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Freitag. 4. September 1914.

Kbenö-Kusgabe.

Nr. 412. . 62. Jahrgang.

Siegreich weiter vorwärts in Ost und west!

Die deutschen Reitertruppen vor Paris Bis jetzt 90009 Russen gefangen!

w. I.-8. Gr o ßes H n «p t q tt a rt i e r, 4. Scpt. Bei Wegnahme des hoch in Felsen gelegenen Tperrforts Girret haben, ebenso wie im Kampf mit Namnr, die von Oesterreich zn- gesandte» schweren Motorbatterien sich durch Beweglichkeit, Treffsicherheit und Wirkung vortrefflich bewährt nnd habe» ausgezeichnete Dienste geleistet.

Die Sperrbesestignngen Hirson, Lcsay- b e l l e s, C o n d c, L a F ö r e und Laon wurden ohne Kampf genommen. Damit befinde» sich sämtliche Spcrrbefestignttgen im nördliche» Frankreich, anher der Festung Manbeuge, Ni unseren Händen.

Gegen Reims wurde der Angriff ein» geleitet.

Die Kavallerie der Armee des General­obersten v. Kluck streift bis Paris, das Westheer hat die Aisne-Linie überschritten "nd befindet sich fortgesetzt im Vormarsch pie Marne. Einzelne Vorhuten haben !te bereits erreicht. Der Feind befindet sich bor den Armeen der Generalobersten v. Kluck, U. Bülow, v. Hansen «nd des Herzogs von Württemberg im Rückzug ans »nd hinter die Marne.

Vor der Armee des deutschen Kronprinzen Giftete er im Anschluss an Verdun Wider­stand, wurde aber nach Süden znrnck- lleworfen.

Die Armee des Kronprinzen von Bayern Und des Generalobersten v. Heer in gen Mbe» immer noch einen starken Feind in den |! c festigten St et lungen von Französisch, "vthringen gegenüber.

Im obere» Elsaß streifen deutsche nnd französische Abteilnugeu unter gegenseitigen Kämpfen.

Im O st e n ernten die Truppe» des General­obersten Hindenbnrg weitere Früchte des Sieges. Die Zahl der gefangenen Russen Machst täglich, sie ist bereits ans SV Äv« Mann ^stiegen. Wie viel Geschütze nnd sonstige Siegeszeichen noch in den prenssischen Wäldern nnd Sümpfen stecken, laßt sich gar tcht übersehen. Anscheinend sind nicht zwei, °udern drei russische kommandierende > .enerale gefangen. Der russische Armee- Uhrcr ist nach russischen Nachrichten ge- ^ullen.

Generalgnartiermeister v. Stein.

z: Das ist wieder frohe Botschaft aus Ost und West ein ber Generalquartiermeister heute kündet. Wil b 0 i e Nachricht die andere überstürzt und jede spricht «Öfi> 7 r emem deutschen Sieg! Feige verläßt die fraw d^'che Regierung mrt einem kläglichen Phrasenschwall ^ ^andeshariptstadt, während dierussischen Armeen in t er dorrücken, um den entscheidenden Stoß Herz Deutschlands zu führen"; so heiß! dg,, der französischen Regierungskundgebung, während dig^jch: während die Niederlage der russischen yst^rederlage der russischen Armee in ds dreußen sich immer mehr als vallst än- kii^.vernichtend yerausstellt, die Zahl der befangenen von diesem oft- Sedan" schon auf 90000 Mann m* und auch unsere österreichischen Ekg^.genossen ganz bedeutende Erfolge als des langwierigen blutigen Ringens auf dem fi ^en Gn und benachbarten Kriegsschauplätze melden

^L'.schen >d

ist

In knapp 14 Tagen sind dem gallischen Hahn die Krallen. abgeschnitten worden. Frankreichs Krieger decken die Schlachtfelder vom Elsaß bis am Ärmelkanal, und die glorreiche Armee wälzt sich immer weiter zurück­weichend über die heimatlichen Gefilde, ohnmächtig, länger offenen Widerstand zu leisten. Englische Puppen­soldaten liefen mit.Wie ein S t u r m w i n d", er­zählt einer in der alten LügentanteTimes", die jetzt zum erstenmal bittere Wahrheit reden muß, waren die Deutschen über Franzosen und Engländer gekommen. Und wie zuversichtlich waren sie ausgezogen. Unüber- windlich sei die Armee, prahlte französische Eitelkeit, der deutsche Soldat eine Maschine, kein denkendes Wesen.

