Auffenberg. Die Tatsache, daß der Gegner im Raume Zamosc-Tyszowze vollständig ge­schlagen und zum Rückzug gezwungen wurde, bilde einen entscheidenden Moment der Riesenschlacht und gebe die s i ch e r st e Gewähr für den v o l l st ä n d i g e n Sieg. Nicht nur die strategische, sondern auch die moralische Bedeu­tung des Erfolges sei gewaltig, da die mächtigste Armee, die je auf einem Schlachtfeld kämpfte, da.l dem Heldenmut der österreichisch-ungarischen Armee überwältigt worden sei. Mit Worten des Dankes weisen die tschechischen Blatter dar­auf hin, datz die aus Böhmen stammenden Krieger erneu nicht geringen Anteil an dem schönen Erfolg haben. Bewunderns­wert sei die Tapferkeit, die Ausdauer und Entschlossenheit der

Meine Verhaftung.

Bon Kammersänger Kurt Frederich?)

Es war in München und noch gar nicht so lange her. Kein Tag, ja keine Stunde verging, wo die allzu eifrige Schutzmannschast nicht mindestens ein halbes Dutzend anarchistischer Russen, sicher aber einige unheimliche serbische Komitatschis sistierte und zur Wache brachte. Sie alle waren entweder durch ihren dunklen, prägnant slawischen Typ un­angenehm ausgefallen oder hatten sich durch ihr finsteres, un­sicheres Auftreten und durch ihr nach Belgrad und Peters­burg schmeckendes Sprachenidiom verdächtig gemacht. Da hörte nran denn auch fortdauernd die schauerliche Mär , von den allmorgendlichen legionhaften Füstlierungen, die bei TagesgLauen in Oberwiesenfeld stattfanden. In Wirklichkeit bandelte es sich aber nur um einen in München lebenden, russischen Maler, der trotz des bayerischen Professortitels, der ihn ziert, politisch nicht einwandsfrei gehandelt, urtib dafür interniert wurde, und zwei als Nonnen verkleidete männliche Individuen, die im Besitze von Sprengstoffen aufgegriffen und vor das Standgericht geführt wurden; und um ein Doktor-Ehepaar, das bei sich russische Spione beherbergt haben sollte. Nicht ganz so schwerwiegend war die Verhaf­tung der korpulenten, hünenhaften, rotblonden Dame und die meiner Person.

Ja man soll als korrekter, an alles denkender Mann im Frieden und im Krieg, zu Wasser und zu Lande stets mit einem Paß ausgerüstet in die Ferne schweifen.

Diese Lehre sollte ich gar bald an mir selbst erfahren! Als Dame aber soll man in allen Lebenssitnationen volle weibliche Zurückhaltung bewahren, sowohl in Miene, Ton und Gebärde, nicht aber zuletzt auch im Grötzenverhältnis zum eigenen Geschlecht. Besagte rothaarige Dame saß da eines Abends in einem bekannten Münchener Gartenlokal

*) Kammersänger Frederich. ; der uns den Artikel in liebenswürdiger Weise zur Verfügung stellt, war bekanntlich mehrere Jahre an unserem Overnhcmse erster Tenor.

böhmischen Soldaten, die sich getreu ihrer historischen Ergeben­

heit zum Reiche auch diesmal als die besten Kerntruppen e« wiesen hätten.

Die Offiziere des deutschen Skutari-Detachements bei Kaiser Franz Joseph.

W. T.-B. Wien, 4. Sept. Der Kommandant des deutschen Skutari-Detachements, Major Schneider, äußerte M einem Redakteur derZeit" gegenüber über die Audienz der deutschen Offiziere bei dem Kaiser Franz Joseph, die Offiziere seien von der Persönlichkeit des Kaisers geradezu b eg e ist erl gewesen. Der Kaiser habe sich besonders für bk Kämpfe gegen die Serben interessiert. Die Offiziere hätten _in* außerordentliche körperliche und geistige F r i s ch e des Kaisers nicht genug bewundern können. Er sah aus wie ein Sechzig' jähriger, seine Stimme war klar und seine Augen hell um lebhaft. Der Kaiser hat den Offizieren Grütze an Kaiser Wilhelm aufgetragen

Zur Sucht der französischen Regierung nach Bordeaux.

Die Ankunft der französischen Regierung in Bordeaux.