Als erste Antwort kam Lüttich, dann Metz, Brüssel, Namur. Französische Grenzfesten sanken in Staub und Asche. Heute hören wir -wieder von einer nach der anderen, die gefallen ist.

Verzweifelt ruft Clemenceau um Hilfe, Pichon bettelt um einige Hunderttausend Japaner. So klein ist Galliens Mut, daß ein ehemaliger franzö­sischer Minister nicht davor zurückschreckt, Mongolen nach Europa zu berufen, die seit undenklichen Jahr­hunderten nimmermehr Europas. Erde betraten. Deutschland fürchtet Rußland" ließ französische Über­hebung durch Monsieur Hedemeann vor Kriegsbcginn verkünden. Fürchten? Rußlands Heer fand bei Ortels- bnrg unrühmliches Ende, in Galizien weicht der Hunnenschwarm langsam zurück. Vor Gegnern, die nach dem Grundsatz handeln:

Wem du Wehe gewirkt,

Der ward dein Feind . .

Flugs füll ihn.

Sobald du ihn findest!

Nicht zandre, noch zögre:

Triff ihn zum Tode!

Frankreich und Rußland s i n d zu Tode getroffen. Feldmarichall Graf Haeseler, der greise Soldatenlieb- stng, sagte wie wir mitteilen können zu unserem Kaiser, als «er ins Feld zog:Majestät! wir werden diesmal Sedan m Paris feiern!" Deutsche Truppen feierten Sedan wenigstens schon vor Paris.

Denn schlachtendampfend stehen deutsche Reiter und deutsches Fußvolk vor den Pariser Auhcnforts. Die Stadt rüstet sich zum dritten Male seit 1813 zum Kampfe gegen die Teutonen. Wie er aus gehen wird, das ist unsere frohe Gewißheit!

Eine Ansprache des ttaisers an die NSnigsgrenadiere.'

Als die große Schlacht gegen die vorstoßenden zehn fran­zösischen Armeekorps geschlagen wurde, litt es den Kaiser nicht mehr im Hauptquartier, er eilte an die Front und übernachtete inmitten seiner Truppen auf dem Schlachtfelde. Am anderen Tage trafen der Kaiser und der Kron­prinz bei Sorbeh zusammen. Unter dem ungeheuren I u b e l der Truppen, an denen der Kaiser vorüberfuhr, begab er sich zu dem Königs-Grenadicr-Regiment Nr. 7, dessen Kommandeur Prinz Oskar ist. Es war ergreifend, als der Kaiser, während die untergchende Sonne das Schlacht­feld beleuchtete und der Kanonendonner herübertönte, an seine Grenadiere eine Ansprache hielt, die mit einem brausen­den Hurra und mit dem Absingen der V o l k s h h m n e be­geistert beantwortet wurde.

Oie Zahl der bisher untergebrachten Gefangenen.

Wi- T.-B. Berlin, 4. Sept. Bis zum 30. August waren in Deutschland an Gefangenen untergcbracht:

Franzosen: 283 Offiziere und 15 328 Mann.

Russen: 70 Offiziere nnd 10126 Mann.

Belgier: Zahl der Offiziere unbekannt, 12 351 Mann.

Jetzt sind bei Neidenburg noch 90 000 Russen dazu ge­fangen worden. Die Zahl der englischen Gefangenen fehlt noch. Auch die der Franzosen, Russen und Belgier, die noch nach Deutschland gebracht worden sind.

Es sind Keine Mißerfolge verschwiegen!

Die Verluste.

W- T.-B. Berlin, 4. Sspt. DieBoss. Ztg." erfährt anS dem Großen Hauptquartier: Die ununterbrochen aufein­

ander folgenden Siegesmeldungen, ohne daß man von Nicht­erfolgen hört, können beinahe st u tz i g machen und haben im A u s l a n d e schon Mißtrauen erweckt. Demgegenüber wird vom Generalstab die ausdrückliche Erklärung ausqe.

geben» baß kein Mißerfolg der Deutschen an irgendeiner Stelle eingetreten ist, der etwa verschwiegen worden wäre.