W. T.-B. Bordeaux, 4. Sept. (Nichtamtlich) Per Extra» zug sind Präsident P o i n c a r e und die Mitglieder der Re­gierung gestern mittag hier eingetroffen. Die Menge schrie begeistertVivo Boinsars!"Vivo la Tranes!" Poincars hat die Präfektur bezogen. Der Dienst der Ministerien des Kriegs und des Innern ist bereits eingerichtet. D>« Minister sind unter dem Vorsitz Vivianis mt Rathaus zu einer Sitzung zusammengetreten, in welcher der Kriegs­minister zunächst über die militärische Lage berichtete. Verschiedene Fragen wurden beraten, besonders die Frage der Verproviantierung. ^

W. T.-B. Berlin, 4. Sept. DerL.-A. schreibt: DN französische Regierung hat g e r a d e n o ch r e ch t z e i t i g tnt Flucht ergriffen. In wenigen Tagen hatte ste es met- leicht nicht mehr gekonnt, denn schon drangen die whnen Reiter der Armee des Generalobersten v. Kluck nach Paris- KaumeinMonatist seit Ausbruch des Krieges vergangen und schon ist die deutsche Kavallerie vor Paris; doch nm8 weiter gekämpft werden, noch wird der Krieg viele Opfer erfordern, aber wir sind auf dem Wege zum end­gültigen Siege ein beträchtliches Stück vorwarts-

S In derKreuzzeitung" wird hervorgehoben, daß auch 1870 /TI die Verlegung der französischen Regierung, trotz Gambetta, der Anfang vom Ende war. Und haben, so schreibt das Blatt, um so weniger Veranlassung am zunehmen, datz hinter dem PH-asenaufwand eM stärkerer Wille zur Tat steckt, als der retzrge Präsident ebe« doch kein Gambetta ist.

Ein Aufruf des Nommandanten von Paris-

W- T.-B. Paris, 4. Sept. (Nichtamtlich, Agence Havas.) Nach einer amtlichen Mitteilung richtete General Gallien- folgenden Aufruf an das Heer und die Bevölkerung von Paris:Die Mitglieder der Regier,Mg der Republik Habe- Paris verlassen, um der nationalen Verteidigung erneu neuen Antrieb zu geben. Ich habe den Auftrag er­halten, Paris gegen den Eindringling zu vertei­digen. Diesen Auftrag werde ich bis zum En dt erfüllen."

Die Sucht aus Paris.

X? T.-B. London, 4. Sept. DerManchester Guardian" meldet aus Paris vom 30. August: Viele Leute haben bereit« Paris verlassen und viele reisen jetzt ab. Ein großer --erl d Bevölkerung, namentlich Frauen und Kinder, sollen fortg schafft werden.

In Paris zurückgebliebene Vertreter der Regierung.

O Turin, 4. Sept. (Eig. Drahtbericht) Gener-t Gallieni und Minister B r i a n d bleiben, wie aus PaA gemeldet wird, als Regierungsvertreter zuruck. Die fmrtb*' Gesandtschaften ziehen ebenfalls nach dem neuerwahlt Regierungssitz Bordeaux.

, x Stockholm, 4. Sept. (Eig. Drahtbericht) DasSvensw Dagblad" empfing folgende Meldung aus Paris: Die Extr^ blätter der Zeitungen dürfen nach einem polizeilichen Ver­bot nicht mehr erscheinen. Mit fieberartiger Haß arbeitet man an den Festungswerken.

Ein neues Defensivzentrum.

W- T.-B- Mailand, 4. Sept. (Nichtamtlich.) Nach dem Corricre della Sera" geben die Franzosen Paris preis. D"«

am Tisch und labte sich gleich mir an einem Liter (auch das noch) schaumenden Gerstensafts. Die von der Kapelle soeben gespielte Kaiserhymne, die wir alle in patriotischer Be­geisterung mitgesungen hatten, war eben verklungen; da nahten sich zwei Herren in Zivil langsamen, aber _ desto fssteiren Schritts meinem rötlichen Visavis. Sie saßten die Dame wie der Oberst Ollendorf im Bettelstudent nur auf Äse Schulter und erklärten sie für verhaftet. Alles Be­teuern, Lamentieren half nWs: verdächtig, in ihrem üppigen Busen ein Bombenarsenal versteckt zu haben, verdächtig, ein als Frau verkleideter feindlicher Spion zu sein, sollte sie auf die Polizei! Mit Heroinenhaften Akzenten, die selbst einer Rosa Poppe zur Ehre gereicht hätten, verteidigte sich die Dame, bestieg im Augenblick höchster Not und Verzweiflung einen Stuhl, Este den gordischen Knoitem ihres Haares und legitimierte sich im Schmuck ihres bis zum Knie reichenden Haares gleich Anna Czillak, als hervorragende Vertreterin weiblichen Geschlechts gegenüber dem beisallSklatschenden Publikum. Tableau! Die übereifrige Polizei zog sich, ver­legene Entschuldigungssloskoln hervorstammelnd, unverrich­teter Sache in die Büsche zurück!