Auf die täglich zu Hunderten etnlausendcn Anfragen gibt die Heeresleitung folgendes bekannt:Es ist unmög­lich, die durch die Schlag aus Schlag folgenden Kainpfe ans beiden Seiten eintretenden Verluste schon mit den Mittei­lungen über den Ausgang der Kämpfe einigermaßen zuver­lässig bekannt zu geben. Die Verluste des Feindes an Toten nnd Verwundeten übersteigen erheblich die u n f r i g e n.

Oie Riesenschlacht in Galizien.

Der amtliche Bericht über das bisherige Ergebnis.

^ - T.-B. Wien, 4. Sept. Die Schlacht, die sich auf dem russischen Kriegsschauplätze aus unserer Offen­sive entwickelte, hat eine Entscheidung noch n i ch t gebracht. Auf dem westlichen Flügel gegen den Feind vordringcnd, in O st g a l i z i e n vater­ländischem Boden gegen einen überlegenen Feind Schritt für Schritt verteidigend, haben unsere Truppen allenthalben den alten Ruhm ihrer Tapferkeit gerechtfertigt nnd sehen den noch bevorstehenden ernsten Kämpfen mit Zuversicht entgegen. Eine Schilderung der mehrfachen Schlachten der ver­gangenen Woche wird der Geschichte Vorbehalten bleiben. Gegenwärtig läßt sich das Ergebnis der Er­eignisse nur in großen Zügen angebeu.

Östlich bei K r a s n i k, nach der dreitägigen Schlacht der siegreichen Armee des Generals Dankl, begann am 25. August die zwischen den Huczwa und dem Wreprz dirigierte Armee Auffenberg den Angriff auf die im Raume von E h o l m gegen Süden vorge­rückten feindlichen Kräfte. Hieraus entwickelte sich die Schlacht von Z a m s z und K » m, r o w. Am

28. August wurde das Eingreifen der über Belz und Uhnow herangeführten Truppen des Erzherzogs Joseph Ferdinand fühlbar. Da an der Chaussee Zamocz-Kraznosvaw verhältnismäßig schwache Kräfte gegenüberstandcn, konnten erhebliche Armeeteile am

29. August auf dem Raume von Zamocz gegen Osten einschwenken und gegen Czesniki Vordringen. Dem gegenüber richtete der überall mit großer Tapfer­keit und Hartnäckigkeit kämpfende F e i n d die heftigsten Anstrengungen gegen den Raum von Za­mocz, Wohl in der Absicht, hier d u r ch z u ft o ß e n. Abends stand unsere Armee in der Linie Pocewodo, Grodcg, Czcsniki-Wielacza, wobei Czesni»gefähr den Brennpunkt der Front bildete. Auf russischer Seite hatten n e u e, von Krylow und Grubiescow her- angeführte Kräfte angegriffen. Am folgenden Tage setzte die Armee Auffenberg die angebahnte Um­fassung, der Feind seine Dnrchbrechungs- versuche fort, die schließlich die eigene Front bis Labunin und Tarnawaka zusammenzog. Indessen ver­mochten sich die Truppen des Erzherzogs bis an den Fahrweg Tclcth-Kacfanic vorzuarbciten. Am 31. Aug. schritt die Einkreisung des Feindes unter hef­tigen Kämpfen fort, indem auch von Norden her gegen Komorow -eingeschwcnkt wurde. Bei Komorow, bereits äußerst gefährdet, begannen die Russen den Rück­zug gegen Krilow und Drnbiestow, wehrten sich jedoch durch offensive Stöße nach allen Rich­tungen, namentlich gegen die Truppen des Erzherzogs, gegen die drohende Umklammerung.

Endlich, in de» N a ch m i t t a g s st n n d e n des 1. September, >ourde sicher, daß die Armee Auffen- bcrg, in welcher die Wiener Truppen mit außer- ordentlicher Zähigkeit und Bravour ge­kämpft hatten, siegreich sei, und die vom General der Infanterie Borvevic geführten Truppen end­gültig gesiegt hatten. Komürow und die Höhe süd­lich von Thscowcs wurden genommen. Der Erz­herzog drang gegen Sparojew-Siele vor, Scharen von Gefangenen und zahlloses Kriegsmaterial, dar-