Der zweite Streich folgt und gilt meiner Wenigksit. Der Landsturm wird aufgerufen. Da ich zu meinem größten Leidwesen in meinem militärischen Dienstverhältnis leider nur dieser Elitetruppe angshöre, so mußte ich mich unverzüg­lich melden. Auf der preußischen Gesandtschaft bedeutete man mir, ich sollte aufs Bezirkskommando gehen. Hunderte Menschen belagerten das Gebäude, niemand wurde ohne Militärpaß eingelassen; und nur durch die Fürsprache des Polizeiwachtmeisters fand 'ch bei den beiden bajonettierten Militärpoflen Gnade und Eintritt zum Zimmer des StabeS. Dort wurde mir in liebenswürdigster Weise die Auskunft zuteil, daß unser Vaterland noch lange nicht auf den Land­sturm reflektiere. So konnte ich im stolzen Bewußtsein treuer Pflichterfüllung das Gebäude wieder verlassen. Jedoch der Zivilist denkt, der Polizeiwachtmeister lenkt. Ich wurde von dem Militärposten angehalten, meiner Aussage, daß ich ohne Patz in das Haus hir.ein-gekommen, schenkte man keinen

Glauiben und da ich außer einigen Briefen, Visitenkarten, ^ zählten Hotelrechnungen und einem bereits _ verfalle^ Dheaterkontrakt keine weitere Legitimation 'bei mir I« 1 ' mutzte ich nolens volens, von zwei Schutzleuten eskortiert, Polizeiwache. So ging's :n dreifacher Einigkeit, zwei Schwe leute an meiner Seite, ich. in 'der Mitte unter dem Ge;E

der" anwachsenden Volksmenge, die in mir sicher einen

sirHumt-SlCT erblickte, arfni Revier. Auch hier nütz

Belaräder Attentäter erblickte, zUm Revier. Auch hi« nutz.

alle" meine Überredungskunst nichts. Ich harrte vSstgw aus; bis mein Wachtmeister endlich ein menschlich Ruh . empfand und mich nach telephonischer Verständigung ^ meinem Pensionsinhäber ob meiner Identität emfA Nun kön-n's allweil geh'n; aber schauns zu, datz net ohne Patz in die Fremde reisen!" Aus Dankbarkeit armte ich den einsichtsvollen Hüter des Gesetzes und sang *2*

beglückt dieStretta" vor.Warums Hab'ns denn ne* schon früher g'sungn und sich so legitimiert, da wärns i^-

vor an« Stund hier nauskumm'n." Ja, ja, richtig,

diese Idee bin ich leider nicht gekommen. Hab' ich's doch in derFledermaus" so oft gehört:

Hier wird nicht gesungen; hier wird nur .gebrummt-

Du« und Letten.

v Theater und Literatur. Das Münchener % 0 ^-'

theater brachte die Uraufführung eines Stückes, das ^ eigentlich als Jubiläumsspiel der Befreiungskriege r.Ji war, nun aber durch die Kricgsstimmung der gegenwati Zeit eine ungeahnte Aktualität erlangte. Es führt den

Zeit eine ungeahnte Aktualität erlangte. Es führt den ^jj, D as Volk steht aus" und seine Verfasser heißes)

Helm Hagen und Karl Frey. Das Stück hat bewnr^ in seinen beiden Schlußakten künstlerisch große Schwm^, aber die häufig eingestreutcn geschichtlichen Anspielungen ihre gute Wirkung und sichern dem Ganzen heute einen ^ haften Erfolg. Gespielt wurde pathetisch-wirkungsvom^- Fm Leipzig e r Stadttheater wurde daS ^ ^ Die Tat" von Gertrud Prellwitz zur Aufführung - genommen. Es behandelt die Konvention von MU" die General Nork mit Rußland schloß.